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Indische Mythologie

Eine wirklich schöne Erklärung des indischen Weltbildes gibt es in diesem Film

Vedic Cosmology Mysteries of the Sacred Universe

72. Schöpfungslied

Hymne in neun Strophen (oder Langversen, Anushtubh aus jeweils vier Achtsilblern).

devânâm nu vayam jânâ pra vocâma vipanyayâ
der Himmlischem nun wir Geburten wir wollen verkünden mit Bewunderung
1. Geburt der Himmlischem wollen wir verkünden voller Staunen nun

uktheshu shasyamâneshu yah pashyâd uttare yuge (1)
in Sprüchen zu rezitierenden wer sehen mag im späteren Zeitalter
daß im gesungnen Spruch der Mensch sie schauen mag in spätrer Zeit.

brahmanas patir etâ sam karmâra ivâdhamat
Hochwort-Herr diese zusammen einem Schmied gleich schweißte
2. Des wahren Wortes Herrn – er schweißte sie zusammen wie ein Schmied:

devânâm pûrvye yuge ’satah sad ajâyata (2)
der Himmlischem im frühester Zeit aus dem Nichtseienden das Seiende wurde geboren
In des frühen Himmels Morgenlicht gebar das Sein sich aus dem Nichts –

devânâm yuge prathame ’satah sad ajâyata
der Himmlischem im Zeitalter im ersten aus dem Nichtseienden das Seiende wurde geboren
3. in des ersten Himmels Morgenschein gebar sich aus dem Nichts das Sein.

tad âshâ anv ajâyanta tad uttânapadas pari (3)
da die Räume nach wurden geboren da von der Ausgestrecktfüßigen aus
Danach geboren ward der Raum aus ihr, die gestreckten Fusses empor gewandt

bhûr jajña uttânapado bhuva âshâ ajâyanta
die Erde ward geboren von der Ausgestrecktfüßigen aus der Erde die Räume wurden geboren
4. gebar die Erde; gestreckten Fusses geboren ward der Räume (Länder).

aditer daksho ajâyata dakshâd v aditih pari (4)
von Aditi Daksha wurde geboren von Daksha Aditi aus
Die Hüterin des Himmels gebar den Starken; vom Starken zeugte er sie:

aditir hy ajanishta daksha yâ duhitâ tava
Aditi nämlich wurde gezeugt von Daksha die Tochter deine
5. Hüterin des Himmels, als deine Tochter hast du Starker sie gezeugt.

tâm devâ anv ajâyanta bhadrâ amritabandhavah (5)
dieser die Himmlischen nach wurden geboren gute Unsterblichkeits(trank)verbundene
Die Himmlischen sind nach ihr geboren: gut, unsterblich im Trank verbunden, eins.

yad devâ adah salile susamrabdhâ atishthata
als ihr Himmlischen dort in der Flut einander festhaltend standet
6. Ihr Himmlischen, als ihr fest verschränkt gemeinsam standet in der Flut

atrâ vo nrtyatâm iva tîvro renur apâyata (6)
da von euch Tanzenden gleich heftiger Staub fortging
da stob die Gischt – da sprühte wie von Tanzenden von euch der Staub.

yad devâ yatayo yathâ bhuvanâny apinvata
als ihr Himmlischen Zauberern gleich die Wesen anschwellen triebt
7. Ihr Himmlischen, Zauberern gleich, die Wesen zum Wachsen brachtet

atrâ samudra â gûlham â sûryam ajabhartana (7)
da im Meer ja verborgen ja die Sonne trugt ihr
da brachtet aus dem Meer ihr die verborgenen Sonne hervor.

ashtau putrâso aditer ye jâtâs tanvas pari
acht Söhne Aditis die geboren von ihrem Leib aus
8. Acht Söhne sind, die aus dem Leib der Mutter des Himmels geboren sind;

devân upa prait saptabhih parâ mârtândam âsyat (8)
zu den Göttern auf stieg sie mit sieben hinüber den Mârtânda verwarf sie
mit sieben stieg sie zu den Göttern auf. Das Gestorbene warf sie fort.

saptabhih putrair aditir upa prait pûrvyam yugam
mit sieben Söhnen Aditi auf stieg ins früheste Zeitalter
9. Mit sieben Söhnen stieg die Herrin des Himmels in frühster Zeit.

prajâyai mrtyave tvat punar mârtândam âbharat (9)
zum Zeugen und zum Sterben gelegentlich wieder den Mârtânda trug sie
Zum Zeugen und zum Sterben holte sie das Gestorbene wieder vor.

Rgveda 10,90: Purusha

Hymne in 16 Strophen (oder Langversen, Anushtubh aus jeweils vier Achtsilblern, Vers 16 Trishtubh).

sahasrashîrshâ purushah sahasrâkshah sahasrapât
tausendköpfig Urmensch tausendäugig tausendfüßig
1. Und tausendköpfig, tausendäugig, tausendfüßig war der Mensch

sa bhûmim vishvato vrtvâty atishthad dashângulam (1)
er die Erde allseits verhüllt habend über stand er zehn Finger
umschloß die Erde allseits, ragte über sie zehn Finger hoch.

purusha evedam sarvam yad bhûtam yad ca bhavyam
der Urmensch so dieses alles was geworden was auch werden soll
2. All dieses war der Mensch: war, was geworden und noch werden soll

utâmrtatvasyeshâno yad annenâtirohati (2)
und der Unsterblichkeit beherrschender was durch Speise überwächst
beherrschte die Unsterblichkeit, das, was durch Speise weiterwächst.

etâvân asya mahimâto jyâyânsh ca pûrushah
so weit seine Größe gewaltiger auch der Urmensch
3. So weit auch seine Größe reichte – mächtiger noch war der Mensch:

pâdo ’sya vishvâ bhûtâni tripâd asyâmrtam divi (3)
einfuß dessen alle Geschöpfe dreifuß dessen Unsterbliches im Himmel
Ein Viertel macht die Schöpfung aus, drei Viertel himmlisch ewig sind;

tripâd ûrdhva ud ait purushah pâdo ’syehâbhavat punah
dreifuß aufwärts auf ging der Urmensch einfuß dessen hier wurde wieder
4. denn zu drei Vierteln stieg der Mensch hinauf; ein Viertel kehrt zurück;

tato vishvân vy akrâmat sâshanânashane abhi (4)
von dem in alle auseinander schritt er im mit Speise und ohne Speise über
von dem ging er in alles ein, durch Nahrung und unmittelbar.

tasmâd virâl ajâyata virâjo adhi pûrushah
von ihm die Strahlende wurde geboren von der Strahlenden darüber der Urmensch
5. Die Strahlende entstammte ihm, doch aus der Strahlenden der Mensch.

sa jâto aty aricyata pashcâd bhûmim atho purahh (5)
er geboren über ragte hinten die Erde dann vorne
Geboren ragte über alle Erden-Enden er hinaus.

yat purushena havishâ devâ yajñam atanvata
als mit dem Urmenschen als Opfergabe die Götter das Opfer für sich aufspannten
6. Und als die Götter opferten, als sie den Menschen brachten dar

vasanto asyâsîd âjyam grîshma idhmah sharad dhavih (6)
der Frühling dessen war Opferschmalz der Sommer Brennholz der Herbst Opferspeise
da war der Frühling Schmalz, der Sommer Brennholz, Opferspeise Herbst.

tam yajñam barhishi praukshan purusham jâtam agratah
ihn als Opfer auf der Opferstreu besprengten sie den Urmenschen geboren von Anfang her
7. Als Opfer auf der Streu besprengten sie des Menschen Urgeburt

tena devâ ayajanta sâdhyâ rshayash ca ye (7)
mit ihm die Götter opferten sich die Vollendeten die Rshis auch die
als Opfer für sich selbst: die Götter, Seher und Vollendeten.

tasmâd yajñât sarvahutah sambhrtam prshadâjyam
aus diesem Opfer ganz-geopfert zusammengebracht Tropfen Opferschmalz
8. Von diesem Opfer aufgezehrt und konzentriert zum Tropfen Schmalz

pashûn tâmsh cakre vâvavyân âranyân grâmyâsh ca ye (8)
zu Tieren diesen machte er sich windigen waldigen dörflichen auch welche
schuf er sich zum Getier, das in der Luft, im Wald, im Dorfe lebt.

tasmâd yajñât sarvahuta rcah sâmâni jajñire
aus diesem Opfer ganz-geopfert Verse Lieder entstanden
9. Von diesem Opfer aufgezehrt kam er als Vers und Lied hervor

candâmsi jajñire tasmâd yajus tasmâd ajâyata (9)
Versmaße entstanden daraus der Spruch daraus wurde geboren
und kam als Metrum, brachte sich als Opferspruch neu zur Geburt;

tasmâd ahsvâ ajâyanta ye ke cobhayâdhatah
daraus Pferde wurden geboren die welche beidzahnig sind
10. und Pferde sind aus ihm entsprungen, all die Säuger, zahnbewehrt,

gâvo ha jajñire tasmât tasmâj jâtâ ajâvayah (10)
Kühe ja entstanden daraus daraus geboren Ziegen und Schafe
und Kühe kalbten sich, und Schaf und Ziege kam aus ihm hervor.

yat purusham vy adadhuh katidhâ vy akalpayan
als den Urmenschen auseinander sie setzten wieviel auseinander teilten sie?
11. Als sie den Menschen da zerlegten – wieviel Teile teilten sie?

mukham kim asya kau bâhû kâ ûrû pâdâ ucyete (11)
den Mund was dessen welche die Arme welche Schenkel Füße werden genannt?
Was ward sein Mund, was seine Arme, Schenkel, Füße sind genannt?

brâhmano ’sya mukham âsîd bâhû râjanyah krtah
Lehrstand dessen Mund war die Arme Wehrstand gemacht
12. Der hohe Lehrstand (Priester) war sein Mund, zum Wehrstand (Krieger ward sein Arm gemacht;

ûrû tad asya yad vaishyah padbhyâm shûdro ajâyata (12)
der Schenkel das dessen was Vermehrstand aus den Füßen der Nährstand wurde geboren
sein Schenkel zum Vermehrstand (Händler) ward, der Nährstand (Bauer) seinem Fuß entsprang;

candramâ manaso jâtash caksho sûryo ajâyata
der Mond aus dem Gehirn geboren aus dem Auge die Sonne wurde geboren
13. der Mond entstammt dem Hirn, in seinem Auge ging die Sonne auf

mukhâd indrash câgnish ca prânâd vâyur ajâyata (13)
aus dem Mund Indra auch Agni auch aus dem Atem der Wind wurde geboren
dem Munde Indra, Agni auch, dem Atemhauch entfuhr der Wind;

nâbhyâ âsîd antariksham shîrshno dyauh sam avartata
aus dem Nabel war der Zwischenraum aus dem Kopf der Himmel sich entfaltete
14. vom Nabel stammt der Luftraum ab, zum Himmel wölbte sich sein Haupt;

padbhyâm bhûmir dishah shrotrât tathâ lokân akalpayan (14)
aus den Füßen die Erde die Himmelsrichtungen aus dem Gehör so teilten sie die Welten ein
den Füßen: Land; vom Ohr: Windrose stammt – so teilten sie die Welt.

saptâsyâsan paridhayas trih sapta samidhah krtâh
sieben dessen waren Wälle dreimal sieben die Brennhölzer gemacht
15. Sein Wall war siebenfach, sie legten dreimal sieben Hölzer auf,

devâ yad yajñam tanvânâ abadhnan purusham pashum (15)
die Götter als das Opfer sie aufspannten banden den Urmenschen als Tier
die Götter, als den Menschen sie als Opfertier sich dargebracht.

yajñena yajñam ayajanta devâs / tâni dharmâni prathamâny âsan
mit dem Opfer das Opfer opferten die Götter diese die Regeln die ersten waren
16. Im Opfer opferten die Götter ihm als / dem Opfer ihn – das waren Urgesetze

te ha nâkam mahimânah sacanta yatra pûrve sâdhyâh santi devâh (16)
diese ja dem Himmel die Mächtigen gesellten sich bei wo die früheren die Vollendeten sind die Götter
Geistmächtig zogen diese in den Himmel / die Götter, wo Vollendete schon lebten.

Vergleiche:

  • Gilgamesh-Epos, Gilgamesh ist 2/3 Gott und 1/3 Mensch

Rgveda 10,129 (von Prajâpati Parameshthin)

Die erste Übersetzung ist die wortwörtliche, die zweite ist die Interpretation

na     asat               âsît   no     sat          âsît tadânîm  na    âsît  rajas        no    vyomâ   paras yat
nicht Nichtseiendes war, noch Seiendes war damals, nicht war Sternenreich, noch Himmel darüber
1. Damals Nichtsein war noch Seiendes / nicht war Stern noch Himmel darüber

kim âvarîvas          kuha kasya   sharman    ambhas         kim  âsît     gahanam    gabhîram
was in Bewegung? wo? wessen Schirm?    das Wasser – was war das gähnend-abgründige?
Was regte sich und von wem war es beschirmt? / Was war das Unergründliche im tiefen Abgrund?

na    mrtyur âsît   amrtam            na     tarhi      na    râtryâs       ahnas     âsît  praketas
nicht Tod war, Unsterblichkeit nicht damals, nicht von Nacht, von Tag war Wahrnehmung
2. Damals Nicht war Tod und auch nicht Unsterblichkeit / nicht war geordnet Tag und Nacht

ânît          avâtam  sva-dhayâ         tat ekam tasmât    ha  anyat          na    paras  kiñcan      âsa
es atmete windlos selbst in Einsetzung, das Eine worüber gar ein anderes nicht hinaus irgendwas war
Kein Wind atmete, kein Hauch regte sich, das atemlos Eine / kein anderes Wesen gab es außerdem

tama    âsît  tamasâ     gulham      agre            apraketam   salilam  sarvam âs    idam
Dunkel war in Dunkel verborgen zuerst          unkenntliche Flut      alles     war dies
3. Da war Dunkelheit in Dunkelheit verborgen / war alles das Eine, in unkenntliche Flut

tucchyena      abhu        api-hitam yat âsît   tapasas  tat      mahinâ            ajâyata             ekam
durch Nichts das Leere Verhüllte das war von Glut dieses von mächtiger wurde geboren das Eine
durch Nichts war die Leere verhüllt, das einzig Eine / gebar sich aus mächtiger Glut

kâmas  tat       agre    sam-avartata âdhî            manasas       retas  prathamam  yat âsît
Wollust in dessen Anfang regte sich ursprünglich    des Denkens Keim als Erstes    das war
4. Im Ursprung entbrannte sich Lust zu Leidenschaft / da der Keim des Denkens als Erstes war

satas             bandhum  asati          niravindan        hrdi prati-îshyâ    kavayas     manîshâ
des Seienden Band im Nichtseienden fanden aus im Herzen suchend Dichter mit Verstand
Das Band des Seienden im Nichtsein fand / im Herzen suchend Worte durch Verstand

tirashcinas      vitatas     rashmis            esham          adhas svit  âsît   upari svit  asît
quer hindurch gespannt die Meßschnur von denen –  unten  was war? oben was war?
5. Als hindurch die Meßschnur gespannt / von denen die unten, zu denen die oben.

retas-dhâs        âsan    mahimânas âsan           sva-dhâ         ava-stât pra-yatis para-stât
Keimsetzungen waren, Mächte     waren,        Selbstsetzung hinauf,   Hingabe  herab
Keimende Kräftedes Geistes Mächte / Selbst gegeben unten und gegeben nach oben

kas addhâ   veda   kas  iha  pravocat           kuta    âjâtâ            kuta    iyam  vi-srshtis
wer fürwahr weiß, wer hier mag verkünden, woher sie geboren, woher diese Schöpfung?
6. Wer wahrlich weiß, wer mag es verkünden / wo geboren, woher diese Schöpfung stammt?

arvâg     devâs        asya     visarjanena      athâ           kas veda  yata     âbabhûva
diesseits die Himmlischen von ihr, der Schöpfung hinterher – wer weiß, woher sie geworden ist?
Der Schöpfung folgend sind die Himmlischen diesseits / Wer weiß, wo sie sind geworden?

iyam  vi-srshtis     yata    âbabhûva            yadi    vâ            dadhe         yadi    vâ   na
diese Schöpfung, wo sie geworden ist, sei es, daß er sie gesetzt hat, sei es, daß nicht
7. Wo die Schöpfung wo sie geworden / ob er sie geschaffen hat oder nicht

yas asya           adhi-             akshas  parame    vyoman  so  anga veda  yadi           vâ       na veda
wer von ihr das ursprüngliche Auge im höchsten Himmel der allein weiß es sei denn daß er nicht weiß
wer das ursprüngliche Auge zum Himmel hebt / kennt seinen Ursprung oder erkennt ihn nicht.

Vergleich:

  • Edda, Voluspa

gahanam gabhîram (Rigveda) = gap var ginnunga (Voluspa)

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