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Die Bronzezeit

Die Ausbreitung von Kupfer und Bronze

Der Beginn der Kupferverarbeitung markiert eine neue Stufe der Kultur. Vermutlich war es die leuchtende grüne Farbe verwitternden Kupfers das den Menschen ins Auge fiel.
Sie experimentierten damit um diese Farbe in ihre Keramiken zu verwenden und waren sicherlich erstaunt, das diese Farbe durch Hitze rotgoldene Kupfertropfen hervor brachte. Mit der Zeit merkten sie das große Hitze es aus dem Erz heraus schmolz und es gelang ihnen immer besser Kupferperlen zu erschmelzen. Schon bald hatten sie den Trick raus, auch größere Kupferbrocken zu erzeugen die man leicht in Form klopfen kann.
Kupferkeulen ersetzten nun die Steinkeulen. Kupferne Messer und Äxte erwiesen sich als belastbarer und konnten geschliffen und nachgeschliffen werden. Der Beruf des Schmiedes war geboren.
Anfangs arbeiteten sie mit gediegenem Kupfer wie man es im Kaukasus oder auf Zypern findet. Doch dies zu finden ist eher die Ausnahme und Gegenstände aus dem neuen Material waren daher sehr kostbar. Entsprechend groß war der Anreiz weiteres Kupfer zu finden. Schon bald darauf entstanden Legierungen wie Bronze und Messing.

Verbindung zwischen Mitteldeutschland und Kaukasus um 3000 BC

Verbindung zwischen Mitteldeutschland und Kaukasus um 3000 BC

Bekannt geworden ist die Varna-Kultur (Karanovo VI) in deren Gräber schon um 4600 bis 4100 v. Chr. zahlreiche Goldfunde aber auch Kupfer belegt sind.

Das Wort Erz könnte aus dem germanischem Wort für Erde entstanden sein. Bronze taucht bereits im 3. Jahrtausend v. Chr., in Europa auf. Um 3300 BC entwickelt sich ein Handel von der mitteldeutschen Bernburger Kultur in die nördliche Kaukasus-Region über 2400 km Luftline. Von da nach Kolchis ist es nur noch ein Katzensprung. 

 

Kulturstufen der Metallurgie:

In Nordeuropa beginnt die Metallurgie rund 1000 Jahre später als in Thrakien und Griechenland.
Erste Kupferimporte finden sich vereinzelt bereits ab 4100 v. Chr.
Ein Import von Kupfer beginnt jedoch erst ab 3800 v. Chr. in Nordeuropa. Dieses Importgut war damals sehr selten und daher äußerst wertvoll. Der Aufstieg der Baden-Boleraz-Kultur dürfte direkt mit der Zunahme des Import von Kupfer zusammen hängen. Erst in der voll entwickelten Trichterbecherkultur  wird Kupfer auch für profane Dinge wie Werkzeuge genutzt und schliesslich selbst nach Kupfer und Zinn gesucht, was sicher zum Ende der Trichterbecher beitrung und eine Motivation für die Ausbreitung ihrer Nachfolgekulturen war.
Ab 3350 v. Chr. beginnt in Nordeuropa die Großproduktion von Kupfer, während in Skandinavien der Kupferimport versiegt. Das zwang die skandinavischen Metallurgen zur Suche nach eigenen Kupferquellen und damit zum Auswandern, während Skandinavien selbst die Bearbeitung von Metallen vergaß.
200 Jahre später beginnt in Nordeuropa die Bronzebearbeitung, während Skandinavien seine Metallkenntnisse weitestgehend verliert. Das Bronzezeitalter beginnt daher erst mit einer erneuten Einführung der Metallurgie im Rahmen der entwickelten Schnurkeramik. Skandinavien schaffte den Sprung ins Metallzeitalter also erst im zweiten Anlauf. Allerdings wurde dies nicht sofort erkannt.
Erst Metallfunde bezeugten, das diese Kenntnisse bereits Jahrhunderte früher vorhanden war.

Da die Metallurgiekenntnisse an der mittleren und oberen Wolga fehlen, gab es keine Ausbreitung der metallverarbeitenden Balkankulturen bzw. der Yamnaya Kulturen ins zentrale Osteuropa. Diese oft propagierte Darstellung ist schlichtweg falsch. Das zentrale und nördliche Osteuropa erlangte erst durch die Ausbreitung der Schnurkeramik (und ihrer Metallurgen) an diese Kenntnisse.

Die Bronzezeit

  • Ihr folgt um ca. 3000 BC die frühe Bronze mit der massiven Expansion der Schnurkeramik, der Kugelamphorenkultur und der Glockenbecherkultur die wie ein Lauffeuer fast den gesamten Norden einschliesslich England, das Wolga-Kama-Becken, das Baltikum und das westliche Finnland erreicht.
  • Ab ca. 2200 BC lässt sich die entwickelte Mittlere Bronzezeit zuerst in der Saalegruppe der Aunjetzer Kultur datieren, deren wichtigste Errungenschaft der Bronzeguss darstellt. Kennzeichnend sind u.a. reiche Fürstengräber die eine Stammesbildung vorraussetzen. Der erste dieser Art ist der Fürst von Leubingen um 1940 BC.
  • Eine Besonderheit bildet die Schönfelder Kultur die bereits in der mittleren Bronzezeit die Urnenbestattung praktiziert.
  • Die Spätbronze beginnt um ca. 1600 BC z.b. mit der Vor-Lausitzer Kultur bzw. ab 1300 BC mit der Lausitzer Kultur bzw. deren Westliches Gegenstück die Urnenfelder Kultur, deren Funde sich durch große langlebige Nekropolen auszeichnen. Die größten Hügelgräber Norddeutschlands zeigen deutlich die Fortsetzung der Traditionen aus der Aunjetitzer Zeit.  Reiche Fürstengräber finden sich in Seddin, auf Fünnen, in Niedersachsen, Polen, Böhmen usw.

Die Eisenzeit

  • Die frühe Eisenzeit beginnt südlich der Alpen in Norditalien bereits um 1200 BC, man bezeichnet es als Hallstatt A und B
  • In der Hallstätter Kultur nördlich der Alpen beginnt die frühe Eisenzeit ab ca. 800 BC (Hallstatt C), was der etruskisch-römischen Königszeit (753-509 BC)  entspricht. Das Wagengrab von Wehringen (778 BC) stellt somit eines der besten Zeugnisse der Hallstattkultur dar. Der Glauberg datiert in die Hallstatt D-Zeit.
  • Die entwickelte Eisenzeit mit der LaTene-Kultur (450 BC-15 BC) entspricht der  Zeit der Römischen Republik (ab 509 BC).
  • Die späte Eisenzeit entspricht bereits der frührömischen Kaisern ab 15 BC bis etwa 300 AD und setzt mit der Eroberung Galliens durch Caesar bzw. dessen Romanisierung ein.

Ihr folgen mit Konstantin I. die römisch-katholischen Kaiser, was man scherzhafterweise als Betonzeitalter bezeichnen kann.

Die Geburt der Metall-Götter
Metallurgie erinnert an den Mythos von einem in Feuer gehärtetem Kind (z.b. im Narten-Mythos) und dem Gott der Chalder (armenische Chaldäer) Ḫaldi (hethitisch um 1270 BC auch Chalab genannt und mit Stiergespann dargestellt).

Von Chaldi bis Ares

Von Chaldi bis Ares

Der Gott Ḫaldi (Chaldi) soll ursprünglich aus Ḫaldi-ri-luḫi (Ḫaldei pātare, Stadt des Ḫaldi) in Diaueḫe (Diaokhi südlich von Kolchis und östlich von Trapezunt, Königreich im 12. Jhd. v. Chr.) herkommen.
Dyaúh pitá ist der Name des „Vater Himmel“ in der vedischen Religion, der einen Stier als Symbolisches Reittier hat.
Nach uralten Beschreibungen wird er mit einem flammen speienden aus Messing bestehendem Speer namens Šuri dargestellt. Seine Beine sind ebenfalls von Flammen umgeben, während sein Oberkörper von Strahlen (daši genannt) umgeben ist.  Auch der griechische Zeus trug anfangs einen Speer, aus dem später der Blitz wurde. Dieser dürfte durchaus mit dem Kriegsgott Ares (lateinisch Mars) gleich sein, dem stattdessen ein Schwert ziert, während sich ein Kind an sein Bein schmiegt.
Zeitweise trägt Ḫaldi einen Helm mit Rinderhörnern z.b. auf der Stele von Erebuni, erster Sitz der Dynastie des Rusa (Armenien). Aber auch der Phönizische Gott Melqart wird teilweise mit Rinderhörnern dargestellt, während Münzen aus dem phönizischem Tyros eine typische Athener Eule auf der einen und eine Chimäre zwischen Pferd und Fisch auf der anderen Seite zeigen. Die Eule kam wohl mit Kadmos nach Athen, während die Chimäre als Poseidon nach Iberien auswanderte.
Später bekam Chaldi statt der Strahlen Engelsflügel und steht auf einem Löwen, eine Tradition die sich in Babylon entwickelte.
Auch Odin trägt üblicherweise einen magischen Speer namens „Gungnir“ der angeblich von Zwergen (Söhne von Ivaldi, Vater der Idun) hergestellt wurde, was möglicherweise auf die Schwarzmeerküste hindeutet wo Griechen Isistempel errichtet hatten und wo laut Ptolomaios Issedonen lebten.

Der Zusammenhang mit Sindri könnte bedeuten das die Söhne Ivaldi´s mit den Issedonen des Herodot (Handelsstationen Issedonia Skythika und Issedonia Serika, Ptolomaios 6, 16, 7) oberhalb der Sauromaten (warscheinlich Bosporanisches Reich), östlich der Sindri (Sindi, NordostKaukasis oberhalb Kolchis) und südlich der Arimaspen (Aesten=Wolgafinnen) die den Budinoi (Baschkiren) am Nächsten sind. Oberhalb der Issedonen lebten die Hyperboräer (Nordvölker, Balten) als Nachbarn der östlichen lebenden „kahlköpfigen „Argippaioi (Karelien, Vespen westlich im Ural, identisch mit den jenseits der Riphäen – (östliches Uralgebirge) lebenden Arimphaei – sprich Jakuten die heute noch halbjährlich vom Ostural in den Westural wandern. (aus Plinius Naturgeschichte 6, 34) Demnach könnte Issedonia Skythika eine Handelsstation am Dnieper (z.B. ein antikes Kiew) gewesen sein und Issedonia Serika die miletische Kolonie Tanais am Asowschem Meer gelegen haben. Alternativ könnte Serdica im Haemus-Gebirge gemeint sein,

Metallene Worte

Erz
Schon der griechische Kriegsgott Ares altgriechisch Ἄρης; (gesprochen Aris) dürfte mit der Härte von Metallen assoziiert sein. Als seine Heimat gilt Thrakien. Die bronzezeitlichen Nordvölker dürften Ares als *Aers schon im 2. Jahrtausend v. Chr. entlehnt haben und entwickelten daraus ihre Variante Erz. Sowohl das slowakische als auch das böhmische und deutsche Erzgebirge deuten klar auf die Erzquellen der Germanen hin.
Von den Römern entlehnt wurde aus Ares das lateinische aes, als Begriff für Erz, was sie mit dem Gott Mars verbanden, den sie offenbar von den assimilierten italischen Stamm der Marser ([M]ares=Mars) übernahmen.

Kupfer
Es gibt die Annahme, dass das Wort „Kupfer“ nach Zypern mit seinen reichen Vorkommen benannt wurde oder umgekehrt das Kupfer zur Benennung Zyperns führte. Allerdings muss man sagen, das die Hälfte aller griechischen Inseln damals Bezeichnungen trugen die mit „K“ anfingen, z.b. Kos, Kreta (Kaphtor), Korfu, Chios (Kios), Kea, Keres usw. Somit wäre das griechische Kypros (für Zypern) der Ursprung und wurde von den Römern als aes cyprium („zyprisches Erz“) entlehnt, die es weiträumig unter dem lateinischen Namen cuprum (Kupfer) verbreiteten.


Bronze
Zinnbronze ist etwa ab 3.600 v. Chr. zwischen mittlerer Donau und Kaspischem Meer belegt, z. B. für die Kura-Araxes-Kultur (Transkaukasien). Es folgt der Arsenbronze, die als natürliche Verbindung im Kaukasus vorkommt, in Europa aber nur kurzzeitig als Import Verbreitung fand.

John Chadwick übersetzte 1990 das in mykenischer Linearschrift B geschriebene ka-ko mit altgriechischem Lautäquivalent kha-(l)-ko (khalkos) als „Bronze“. Damit ist Bronze bereits um 1500 BC in der griechischen Welt bekannt und genießt dort wie jede markante Innovation einen magischen Status. Da schon Hethiter um 1500 BC auf einem eisernen Thron sitzen, war Eisen somit in Griechenland, Thrakien und Anatolien bekannt.

Der Begriff „Kolchis“ könnte auf die ursprüngliche Form khalkos hinweisen, das sich zu Khalkis entwickelt hat.
Sehr alte Bergbauspuren machen dies durchaus plausibel.

Dessen griechische Weiterentwicklung ist das Wort chalkós ist. Darin schwingt  bereits das Wort „Kalk“ mit.
Der Chaldäer war also möglicherweise eine Berufsbezeichnung, später ein Volk der Kupfer-, Messing- und Bronzeschmiede.  Chaldäa könnte daher mit einer Landschaft assoziiert werden, in der Kupfer abgebaut oder verarbeitet wurde.
Die Chaldäer waren laut den Quellen ein Volk des 1. Jahrtausends das am Vansee in der Osttürkei lebten, vermutlich sind sie die Nachfahren jener Menschen die einst aus den Kaukasus kamen, sich mit den Uratäern vermischten und daher mit den Mitanni identisch sind, die ja bekanntlich im 15. Jhd. v. Chr. in Uratu auftauchten.
Der andere Weg wäre eine Herkunft aus Zypern, wo sie sich mit Luwiern und anderen Völkern im Norden Syriens zu Amoritern vermischten.

Die Halbinsel Chaldike in Thrakien gelegen, weist schon früh auf Erzgewinnung hin und wurde von dem Macedonischen Herrschern um ca. 900 BC erobert, wodurch die Thraker (Edonier, Odomanten u.a.) nach Osten verdrängt wurden.
Bekannt ist das schon die Edonier  Gold und Silber im Pangaion-Gebirge abbauten. Dieses Pangaion-Gebirge liegt oberhalb von Chaldike und bildet den westlichen Teil der Rhodopen, etwa ab dem Golf von Kavala, wo die antike Stadt Neapolis lag. Die Goldminen waren im antikem Griechenland legendär.
Chalkis (oder auch Chalkida) ist zudem eine wichtige Stadt auf der griechischen Insel Euböa, die vermutlich in Zusammenhang mit Chaldike steht und möglicherweise ein Handelszentrum für Bronze war.

Nach der Theorie von Haarmann wurde die Vinca-Varna-Bevölkerung auf die Griechischen Inseln verdrängt und ihre Nachfahren sind die Minoer.

Der auch im griechischen bekannte Begriff für Bronze wird mit Brundisium in Verbindung gebracht, dem lateinischen Namen des heutigen süditalienischen Brindisi.  Dies gehörte in der Antike zu Magna Graecia und bildete eine Art Zentrum der Bronzeverarbeitung und des Bronzehandels. Vermutlich kam es vom persischen Wort birinj (birindsch), was einfach die Farbe des Kupfers (Braun) beschreibt und so zum Synonym für Bronze wurde. Das Wort wurde aber erst im 14. Jahrhundert aus dem Orient ins Italienische übernommen.
Die heutige Bezeichnung wurde im 17. Jahrhundert zuerst aus dem italienischen bronzo, später auch über das französische bronce erneut entlehnt und ist damit wohl eher eine junge Bezeichnung.

Messing
Verschiedene Kupferlegierungen wurden als Oreichalkos (Auri-chalkum, sinngemäß also Erz mit Aura bzw. glänzendes Erz) bezeichnet. Diese „Aura“ wurde durch Beimengung anderer Metalle erzielt (u.a. Blei, Nickel, Eisen oder Zink) wodurch sich ein goldener, rötlicher oder silberner Schimmer erzeugen ließ.

Oreichalkos wird auch erwähnt in dem Hesiod zugeschriebenen Epyllion „Schild des Herakles“, worin aus diesem Metall unter anderem Beinschienen gefertigt werden.
Plinius der Ältere berichtet über ein Messing-Legierungs-Verfahren bei dem arco, Rohmessing heraus kam. Doch zu seiner Zeit kannte man dieses archaische Material oft nur aus Legenden.
Ein möglicher Zusammenhang könnte auch mit archo (wörtlich „der/das Erste“ und dem árchōn, „Herrschender“ bzw. der Stadt Argos in der Argolis) bestehen. Archeon war ein Titel für den ersten Beamten (höchstes Amt) in den phönizisch-griechischen Stadtstaaten.
Ursprünglich soll Argos Phoroneikon geheißen haben, nach Phoroneus, dem Großvater des Argos und mythischen Gründer der ersten Handelskolonie auf dem Peloponnes. Phoroneus, der Sohn des Inachos (Biantiden) war der Legende nach der erste Mensch, der um den Gebrauch des Feuers wusste, das Prometheus aus dem Olymp gestohlen hatte. Sein Name bedeutet Überbringer im Sinne von Lichtbringer (Phosphóros bzw. Eosphóros „Bringer der Morgenröte“, lat. Lucifer aus lux und ferre). Durch die Parische Chronik wird er als König von Argos ins 19. Jhd. v. Chr. datiert. Der Sage nach wurde Danaos (ein Nachfahre des Inachos) im 15. Jhd. v. Chr. nach seiner Flucht aus Ägypten (Hyksos) zum Herrscher über die Argolis eingesetzt. Sein Sohn Adrastos (ins 13. Jhd. v. Chr. datiert) aus der Dynastie der Persiden wurde zum Führer der Sieben gegen Theben. Den Persiden folgen im 12. Jhd. v. Chr. die Tantaliden mit Orestes, dem Sohn des Mykener Königs (griech. wanax) Agamemnon der über die Achaier herrscht. Argos auf den Peleponnes gilt als älteste kontinuierlich besiedelte Stadt Europas.

Die Römer übernahmen den Begriff als lat. Aurichalcum und bezeichneten damit Messing, dem man mehr Wert als reinem Kupfer beimaß, sodaß unter Augustus Münzen, bekannt als Sesterz und sein Halbstück der Dupondius geprägt wurden.
Auch die Phönizier schätzten die Legierungen.
Den antiken Griechen zufolge wurde das Messing von Kadmos, dem Sohn des mythischen phönizischen König von Theben erfunden. Gut möglich das er diese Kenntnisse der Legierung aus Tyros in Phönizien mitbrachte, wo Messing seit 1550 BC bekannt war oder es erst in Südeuropa kennenlernte.
Galmei (auch Kalamin) fand man z.B. in  Macedonien, Bulgarien oder in der Bergbauregion Băița in Rumänien, wo es mit kalkhaltigem Gestein vergesellschaftet vorkommt.

Chaldoyo wurde im Amoritischem ein Zauberer oder Sternenkundiger genannt, was durchaus mit dem Phönizischem Melkard mit dem Sternenkleid überein stimmt.

Auch die Philister stellten bereits in der Spätbronze Messing her.
Messing wurde gezielt um 1550 v. Chr. aus Kupfer und Zinnspat erschmolzen.  Zu der Zeit tauchten u.a. minoische Handwerker in Qatna auf und hinterließen reiche Wandmalereien. 
Der griechische Geograph Strabon (circa 63 v. Chr. bis 26 n. Chr.) schreibt: „Nah bei Andeira gibt es einen Stein, der […] Zink absondert, und dies unter Zufügung von Kupfer ergibt die ‚Mischung‘, wie man sagt, die von manchen Oreichalkos genannt wird.“ (Strabo, Geographie, XIII, 56). Dieses Andeira befand sich 80 Kilometer südöstlich von Troja.

Oreichalkos, Orichalkum oder Aurichalkum erfuhr, wie die Chaldäer, eine nahezu eine mythische Bedeutung und war daher als Mittel bei Alchimisten besonders beliebt.
2014 entdeckten Taucher 300 Meter vom Hafen der italienischen Stadt Gela entfernt, in nur drei Meter Wassertiefe  ein Schiffswrack in dem man u.a. 39 Barren Messing fand.

Nickelbronze
Der griechische Philosoph Platon berichtet in seiner Atlantis-Saga, dass Oreichalkos ein „feurig schimmerndes Metall“ (vermutlich Nickelbronze) sei, das die Bewohner Atlantis „nach Gold“ am meisten schätzten. Da die Phönizischen Hafenanlagen in Tartessos und Karthago am ehesten der Beschreibung Atlantis entsprechen, sei auch mal erwähnt. Beliebt ist Nickelbronze als Münze, wo man es als Nickel bezeichnete.

Die Trennung von Ares (Erz) , Chalkós (Bronze als Kupfer-Zinn-Legierung) und Arco (Messing als Kupfer-Zink-Legierung) zeigt bereits die Trennung der Worte, in Rohmaterial (Erze) und Legierungen.

Metallbearbeitungsmethoden
Die erste Legierung das sogenannte Kupferarsen entstand wohl eher zufällig. Die Kupferminen des Kaukasus sind oft mit Arsen vergesellschaftet und so geriet zwangsläufig auch Arsen in die Schmelzöfen. Schnell stellte sich heraus, das diese Legierung das Kupfer härter machte.
Später entwickelten sie die Gusstechnik und begannen auch bewusst mit Kupferlegierungen zu experimentieren.

Die Löttechnik wurde frühzeitig (vermutlich schon um 4000 v.Chr.) erfunden und gilt als das älteste Verfahren der thermischen Verbindungstechnik. Ihre Weiterentwicklung erfolgte über die nachfolgenden Jahrtausende nur langsam. Das Anwenden der Löttechnik in der Zeit um 3000 v.Chr. wird durch Funde von Schmuckgegenständen aus sumerischen Königsgräbern belegt. Da zunächst nur Gold, Silber und Kupfer verarbeitet wurden, handelt es sich nach heutigem Verständnis um Verbindungen durch Hartlötungen.
Das Hartlot ist eine Kupferlegierung, meist in der Zusammensetzung von Bronze oder Messing. Das Weichlot besteht aus Zinn oder einer Zinnlegierung und wird leicht flüssig. Es war den Griechen schon um 2000 v.Chr. bekannt.
Beim Schweissen wurden gleichfalls Metallstücke unter Feuer vereinigt, jedoch ohne Anwendung eines dritten Metalls. Geschweisste, vom Ende des 15. Jahrhunderts  v.Chr. stammende Metallteile wurden bei Ausgrabungen im ägyptischen Theben gefunden. Seit der Verfügbarkeit von schmiedbarem Eisen kam das Feuerschweissen (Zusammenpressen von Eisenteilen unter Einwirkung von Hitze) zur Anwendung, wie an vielen Funden von Waffen, Geräten und Kunstgegenständen über mehr als 3000 Jahre nachweisbar ist.

Die ur- und frühgeschichtliche Metallbearbeitung erlangte im Metallguss ihre ihre höchste Ausbildung. Beim Metallguss wurde flüssiges Metall (Metallschmelze) in eine feuerfeste vorgegebene Form gegossen.  Bei einfachen Giessprozessen wurde nach dem Erkalten des Metalls die Form zerschlagen (verlorene Form). Spätere Giessverfahren arbeiteten bei serienweiser Produktion von Gussstücken mit wiederverwendbaren Formen, die nach dem Erkalten des Metalls zur Entnahme des Produkts geöffnet und anschließend für den nächsten Guss wieder geschlossen werden konnten.
Tauschierung ist die Bezeichnung für eine Technik der Metallverarbeitung, bei der Edelmetalle wie Gold oder Silber in nichtedle Metalle wie z.B. Bronze zur Verzierung eingehämmert bzw. eingelegt werden. Es handelt sich somit um eine in Metall ausgeführte Intarsienarbeit.
Die Technik des Tauschierens entwickelte sich bereits im 4. Jahrtausend v.Chr. Ihr Ursprung liegt vermutlich im altvorderasiatischem Raum. Die sprachliche Wurzel von „Tauschieren ist anscheinend das arabische Wort „taušija“, was  soviel wie „Buntmachen“ oder „Verzierung“ bedeutet.

Unterschieden wird zwischen zwei Techniken des Tauschierens: dem Punzieren und dem Gravieren. Das Punzieren kommt bei der Folientauschierung oder Plattierung, welche die älteste bekannte Tauschiertechnik ist, zur Anwendung. Hierbei werden sehr dünne Bleche in vorgefertigte Ornamentvertiefungen eingebracht. Das zu tauschierende Muster wird erst mit Sticheln oder Meißeln vorgestochen, danach wird in die entstehenden Vertiefungen  mittels spezieller Punzen ein als Verzierung vorgesehener Draht eingeschlagen. Zuletzt wird der Gegenstand plangeschliffen, um entstandene Werkzeugspuren zu entfernen.
Das früheste Verfahren der Metallgiesserei war der Vollguss, bei dem das Produkt durchgehend aus Metall bestand. Heimat des Metallgusses ist wahrscheinlich Indien, wo die Metalltechnik schon sehr frühzeitig hochentwickelt war. Ein klassisches Beispiel für die Vollgusstechnologie liefert die aus den Jahren um 1600  v.Chr. stammende Darstellung vom Guss einer Tempeltür im ägyptischen Karnak (später Theben).

Weitere Verfahren der frühgeschichtlichen Metallverarbeitung ist das Verarbeiten von Blattmetall durch Treibarbeit, das Herstellen von Drähten und ihre Verarbeitung zu Schmucksachen, das Stanzen von Metallteilen, das Prägen, Ziselieren und und Gravieren auf Metall.

Metalle in Europa, Kupfer, Zinn, Gold

Metalle in Europa, Kupfer, Zinn, Gold

Und all dieses Wissen wanderte von einem Stamm zum Anderen und breitete sich so über riesige Entfernungen aus.
Menschen die über dieses Wissen verfügten wurden magische Fähigkeiten zugeschrieben.
Doch dieses Arsenkupfer (auch Arsenbronze genannt) wurde schon wenige hundert Jahre später von etwas neuem abgelöst.
Erste Kupferfunde sind in Vinca ab 4800 BC belegt. Die reiche Kupferfunde sind in den Gräbern in Varna um 4600-4500 BC belegt. Danach nimmt der Kupferreichtum ab. Kupfer war wohl nicht mehr so exclusiv.
Erste Importe von Kupfer finden sich in Nordeuropa und Südskandinavien ist bereits um 4100 BC und stammen aus der Westslowakei, wo sich die Baden-Boleraz Kultur bildet. Ab 3800 BC begann der Import von Kupfer aus dem Revier am Mondsee, ab 3350 BC kam das Kupfer aus Mitterberg, aus dessen Kupfer auch die Himmelsscheibe von Nebra besteht. Das Gold der Nebrascheibe stammt übrigens aus Cornwall in England. Interessanterweise wurde die Färbung der Himmelsscheibe durch vergorenes Urin bewerkstelligt. Dem legte man ein Stück Kupfer hinzu. Durch die Harnsäure entstand eine Verdunkelung des Kupfer, sodaß sich das Gold deutlicher abhob.

Eine erste eigene Kupferverarbeitung (Pyrotechnik) ist für Norddeutschand und Skandinavien bereits ab 3800 BC bis 3500 BC belegt, ab 3350 BC verschwindet Kupfer jedoch aus Skandinavien, während in Norddeutschland die Kupferproduktion weiter geht. Der Grund dafür könnte sein, das die Importe einfach nicht mehr bis Skandinavien kamen.
Vermutlich wanderten Teile der Skandinavischen Schnurkeramiker auf der Suche nach neuen Kupferquellen in Richtung Baltikum ab, wo sie sich an Estlands Küsten und dem Baltikum und später als Fatjanovo-Kultur am Oberlauf der Wolga neu etabliert und ab 3200 BC in Handelskontakten mit der ugrischen Balanovo-Kultur kommen, die sie mit Erz belieferten. Gediegenes Zinn kommt hier am Flüsschen Neiva in Sysert, Swerdlowsk Oblast im Ural, im Oblast  Tscheljabinsk, Südural und im Ilmengebirge bei Miass (Miask) als Seifenlagerstätte vor.
Damit war eine neue Kupferquelle im Ural erschlossen und Kupfer wie auch Bronze breitete sich auch im Osteuropäischen Raum aus.
Kurz gesagt wenn der Berg nicht zum Skandinavier kommt, muss der Skandinavier eben zum Berg kommen.
Die Expansion der Schnurkeramik bis zur Wolga hat damit einige sehr triftige Gründe.

Die „Großproduktion“ von Kupfer begann in Mitteleuropa um 3500 v. Chr. und in Nordeuropa um 3350 v. Chr..
Rund 200 Jahre später begann die Zinnbronze-Herstellung.
In Palästina kann die Bronzeherstellung bereits für 3300 v. Chr. nachgewiesen werden, in Ägypten um 2700 v. Chr. Die Bronzezeit stellt somit keine einheitliche Entwicklungsstufe dar.
Da Zinn nur wenige ergiebige Fundstellen hat, spielte es mit Sicherheit eine große Rolle für die Ausbildung von Herrschaftsstrukturen, wobei das Erzgebirge als einer der ergiebigsten Orte mit Kupfer, Zinn, Gold und auch Silbervorkommen sicher einer der beste Orte für Handelsmonopole war. Es ist daher kein Wunder das sich hier Glockenbecher und Schnurkeramiker begegnen und vermischen was schliesslich zur Aunjetitzer Kultur führt.

Bronzen aus Kupfer und Zinn werden im Verhältnis von 10 Teile Kupfer und ein Teil Zinn gemischt und beginnen bei ca. 850 ºC zu schmelzen. Bei etwas mehr als 1000ºC wird es flüssig.
Als Menschen vor etwa 5.000 Jahren zum ersten Mal Kupfer und Zinn verbanden, lösten sie eine wirtschaftliche und dann auch kulturelle Revolution aus, die sich innerhalb von Jahrhunderten bis nach Europa ausbreitete. Sie hatten Bronze entdeckt.

Kupfer machte reich – sehr reich wie viele Kupferzeitliche Gräber belegen. Und so wuchsen auch die Unterschiede innerhalb der Gemeinschaften und sie begannen den Handel zu kontrollieren, was sie noch reicher machte. Doch die zunehmende Schmelze von Metallen hatte auch ökologische Folgen.

Einige Regionen wurden völlig entwaldet, weil man den Wald zu Holzkohle verarbeitete um das Kupfer zu schmelzen. In Deutschland kam es zu erheblicher Abnahme der Waldbestände.
Der Libanon, einst berühmt für sein Zedernholz hat heute nur noch Reste des einstigen Waldbestandes. Der Verlust des Waldes dürfte auch am Mondsee zum Bergrutsch geführt haben.
Und auch die Griechischen Inseln dürften einst mehr Wald besessen haben. Und inwieweit die Karthager die Ausbreitung der Sahara durch Abholzung der Küstenwälder beeinflussten, kann man bisher nur erahnen.

Die ersten „Fürsten“ in Europa waren gewissermaßen antike Monopole, sie hatten oft das  Kupfermonopol oder etwas später das Zinnmonopol d.h. die Kontrolle über Erzminen und Handelswege (oder beides) inne. Und wer über Bronzewaffen verfügte, verfügte auch über Krieger mit denen er seine Nachbarn tributpflichtig machen konnte. Der Fürst von Leubingen (ca. 1900 BC) und das Hügelgrab von Helmsdorf (ca. 1800 BC), die Hügelgräber von Dieskau, Saalkreis (Sachsen-Anhalt) oder das Hügelgrab von Nienstedt, Kr. Sangershausen (Sachsen-Anhalt), die Hügelgräber bei  Łęki Małe (Klein Lenka), der Grabhügel von Szczepankowice und weitere Grabhügel bei Bruszczewo (bei Śmigiel zu Deutsch Schmiegel) in Polen gehören allesamt zur Aunjetitzer Kultur (2300-1500 BC).
Weitere Gräberfelder gibt es in Nohra, Großbrembach und Unterhautzenthal in Niederösterreich.
Weitere Depot-Funde der Aunjetitzer Kultur sind in der Wikipedia genannt und teilweise auch beschrieben.
In der Lausitzer Kultur finden wir die Fortsetzung der Hort-Depots, nunmehr sogar als „Garnitur-Depots“ mit einem Satz Frauenschmuck der sich regional in Trachtengruppen unterscheiden lässt. Die Ausbildung regionaler Trachtenmode die ja in ganz Europa existieren, dürfte durchaus hier ihre Wurzeln haben. Das gilt für die schottischen Karos genauso, wie für die teilweise pompösen russischen Trachten.

Verbreitung der Tumuli/Kurgan-Bauweise

Verbreitung der Tumuli/Kurgan-Bauweise

In der Wessex-Kultur (2000-1600 BC) die über die Hilversum-Kultur  (1900-900 BC) Verbindung zum Rhein und in die Alpen hat, gibt es Fürstengräber im Bereich von Wessex, in Cornwall und auch in Kernonen, Region Plouvorn in der Bretagne. Auch hier sind bedeutende Zinnlagerstätten in der Nähe.
In Iberien gibt es im Bereich der El Argar Kultur (1800-1300 BC) deutliche Anzeichen von Machtstrukturen, die fast schon ein protostaatliches Gebilde darstellen wie es im östlichen Mittelmeer die Mykener bilden.
An allen Zinnfundorten wurden sowohl Stabdolche als auch die gleiche Nord-Südausrichtung mit Blick nach Osten gefunden. Auch die unverzierte Keramik wirkt fast wie eine Norm. So hat die El Argar Kultur nur 8 Grundformen aufzuweisen, die z.T. verdächtig an Aunjetitzer Keramik erinnern. Und nicht zuletzt liegen alle diese „Fürsten“-Herrscher unter Grabhügeln, wobei der von Leubingen wohl einer der beeindruckensten Grabhügel dieser Epoche gewesen sein dürfte und problemlos mit den Wikingergräbern von Uppsala in Schweden oder mit den Skythengräbern am Don mithalten kann.
Alle diese Fürstengräber wurden auf älteren, z.T. sogar frühneolithischen Gräberfeldern errichtet, sodaß man von einer Legitimation der Herrschaft durch die Ahnen ausgehen kann. Schon in der Schnurkeramik ist diesbezüglich die Vererbung des Status anhand von Kindergräbern der Herrschenden feststellbar, die nunmehr zwischen 2000 und 1500 BC den Schritt vom Häuptling zum herrschenden Fürsten vollziehen, sodaß die Sozialstrukturen sicher ein Erbe der Schnurkeramik sind, während die Aggressivität und Wehrhaftigkeit eher ein Erbe der Glockenbecher sind. Ganz so wie es Asen und Vanen in den Mythen zugeschrieben wird.

Leider bewerten wir das was direkt vor unserer Nase gefunden wird nur selten als herausragend und pflegen eher nach einer fernen Herkunft zu suchen, die immer dort liegt, wo man allgemein nur wenig weiss. Ein wirklich empfehlenswertes Onlinebuch ist von Alexander Häusler, der bereits 2001 den Mythos von der Invasion der indogermanischen Reitervölker

(Gerade deshalb war Europa auch so verwundbar, als jahrtausende später Reitervölker mit Pfeil und Bogen den halben Kontinent im Sturm überrannten. Selbst die Militärmaschine der Römer geriet damals ins Stottern und war nur mit erheblichen Zahlungen in der Lage die Horden der Barbaren abzuwehren, indem sie sich den Schutz von Barbaren erkauften.)
Im antiken Rom wurde Hufbeschlag aus Bronze oder Eisen verwendet. Da hier wie in Ägypten der Hufschutz festgebunden und noch nicht genagelt wurde, kam es  zu Scheuerwunden durch die verwendeten Riemen und Stricke. Bei schnellem Ritt flogen die gebundenen Eisen weg oder die Pferde gerieten ins Straucheln. Erst im 2. Jhd. v. Chr. wurden Hufeisen genagelt. Vermutlich kamen die Skythen als Erste dahinter oder erlangten dieses Wissen über die pontischen Mithridaten aus Persien. Mit der Rekrutierung sarmatischer Panzerreiter verbreitete sich das Nageln von Hufeisen auch im römischen Reich.

Bernstein-Routen in der Bronzezeit Kupfer (Copper), Zinn (tin) und Gold-Lagerstätten

Bernstein-Routen in der Bronzezeit
Kupfer (Copper), Zinn (tin) und Gold-Lagerstätten

Hier eine Darstellung der Ausbreitung von Metallverarbeitung parallel zur Ausbreitung der Tumuli/Kurgan-Bauweise mit den frühesten Kurganen.

Deutlich ist auf der Karte der frühe Beginn des Kupferabbaus im Süden zu sehen, wobei Kaukasien, Zypern, die Gegend um Jericho und die Minen der Vinca-Kultur die frühesten Abbaugebiete waren, während die Alpen erst etwas später nachzogen. Auch in Iberien etablierte sich die Kupferverarbeitung etwa zeitgleich mit Zentraleuropa.

Mehr über Minen findet man im Mineralienatlas.

 

Kupfer im Orient
Ein interessantes Detail auf Kupfer finden wir im Gilgamesh-Epos

[Gilgamesh-Epos, 2. Tafel]

Gilgamesh spricht zu Enkidu:
Mein Freund, wir beide wollen gegen cHumbaba streiten!

Gilgamesch, wird man sagen, ist gegen den gewaltigen cHumbaba (Himmelsstier) gezogen.
Wahrlich, einen Namen will ich mir machen!
Mein Freund, laß uns die Handwerker rufen. Vor uns sollen sie Beile giessen!

Sie gingen und riefen die Handwerker.
Da sitzen die Meister, den Zeitpunkt bestimmend.
Sie gossen Beile, Sie gossen schwere Äxte, Sie gossen große Dolche …“

Am Ende des Gilgamesh-Epos heisst es:
„Der den Tod des Eisens starb, sahst du einen solchen?“ 
[Gilgamesh-Epos, 12. Tafel]

Die Erwähnung von Eisen, das erst im 1600 v. Chr. im Orient bekannt wird, lässt vermuten das Gilgamesh viel zu hoch datiert wurde oder das Wort Bronze durch das gerade aufkommende bessere Eisen ersetzt wurde. Das Epos selbst wird auf die Zeit um 1800 v. Chr. datiert.
Die alte Fassung trug den Titel „Derjenige, der alle anderen Könige übertraf“ (Šūtur eli šarrī, sinngemäß wohl eher „Der den Bogen [über alle] schlug“  was damals die gängige Darstellung desjenigen war, der alle anderen an Macht übertraf.)
Die jüngere Fassung trug den Titel „Derjenige, der die Tiefe sah“ (ša naqba īmuru, wohl eher „Der die Nacht erblickte“)
Die umfassendste bekannte Version des Epos, das so genannte Zwölftafel-Epos des Sîn-leqe-unnīnī, ist auf elf Tontafeln aus der Bibliothek des Assyrischen Königs Aššurbanipal erhalten. Der Titel der ältesten Fassung bestätigt die Vermutung das sich Gilgamesh hinter Sargon von Akkad verbirgt. In der germanischen Edda ist von Suttur/Suttung, Sohn des Gilling die Rede, der den Dichtermet bewachte.  Soter (griechisch Σωτήρ) das wohl mit Suttur zusammen hängt, bezeichnet in griechisch einen mächtigen Recken oder Heros der von außerhalb kommt.
Fjalar (Römer) und Galar (Gallier) ermordeten Sutturs Vater Gilling, daraufhin kam Odin nach Jötunheim (in die Alpen) und schmeichelte sich bei Suttungs Tochter ein. So bekam er den Dichtermet und brachte ihn nach Asgard.
Vermutlich wurde das Epos während der Zeit der Indoarier nach Europa getragen und in die Mythologie integriert, wobei es zur Vermischung alter und neuer Mythen kam. Ob die Germanen das auf Rom oder auf Perser bezogen lässt sich nur vermuten. Aktualisierungen sind ja durchaus möglich. Diese sind z.T. in dieser verdrehten Form auch den Indern bekannt, wohin sie wohl durch Indoarier, Hunnen und Skythen gelangten und Teil der hinduistischen Mythologie wurden.

Fenan und Timna
Das bedeutendste Kupferreviere des Orient waren bis zur mittleren Bronzezeit die Lagerstätten von Feinan im nördlichen Wadi Arabah im heutigen Jordanien sowie Timna im südwestlichemwestlichem Wadi Arabah, der israelischen Negev-Wüste, ca. 30 km Nördlich des Golfes von Aqaba und der Stadt Eilat in Israel.
Das Wadi Arabah ist Teil des Großer afrikanischer Grabenbruchs und wird als jordanisches Rift Valley bezeichnet. Es zieht sich vom Toten Meer ca. 140 km nach Süden bis Aqaba am Golf von Akaba, einem Seitenarm des Roten Meeres.
Heute sind diese beiden Kupferlagerstätten etwa 107 km auseinander, was genau der Drift der arabischen gegen die afrikanische Platte entspricht. Daher ist anzunehmen, dass Feinan und Timna ursprünglich eine einzige zusammenhängende Lagerstätte war.
Das Wadi Arabah trennt die Wüste Negev vom Süden Jordans und markiert den heutigen Grenzverlauf zwischen Jordanien und Israel. Schon in der Antike verlief hier die Grenze zwischen Judah und Edom. Auf beiden Seiten des Wadi Arabah war Kupfer von den Bergbaurevieren Feinan und Timna das bedeutendste Wirtschaftgut über mehr als 3.000 Jahre.
Feinan, am Fuße des Wadi Dana (nördliches Wadi Arabah in Jordanien) war eines der wichtigsten Kupferbergbau- und Verhüttungsreviere des Mittleren Ostens, fast gleichbedeutend mit dem nahegelegenen Timna in der Negev-Wüste, wo auch heute noch Kupfererz abgebaut wird.
Die unterirdische Grube Umm el-Amad (Mutter aller Säulen) im jordanischen Kupferzentrum von Feinan zeigt heute noch deutlich die Spuren der vorzeitlichen Erzgewinnung mit über 200 Gruben samt zahlreichen Schmelzöfen. Manche der Schlackehaufen wurde bis auf 4500 Jahre v. Chr. datiert.

Das Bergbaurevier Fenan war von 4.500 bis 1.500 v.Chr. (Kupferzeit bis Bronzezeit) sowie in der Eisenzeit und der persischen und römischen Periode (800 bis 332 v.Chr) in Betrieb. In Timna wurde – ähnlich wie in Feinan – seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. Kupfererz abgebaut und verhüttete. Nach einer Lücke von mehr als einem Jahrtausend setzte im 14. Jahrhundert v.Chr. die Kupfergewinnung und -verarbeitung erneut ein. Im 12. Jahrhundert v.Chr. zeigten die Ägypter außerordentliches Interesse an Timna, doch die Minen kamen alsbald unter die Kontrolle der Midianiter, die laut Bibel durch Moses‘ Heirat mit der Tochter des midianitischen Priesters Jitro Verbindungen zu den Israeliten hatten. Die Ägypter errichteten trotz midianitischer Gegenwehr in Timna einen Tempel ihrer Göttin Hathor, den die Midianiter in ein Zeltheiligtum umwandelten, das Ähnlichkeit mit der israelitischen Stiftshütte aufwies und in dem eine teilvergoldete Schlange aus Kupfer gefunden wurde. Es deutet einiges darauf hin das der babylonische Kult um Ishtar von Teyma aus größeren Einfluss gewann.

Interessant ist auch die Umgebung der Kupferquellen
Die Midianiter waren Wüstennomaden die mit Edomitern, Israeliten und Joktanitern zu den Aramäern gezählt werden. Midian soll der vierte Sohn Abrahams und seiner Zweitfrau Keturah gewesen sein.
Ihr Auftreten fällt in die vorstaatliche „Richterzeit“, die um 1200–1000 v. Chr. angesetzt wird. Da sich nach Ex 3,1 dort der ursprüngliche Gottesberg Horeb befand und dieser vermutlich ein tätiger Vulkan war, nimmt man an, dass sich die Gegend im nordwestlichen Teil des heutigen Saudi-Arabiens östlich des Golfs von Akaba befand. Dort gab es in antiker Zeit aktive Vulkane, von denen der Hala-‚l Badr der bekannteste ist. Er liegt quasi gegenüber des ägyptischen Hurgada auf der anderen Seite des roten Meeres. Westlich davon liegt Teyma (auch Tayma geschrieben) wo der letzte König von Babylon rund 10 Jahre verweilte, bevor sein Reich mit seinem Sohn unter ging.

In Teyma fand man Hieroglyphen und Kartuschen des Pharao Ramses III., der bis 1156 v. Chr. regierte.
Im 8. Jhd. wurde Teyma Vasall der Assyrer. Tiglat-Pileser III. und und Sanherib erhielt Tribut aus Tayma die sie als „Geschenke der Sumu’aniten und Teymeiten“ bezeichneten. In assyrischen Quellen wird erwähnt, dass zu dieser Zeit eine lokale arabische Dynastie über Tayma herrschte. Die Namen von zwei Königinnen des achten Jahrhunderts v. Chr. sind als Schamsi und Zabibei überliefert.

Die Archäologen gehen davon aus, dass damals eine wichtige Handelsstraße durch Tayma führte, die das Nildelta mit dem Roten Meer verband. Transportiert wurden Weihrauch, Kupfer, Gold und Silber.
In der sogenannten „Harran-Inschrift“ wird erwähnt, wie der letzte neubabylonische König Nabonid Ende des dritten Regierungsjahres von 552 v. Chr. bis März 542 v. Chr. seinen Regierungssitz nach Tayma verlegte und einen Palast errichtete. Nabonid förderte die alten Götter Sin, Schamash und Ischtar, was der Marduk-Priesterschaft Macht entzog. Ausserdem wurden vor seiner Machtübernahme 2 Thronanwärter beseitigt, von denen einer noch für Tage regierte. Er gehörte wohl nicht zur Königsfamilie. Der Perser Kyros II schürte indes Zwist und bot sich der Marduk-Priesterschaft als Alternative an. Erste Übergriffe von Kyros II. im Bündnis mit den iranischen Sagartier fanden im Frühjahr 539 v. Chr. auf Babylon, Region Gutium statt. 6. Oktober 539 v. Chr. wurde Nabonid gefangen genommen. Bel-šarru-usur (Belšazar) der Sohn Nabonid wurde laut der Bibel gewogen und als zu leicht befunden. Der Sagartier Ugbaru (auch Gobryas genannt), ehemals neubabylonischer Statthalter von Gutium wurde zum Satrapen von Babylon.
Dies würde Kimmerer zu Sagartiern erklären und folgende Chronologie wahrscheinlich machen.

Kimmerer Meder/Perser (Achämeniden)
Arbakes (833–805 BC) (Einnahme Ninive und Sieg über Assurbanipal)
Mandakes (805–755 BC)
Sosarmos (755–725 BC)
Artykas (725–675 BC) Kyaxares I. (ú-ak-sa-ta/Ḫavachštra, 715-675 BC)/Achaimenes Sohn des Perseus? (701-685 BC)
Kyaxares I. verlegt Herrschersitz nach Ekbatana
Kimmerereinfälle in Uaiš, Urarṭu des Rusa I. (Regierungszeit 735- 714 BC)
vor 679 BC Kimmerer in Kudana und Minda
679 BC Te-uš-pa (Governeur) von Hubušnia
Te-uš-pa durch Assyrer Assurhaddon unterworfen
Arbianes (675–653 BC) Phraortes (paḫātu-Governeur) (675-653 BC)
Artaios (653–613 BC), Skythenkönige Arbaka, Arphaxad, Arbakes (653-625 BC) Teispes 675-640 BC
Tugdamme, König der Saka Ugutumki zerstört 640 BC Sardes
Artynes (613–591 v. Chr.) Kyaxares II. (625-585 BC)/Kyros I. (640–600 BC)
Ansiedlung von Sagartier/Zikirti von der Halbinsel Sagartia (Krim) in Parsava (Arbela) Kyros II.(625/624–584 BC)
Nebukadnezar (605-562 BC) errichtet die Medische Mauer von Opis (babylon. Upija) nach Sippar
Artibaras (591–551 BC) Astyages (585-550 BC)/Kambyses I. (600-559 BC)
Aspadas (Astyages) (551–550 BC) Nabonid (ab ca. 552-542 BC) 10 Jahre in Teyma,  Wiederbelebung alter Götter und alter Handelswege
Sagartier-Fürst Ugbaru (altpersisch Gaubaruva), Vasall von Nabonid
538 BC Satrap von Babylon und Herrscher von Gutium (bei Arbela) unter Kyros II. Kyros II

Der Hort von Nachal Mischmar
Ein anderer bedeutender Fund war der Hort von Nachal Mischmar, einem Tal am totem Meer. Es liegt ungefähr auf halben Weg zwischen En Gedi und Masada. Bei Expeditionen der Hebräischen Universität Jerusalem 1960 und 1961 wurden in der Höhle Nr. 1 nicht nur bedeutende Schriftfunde, sondern auch ein Hort gefunden der anhand der Binsenmatten auf 3500 v. Chr. datiert wurde. Es wird vermutet, dass es sich um einen Tempelschatz handelte, der dort versteckt worden war. Bei En Gedi wurde ein Tempel aus dieser Zeit ausgegraben, aus dem die Objekte stammen könnten.

Es fanden sich 442 Gegenständen, die sorgfältig in Binsenmatten gehüllt waren, 429 Kupferobjekte, sechs bestanden aus Hämatit, eines aus Stein, eines aus Elfenbein und fünf aus Flusspferdelfenbein. Die Kupferobjekte wogen allein 140 Kilogramm, für einen Einzelfund eine sehr große Menge. Die Höhle wurde danach umbenannt in Cave of the Treasure (Schatzhöhle). Viele der Kupferobjekte sind in komplexen Gussformen aus verlorenem Wachs hergestellt worden, was auf ein noch nicht erkanntes Vorstadium technischer Fertigkeiten schließen lässt. Die prachtvollsten Stücke, die Kronen, Standarten, Zepter und Keulenköpfe, sind aus der hellen, silbrig schimmernden Arsenkupfer gegossen.

Die eingewanderten Juden scheinen zur Zeit Davids keine eigenen Schmiede mit dem Wissen der Metallverarbeitung gehabt zu haben. Dies macht die gewaltsame Eroberung Kanaans innerhalb weniger Jahre eher unwahrscheinlich. Vermutlich bezogen sie ihre Bronze durch die griechischen Philister und gingen bei ihnen mehr oder weniger „in die Lehre“.
Die Thora berichtet:
„Man hatte sich neue Götter erwählt.
Es gab kein Brot an den Toren.
Schild und Speer waren nicht mehr zu sehen bei den Vierzigtausend in Israel“

(Buch der Richter 5, 8)

Das im Buch Hiob des Alten Testaments enthaltene „Lied über die Weisheit“ liefert in den Versen 28, 1-11 Anhaltspunkte über den Erzbergbau, wie er in der Bronze- und in der beginnenden Eisenzeit in den Ländern und Gebieten des Vorderen Orients stattfand:

1 Das Lied über die Weisheit. Die Erhabenheit der Weisheit
   Wohl gibt es einen Fundort für das Silber, / eine Stätte für das Gold, wo man es läutert.
2 Eisen holt man aus der Erde, / Gestein wird zu Kupfer geschmolzen.
3 Es setzt der Mensch dem Finstern eine Grenze; / er forscht hinein bis in das Letzte, ins
   düstere, dunkle Gestein.
4 Stollen gräbt ein fremdes Volk; / vergessen, ohne Halt für den Fuß, / hängt es, schwebt es,
   den Menschen fern.
5 Die Erde, daraus das Brotkorn kommt, / wird in den Tiefen wie mit Feuer zerstört.
6 Fundort des Saphirs ist ihr Gestein / und Goldstaub findet sich darin.
7 Kein Raubvogel kennt den Weg dahin; / kein Falkenauge hat ihn erspäht.
8 Das stolze Wild betritt ihn nicht, / kein Löwe schreitet über ihn.
9 An harte Kiesel legt er die Hand, / von Grund auf wühlt er Berge um.
10 In Felsen haut er Stollen ein / und lauter Kostbarkeiten erblickt sein Auge.
11 Sickerbäche dämmt er ein, / Verborgenes bringt er ans Licht.     

Kupfer in Nordafrika
Kupfer ist schon ab etwa 4000 v. Chr. in der ägyptischen Badari-Kultur belegt, wobei diesem von Anfang an immer ein gewisser Anteil von Arsen beigemischt war. Eine Technologie die offenbar importiert wurde, von wem ist fraglich. Möglich wäre ein Import dieser Technologie über Syrien zu den Kupferlagerstätten, woher Ägypten sein Kupfer bezog.
Das folgende Jahrtausend wird in Oberägypten von der Naqada-Kultur und in Unterägypten von der Maadi-Kultur dominiert. Beide Kulturen gehören der Kupfersteinzeit an. Die Bronzezeit beginnt kurz nach dem Beginn der Entstehung des ägyptischen Staates; die erste echte Bronze (Kupfer und 7–9 % Zinn) fand sich in Gefäßen aus dem Grab des Königs Chasechemui. Man kann das Alte Reich (etwa 3000–2200 v. Chr.) als Frühe Bronzezeit, das Mittlere Reich (etwa 2000–1650 v. Chr.) als Mittlere Bronzezeit und das Neue Reich (etwa 1550–1070 v. Chr.) als Späte Bronzezeit bezeichnen. Erst im Mittleren Reich kommt dabei Bronze wirklich häufiger vor, während vorher Kupfer oder andere Kupferlegierungen als Bronze dominieren. Aufgrund der Rohstoffknappheit Ägyptens waren fast alle Bronzegegenstände importiert. Steinwerkzeuge finden während der gesamten Epoche auch weiterhin Verwendung.

Die Hauptregionen der Kupferproduktion. auf welche das alte Ägypten zugreifen konnte, waren die Ostwüste und der Sinai, einschließlich der Region Serabit el-Khadim im Südwesten und Timna im Wadi Arabah, jetzt Teil von Israel. Die alten Inschriften beziehen sich in bezug auf  Serabit el Khadim zwar nur auf den dort gefundenen Türkis, aber die Berichte über Reste von Blasebalgdüsen, Formen, Schmelztiegel und Gußvorrichtungen weisen auch auf örtliche Erzverarbeitung hin.

Kupferschlacken, Erze, Schmelztiegel, Barrenformen und andere Überbleibsel der Arbeit im Alten und Mittleren Königreich wurden ebenfalls im Wadi Magharah gefunden, etwa zwanzig Kilometer südwestlich von Serabit el-Khadim.
Seit Beginn der 18. Dynastie (18.Jahrhundert v.u.Z.) wurde in Ägypten allgemein Zinnbronze verwendet, während der Gebrauch von arsenischem Kupfer endete.

Die Hyksos (korrekt Hykussos) waren eine Gruppe von Einwanderern aus den Gebieten in und um Retjenu, die im 18. und 17. Jahrhundert v.u.Z. in das altägyptische Nildelta eindrangen und in der Folge ihren Machtbereich auf weite Teile Unterägyptens bis in die Region Memphis/Tepihu ausdehnen konnten.  Retjenu war die altägyptische Bezeichnung der Region des heutigen Palästinas und Syriens.

Durch Einwanderung und intensive Kontakte mit den Nachbarn wurden fremde Techniken in Ägypten verbreitet. Beispiele hierfür sind die Metallverarbeitung mit mechanischen Gebläsevorrichtungen sowie die schnelldrehende Töpferscheibe. Eine weitere wichtige Neuerung war die Einführung von Pferden und Streitwagen.

Metallverarbeitungszentrum Qantir / Pi-Ramesse
Stätten der Kupferverarbeitung sind in verschiedenen Gegenden von Ägypten identifiziert worden. Hier wurden die Barren von den Kupferminen sowie verschrottetes oder importiertes Metall in eine Unmenge von Geräten, Waffen und Ornamenten für Tempel, königliche und säkulare Kunden oder für verstorbene Personen verwandelt. Ein Beispiel hierfür liefert das im östlichen Nildelta gelegene Qantir, wo am Ort des alten Pi-Ramesse ein großes Zentrum für das Verarbeiten von Kupferlegierung  entdeckt wurde. Pi-Ramesse (arabisch Qantir; altägyptisch Per-Ra-mes(i) war die unter Ramses II. um 1278 v.Chr. erbaute Hauptstadt des Alten Ägypten. Die Ausgrabungen brachten Aufschluß über ein umfangreiches Revier der Metallverarbeitung in der späten 18. und frühen 19. Dynastie, das sich über mehr als 30.000 Quadratmeter erstreckte. Hinweise auf die Anwesenheit von Ausländern, einschließlich Hethitern, und das Auffinden von ausländischen Rüstungen, Waffen und Werkzeugen deuten auf  den Einsatz von ausländischen Handwerkern hin. Ägyptische Grabstätten jener Zeit zeigen ein breites Repertoire von Szenen der Metallverarbeitung. [Grabungsleiter Edgar B.Pusch, 1990].

Kupfer in Anatolien

Die Kupferinsel Zypern
Die Bronzezeit auf Zypern, welche aus einer Periode der Kupfersteinzeit (etwa ab 3900 v. Chr.) entstand, begann etwa 2600 v. Chr.

Zypern ist reich an Kupfervorkommen und hatte eine besondere Bedeutung im damaligem Handel zwischen der Agais, dem Westlichen Anatolien und der Levantine. An der Nordküste wurde das Kupfererz (lat. Cuprum, griech. Kypros) abgebaut.
In der Mittleren Bronzezeit (ca. 1900–1650 v. Chr.) lassen sich zahlreiche Kontakte zu anderen Mittelmeerkulturen belegen. Es gibt Hinweise für einen Handel im östlichen Mittelmeerraum, der sich am Ende der Epoche stark intensivierte. Kupfer aus Zypern gelangte durch Nordsyrien den Euphrat abwärts bis nach Babylonien.

In der griechischen Ägäis ist Zinnbronze seit der Schachtgräberzeit nachgewiesen.
Als Schachtgräberzeit bezeichnet man die nach der Form der mykenischen Fürstengräber (Schachtgräber) benannte Frühmykenische Kunst, für deren Dauer die Zeit von 1560/50 bis 1500 v.u.Z. angegeben wird.  ( „Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann“ )

Der Fund von Uluburun
Wichtige Funde stammen von den Schiffswracks von Uluburun und Kap Gelidonya. Als Schiff von Uluburun wird ein gesunkenes spätbronzezeitliches Segelschiff ungeklärter Herkunft vor der Südwestküste der Türkei bezeichnet.
Es war wohl an den Kippen vor Kas, vor der Küste des antiken Lukka zerschellt. Womöglich kam es aus Kreta über das nahegelegenen Rhodos und wollte das antike Xanthos anlaufen, um das bedeutende Awarna zu beliefern. Nur wenige Kilometer weiter westlich zerstellte ein weiteres Schiff an der Küste von Lukka am Kap Gelidonya. Dies könnte über Tyras aus dem Zyprischen Kition gekommen sein. Zwischen Rhodos und der anatolischen Küste siedelten um ca. 1100 BC Dorer die eine Hexapolis gründeten. In diese Zeit wird der Dorer Kadmos, der Gründer von Theben datiert. Er war ein Sohn aus Tyros, das damals die Hegemonie über Phönizien inne hatte.
Der Untergang wird in die Zeit Ende des 14. Jhd. v. Chr. datiert, etwa zur Zeit der Nofretete (ca. 1360–1335 v. Chr.).
Die Staatenwelt im östlichen Mittelmeerraum zum Zeitpunkt des Untergangs des Schiffes befand sich im Wandel. Die Hethiter waren auf dem Vormarsch und beherrschten fast ganz Anatolien, sie expandierten in Richtung Levante mit den nördlicher gelegenen Hafenstädten, etwa Ugarit, sowie nach Zypern. Das Reich von Mittani war um 1335 v. Chr. dem hethitischen Großreich unterlegen und einverleibt worden.
Südöstlich des Hethiterreiches im Zweistromland bildete sich das assyrische Reich, noch weiter südlich das babylonische Reich. Das griechische Festland im Westen, die Inseln im ägäischen Meer und ein kleiner Teil Westanatoliens waren Teil des mykenischen Herrschaftsbereiches. Zwischen Keftiu sowie Teny und Ägypten bestanden spätestens seit Thutmosis III. intensivierte Handelsverbindungen.
Die ersten gefundenen Gegenstände stellten sich als sogenannte Kupfer-Ochsenhautbarren heraus, eine damals übliche Handelsform für Kupfer. Über die Artefakte, insbesondere die Keramik, konnte der Zeitpunkt des Untergangs auf die späte Bronzezeit, genauer das Späthelladikum III A datiert werden. Das entspricht in der absoluten Chronologie dem 14. Jahrhundert v. Chr.
Das Schiff hatte 354 Kupferbarren in Ochsenhautform und 121 plankonvexe (Brotlaibform) Barren (insg. ca. 10 Tonnen), Zinnbarren (ca. 1 Tonne), Blauglas (ca. 350 kg), Terebinthenharz, Ebenholz, sowie Elfenbein an Bord. Daneben wurden Eicheln, Mandeln, Feigen, Oliven, Granatäpfel, Töpferwaren, sowie Schmuck aus Gold und Silber, Bronzewerkzeuge und Waffen an Bord gefunden.
Das Kupfer stammte von Zypern (die Herkunft konnte durch Bleiisotopenanalyse geklärt werden), während die Herkunft des Zinns noch nicht geklärt ist. Das Zinn stellt bisher den ältesten bekannten Barrenfund dar und beweist, dass auch Zinn in der gleichen Form gehandelt wurde wie Kupfer. Altassyrische Quellen legen nahe, dass Zinn bereits seit längerer Zeit damals aus dem Osten eingeführt wurde, vielleicht aus Zentralasien. Andere Forscher denken an das anatolische Taurusgebirge. Interessanterweise wurden die beiden Metalle im Verhältnis 10 Teile Kupfer und ein Teil Zinn gefunden, dem Mischungsverhältnis, das für die Herstellung von Bronze benötigt wird.

Die Glockentöpfer-Leute
Glockentöpfe wurden zu hunderten an Tempeln in ganz Mesopotamien gefunden, was diese Glockentöpfe eine gewisse Sonderstellung verleiht.
Die Verbreitung reicht von Syrien (Nagar, Ebla und Nabada alias Tell Beydar) wo der berühmten „Tempel der Tausend Augen“ stand, bis Tepe Yahya im Süden Irans. Dort in Yahya befand sich ein Steinbruch für Chlorid, der offenbar Verbindungen bis zur Induskultur hatte. Cholorid mit Ton gemischt macht die Keramik feuerfest. Es war daher eine begehrter Rohstoff um Kochgeschirr herzustellen das viel mehr Hitze aushielt.
Das Gebiet der Glockentöpfe reicht also bis in die Proto-Elamischen Kultur, die etwa der Ğemdet-Nasr (Dschemdet-Nasr)-Zeit der ersten Dynastien wie z.B. in Eridu, Mesopotamien entspricht (3100 bis 2800 BC). Die aus dem Kaukasus stammende Kura-Araxas Kultur könnte durchaus mit der Verbreitung von Arsenkupfer (Arsenbronze) in Verbindung stehen.

Bald darauf lernte man auch die Zinnbronze herzustellen.

Ein erneuter Kulturwechsel kam mit der Akkad-Zeit. Dies entspricht etwa zeitgleich der Verbreitung von Glockentöpfe.
Sargon von Akkak war ca. 2350 BC auf einem Feldzug wobei er Nagar und Ebla angriff. 2240 BC zerstörte sein Enkel Naram-Sin von Akkad Ebla und eroberte Nagar, wo er das nördlichste Verwaltungszentrum des Akkad-Reiches einrichtete. Auch der Name von Enlil wird hier zum ersten Mal im 3. Jahrtausend erwähnt.
Bekannt ist Nagar für den „Tempel der tausend Augen“. Die genaue Bezeichnung des Tempels ist nicht bekannt, aber es wurden Unmengen von Augenidole gefunden.
Hacınebi Tepe (alter Name unbekannt) ein Nachbarort war ein bedeutender Lieferant für Bitumen (Teer) und belieferte u.a. Uruk und Kish. Hier wie auch im nahegelegenem Hacınebi wurden zahlreiche offenbar standartisierte Glockentöpfe gefunden. Man nimmt an das sie zum Abmessen der Getreideration an die Arbeiter benutzt wurden. Diese erbauten wohl u.a. die Mauern um Uruk und waren demnach Zeitgenossen von Gilgamesh.
Das interessante an diesen Glockentöpfen ist die nahezu industrielle Gleichmässigkeit der Form. Eine Art Arbeitergeschirr der Antike.

Ob diese Glockentopf-Form ein Vorläufer der Glockenbecher ist, lässt sich derzeit nicht sagen. Andererseits entspricht die individuelle Beziehung der europäischen Glockenbecher-Kultur zu „ihrem Becher“ den man ihnen auch ins Grab mit gab, durchaus einer Tradition von Arbeitern zu ihrem Werkzeug und wie ein Blick in die Aufenthaltsräume Deutschlands beweist, hat dort jeder seinen individuellen Kaffeepot. Es ist durchaus realistisch das Bauarbeitern im Orient irgendwann auch eine persönliche Beziehung zu „ihrem Glockentopf“ aufbauten und damit begannen ihn individueller zu gestalten. Aus so einer Marotte kann durchaus eine Tradition entstehen, die insbesondere dann zu einem Ritual wird, wenn man in der Fremde ist. Nicht umsonst weisen zahlreiche Auswanderergemeinden einige sehr merkwürdige Bräuche auf, z.B. den Weihnachtsbaum in der Karibik, wobei mangels Tannenbaum so manche Palme herhalten muss. Auch Sand-Schneemänner mit Sonnenbrille wurden schon gesichtet. 🙂
Natürlich ist das eine spekulative Möglichkeit. Davon mal abgesehen haben wir uns in einigen Gewohnheiten nicht wirklich weiter entwickelt.

Mesopotamien und Elam

Ähnlich wie in Ägypten hatte sich in Mesopotamien bereits die sumerische Hochkultur − seit etwa 3500 v. Chr. − entwickelt, bevor zum bis dahin schon weit verbreiteten Kupfer das neue Material Bronze hinzukam.
Das Kupfer kam aus dem Zagros, vermutlich die Gegend um Tepe Sialk, das antike Arisman.
Hier wurden Metallschlacken gefunden, die von den Archäometallurgen der Bergakademie Freiberg untersucht wurden. Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in der prähistorischen Siedlung Arisman 60 km südöstlich von Tepe Sialk belegen, dass die Verhüttung von Kupfererzen hier bereits im zentraliranischen Hochland im 5. Jahrtausend v. Chr. begann.
Dabei zeigte sich, dass die Zikkurat in Arisman etwa aus der Zeit um 2900 v. Chr. stammt, also 800 Jahre älter als die Zikkurat des Mondgottes Nanna in Ur ist. Aus dem 3. Jahrtausend stammen auch proto-elamitische Schrifttäfelchen, Rollsiegel und Keramiken.
Die Siedlung war nach dem Sieg gegen die Guti für etwa ein Jahrtausend verlassen und wurde Mitte des 2. Jahrtausends von neu eingewanderten Völkern wieder besiedelt.

Das zur Herstellung notwendige Zinn wurde wahrscheinlich aus den benachbarten Regionen im westlichen Iran und Usbekistan eingeführt. Die Bronzenutzung setzte sich erst im zweiten vorchristlichen Jahrtausend in größerem Rahmen durch. Im gesamten vorderen Orient wurde Bronze dann spätestens um 1000 v. Chr. durch Eisen als besser geeignetes Material endgültig ersetzt.

Im südöstlichen Arabien entstanden im 3. Jahrtausend v. Chr. hochentwickelte Kulturen. Die bedeutendste davon ist die Umm-an-Nar-Kultur (2700–2000 v. Chr.), welche nach einem Fundort bei Abu Dhabi benannt wurde und sich auf den heutigen Gebieten der Vereinigten Arabischen Emirate und Nordoman ausdehnte. Sie pflegte enge Handelskontakte zu den Sumerern in Mesopotamien sowie zur Induskultur im heutigen Pakistan. In der sumerischen Überlieferung wird als wichtiger Handelspartner das Land Magan (auch: Makan, Makkan) genannt, das nach derzeitigem Forschungsstand das Gebiet des heutigen Nordoman umfasste. Für den Handel zwischen Sumerern und der Induskultur stellte Magan eine wichtige Zwischenstation dar.

Eine große Bedeutung im damaligen Handelssystem hatte das Land außerdem wegen seines umfangreichen Kupferbergbaus, da Kupfer ein Grundmetall für die Herstellung von Bronze war. Auf dem Höhepunkt der Kupferproduktion zwischen 2200 v. Chr. und 1900 v. Chr. sollen 2000 bis 4000 Tonnen Kupfer produziert worden sein. Darüber hinaus wurden aus Magan auch Steine exportiert. So berichtet Gudea von Lagasch von Diorit-Importen aus Magan zur Herstellung von Statuen. Der Handel wurde mit Schiffen abgewickelt, die eine Ladekapazität von bis zu 20 t hatten. Wenn auch über die handelspolitische Bedeutung von Magan einiges bekannt ist, so sind die Kenntnisse über die politische Organisation des Landes gering. Es scheint aber zumindest ein Fürstentum oder Königreich gegeben zu haben, da Naram-Sin von Akkad um 2200 v. Chr. von einem Sieg über König Manium von Magan berichtet.

Um 1800 v. Chr. verlor Magan mit dem Untergang der Induskultur und dem Ende direkter Handelsverbindungen nach Mesopotamien seine Bedeutung. Zwar wurde weiter Kupfer abgebaut und exportiert, doch zog Dilmun/Bahrain nun den Zwischenhandel an sich. Zu dieser Zeit verschwindet Magan aus den sumerischen Quellen. Ein Grund war wohl auch, dass der Kupferbedarf Mesopotamiens zunehmend von Zypern gedeckt werden konnte.

Kupfer in Asien
Etwa zwischen 2200 und 1700 v. Chr. findet sich im heutigen Turkmenistan und Afghanistan die Oxus- oder Oasenkultur in der Wüste Karakum. Das durch seinen Entdecker auch BMAC (Bactria-Margiana Archaeological Complex) nach den antiken Namen genannte Gebiet hatte bereits ein hohes Niveau der Töpferkunst und Metallbearbeitung vorzuweisen. Monumentale Gebäude wurden errichtet, Felder bewässert. Früher noch als in China (ab etwa 2300 v. Chr.) scheint eine Schrift entwickelt worden zu sein. Der Grund für den Untergang der Oxus-Kultur ist noch nicht geklärt.

In Indien entsteht die Indus-Kultur oder Indus-Zivilisation, teilweise auch nach Harappa, einem der Hauptausgrabungsplätze am Ravi (Punjab, Pakistan), Harappa oder Harappa-Kultur genannt. Sie war eine antike Zivilisation, die sich etwa in den Jahren 2800 v. Chr. bis 1800 v. Chr. entlang des Indus im Nordwesten des indischen Subkontinents entwickelte.

In China folgte auf die frühbronzezeitliche Xia-Dynastie (etwa 2200 v. Chr.–1800 v. Chr.) die Shang-Dynastie (etwa 1570–1066 v. Chr., auch Yin genannt). Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Funde von Schriftzeugnissen in China und Bronze wird verarbeitet.

Kupfer und Bronze waren in Japan seit dem 3. Jh. v.Chr , etwa zur Zeit der Yayoi-Kultur bekannt. Allerdings war dies kein Kupfer aus eigener Erzeugung, sondern in Form importierter Gegenstände aus China. Der nachweislich erste Kupferbergbau in Japan begann im Jahr 697 in den heutigen Provinzen Tottori und Yamaguchi. Im Jahr 701 wurde das erste japanische Bergrecht erlassen. Nachdem Anfang des 8. Jh. in der Präfektur Saitama große Kupferlagerstätten entdeckt wurden, ließ die die damalige Kaiserin Gemmein-Tenno die Ära Wado (i..ü.S. „japanisches Kupfer) ausrufen, einhergehend mit der Prägung erster Kupfermünzen. Die Gießtechnik entwickelte sich rasch und in der Folge des 8. Jh. entstanden nicht nur ein 16 m hoher Bronzebuddha in Nara, sondern auch ungezählte Glocken, Spiegel, Laternen und Gebrauchsgegenstände.

Die Minen von Vorovskaya Yama
Die Sintasha-Kultur importierte ihr Kupfererz aus den nahegelegenen Minen von Vorovskaya Yama und beliefert der Städte der Oasenkultur Zentralasiens über die Route Aralsee entlang des Amur Darya. Damit nimmt diese Mine eine zentrale Rolle für die Verbreitung von Kupfer in Zentralasien ein.

Die Sintashta-Kultur (Sintashta-Petrovka-Kultur oder Sintashta-Arkaim-Kultur ist eine archäologische Kultur der Bronzezeit die auf etwa 2100-1800 v. Chr. datiert wird. Sintashta-Siedlungen sind ebenfalls wegen ihres ausgedehnten Kupferbergbaus und der bedeutenden Bronzeherstellung bemerkenswert, da dies für eine Steppenkultur ungewöhnlich ist.
Die ersten Sintashta-Siedlungen erscheinen um 2100 v. Chr in den sumpfigen Tiefebenen um den Ural und am oberen Tobol (dem westlichen Seitenarm des Ob der aus dem südlichen Ural ins Eismeer fließt). Die Wirtschaft der Sintashta drehte sich in erster Linie um Kupfermetallurgie. Kupfererze aus den nahegelegenen Minen, wurden in die Sintashta-Siedlungen gebracht und zu Kupfer und Arsenbronze weiterverarbeitet. In ausgegrabenen Gebäuden der Fundplätze in Sintashta, Arkaim und Ust’e fanden sich Überreste von Schmelzöfen und Schlacke. Ein Großteil des Metalls war für den Export in die Städte der Oasenkultur Zentralasiens bestimmt. Dieser Metallhandel verknüpfte die Steppenregion erstmals mit den antiken städtischen Zivilisationen des Nahen Ostens: die Reiche und Stadtstaaten Irans und Mesopotamiens waren bedeutende Märkte für Metall. Über diese Handelsrouten gelangten später auch Pferde und Streitwagen in die Gebirgsregionen des Himalaja, Indien und in den Osten Irans und letztendlich wohl auch die Saken (Skythen).

Kupfer in Nordamerika
Im Gebiet der Großen Seen Nordamerikas gab es um 3000 v. Chr. eine regelrechte Schmuck- und Kunstgewerbe-Industrie, welche die unvorstellbar reichen Vorkommen gediegenen Kupfers der dortigen Vorkommen nutzte. Bis heute hat man mehr als 10.000 unterschiedliche Ausgrabungsstätten der frühen Amerikaner identifiziert, wobei diese Kupfer-Nuggets bis zu 100 kg bargen; man geht davon aus, dass in dieser frühen chalkolithischen Epoche wahrscheinlich tausende Tonnen Kupfererz gefördert wurden. Das Kupfer wurde mit primitiven Hämmern abgebaut; da es jedoch keine technologischen, bzw. Verhüttungs- oder Schmelzkenntnisse gab, blieb die Bearbeitung des Kupfers auf das gediegene Metall beschränkt.

Die alten Völker aus der präkolumbischen Epoche (Maya, Azteken und Inkas) kannten und förderten es neben Gold und Silber. Damals verwendete man zum Beispiel eine Gold-Kupfer-Legierung namens Tumbaga (beispielsweise für die Herstellung der als Tumi bezeichneten Ritualmesser). Tumbaga (auch Tumbago) ist eine Legierung mit den Hauptbestandteilen Gold und Kupfer. Der Kupferanteil kann hierbei bis zu 70 % betragen. Tumbaga hat einen niedrigeren Schmelzpunkt und eine größere Härte als Gold. Die Legierung war besonders in Altkolumbien und in Mittelamerika verbreitet. Die Oberflächen der Produkte wurden erwärmt und das entstehende Kupferoxid mit Pflanzensäure entfernt. Übrig blieb reines Gold. Viele Gegenstände der Indios wurden so hergestellt, z. B. das Tumi und die Tunjos. Auf diese Weise arbeiteten die Völker der Muisca (siehe Eldorado), die Tairona und die Sinu. Es gab zwei Techniken der Verarbeitungen: das Treiben und Hämmern und das Gießen nach dem Wachsausschmelzverfahren.

Kupfer in Europa
Die Kupferverarbeitung in Europa begann offenbar schon im 5. Jahrtausend im Rahmen der Vinca-Kultur, die die Minen von Rudna Glava in Zentralserbien ausbeutete. Weitere Minen befanden sich in Rudnik (Serbien), Jarmovac, sowie in  Mračaj/Maskara (Bosnien-Herzegovina). Die reichsten Gräber der Vinca-Kultur werden jedoch zwischen 4600 und 4500 BC datiert.

Aus der Kupfersteinzeit stammt auch der als Gletschermumie erhaltene „Ötzi“, der zwischen 3359 und 3105 v. Chr. (also ca. 3200 BC) starb. Seine Axt bestand aus fast reinem Kupfer (99%) und datierte die Kupferzeit Europas mal eben um 1000 Jahre zurück. Es stammte aus der Kupfermine am Mondsee.
Diese Kupfermine belieferte ab ca. 3700 BC praktisch auch Nordeuropa, bis sie plötzlich ca. 3370 BC durch einen Bergrutsch verschüttet wurde.
Danach übernahm Mitterberg im Salzkammergut die Belieferung von Europa. Die geologischen Untersuchungen zeigen, das die Verbreitung von Kupfer aus Mitterberg praktisch den gesamten Alpenraum und Nordeuropa abdeckte. Das Zinn stammte dagegen aus dem englischem Cornwall. Die Gegend um Stonehenge könnte dabei als Umschlagplatz für Zinn gedient haben.

Ötzi, der auch in den Ötztaler Alpen geboren war, hatte braune Augen und war etwas über 40 Jahre alt. Seine Mumie war nur etwa ca. 1,54m groß wobei der Konservierungsprozess zur Schrumpfung führte. Er dürfte lebend knapp 1,60m groß gewesen sein, sodaß er gegenüber Nordeuropäern mit ihren ca. 1.70m bis zu 1,85m Höhe wohl eher ein Zwerg war.
Dabei gehörte er eher zur Elite, wahrscheinlich waren andere seines Stammes etwas kleiner. Ötzi starb zwischen 3359 und 3105 BC. Isotopenuntersuchung seiner Zähne stellten fest das Ötzi ein echter Tiroler ist und seine frühe Kindheit wahrscheinlich im oberen Eisacktal (Bruneck/Brunico) oder im unteren Pustertal (Brixen/Bressanone) verbrachte. Vor seinem Tod hat er anscheinend mindestens 10 Jahre im Vinschgau gelebt. Seine Vorfahren könnten durchaus am Mondsee gelebt haben, das ca. 100 km weiter östlicher gelegen ist. Die weitere Wanderroute seiner Nachfahren könnte sie zum Züricher See oder zum Bodensee geführt haben, wo Pfahlbauer lebten.
Die Gegend der Südlichen Alpen/Norditalien/Rhöne wird treffenderweise in der Edda bereits als Dvergatal (Zwergental) bezeichnet. Auch die Römer und Araber belegen mehrfach das die Nordeuropäer recht groß waren, was sicher mit ihrer recht fleischhaltigen Nahrung zu tun hat. Nicht umsonst belegen die Nordeuropäischen Mythen immer wieder reichhaltige Gelage mit reichlich Alkohol und Fleisch, insbesondere Schweinefleisch. Selbst heute bevorzugen Nordeuropäer eher deftiges Essen und deshalb haben sie wohl auch die Bratwürste in die Welt exportiert. Zur selben Zeit als Ötzi durch einen Pfeil getroffen verstarb, wanderte ein Verwandter aus der selben Region nach England aus und wurde dort nahe Stonehenge als Bogenschütze von Amesbury reich bestattet. Zeitgleich begann der Bau von Stonehenge.

Kupfer in Iberien
Zambujal (auch Castro do Zambujal) im südlichen Portugal ist eine befestigte Siedlung der Kupferzeit (3. und 2. Jahrtausend v. Chr.) auf der Iberischen Halbinsel. Sie liegt auf einem Bergsporn in der Nähe von Torres Vedras in Portugal. Durch geologische Analysen wurde festgestellt, dass die mit dem frühen Auftreten der Glockenbecherkultur assoziierte. Die Siedlung lag einst nur etwa einen Kilometer von einem heute verlandeten Meeresarm entfernt lag. Zambujal gehört zu einer Reihe von Fundorten, in der die früheste Kupfer-Metallurgie auf der Iberischen Halbinsel nachgewiesen wurde.

Zinn wurde auf der iberischen Halbinsel aus Minen am Unterlauf des Duero gewonnen. Nördlich seines Mittellaufes liegt in Portugal das Hochplateau der Serra de Aboboreira mit der Megalithanlage Chã da Parada. Im Neolithikum war das gesamte Gebiet nördlich des Duero einschließlich Galiciens ein einheitlicher Kulturraum.

Der Metallhort von Serra Ilixi
In Sardinien wurde bei Nuragus der sogenannte Metallhort von Serra Ilixi gefunden. Analysen lassen vermuten das dieses Kupfer aus Zypern stammt. Die Barren von Serra Ilixi waren in Ochsenhautbarren gegossen und mit Gussmarken versehen, die einem ägäischen Silbenalphabet entstammen.
Als Ochsenhautbarren werden Rohkupferbarren in der Umrissform getrockneter, gespannter Rinderhäute bezeichnet, eine damals übliche und weit verbreitete Form für den Metall-Transport, die das Tragen bzw. die Befestigung an Tragtieren und auf Schiffen erleichtert haben dürften, die während der mediterranen Spätbronzezeit (zwischen 1600-1000 v. Chr.) weit verbreitet waren. Die antiken Barren wiegen zwischen 20–35 kg und bestehen aus fast reinem Kupfer. Ochsenhautbarren kommen in Assyrien (Dur Kurigalzu), Ägypten (Pi-Ramesse), in der Levante, auf Zypern, in Hattuscha, Griechenland (Mykene und Kreta (Hagia Triadha)), in Sosopol in Bulgarien und Illyrien, in Süditalien, auf Sizilien (Cannatello) und Sardinien vor.

Kupfer in Zentraleuropa
Kupferbergbau in den Alpen nördlich des Alpenhauptkammes ist bislang nachgewiesen am Hochkönig bei Bischofshofen zwischen 1700-1000 v. Chr. am Jochberg zwischen 1600-1200 v. Chr., auf der nahegelegenen Kelchalm zwischen 1256-1237 v. Chr., in Schwaz/Brixlegg/Radfeld zwischen 1400-500 v. Chr. und in Leogang/Viehofen um 1250 v. Chr. herum. (Pichler, S. 71). Geschickte Verarbeiter von Kupfer war die Aunjetitzkultur.

Aunjetiz und Alpine Frühbronze in Deutschland

Aunjetiz und Alpine Frühbronze in/um Deutschland

Tatsächlich wird die Bronzezeit von zwei Kulturen massiv dominiert, die im Südwesten beheimatete Alpine Frühbronze die sich an der Rhöne bildet und im Nordosten mit der Urnenfelder Kultur überlappt und die in südostdeutschland entstandene Aunjetitz-Kultur im Osten die später die Lausitzer Kultur hervor bringt. Der Grund für die Wechselwirkung beider Kulturen liegt vor allen Dingen an die Kupferimporte die zuerst aus der Slowakei, dann aber aus dem Bergwerk des österreichischen Mittelberg und damit aus der Mondsee-Kultur (um ca. 1300 BC durch einen Erdrutsch abrupt beendet) kam. Dieses Kupfer wurde ähnlich wie das Kupfer im Kaukasus mit Arsen angereichert, d.h. die Technologie dazu stammt vom Kaukasus und kam über die Aunjetitz-Kultur zur Alpinen Frühbronze, die ihrerseits durch den Kupferexport profitierte und reich wurde. Ein zweites erfolgreiches Exportgut dürfte das Salz aus dem Hallstätter Raum gewesen sein, was auch die Ansiedlung in dem ansonsten recht kleinem Tal begründet.

Für die Aunjetizer dürfte diese Bronze ein sehr wertvolles Gut gewesen sein, das sie offenbar mit Bernstein aufwogen, der wiederum im Südwesten heiss begehrt war. Während der Frühbronzezeit (ca. 2.200 – 1.600/1.550 v. Chr.) etablierte sich also in vielen Regionen Europas ein weit gespanntes stabiles Handelsnetz für Metalle und andere Waren, wie es in dieser Intensität bislang noch nicht da gewesen war und das auch die entlegensten Ecken Europas erreichte.

Die Glockenbecher

Mit dem Eintreffen der Glockenbecher ab frühestens ca. 2800 v. Chr., verändert sich Europa rapide. Mit ihr beginnt auch die europäische Zeit der Bronze.

Iberische Bronzezeit

Iberische Bronzezeit

Die ältesten Funde der Glockenbecher-Kultur treten in Iberen in der Ebene des Unterlauf des Tejo auf und weisen die Vila Nova de São Pedro-Kultur in der Phase 2 ihrer Entwicklung als Ursprung (VNSP II) der Glockenbechermode auf. Auch in Zambuja und an den Mündungen des Guadiana und Guadalquivir beginnt die Glockenbecherkultur zeitgleich mit der Metallverarbeitung. Etwa zur gleichen Zeit ist eine Gesellschaftliche Differenzierung zu beobachten. Ein möglicher Hinweis ist der Import von Elfenbein der ab ca. 3000 BC im Süden Iberiens erscheint und offensichtlich aus Nordafrika stammt.
Ob die Glockenbecherkultur daher aus dem Neolithikum von Nordwestafrika stammt ist nicht ganz klar, da Nordafrika hier nur schlecht erforscht ist.

Die Glockenbecher-Kultur vereint vor allen Dingen die S-förmige Form ihrer Trinkbecher die je nach Kulturstufe in ihrer frühesten Verzierung als Mittelmeer-Becher auch die Herzmuschel, Fischgräten oder ähnliche Muster nutzen, aber relativ monotone Verzierung aufweisen wie es oft die ältesten Formen aufzeigen.

Die in Mitteleuropa gefundenen Glockenbecher weisen dagegen vielfältige ringförmige Muster auf, was auf die Nutzung von Schnüre und Kordeln hinweisen und sich über den ganzen Becher erstrecken. Damit zeigt sich wohl auch der Kulturkontakt von Schnurkeramikern und Glockenbechern. Man nennt sie All-Over-Corded (AOC)- Becher.

Die jüngsten Becher sind ein Mix der viel Abwechslung in der Verzierung zeigt und den Einsatz unterschiedlicher Techniken zur Ornamentik belegen. Diese werden als All-Over-Ornamented (AOO)- Becher bezeichnet. Sie weisen die höchste Vielfalt und Kombination auf.

Da die Glockenbecher recht unterschiedlich sind, aber lokal hergestellt wurden, kann man von einer gemeinsamen Idiologie ausgehen, die von den Kulturen so nach und nach übernommen wurde. Dabei breiteten sich einzelne Kleingruppen verstreut von den iberischen Cardialkulturen nach Mitteleuropa aus, trafen dort auf die Pfahlbauer, die diese neue Idiologie übernahmen und ihre Lebensweise veränderten. Gemeinsam wanderten sie u.a. den Rhein hinauf.

Hockerstellungen v. Glockenbechern und Schnurkeramikern

Hockerstellungen v. Glockenbechern und Schnurkeramikern

Während im Süden von Iberien über Frankreich nun auch in England und Irland die neuen Ideen und damit auch der Glockenbecher Fuss fasste. Der Unterschied zwischen den Glockenbechern und den anderen Kulturen Europas liegt zunächst in ihren Grabsitten. Beide Kulturen bestatteten ihre Toten in seitlicher Lage mit angezogenen Beinen (Hockerlage). Doch während die Glockenbecher ihre Toten in Nord-Süd-Ausrichtung betten und den Kopf nach Osten zum Sonnenaufgang blickten, wobei Männer links und Frauen rechts bestattet wurden, finden wir bei den Schnurkeramikern eine West-Ost Ausrichtung, wobei der Kopf der Männer im Westen gebettet und nach Norden schauend rechts niedergelegt wurden, während die Frauen mit dem Kopf im Osten auf der linken Seite bestattet wurden.

Jamnaja-Bestattung, ca. 2500 BC

Jamnaja-Bestattung, Kirovograd, Ukraine ca. 2500 BC entspricht einem Schnurkeramiker

Diese West-Ost-Ausrichtung der Schnurkeramiker ist z.b. auch in Iberien und Thessalien erstmal typisch und dürfte wohl auf eine Tradition zurückgehen die sich mit den Schnurkeramikern verbreitete. Das sie auch im Yamnaja-Horizont typisch war ist wenig bekannt. Dafür sprechen auch Steinkisten, die denen in Deutschland ähneln, wo die Ältesten dieses Types vorkommen.
Schon dort werden Gräber mit Holzdecken abgedeckt.

Mit den Urnenfeldern wird dann auch die Kremation (Feuerbestattung) mit Urnen populär. Interessant ist, das Gruppen die recht nahe nebeneinander wohnten, sowohl die Bestattung von Urnen als auch die Hocklage auftreten konnte. Die Feuerbestattung deutet also ebenfalls auf eine Veränderung der Idiologie. Auch unter den späteren Slawensiedlungen fallen einzelne Individuen auf die abweichend von der slawischen West-Ost Bestattung nach Nord-Süd ausgerichtet wurden, was auf Ethogenese schließen lässt.

Alles in allem scheint sich mit den Glockenbechern eine modernisierte Religion verbreitet zu haben, die einen Bezug der Männer zum Norden mit Blick in den Osten zu haben scheint, während die Schnurkeramiker den Kopf im Westen als Sonnenuntergang mit Blick nach Norden und die Füsse im Osten als Sonnenaufgang.

Gegen 2800 v. Chr. beleben die zugewanderten Glockenbecher die Megalithtechnik erneut, insbesondere in Frankreich. Über Rhöne und Alpen verbreiten sie sich nach Mitteleuropa, wo die Bronzezeit etwa um 2600-2400 v. Chr. beginnt. Eine ähnliche Wiederbelebung erfuhren die Pfahlbausiedlungen.

Auf der anderen Seite in Ost- und Südosteuropa wird der Grabhügel megamäßig populär. Grabhügel waren im dritten, zweiten und bis zum ersten Jahrtausend v.  Chr. in vielen europäischen Regionen prägend. Ganze Landschaften wurden zu Grabhügellandschaften umgebaut und zwar in einem Ausmaß, das wir uns heute kaum vorstellen können. Der gesamte Nordschwarzmeerraum, der Nordkaukasus im Kislovodsk Becken und der Maikop-Kultur, aber auch Norddeutschland, Pommern, Jütland, Dänemark muss man sich als mehr oder weniger bewaldete Grabhügellandschaften vorstellen. In Gebieten mit weniger Vegetation dürfte es wie eine Mondlandschaft ausgesehen haben. Dazu kommen die gigantischen Grabhügel im Nordkaukasus.
Die Zerstörungen dieser Gebiete fanden überwiegend erst in den letzten zwei Jahrhunderten statt. Zeitversetzt folgten die Randzonen, das südliche Skandinavien, England/Irland, Schweiz (z.b. Mannersdorf/March) , Österreich, Griechenland, Anatolien, entlang der Wolga, das Uralgebiet, die Kulturen Zentralasiens wie in Kalmykien, Kasachstan usw.

Doch während sich in Mitteleuropa so nach und nach der Übergang zur Urnenbestattung vollzieht, boomen in den Randzonen die Hügelgräber, teilweise sogar noch bis in die Antike hinein.

Diese vermeintliche Kontinuität die bis in die Bronze- und Eisenzeit anhielt und für viele der jüngeren Megalithbauten verantwortlich ist, führte zu der Ansicht das die Vorfahren der Glockenbecher die Träger der Megalithtechnik seien. Dies ist jedoch zu verneinen. Die Glockenbecher scheinen eher Gefallen an den vielfältigen Bauweisen der Europäer gefunden zu haben und entwickelten die lokalen Baustile weiter, kombinierten und experimentierten damit. In diese Zeit fällt auch nach neuesten Forschungen der Bau von Stonehenge zeitgleich mit dem Bogenschützen von Amesbury.

Nach den bisher veröffentlichen Funden wurde in Europa zwischen 2800-2400 BC sowohl R1a als auch R1b nachgewiesen, was zur Annahme führte, das R1b die neolithischen Einwanderer waren.
Dies ist jedoch unwahrscheinlich, da die Glockenbecher nicht mit dem Einwanderungsweg der östlichen oder westlichen Farmer überein stimmen. Inzwischen wurde durch die Studie von Underhill at all 2014 bestätigt das die yDNA R1a aus Anatolien einwanderte und damit identisch mit den eingewanderten Farmern ist.

Wie die Glockenbecher nach Europa kamen, darüber gibt es reichlich Spekulation. Bewiesen ist nur das sie zwischen 2.400 und 2.600 BC mit den neolitischen Farmern am Rhein vergesellschaftet waren und um 2800 BC in Iberien datiert werden, wobei Iberien und Mitteleuropa nicht die gleiche yDNA haben. Es gibt also zwei Völker mit der gleichen Tradition.
Das Eintreffen der Glockenbecher in Mitteleuropa führte zu neuen Verzweigungen in den Haplogruppen. So entsteht z.b. die Unterwölblinger Kultur (2300 BC-1800 BC) die starke Verbindungen zur Straubinger Gruppe hat, der die Věteřov-Kultur in Mähren und Böhmen folgt.

Los Millares und Monkodonja

Los Millares, datiert auf ca. 3000- 1800 BC und Monkodonja auf Istrien in Kroatien, datiert auf 1.800 – 1.200 BC, Kastellierekultur

Das Auftauchen der Glockenbecher harmoniert auch mit einer Einwanderung an die Adria-Küste um etwa 2400 BC, womit die Butmir-Kultur in Bosnien-Herzegowina endet. Diese hatte erfolgreich einen Seehandel über die Adria betrieben, der sowohl nach Apulien als auch bis zu den Minoern auf Kreta reichte. In Mitteleuropa entstehen daraufhin zwischen 1800 und 1200 v. Chr. zahlreiche Großsiedlungen, deren Entwicklung erst wieder durch das Auftauchen der Urnenfelder abbricht. Die Glockenbecher vermischten sich mit den Mitteleuropäern und brachten neue Ideen ins Herz Europas. In den Nordalpen kam es zur Ethogenese mit Schnurkeramikern, in den Südalpen trafen sie auf die Pfahlbauer die insbesondere die Poebene und die Adriaküste besiedelten. Dort explodiert dann auch die Bevölkerung und so entstehen z.b. auf der kroatischen Halbinsel Istrien zahlreiche neue Siedlungen.

Die neuen Einwanderer dürften also aus einer Bronzekultur kommen und waren den alteuropäischen Kupfer-Kulturen überlegen. Mit der Ethogenese der Kulturen kam es zu einer Modernisierung deren Einfluss bis nach Griechenland reichte, wo um ca. 1700 BC die Mykener auftauchten, die ihrerseits die Minoer modernisierten und das Mittelmeer bis zum Auftauchen der Dorer und Urnenfelder Kulturen beherrschten.
Der Kulturtransfer zwischen dem südöstlichen Los Millares und der Adriatischen Halbinsel Istrien ist anhand der Bauweise ihrer Großsiedlungen nachweisbar, die erstaunliche Parallelen aufweist. Der Kulturtransfer zwischen der nördlichen Adria und den Mykenern ist dagegen über importierte Keramik nachweisbar. Es ist daher wahrscheinlich das die Mythologie Europas durch die frühmykenischen Götter beeinflusst wurde.

Interessanterweise entsprechen die berühmten Augenidole der Los Millares Kultur um ca. 1800 BC den Darstellungen in Tell Brak (Nagar im nordöstlichstem Syrien, Chabur-Region Nordmesopotamien).
Es wurde auch darüber spekuliert ob die Glockentöpfe aus Nagar Vorgänger der Glockenbecher in Iberien waren. Dem steht entgegen, das die Glockenbecher in Iberien älter, aber die Augenidole scheinbar zeitgleich älter sind. Eine kulturelle Verbindung ist sehr spekulativ aber nicht auszuschliessen. Zumindestens zeigt Nordsyrien, Südwest-Iberien und Ägypten eine gewisse Vorliebe für Augen-Symbolik, was auf einen Seehandel schliessen lässt.

Frühmykenische Mythologie, ein Rekonstruktionsversuch

Frühmykenische Götter sind Dio (Dius, entspricht  ursprünglich Dius Uranus), PoseiDaeia (Posaidan, Poseidon, Meeresgott) und ÆnuWarijo (übersetzt Stierkrieger, Beiname des Ares).  Dies entspricht im wesendlichem dem Akkadischem Pantheon von ca. 2000 BC.

Daneben gab es Pajawo (Paieon ein Beiname des Apollon, ein Heilgott) und Potinija (Potnia Theron, Beiname der Artemis, Herrin der wilden Tiere) die vermutlich Zwillinge waren.  Auch Athana Potnia die Stadtgöttin von Athen gibt es im frühmykenischem Mythos, der dort an die ältere minoische Mythologie anschliesst.
DiwoNusijo (Dionysus alias Thyonidas alias Sabazios ein Gott der Wiedergeburt, der zweimal Geborene)  und dessen Schwester Iphimedeia (eine Taubengöttin alias Aphrodite).
Dazu kommt Demeter die in drei Formen dargestellt wird. Kore (Kubala) die Jugendliche, Demetrie die reife Ehefrau und später Persephone als altes Weib.
Sie wurde von ihrem eigenen Vater (Dius Uranus) geschwängert und brachte Zagreus (entspricht Orion-Osiris), den großen Jäger zur Welt zur Welt. Zagreus wurde wie Osiris in Ägypten zerstückelt (und gekocht von den Titanen aufgegessen) und ist wieder auferstand. Dionysus ist dabei die Wiedergeburt von Zagreus der sich in viele Gestalten wandeln kann (Herr der Tiere).
Später vereinte sich Mutter Persephone mit dem wiederauferstandenen Sohn Zagreus Dionysus (römisch zu Liber und Libera umbenannt) – der zu ihr in den Hades zieht. So wird Dionysus zum Schwager (mythisch Zwillingsbruder) des Pajawo (Apollon). In der griechischen Mythologie beanspruchten wohl zahlreiche Stadtgöttinnen die Position der Isis, ähnlich wie Ianna in Mesopotamien oder Isis in Ägypten. Am nächsten kommt ihr jedoch Aphrodite, die dem Meerschaum Entstiegene Tochter des Dius Uranus.

Iphimedia (alias Aphrodite alias Rhea) war die Tochter des *Diu (Dius Uranos) und wurde die Gemahlin des Poseidon. Mit ihm zeugte sie die Aluiden (Aloïdae) Otos (vermutlich identisch mit Orthos) und Ephialtes (vermutlich HEphthalitai). Beide werden als Giganten definiert und sind wohl eine spätere Erfindung der Schwarzmeerkolonien. Jedenfalls wollten ihre Nachkommen die Götter entmachten. Apollon schoss Ephialtes einen Pfeil ins linke Auge und besiegte sie ehe ihnen der Bart wuchs (als sie noch Jünglinge waren). Dann fesselte er sie Rücken an Rücken mit einer Schlange an einer Säule und verbannte sie in den Tartaros. Die Fesselung der Aluiden ist am Pergamonaltar dargestellt.
Aphrodite wurde zur Gemahlin des Hephaistos, des göttlichen Schmiedes, den sie aber den ständig mit Anderen betrog. Auch hier eine Parallele zur Rolle der Ischtar die in Babylon eher als Dirne gilt.
Aphrodite gilt ausserdem als Geliebte des Ares (ÆnuWarijo der Stierkrieger).

Aphrodite als Liebesgöttin wurde später eifrig mit den Göttern der Dorer verkuppelt.
Interessant ist das aus Aphrodites Liebschaft mit dem Trojaner Anchises ging Äneas (griech. Aineias) hervor ging, der zum Stammvater der Römer verklärt wurde.
Gaia galt als die Mutter der Giganten und Titanen und gehört zum dorischem Pantheon. Ihr ägyptischer Name lautet Ge (die Gebärerin). Sie muss wohl so ziemlich alle Feinde der Dorer gebären, deren oberster Gott Kronos wird, der im Phanteon Uranus verdrängt indem er ihn kastriert. Durch die vielen Völker die Kontakt untereinander suchten, verschmolz die griechische Mythologie zu einem Wirrwarr von Göttern.

Im Jahr 2000 fanden Forscher ein Höhlenheiligtum auf der Peljesac-Halbinsel in Südkroatien an der Adria das bis ca. 100 v. Chr in Betrieb war und dann (vermutlich aufgrund der Römischen Eroberung Pannoniens) verlassen wurde und einstürzte.

Fest steht auch das es in der Hallstattzeit zu einer Wiederbelebung der Grabhügel kam, die zweifellos Herrschern vorbehalten war und sich keineswegs auf die Hallstattregion beschränkt. So erzählt die Illias von Homer über die Bestattung von Hektor, Sohn des Priamos, das Priamos ihn nach Rückgabe verbrannt und dessen Knochen unter einem Grabhügel beigesetzt hat. Wenn der Trojanische Krieg um ca. 1200 BC stattfand, dann hatten die Trojaner offensichtlich die selbe Tradition wie sie für die frühen Urnenfelder typisch war.

Ein Hinweis geben uns vielleicht die Griechen, die im 6. Jhd. den Kaukasischen Iberern und den Iberern (auf der iberischen Halbinsel) den gleichen Namen gaben. Vielleicht sahen sie es als gleiches Volk an? Diese unterschieden sie (als ursprüngliche) Iberer klar von den Ligurern, die logischerweise aus Ligurien und zuvor aus der Po-Ebene kamen. Wenn sie also den Urnenfeldern der iberischen Halbinsel ein Kaukasisches Heimatvolk zuweisen, dann könnte das ein Hinweis sein, das die Urnenfelder auf der iberischen Halbinsel aus dem Kaukasus kamen und das sich die Griechen daran noch erinnerten. Aber das ist natürlich sehr spekulativ.

Kleine Info zu den Pannoniern und Illyrern:
Glaukias war der König der Taulantier (317-† 302 v. Chr.), kämpfte mit Cleitus gegen Alexander dem Großen. Nach Alexanders Tod strebt er ein Bündnis mit den Epiroten an und wurde so Stiefvater des Molosser Phyrros I von Epirus, der seinerseits Alexander IV. Aigos, den Sohn und Erben Alexander des Großen beschützte. Glaukias benannte sich vermutlich nach Glaukos, König der Lykier, der im Trojanischen Krieg auf Seiten der Trojaner kämpfte, was darauf schliessen lässt das die Taulanier griechische Götter verehrten.
Phyrros I. († 272, altlateinisch Burrus) aus dem Geschlecht des Aiakides (auch Molosser genannt) heiratete u.a. die Töchter des Paionierkönig Audoleon und des König der Dardanier Bardylis II. Er marschierte 280 BC gegen Rom und brachte das junge römische Reich an den Rand einer Niederlage. Brennus der 280 BC in Pannonien einfiel, kooperierte mit einem Akichorios bei dem es sich vermutlich um die Aiakiden handelt, genauer gesagt um Aikidos, dem Vater des Phyrros I und Großvater von Alexander II. von Epirus.
Auch das Geschlecht der Aiakiden beruft sich auf eine Herkunft von Archilles, dem unwilligen Gegner von Hektor, dem Trojaner. Nach Alexanders Tod in der Diadochenzeit brach auch zwischen den dakisch/pannonischen und den illyrischen/epirotischen Stämmen ein Krieg aus. Dazwischen wird erwähnt das 294 BC Lysimachos sich gegen Geten zur Wehr setzte. Im selben Jahr wurde Demetrios I. Poliorketes 294 v. Chr. König der Macedonen. Im Bündnis mit dem aufstrebenden Glücksritter Pyrrhos verdrängte Lysimachos 287 v. Chr. Demetrios wieder und teilte sich mit Pyrrhos die Herrschaft in Makedonien. So wurde Lysimachos wurde 285/4 BC König der Macedonier und ernannte wohl den Ägypterprinz Ptolemaios Keraunos zum Strategen von Macedonien der seinerseits den Diadochen Seleukos 281 BC umbrachte. Nach dessen Fall machte sich der Stategos Ptolemaios Keraunos 281 BC König von Macedonien und fiel im Februar 279 BC unter dem Ansturm der Geten unter einem Bolgius, nachdem er ein Hilfeangebot der Dardaner abgelehnt hatte. Sosthenes von Makedonien gelang es Bolgius zu besiegen, wurde aber 277 BC von Brennus geschlagen und verschanzte sich in den Städten am Hellespont wo er 277 BC verstarb. Mit anderen Worten, die Illyrer verbündeten sich gegen die Geten/Galater die seit 294 BC in Thrakien auftauchten. Dieser Brennus vereinte die Stämme der Tektosagen (mit den Teilstämmen der Ambitouti, Toutobodiaci und Voturi), die in als Teilstamm der Volker (lat. Volcae) aus dem Gebiet der Gallia Narbonensis kamen und später um Toulouse siedelten wo sie Teil der Westgoten wurden. Die Tolistobogier unter Leonnorius/Lonorius und die Trokmer unter Lutarius überschritten 278 BC den Hellespont nach Bythinien und griffen 277 BC Milet an (Pergamon-Reich der Attaliden, Vasallen von Seleukos).
277 BC besiegte Demetrios I. Poliorketes Sohn Antigonos II. Gonatas  und dann die Geten am Hellespont (Gallipoli alias Lysimacheia), das eine gewisse Autonomie erreicht hatte und sich dem Aitolischen Bund (Epirus, Akarnanien und Böotien) angeschlossen hatte. 279 BC bekämpften der Aitolischen Bund (Dolopen,Evrytanier, Aitolier und vermutlich auch die Opholonen, Doris und Phokis) die Galater unter Brennus, die 279 v. Chr. in einer Schlacht nahe Delphi (vermutlich erst gegen die dorische Hauptstadt Echalia) besiegt werden konnten.
Die Tektosagen die Phrygier. Antiochos I. befriedete sie durch eine Kopfsteuer an die Galater (Galatika) und siedelte sie in Phrygien an. 189 BC wurden sie von den Römern geschlagen.166 BC erhielten sie unter dem Galater Solovettius  für ihr Bündnis mit Rom gegen das Reich Pergamon die Autonomie über Phrygien. Während Pergamon Römisch wurde, unterwarf Mithridates VI. von Pontus 129 BC die Galater und tötete den Adel. Vermutlich eroberte er mit den Galatern auch das Bosporanische Reich.
Interessanterweise pflegten die Galater eine Versammlung im Eichenhain Drunemeton oder Drynemeton (keltisch dru-nemeton, „Eichen-Hain“) abzuhalten. Eine Tradition die von Germanen (auch von Nemeter) bekannt ist. Auch von frühen Griechen, Thrakern und Dakern ist solch ein Hain bekannt. Offenbar eine Sitte die von den Altvölkern zu stammen scheint. Das stellt die Frage auf, ob die Galater tatsächlich so keltisch waren? Womöglich war die keltische Südwanderung gar nicht so keltisch wie man meint, schliesslich wurden alle Barbaren vor Caesar noch als Kelten bezeichnet.
Die dorischen Kolonien Issa, Apollonia und Epidamnos waren seit 230 BC mit Rom verbündet und riefen 230 BC die Römer zu Hilfe.
229/228 v. Chr. muss sich die dakisch/pannonische Teutana Königin der Labeaten im 1. Illyrischen Krieg einer riesigen römischen Flotte beugen, die per Friedensvertrag die Adriaküste in Besitz nehmen. (Die Teutonen wandern erst um 120 v. Chr. aus).Der von Rom eingesetzte Demetrios von Pharos bricht den Vertrag von 222 v. Chr. womit der 2. Illyrische Krieg begann der den Römern Gelegenheit gab den größten Teil Illyriens und die gesamte Adriaküste zu erobern. Durch die Eroberung Istriens und einem Feldzug gegen die Delmatae (Dalmatiner) mit Eroberung deren Hauptstadt Delminium (Županjac, Kroatien) 178/155 v. Chr. wird die Adria bis auf wenige Ausnahmen zu einem römischen Binnenmeeer.
Der letzte bekannte Vasallen-König der Illyrer war Ballaios, der 135 v. Chr sein Reich in Rhizon (jetzt Risan, Montenegro) verlor. Damit enden auch die Reichsgründungen der Illyrer. Nach den Feldzügen Oktavians wird das gesamte „befriedete“ Gebiet zwischen raetischen Alpen bis nach Mazedonien dem Imperium Romanum als Provinz Illyricum eingegliedert.
Da die Illyrer kein ethnisch homogenes Volk waren, sondern eine Konföderation verschiedener Stämme, wird der Begriff von den römischen Autoren unterschiedlich verwendet.
Die im Dalmatien ansässigen Dalmater (auch Dalmaten oder Delmaten), die Taulantiner (in Nordalbanien), Breuker (am Unterlauf der Save, Sirmien vorher wohl an der Adria beheimatet), Iapoden (westliches Bosnien) und Paeoner (nordöstlich von Mazedonien) gehören hierzu. Deren vormalige Nachbarn, die Liburner (im heutigen Norwestdalmatien), werden vom römischen Historiker Florus bereits auch zu den Illyrern (I 21) gerechnet.
Bei Eustathios und Appian (Illyr. 8) werden noch die Histrier und bei Strabon die Breuni und Genauni in den Alpen (VII 314) als weitere illyrische Stämme aufgeführt.
Pomponius Mela (II 56), sowie Plinius der Ältere (in seiner naturalis historia III 144), empfehlen den Begriff nur für Illyrer im engeren Sinne zu verwenden. Sie meinten damit lediglich die illyrischen Stämme an der mittleren italischen Adriaküste.
Zu den illyrischen Stämmen Italiens werden Daunier, Peuketier, Kalabrer und Japyger sowie drei Stämme, die in Italien neue Namen angenommen haben (Messapier, Sallentiner und Poediculi) gerechnet.
Mit Ausnahme von 260 messapischen Inschriften sollten jedoch von diesem Zweig der Illyrer keine nennenswerten Sprachzeugnisse erhalten bleiben. Die Illyrer anderer Berichte treten hingegen zwischen Donau und Save im Norden und dem Epirus im Süden auf, wo sie als Nachbarn der Thraker angesehen werden.  Bei den Dardanern des oberen Axiotals wird heute vermutet, dass sie ursprünglich ein Stamm der Thraker gewesen sein könnten, dessen Kultur von den Illyrern überformt wurde. Dies erscheint relativ glaubwürdig, wenn man sich die Verteilung der yDNA I2a anschaut, die sich von Kroatien an die Schwarzmeerküste reicht und sich vermutlich über die Thraker verbreitet hat.

Etwa zur gleichen Zeit tritt im Westen Anatoliens bzw. an beiden Seiten des Kaukasus ebenfalls eine neue Grabsitte auf, die sehr an mitteldeutsche Kammergräber bzw. Steinkisten vom Typ Züschen erinnern. Sie werden in Zusammenhang mit der Expansion der Kura-Araxa-Kultur gesehen, die ebenfalls Veränderungen aufweisst. Diese expandieren um 2900 BC als Karaz/Khirbet-Kerak-Kultur sowohl ins nördliche Anatolien, dem Siedlungsgebiet der Hurriter, als auch zum Tur Abdin und bis zum Jordan, wo seit 2600 BC ebenfalls Steinkisten auftauchen.

Auch in Westanatolien kommt es zu einem Steinkisten-Phänomen, das mit Hacılar Tepe und Karataş zwischen 2800 und 2650 BC beginnt und wohl auf Siedler der Kykladen, Karier und Minoer hinweisst, bei denen die Steinkisten-Bestattung auch üblich war. Daneben verwendet der Minoisch-Kykladische Raum sogenannte Pithoi, jedoch nur als Vorratsbehälter. Dieser wird nun im Westen Anatolien auch zur Bestattung verwendet. Bei Bakla kommt es zu einem Nebeneinander von früher Erdbestattung, minoischer Steinkisten-Bestattung und Anatolischer Pithoi-Bestattung. Einiges spricht dafür das es sich dabei um die Hatti handelt.
(Pithoi sind irdene Steinkrüge mit Trageösen, flacher Standfläche und breitem Verschluss, sie waren überwiegend als Vorratsbehälter in der Agais in Gebrauch und sind zwischen 0,70 und 1,80 m hoch).

Da man leider von Anfang an immer nur Kelten im Blickfeld hatte, dementsprechend alles östlich der Oder (oder sogar der Elbe) zu Slawen erklärte, ohne das man eingehende Karten wie in Westeuropa zeichnete und die Überlieferungen berücksichtigte, betrachtete man die Zusammensetzung in Deutschland und den drumherum liegenden Ländern eher flüchtig und erklärte sie kurzerhand zum keltischen Einflussgebiet. Und in letzter Zeit wurde insbesondere Polen zur „Urheimat“ der Slawen gemacht, was besonders auf die Gruppe um Herrn Lapinski zurück geht.
Alles schien zu passen. Doch es zeigt sich immer mehr, es passt nicht.

Warum die Kurganvölker-These falsch ist
Die seit Jahrzehnten postulierte Einwanderung angeblicher Kurganvölker wird immer wieder als Beweis einer angeblichen Steppenherkunft der Europäer aufbereitet. Das einzige was diese Kurganvölker wirklich verbindet ist ein Grabhügel, Tumulus oder Kurgan genannt. Das Grabhügel relativ zeitgleich aber sowohl in der Maikop-Kultur als auch in Nordeuropa auftreten wird in diesen Thesen völlig ignoriert, zumal die in Nordeuropa auftretenen Tumuli eher primitiver und damit älter sind. Ebenfalls ignoriert wird das die Jamnaja-Kultur als „Kurgankultur“ ähnlich wie Schnurkeramiker nur eben tiefer in einer Grube begraben wurden. Beiliegender Flintstein deutet ebenfalls nach Norddeutschland wo Flintstein in Jütland abgebaut wurde.
Da stellt sich die Frage, ab wann es überhaupt Nomaden gab.

In der russischen Fachliteratur wird erst für die Zeit ab Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. von „frühen Nomaden“ gesprochen (Jettmar 1983; Otroščenko 1996). V. P. Shilov (1989) erläutert ausführlich, dass im Bereich der älteren Ockergrabkultur (Jamnaja-Kultur 3600-2300 BC) Bevölkerungsgruppen lebten, die mit regionalen Schwerpunkten verstärkt auf Viehzucht spezialisiert waren. Einen guten Überblick über die Anfänge der nomadischen Lebensweise bietet A. M. Khazanov (1994). Die Anhänger der Gimbutas-Konzeption sind bestrebt, das Auftreten von Nomaden in den betreffenden Regionen um einige Jahrtausende zurückzudatieren. Ob die Srednij Stog-Kultur (4500–3500 BC) bereits Nomaden waren oder nicht ist anhand der Funde nicht zu bestimmen. Genauso gut könnte man jeden der Vieh hält, bereits für einen Nomaden halten.

Mongolischer Reiter

Mongolischer Reiter

Eine Verbindung der Jamnaja-Kultur mit der bulgarischen Küste sowie den Theiß-Kulturen ist ebenfalls kein ausreichender Beleg für eine Einwanderung, die archäologisch ja auch nicht nachgewiesen wurde.

Vielmehr handelt es sich dabei um kulturelle Kontakte die eine Ausbreitung von West nach Ost nahe legen, also genau umgedreht. Bisher wurden alle Nomadenvölker wie Alanen, Skythen, Sarmaten, Hunnen, Awaren, Petschenegen, Bolgaren und Tataren in Europa schon kurz nach ihrer Ankunft sesshaft und mit der Zeit vollständig assimiliert (oder vertrieben).
Andersrum passten sich alle europäischen Auswanderer sehr schnell der Steppe an und wurden zu Nomaden. Nomadentum ist also eine Begleiterscheinung der Umgebung, der Steppe und keineswegs an ein Volk gebunden. Für Mitteleuropa besteht eine solche Notwendigkeit zum Nomadentum gar nicht. Dazu kommt, dass das Indogermanische recht reich an „sesshaften“ Worten für Haus, Gebäude, Hof, Acker, Pflug, Korn usw. ist, was in einer endlosen Steppe doch irgendwie recht deplaziert wirkt.

Der kontroverseste Punkt der immerwieder angeführt wird, ist die Jamnaja-Kultur (Grubengrabkultur, 3000-2500 BC). Hier soll nun indogermanisch unter Einwirkung der westasiatischen Hügelkultur entstanden sein. Nunja, neuste Ergebnisse finden jedoch keinen westasiatischen Einfluss, jedenfalls nicht auf weiblicher Seite und man darf schon annehmen, das Nomaden mit ihrer gesamten Familie wandern, zumal die Jamnakultur als halbnomadisch bezeichnet wird.
Käme es also zu einer Vermischung müssten sich Europäer und Asiaten in der nördlichen Schwarzmeer-Region finden lassen. Dem ist jedoch nicht so. Es sind also fast ausschliesslich Europäer am Schwarzen Meer in der Jamnaja-Kultur, wobei die alteuropäischen Kulturen wie Cernavoda (4000-3200 BC), Usatovo (3500-3000 BC) und Cucuteni-Tripolje (3800-2750 BC) durch die ankommende Kugelamphoren-Kultur (ab ca. 2700) und Schnurkeramiker (ab 2500 BC) modernisiert wird, unzwar sowohl kulturell, genetisch als auch sprachlich. Und damit tauchen auch Grabhügel auf. Innovationen entstehen durch Not oder Zuwanderung. Überlebensnotwendig waren Grabhügel sicher nicht. Vielmehr drückt sich hiermit wohl der Wunsch aus, das man sich an diesen Ahnen erinnert. Auch Erinnerung kann jemanden Unsterblich machen und deshalb werden wohl auch die Vanen als Unsterbliche beschrieben, weil sie in Legenden weiter leben.

Wie bereits mehrfach erwähnt, sind sowohl die Kugelamphoren-Kultur als auch die Schnurkeramiker-Kultur Nachfolgekulturen der Nordeuropäischen Trichterbecher-Kultur. Zuvor hatte schon die Badener-Boleraz-Kultur (3600-2800 BC), die – man ahnt es schon – von Baden in Österreich bis Boleraz reicht, die alteuropäischen Kulturen wie LBK usw. auf ihrem Ausbreitungsgebiet abgelöst und die Karpathen-Region modernisiert. Im Grunde genommen hat sie das Kupferimperium.
Ab 2500 BC ersetzten diese indogermanischen Europäer auch die Alteuropäer am Pontus. Hier wurden Indoeuropäer zu Nomaden und breiteten sich nach Osten über die Poltovka-Kultur (2700-2100 BC) die in engen Wechsel zur Potapovka-Kultur (2500-2000 BC) stand und weiter zur Sintashta-Arkaim Kultur (2100-1700 BC) und der Abaschewo-Kultur (2300-1700 BC) aus.
Das bestätigt auch die aktuelle Forschung, wobei man die nordeuropäische Herkunft wortreich verschweigt, es aber indirekt durch eine direkte Verwandtschaft mit heutigen Europäern doch zumindestens erwähnt. Anders ist es wohl kaum zu erklären, warum die genauen genetischen Subcladen nicht publiziert wurden.

Meines Erachtens ist daher nicht die Jamnaja-Kultur am Pontus, sondern die Poltovka-Kultur im „Wolga-Knie“ die Übergangszone in der sich kentumsprechende Westasiaten (R1b, Turksprache) und satemsprechende Indogermanen (R1a) erstmalig trafen. Das muss so um 2500 BC passiert sein, als die Poltovka-Kultur entstand und auf die Pferdereiche Potapovka-Kultur traf. Zudem könnte auch noch weitere Genetik den Weg nach Mitteleuropa gefunden haben. Offensichtlich bestanden am Wolgaknie bereits erste Kontakte zwischen Westasien, dem Uralischen Völkern und den Nordkaukasischen Völkern, was diese Kulturen sicherlich sehr viel innovativer machte. Ein Innovationsschub der durch die Indogermanen wiederum direkt nach Mitteleuropa getragen wurde. Und genau das liegt auch in den Pontus-Kurganen. Es sind Indogermanen!

Dies passt zeitlich und genetisch zu den asiatischen Glockenbechern, die um ca. 2600-2400 BC plötzlich in Zentraleuropa auftreten.
Womöglich schloss sich eine kleine Gruppe Asiaten einfach den Händlern aus Mitteleuropa an, sodaß ein Einwanderungsweg archäologisch gar nicht sichtbar wird, weil diese Gruppe viel zu klein war. Das würde das plötzliche Auftauchen der Glockenbecher in Mitteleuropa sehr gut erklären. Vielleicht kamen sie sogar als Pferdehirten bequem auf einem klobigem Wagen, denn auch das Pferd fand ja den Weg nach Europa.
Als man z.b. im 17. Jhd. Araber nach England importierte, nahm man ebenfalls die Pferdeknechte gleich mit, die eine eigene kleine Subgruppe im damaligem England waren.

Neue Forschungen gehen davon aus das die Domestikation des Pferdes vor 5500 Jahren im Rahmen der Botai Kultur im heutigen Kasachstan langsam begann und sich zwischen Kaspischen Meer und Nordchina ausbreitete. Man domestizierte dabei vor allen Dingen Stuten, da die Hengste zu wild waren. Die Stuten lockten wilde Hengste an, wurden aber am weglaufen gehindert. Und so züchtete man mit den Fohlen weiter. Das führte zur Vorstellung das Pferde gleichzeitig an verschiedenen Orten domestiziert sein mussten. Doch erst mit der Hengsthaltung begann sich auch der Genpool des y-DNA zu verkleinern und damit waren wilde Hengste natürlich unerwünscht geworden. Genetische Analysen an einem Pferd das um ca. 800 BC einem Skythen ins Grab gelegt wurde, positionieren die mtDNA näher an die moderne Pferdegenetik als an die der wilden Artgenossen, wobei der genetische Pool der domestizierten Pferde inzwischen recht klein geworden ist. Die Vielfalt unter den Skythenpferden war also im 8 Jhd. v. Chr. noch deutlich höher.

Interessant dazu Sagartier (Sag-Arier=Saken) und Kimmerer
Interessant dazu ist das die Sagartier von Gutium (Ugbaru/Gobryas I, in Koalition mit Kyros II) während des Fall von Babylon im 6. Jhd. v. Chr. mit dem Lasso kämpften. Gewissermaßen ein kleiner Hinweis auf ihre Herkunft als antike Cowboys. Für Rinder oder Ziegen braucht man kein Lasso. Der als im altpersischem Gaubaruva (Indogerm. vielleicht *Gautareik) bezeichnete Fürst von Sargatien starb 538 v. Chr nachdem er Satrap wurde und Arbela (heute Arbil, akkad. arba’ū ilū (Vier Götter) als Lohn bekam. Kurz zuvor tauchen Kimmerer im Orient auf. Der assyrische Kronprinz Sanherib berichtet 714 v. Chr., dass die Gimirri (Kimmerer) aus Gamirru nach Urartu (Uaiš) eingefallen seien. 679 v. Chr. unterwarf Assurhaddon den kimmerischen König Te-uš-pa (uratäisch Teišeba/Teššup/Tushpa-wohl nur ein uratäischer Namenszusatz) in Hubušnia. Tushpa war durch Sarduri I. (834-828 v. Chr.) Hauptstadt des Reiches Nairi und Sitz der Rusa-Dynastie. Hauptgott war cHaldi. Seine Festung war Van Kalesi. Rusa I. wurde wohl um 714 v. Chr. von Kimmerern angegriffen und verlor Uaish.
Die Annalen des Assurbanipal berichten das Kimmerer vor 679 BC die Stadt Kudana und Minda eingenommen haben. Sie erwähnen einen Sohn von ú-ak-sa-ta (Kyaxares/Ḫavachštra) und pa-ra-m[u] (alias Phraortes als paḫātu als medischer Governeurs-Titel). Kyaxares wird mit Deiokes/assyrisch Daiukku, griechisch ev. *Theokles, skytisch *Tiu Kas als Fürstentitel).
Um 640 BC hat Tugdamme, König der Saka Ugutumki Sardes zerstörte und zog weiter nach Kilikien wo er starb. Kyaxares soll die Sagartier (indisch Anarta) vor 715 BC in Parsava südwestlich des Urmiasees (bei Arbela) angesiedelt haben, als er seine Hauptstadt nach Ekbatana verlegte.

Eine so kleine Gruppe würde sich problemlos in bestehenden Gesellschaften integrieren, weil sie schlichtweg nicht stark genug wären, sich aggressiv wie Eroberer zu verhalten. Das Glockenbecher in direkter Nachbarschaft zu anderen Kulturen liegen und oft auch über einen gemischten Genpool verfügen, zeigt das ihre Sitten für die lokale Bevölkerung durchaus attraktiv waren und angenommen wurden. Mit der Zeit wuchsen sie dann zu einer einflussreichen Gruppe heran. Interessanterweise finden wir recht urtümliche kleine Pferderassen in England, Iberien und Polen.

Die Handelswege der Nordeuropäer/Indogermanen zum Pontus über die Karpaten und entlang der Donau sind ein direkter Highway nach Zentraleuropa. Zudem weisst die Sintasha-Kultur importierte Kupfererze aus den nahegelegenen Minen von Vorovskaya Yama auf und beliefert der Städte der Oasenkultur Zentralasiens.

Europa um ca. 1800 BC geteilt in Glockenbecher-Kulturen und Schnurkeramiker-kulturen

Europa um ca. 1800 BC geteilt in Glockenbecher-Kulturen und Schnurkeramiker-Kulturen

So weisst die Kreisgrabenanlage von Pömmelte-Zackmünde für die Zeit vor 2500 BC einen Betrieb durch Schnurkeramiker, ab ca. 2.500 BC-2300 BC einen Betrieb durch die Glockenbecher und ab ca. 1800 BC durch die Proto-Aunjetitzkultur (Havelländer) auf. Ab 2500 BC beginnt also mehr oder weniger schlagartig die Expansion der Glockenbecher und da im Osten wehrhafte Völker lebten, wärend der Westen eher noch im alten Europa geprägt ist, expandieren die Glockenbecher auch mehr entlang des Rhein und von dort aus als Urnenfelder westwärts, wobei sich beide Kulturen in Deutschland, Schweiz, Österreich und später auch in Dänemark und Skandinavien überschneiden.
So beginnt die Bronzezeit in den Alpen mit der Rhone-Kultur, Arbon-Kultur und Polada-Kultur und vielen vielen anderen. Die Glockenbecher sind also genauso erfolgreich wie 2000 Jahre zuvor die Trichterbecher. Der Grund dafür dürfte ganz einfach sein, das sie eigentlich auch genetisch sehr weit von den Alteuropäern der Trichterbecher entfernt sind. Offenbar gilt die Regel, je weiter entfernt Kulturen sind, die sich vereinen, desto innovativer und erfolgreicher sind sie. Dazu kommt das Pferd als neue „Innovation“ das schätzungsweise um 2500 BC also mit den Glockenbechern Zentraleuropa erreicht.

Glockenbecher, Schnurkeramiker und Kugelamphorenkulturen um 1800 BC

Glockenbecher, Schnurkeramiker und Kugelamphorenkulturen um 1800 BC
Baden-Boleraz Kultur nur angedeutet

Die Glockenbecherkultur überlagert und assimiliert also ab 2500 BC die Schnurkeramik, die sich bereits ab 3000 nach Westen ausdehnte und ihrerseits die Megalithkulturen überlagerte, sodaß wir nun eine recht durchmischte bunte Glockenbecher-Population im Westlichen Europa haben, wobei aus dem Osten über den Handelsweg Karpaten, Pannonien, Slovenien, Österreich, Südbayern, Rhein immerwieder neue Innovationen kommen.

Aus diesem Grunde fand man auch bei Megalithiker aus Iberien und Südeuropa noch die mtDNA Genetik der alteuropäischen Besiedlung, während die Genetik der Trichterbecher bereits erhebliche Veränderungen aufzeigt. (Origins and Genetic Legacy of Neolithic Farmers and Hunter-Gatherers in Europe, Pontus Skoglund at al 2012)

In England um ca. 2500-2000 BC beginnt die Bronze mit der Wessex-Kultur, wobei dort wohl die späten Schnurkeramiker vermutlich noch zuerst die Bronze einführen und die Grooved Ware ab 2800 BC massiv beeinflusst haben. Die Glockenbecher folgen kurz darauf. In Iberien beginnt die Bronzezeit um etwa 2200 BC im Norden und 1800 BC im Süden mit der El-Argar-Kultur (1800-1300 v. Chr.), die die Los Millares-Kultur aus der Megalithzeit führt. Die Bronzebearbeitung breitet sich also von Ost nach West aus, was den Eindruck erweckte das es eine Einwanderung aus der Steppe gab. So gesehen gab es die ja auch, nur sind die Glockenbecher nicht gelaufen, sondern haben sich europäischen Händlern angeschlossen und sind per Rinder- oder Pferdewagen gekommen, weshalb sie auch mit den Europäern von anfang an vergesellschaftet sind. Bashkiren müssen also nicht mit Römern nach England gekommen sein, sondern waren vielleicht einfach nur ein Mitbringsel aus Asien. Auch so manche schöne Helena wird da geraubt worden sein und ihren Brautzug nach Europa angetreten haben.

Ähnlich ist ja jetzt nachgewiesen, das mind. eine  indianische Frau aus Amerika den Wikingern nach Island folgte und inzwischen reichlich Nachkommen auf der Insel hat. Interessant dazu ist auch, das die verstorbene Prinzessin Diana eine Inderin als Vorfahrin hat. Der künftige König Englands hat also auch ein bisschen indische Abstammung.
Das beweisst mal wieder das wir doch alle aus Afrika stammen.

Diese Poltovka- und Sintasha-Kultur dürften teilweise die direkten Vorfahren der Bashkiren sein, die vermutlich später weiter nördlich nach Bashkordistan verdrängt wurden. Interessanterweise gibt es sowohl R1a-Bashkiren, als auch R1b-Bashkiren, womöglich gibt es auch noch orientalische Bashkiren?
Zudem zeigt das Bashkir-Pony durchaus Ähnlichkeiten mit einem tiroler Haflinger.

Es wäre auch möglich das Bashkiren über das europäische Spätbronzezeitliche/Früheisenzeitliche Netzwerk ins Baskenland gelangte und dabei die alte asiatische Sprache der Bashkiren bewahrt hat. Die Bashkiren sprechen heute eine Turksprache. Doch wenn die Poltovka-Kultur ihre Vorfahren sind, dann sprachen sie einst indogermanisch und sind erst durch die Hunnen zur Turksprache gewechselt.

Der Einfluss der Indogermanen auf das Nordkaspische Gebiet führt das Ende der Poltovka-Kultur herbei und erschafft die erste Asiatisch-Europäische Mischkultur im Südural – die Sintasha-Arkaim Kultur.

Dummerweise hat aber Europa mind. viermal Einwandungswellen aus dieser Region, die bronzezeitlichen Glockenbecher, die eisenzeitlichen Westeuropäer (Kelten, Römer usw.) sowie Bashkiren im Gefolge der Hunnen und später auch im Gefolge der Bolgaren. Dies erklärt auch das Durcheinander in dem Einwanderungszenario von R1b. Die Bashkiren stehen damit wohl dem Ursprung aller Westeuropäer am Nächsten. Wenn man so will, ist Bashkordistan wohl die genetische Urheimat der Kentumsprecher, während die Satemsprecher aus Europa stammen und sehr wahrscheinlich in Nordeuropa das PIE entstand, das sich hier nun zu einer neuen Stufe weiterentwickelte.

Zitat: „Populationsgenetische DNA-Analysen belegten von der späten Kupfer – bis zur mittleren Bronzezeit eine stetig zunehmende genetische Distanz zwischen jenen Kulturen. (Gemeint sind hier ausschliesslich die Pontus-Kulturen im Jamnaja-Horizont)
Zwischen Kupferzeit (3500-3000 BC) und Katakombengrab-Kultur (Spät-Jamnaja, 2500-2000 BC) ist die genetische Distanz am größten. Hier sind die Unterschiede wesentlich ausgeprägter als zwischen frühen kupferzeitlichen Kulturen (3500-3000 BC) und der Jamnaja-Population (früh Jamnaja 3600-3000 BC).
Dieser populationsgenetische Wandel könnte ein Hinweis auf Diskontinuität bzw. Bevölkerungswechsel durch Migration sein.
Eine von archäologischer Seite vermutete Einwanderung aus östlichen Steppengebieten hat aber zumindest auf weiblicher Seite kaum stattgefunden: Für Zentralasien typische DNA-Linien kommen in den untersuchten Populationen nicht vor.
Trotz der genetischen Differenzen innerhalb der untersuchten Gruppen handelt es sich bei ihnen um Populationen, die zweifelsfrei als europäisch zu bezeichnen sind. DNA-Marker mit bekanntem Phänotyp deuten auf eine Kontinuität zwischen dem nordpontischen Raum des 4. /3. Jt. v. Chr. und heutigen Europäern hin. So weisen z. B. alle untersuchten Individuen einen hellen Pigmentierungstyp auf, wie er heute in Europa vorherrschend ist. Lediglich die Augenfarbe ist im Vergleich zu heute dunkler gewesen.“

Neue Blicke auf alte Kulturen

Auch die Faszination die Reitervölker auf uns ausüben, ändert wenig an der Tatsache das die Sprachen der Europäer ziemlich „steppenuntauglich“ sind. Allein die Existenz eines Wortes für Pferd beweist noch nicht das es auch domestiziert wurde, schliesslich gab es ja bereits Wildpferde die seit Jahrtausenden überall in Eurasien gejagt wurden. Natürlich kann man davon ausgehen das Pferde in der Steppe wesendlich leichter zu domestizieren sind, dann jedoch eher als Fleisch- und Milchlieferant, womöglich als Packpferd, was der erste Schritt zu einem Reitpferd wäre. Dazu ist jedoch zu bedenken das domestizierte Pferde des 3. Jahrtausends noch nicht stark genug waren um erwachsene Personen längere Zeit zu tragen. Dieses Mißverhältnis fällt einem schon beim Blick auf einem mongolischen Reiter auf. Jahrhundertelanger Einsatz als Packtier und Zuchtselektion könnte durchaus Einfluss gehabt haben.

Zu guter Letzt zeigt sich auch, das sich die Genetik der Europäer Richtung Osten, also Richtung Asien ausbreitete, wobei sie in der Fremde natürlich auch Nachkommenschaft produzierte, die europäische und asiatische Genetik kombiniert und so einen Gründereffekt hatte. Dies gilt insbesondere für die Zeit ab 2100-1600 BC im Bereich der Sintasha-Petrovka-Arkaim-Kultur und ab 2200-1200 BC im Rahmen der Andronovo-Kultur. Das Vorbild für Arkaim muss daher aus dem Westen stammen.

Die Erfindung des Rades

 Der Transport von schweren Lasten wie Menhire, Megalithen und Bäumen erfolgte wohl bereits per Rinderwagen

Der Transport von schweren Lasten wie Menhire, Megalithen und Bäumen erfolgte wohl bereits per Rinderwagen

Als ältester indirekter Nachweis von Wagenrädern gilt eine Fahrspur die auf 3500 BC datiert und in einem Hünenbett bei Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) entdeckt wurde. Daneben zeigen Vermessungen das offenbar vielerorts in Jütland die Wege dem Abstand von Wagenrädern entsprechen. Wagendarstellungen stammen auch aus Bronocice (Südpolen) die auf 3635-3370 BC ebenso der Trichterbecherkultur zugeordnet wird. Weitere bildliche Wagendarstellungen gibt es in Mitteldeutschland aus dieser Zeit (vor allem Steinkammergrab von Züschen, Wartbergkultur).
Unter den ältesten Funden sind sowohl ein- als auch zweiachsige Karren. Diese Wagen sind allein durch ihre Masse in der Lage schwere Lasten zu befördern und sind daher die Schwertransporter der Antike. Ein in Glum, Landkreis Oldenburg gefundenes Rad aus Erlenholz gehörte zu einem Wagen, dessen Vorderachse nicht schwenken konnte. Beim Ändern der Fahrtrichtung schleiften die Zugtiere den Vorderwagen zur Seite, bis die Deichsel in die gewünschte Richtung zeigte. Zahlreiche und immer neue Hinweise auf rindergezogene Wagen finden sich insbesondere für die mittel- und osteuropäische Kugelamphorenkultur, aber auch bei den Schnurkeramikern z.b. in Federnsee in der Schweiz die alle in der Übergangszeit vom Spätneolithikum zur Bronzezeit angesiedelt sind. Eine Besonderheit bildet ein auf 3000 BC datiertes Grab mit vier Wagenrädern aus Plachi Dol in Nordbulgarien. Mit diesen anfangs noch sehr schlichten, Rinder-gezogenen Wagen begann eine neue Epoche in der Menschheitsgeschichte, der Rinderwagen bahnte dem Pferdestreitwagen quasi den Weg. Weitere Wagengräber wurden im Bereich der Katakombengrab-Kultur (2500-2000 BC) am Pontus gefunden.
Zu den frühen Rinderwagen-Kulturen gehören die Trichterbecher (4300–3000 BC), die Kugelamhoren und Schnurkeramiker (3100–2000 BC), die späte Cernavodă-Kultur (4000–3200 BC), Usatovo-Kultur (3500-3000 BC), die späte Cucuteni-Tripolje Kultur (4800–3200 BC), die Mikhailovka-Kultur
(3600-2950 BC) und die schliesslich die späte Maikop-Kultur (3700–2500 BC) bzw.  die späte Nowotitarowskaja-Kultur (3300–2700 BC) am Asowschem Meer sowie der Grubengrab-Kultur (Jamnaja-Kultur). Alle diese Kulturen wurden gleichzeitig mit dem Auftreten des Rinderwagen genetisch, kulturell und sprachlich modernisiert.
Um ca. 2300 BC zu Beginn der mittleren Bronzezeit der Agais finden sich auch auf den Peleponnes erste Anzeichen von Wagen, zeitgleich mit einer vermuteten Einwanderung von Indogermanen. Auch in der Schrift der Minoer Linear A und B wurde ein Zeichen für Wagen entdeckt, was man jedoch lange für ein Schiff hielt. Es stellt die Silbe Sa dar. Entziffern konnt man dabei auch den Begriff Satinós sowie Satinates/Satinate, was mit Wagenlenker oder Streitwagenfahrer (Satyr) übersetzt wird.
Dazu hier ein wissenschaftlicher Bericht zur Linearschrift der Minoer

In der Griechischen Mythologie ist er als Fabelwesen Satyr (Satyros) im Gefolge des Dionysus (mykenisch Divo-nysio) mit einer Flöte, Ziegenhörnern und Beinen aus Ziegenfell sowie eregiertem Penis dargestellt und wird als (offensichtlich recht potenter) Dämon interpretiert. Die Satyren und Silene (Silenoi, ältere Satyrn mit dicken Bäuchen und Glatze) sollen als Krieger des Dionysos in der Gigantomachie gekämpft haben und mit dem Geschrei ihrer Esel die Giganten in Furcht und Schrecken versetzt haben.

Alle diese Wagen sind eher schwere Arbeitskarren und unterscheiden sich daher wesendlich von den leichten Streitwagen, der um etwa 2050 BC im Bereich der Sintasha-Kultur auftaucht.
Alles in allem deutet sich doch an das das Rad um ca. 3600 BC in Deutschland im Rahmen der Trichterbecherkultur erfunden wurde und einen Siegeszug um die Welt antrat. Doch es sollten noch rund 1500 Jahre vergehen bevor der Streitwagen erfunden wurde.

Pferdeschlitten vor ca. 100 Jahren

Pferdeschlitten vor ca. 100 Jahren

In der Steppe wurde wahrscheinlich inzwischen das Pferd domestiziert. Vermutlich nutzte man es zuerst als Fleisch- und Milchlieferant, womöglich auch als Packtier-Karawane. Daneben zog es im Winter sicher auch mal Lasten mit Hilfe eines Schlittens durch den Schnee. Schwere Lasten zu ziehen oder zu tragen erfordert keine Trense. Diese Tiere werden gewöhnlich von Hand geführt. Die Domestikation des Pferdes setzt also keineswegs eine Trense vorraus. Ein Halfter dürfte dafür bereits ausreichend sein.
In der Steppe ist jedoch ein schwerer Schlitten völlig unbrauchbar, zumal Pferde nicht die Gewichte eines Rindes ziehen können. Ein schwerer Wagen/Schlitten war also völlig überflüssige Last, die ein Nomade vermeiden würde.
Also entfernte man alles überflüssige und erhielt so einen wesendlich leichteren Schlitten der praktisch nur auf ein stabiles Gerüst basiert.

Das Handelsnetz Europas in der späten Bronzezeit

Das Handelsnetz Europas in der späten Bronzezeit. Die Ausbreitung von Pferde-Zubehör verdeutlicht ein Netzwerk das von Nordeuropa, über Karpathen, Pontus bis nach Sibirien reicht und in Kontakt mit dem Orient aber auch mit den Mykenern steht.

Als nun schwere Rinderkarren auf leichte Pferdeschlitten stießen, hatte jemand die zündende Idee diese Räder unter die Schlitten zu setzen. So entstand um ca. 2050 BC der erste „rollende Schlitten„. Schon bald darauf entschlackte man auch die Scheibenräder zum Speichenrad. So rollten in der Sintasha-Kultur die ersten Streitwagen durch die Steppe, die praktisch vom schweren Rinderwagen direkt zum leichten Streitwagen führten, indem die Techniken zweier Völker verknüpft wurden. Die Erfindung eines Streitwagens kann daher durchaus der Sintasha-Kultur zugestanden werden. Interessant ist dabei das auch die berühmte Spiralstadt von Arkaim (ca. 1700 BC) ein Werk der Sintasha-Kultur ist. Damit ist die Sintasha-Kultur zu dieser Zeit die fortschrittlichste Kultur im Westlichen Asien. Das Streitwagen im bewaldeten Europa so selten sind, liegt wohl an der Landschaft, aber Pferd und Wagen hielt ab diesem Zeitpunkt wohl auch in Europa Einzug, vermutlich auf sehr viel leiseren Sohlen. Die Verbreitung des Pferdewagens erfolgt nun über das Netzwerk der Katakombengrab-Kultur (2500–2000 BC, späte Jamnaja-Kultur), über die Aunjetitz-Kultur (2300–1500 BC), die Balkengrab-Kultur (Srubna, 2000-1200 BC) und gelangt so zur alpinen Frühbronze und zu den Urnenfeldern (1600-1200 BC),  sowie zu den Minoern die ab 1600 BC das östliche Mittelmeer beherrschen. Mit dem Pferdewagen wurde auch Bronzegußtechnik erlernt und insbesondere bei der Aunjetitz-Kultur weiter perfektioniert. Schon seit frühester Zeit war auch Bernstein ein beliebtes Schmuckobjekt. In der Aunjetitz-Kultur wurde es geradezu zum Prestige-Objekt, insbesondere in Böhmen. Das weckte offenbar auch Begehrlichkeiten am Mittelmeer.  So entdeckte die Aunjetitzkultur Bernstein als kostbares Handelsgut und übernahm die Monopolstellung im Handel mit den „Tränen der Götter“. Der Pferdewagen dürfte bei diesem Handel sicherlich eine wichtige Rolle gespielt haben und trug erheblich zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung bei.

Quelle: Johannsen, N., & Laursen, S. (2010). Routes and Wheeled Transport in Late 4th–Early 3rd Millennium Funerary Customs of the Jutland Peninsula: Regional Evidence and European Context Praehistorische Zeitschrift, 85 (1), 15-58 DOI: 10.1515/PZ.2010.004
Diese merkwürdigen als Stabdolche bezeichneten Bronzegegenstände fanden sich in einigen Hortfunden der Aunjetitzer. Ihre Zweck ist bisher völlig unbekannt.

Diese merkwürdigen als Stabdolche bezeichneten Bronzegegenstände fanden sich in einigen Hortfunden der Aunjetitzer. Ihre Zweck ist bisher völlig unbekannt.

Das aus der Verbreitung von Grab- und Siedlungsfunden ablesbare Aunjetitzer Siedlungsgeschehen ist durch naturräumliche Gegebenheiten geprägt. Grob kann ein nördlicher und ein südlicher Zweig durch die Höhenzüge von Thüringer Wald, Erzgebirge und Sudeten voneinander geschieden werden. Der Blick auf das nördliche Aunjetitz wird unmittelbar von der Ostharzregion angezogen. Hier schmiegt sich in einem nach Westen hin offenen Bogen, die Löß- und Schwarzerdeböden jener Landstriche okkupierend, die weiträumigste Fundkonzentration innerhalb der Aunjetitzer Kultur um den fundleeren Mittelgebirgszug.

Durch die naturräumliche Gliederung entstehen Kleinsiedelregionen mit z.T. voneinander abweichenden Entwicklungsgängen. Während sich die Frühphase ab ca. 2.300 v. Chr. durch einfache Erdgräber ohne aufwändige Herrichtung in punkto Bestattungssitte noch relativ gleichförmig darstellt, erkennt man ab ca. 2.000 v. Chr. innerhalb der „Circumharzer Gruppe“ unterschiedliche Entwicklungslinien: Im Einzugsbereich der unteren Saale legt man nun überwiegend Gräber mit sorgfältiger Steinrahmung an. Zu einer regionalen Differenzierung kommt es auch in der Grabausstattung. Während man nördlich und südlich des Harzes weitestgehend daran festhält, dem Verstorbenen eine Anzahl Keramikgefäße beizugeben, bildet sich an der unteren Saale die „Metallgruppe“ heraus, deren Kennzeichen die Ausstattung mit typischen bronzenen Trachtaccessoires wie Ösenkopfnadel und sog. Tätowierpfriem ist.

Diese Aunjetitzer Tassen gelten als Leitkeramik. Diese fand man z.b. auch in der Kreisgrabenanlage von Ungarn.

Erste Fürstengräber (z.b. der Fürst von Leubingen) zeugen vom Erfolg und Wohlstand. Die bekanntesten Fürstengräber der Aunjetitzer Kultur sind mit Sicherheit die Gräber von Leubingen, Kr. Sömmerda in Thüringen (3892 ± 10 Jahre vor heute) und von Helmsdorf, Kr. Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt (3645 ± 60 Jahre vor heute). Die beiden Grabhügel sind im Verbreitungsgebiet der Aunjetitzer Kultur jedoch lange nicht die Einzigen ihrer Art. Allein in Mitteldeutschland sind zehn weitere Fürstengräber bekannt, unter anderen die beiden Grabhügel von Dieskau, Saalkreis (Sachsen-Anhalt) oder das Hügelgrab von Nienstedt, Kr. Sangershausen (Sachsen-Anhalt). Bei Leki Male in Polen wurde eine Hügelgrabnekropole mit mindestens elf Grabhügeln angelegt, von denen bisher nur 6 (Hügel I bis VI) ergraben und ausgewertet wurden; auch der Grabhügel von Szczepankowice wird als Fürstengrab gewertet. Insgesamt sind neben den Bestattungen von Leubingen und Helmsdorf mindestens 17 weitere Fürstengräber im Verbreitungsgebiet der Aunjetitzer Kultur bekannt. Am Beispiel von Leubingen wird deutlich, wie beeindruckend diese Grabanlagen wirken. Das das Leubinger Fürstgrab etwa zeitgleich und nur rund 40 km vom Fundort der Himmelsscheibe entfernt liegt, legt den Verdacht nahe, das der Tod des Fürsten einiges mit der Himmelsscheibe zu tun haben könnte.

Aus der beschriebenen Verbreitungscharakteristik ist zu schließen, dass sich die metallverarbeitenden Aunjetitzer Zentren, vermutlich durch eine gesellschaftliche Elite („Fürsten“) gesteuert, ökonomisch expansiv verhielten. Sie versorgten etwa ab 2.000 v. Chr. nördlich liegende, noch in spätneolithischen Lebens- und Produktionsverhältnissen verharrende Gebiete mit Fertigprodukten. Erst zum Ende der Frühbronzezeit ab dem 17. Jahrhundert v. Chr. gelingt es dem europäischen Norden, unter Umgehung des Aunjetitzer Monopols einen Anschluss an das mitteleuropäische Distributionsnetz für Rohstoffe (Kupfer und Zinn) und deren Verarbeitung zu erreichen. Es hat den Anschein, dass der sich ab ca. 1.700 v. Chr. abzeichnende allmähliche Niedergang der Aunjetitzer Kultur mit dem Wegbrechen der nordeuropäischen Absatzmärkte für ihre Metallerzeugnisse zusammenhängt.

In dieser Zeit des Umbruchs, einhergehend mit Veränderungen in den Bestattungssitten, wurde die Himmelsscheibe von Nebra geopfert und vergraben. Die Darstellung des religiösen Symbols einer Sonnenbarke auf der Himmelsscheibe interpretiert man als ein völlig neues Bildprogramm. Nebra markiert gewissermaßen den Endpunkt der frühbronzezeitlichen Tradition und den Beginn einer neuen Zeit.

Eine wirklich interessante These hat ein junger Wissenschaftler Namens Christian Horn. Er vermutet das die Stabdolche oder generell Waffen den gleichen Sterbeprozess wie der Verstorbene durchlaufen müssen um mit dem Verstorbenem auf die „andere Seite“ zu gelangen. So ganz nebenbei zeigt seine Karte aber auch das die Aunjetitzer mit Nordengland, Irland und dem südöstlichen Iberien in Kontakt standen, dort wo übrigens auch ein der Stamm der Germanii existiert haben soll. Natürlich laut Wikipedia keltisch.  (Wie gesagt, die Wikipedia leidet total unter Keltomanie, da gibt es sogar keltische Pferde, mal sehen wann es keltische Kloschüsseln gibt.:-)
Die Verbreitung der Stabdolche kann man hier nachlesen.

Die späte mitteleuropäische Bronzezeit

Südbayern nimmt eine Schlüsselposition für die europäische Spätbronzezeitforschung ein, da im 13. und 12. Jh. v. Chr. soziale Hierarchisierungsphänomene zu beobachten sind (u.a. Bestattungen von Wagen fahrenden Kriegern in Mitteleuropa). Als Grund wurde die aktive Rolle der südbayerischen Gemeinschaften bei der Verhandlung von Kupfer, möglicherweise auch der Ausbeutung der Kupferlagerstätten im oberen Inntal vermutet, mit deren Gräberfeldern („Nordtiroler Urnenfelder“) sich große Übereinstimmungen hinsichtlich Grabausstattung und Typenbreite der Beigaben feststellen lassen. Während die Genese der urnenfelderzeitlichen Kulturentwicklung in Südbayern aus einem heimischen kulturellen Substrat verständlich ist, werden im oberen Inntal in Nordtirol in der Zeit ab ca. 1300 v. Chr. an verschiedenen Orten Bestattungsplätze neu begründet. Sie wurden daher als Zeichen von Migrationsvorgängen aus dem nördlichen Voralpenraum gedeutet. Ähnliches dürfte im Westen der Alpen passiert sein, was den Erfolg der Urnenfelder Kultur Jahrhunderte vor der Hallstattzeit eindrucksvoll verdeutlicht. Die Ausbreitungsbewegung im Westen reicht bis ins Herz der Iberischen Halbinsel.

In archäologischen Fundstätten im Salzbergewerk von Hallstatt hat man inzwischen die acht Meter lange „älteste Stiege der Welt“ entdeckt. Ihr Holz wurde nach den dendrochronologischen Untersuchungen 1344 v. Chr. geschlagen. Sonstige Funde konnte auf den Zeitraum zwischen 1458 bis 1245 v. Chr. datiert werden. Somit wird in Hallstatt seit spätestens 1460 v.Chr. Salz abgebaut. Die Wurzeln der Hallstatt liegen also schon in der Bronzezeit.

Der Pionier der modernen Archäologie im Salzbergbau, F.E. Barth, schreibt 1998 dazu:

(…) Ich hoffe gezeigt zu haben, daß Hallstatt zwar für seine Funde aus der älteren Eisenzeit Weltberühmtheit erlangte, daß die Wurzeln dafür aber wesentlich älter und tief in der Bronzezeit verankert sind. Obwohl sich diese Tatsache schon durch die ersten Radiokohlenstoffdatierungen Mitte der siebziger Jahre klar abgezeichnet hat, blieb sie bis heute weitestgehend unbeachtet.

Besiedlungsdichte in der Aunjetiz.Kultur

Besiedlungsdichte in der Aunjetiz.Kultur

Verwundert war man auch über die hohe Siedlungsdichte im Osten Deutschlands, das man bis dato als eher weissen Fleck wahrgenommen hatte. Viele Karten berücksichtigen dies gar nicht. Wie man jedoch rechts sieht, war Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen höher besiedelt als es heute teilweise der Fall ist. Das selbe dürfte für Pommern und Ostpreussen zutreffen. Später entwickelten sich dort insbesondere die Kuren zur treibenden Kraft des Baltikums, die durch zahlreiche „Heimkehrer“ des Gotensturmes erheblichen Zulauf hatten, ergänzt durch einige Sarmatische Stämme.

Ab ca. 1200 BC spricht man von der Eisenzeit. Es ist die Zeit des Aufstiegs der Lausitzer Kultur, die sich stark im Bereich Kujawien festsetzt. In die gleiche Zeit fällt die Schlacht an der Tollense um etwa 1300 BC und die „Beerdigung“ des Sonnenwagens von Trundholm um etwa 1400 BC.
Als frühester Beleg für Eisenverwendung in Europa gilt ein in einem Opferschacht bei Gánovce am Fuße der Hohen Tatra entdeckter eiserner Dolchgriff. Dieser bereits aus verhüttetem Eisen gefertigte Gegenstand kann durch mit ihm vergesellschaftete Keramik der jüngeren Otomani-Kultur in die beginnende Spätbronzezeit datiert werden, wobei durch Radiokarbondatierung das absolute Alter des Dolches auf 1465 ± 35 Jahre v. Chr. bestimmt wurde (Vlcek u. Hájek 1963).

Interessantes über die Aunjetitzer:
Die Aunjetitzer Kultur war während der Frühstufe in Mähren, Mitteldeutschland (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt), Böhmen,der Südwestslowakei, Schlesien und Niederösterreich verbreitet. In der Spätstufe gab es sie auch im östlichen Niedersachsen sowie in Brandenburg und im Südwesten Polens.
Durch Untersuchungen weiss man das die Männer einer Stichprobe zufolge eine Körperhöhe von durchschnittlich 1,71 Metern und die Frauen von 1,60 Metern erreichten. Der bisher größte Mann maß l,78 Meter, die größte Frau l,66 Meter. Ansonsten ähneln die Skelette am ehesten denjenigen der Schnurkeramiker. In Mitteldeutschland lag das durchschnittliche Sterbealter der Männer bei 37 Jahren und das der Frauen bei 35,8 Jahren.17,4% der Männer hatten das 40. Lebensjahr überschritten, bei Frauen waren es nur 4,3%. Jeder vierte Erwachsene litt damals an Karies. Anzeichen von Parodontose sind bei mehr als 80% der Männer und Frauen erkennbar. Bei manchen Skelettresten sind Spuren von Gewalteinwirkung erkennbar. Einige wiesen rundliche Löcher mit scharfem Bruch auf und haben das wohl auch nicht lange überlebt. Es gab auch Spuren von Schädeloperationen. Die Aunjetitzer eine Kleidung aus gewebten Stoffen. In Unterteutschenthal lag ein zehn mal sechzehn Zentimeter großes Gewebefragment in einem Grab. Das leicht verfilzte Tuch hat Kettfäden aus Flachsgarn und Schußfäden aus Schafwolle. Auch Reste eines Webstuhlgebäudes fand man. Als eine typische Gewandnadel der Aunjetitzer Leute gilt die sogenannte »zyprische Schleifennadel«, die auch die Straubinger Kultur in Südbayern benutzte. Sie behaupteten sich in einigen Gebieten bis zur Zeit der Hügelgräber-Kultur und gilt als einheimisches Produkt. Die Zunahme der Fundplätze deuten auf eine Zunahme der Bevölkerung hin.
Die Aunjetitzer lebten in kleinen Gruppen über das Land verstreut. Ihre beachtlich großen Häuser (z.B. 27m x 6m) waren aus Pfosten konstruiert. Bei den früher als »Grubenhütten« bezeichneten Bauten handelte es sich ev, um Wirtschaftseinrichtungen. Größere Siedlungen werden auf 80 bis 130 Menschen geschätzt. Bekannt sind einige Höhensiedlungen die mit Gräben und Wällen geschützt wurden. Solche »Burgen« wurden offenbar vor allem entlang von Fernhandelswegen errichtet, auch in der Nähe von Kupferabbaugebieten. So befindet sich die Befestigung auf der Schalkenburg bei Quenstedt(Kreis Mansfelder Land) in Sachsen-Anhalt inmitten eines Kupferschiefergebiets und verfügt über eine Kreisgrabenanlage. Wie die LBK-Bauern säten und ernteten auch die Aunjetitzer die Getreidearten Gerste (Hordeum vulgare), Emmer (Triticum dicoccon) und Einkorn (Triticum monococcum). Auch mit Zucht von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen sowie Pferden als Haustiere war man vertraut. Man nimmt an das es sich dabei um Reittiere handelt. Und sie kopierten gelegentlich auch Tonwaren anderer Kulturen, so z.b. die Nachbildung eines Bechers aus Vaphio, der Mykenischen Kultur in Griechenland. Man fand auch sogenannte »Brotlaib-Idole« die mancher als Stempel betrachtet. Über die eigentliche Funktion rätselt man noch. In der Frühstufe der Aunjetitzer Kultur fertigten die Metallhandwerker nur Erzeugnisse aus Kupfer und Arsenbronze an. Dies war ein natürlicher Bestandteil der Kupferlagerstädten im Kaukasus.  Erst die Beifügung von Zinn zum Kupfer machte auch die Herstellung kleinerer Gegenstände in Kupferguß möglich. Die Rohgüsse wurden je nach Bedarf geschmiedet, genietet, graviert und gepunzt. Die Blütezeit des Bronzegusses fiel in die Spätstufe. Einige Depotfunde legen eine regelrechte Industrie nahe. Als Waffen benutzten Aunjetitzer Krieger Beile mit bronzener Klinge und hölzernem Schaft, Pfeil und Bogen sowie bronzene Dolche. Dagegen werden die bronzenen Stabdolche und Keulen als Prunkwaffen oder Zeremonialgerät betrachtet. Die Streitäxte mit steinerner Klinge und hölzernem Schaft waren offenbar der sozial herausragenden Schicht vorbehalten. Bronzene trianguläre Dolche und Stabdolche gelten als besonders eindrucksvolle Zeugnisse für die Leistungsfähigkeit der Bronzegießer. Bei ihnen dürfte es sich um Prestigeobjekte für Krieger und/oder »Fürsten« gehandelt haben. Auch die Stabdolche dienten eher zu Repräsentationszwecken denn als eine Waffe für jedermann, weil sie häufig in Gräbern bedeutender Persönlichkeiten gefunden wurden. Diese Stabdolche wurden offenbar geschultert. Stabdolche waren in der Frühbronzezeit von der Iberischen Halbinsel bis zum Balkan sowie von Skandinavien bis Italien verbreitet. Ganz selten waren offenbar bronzene Keulen. Eine solche Hiebwaffe kam in Thale (Kreis Quedlinburg) in Sachsen-Anhalt zum Vorschein. Salz wurde – wie schon während der jungsteinzeitlichen Bernburger Kultur – auch in der Frühbronzezeit an der mittleren Saale gewonnen. In der Spätstufe der Aunjetitzer Kultur gelangte solcher Bernstein bis in das Gebiet der Mykenischen Kultur Griechenlands. Als Gegengaben könnten unter anderem blaue oder grüne Fayenceperlen von dort ihren Weg bis nach Böhmen und Mähren gefunden haben.
Die Aunjetitzer verfügten wie ihre Vorgänger über Pferde als Reittiere. Einer der Beweise hierfür wurde in Gleina (Sachsen-Anhalt) entdeckt. Am Schädel eines dort gefundenen Pferdeskeletts befanden sich zwei Eberhauer, die als Trensenknebel gedeutet werden.
Auf dem Landweg beförderte man schwere Lasten mit Karren, vor die Rinder gespannt waren. Bei Krautheim (Kreis Weimarer Land) in Thüringen trat unter einem zerstörten Aunjetitzer Steinpackungsgrab die 3,50 Meter lange Spur eines zweirädrigen Karrens zutage. Parallel davon verlief eine weitere Radspur. Diese Radfurchen wurden von einem 1,10 Meter breiten Karren mit Holzscheibenrädern hinterlassen, deren Felgen etwa elf Zentimeter breit waren. Die Aunjetitzer trugen Schmuck aus Bronze, Bernstein und Gold. Vor allem die Frauen waren mitunter reichlich mit Schmuck ausgestattet. Viele vornehme Aunjetitzer standen stark im Bann des Goldes. Die Aunjetitzer bestatteten ihre Toten im allgemeinen mit dem Kopf im Süden, den Beinen im Norden und den Blick nach Osten gerichtet. Das geschah ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht und soziale Stellung des oder der Verstorbenen. Dies gilt als Abgrenzung zur Nordalpinen Frühbronze. In der Frühstufe waren große Besitzunterschiede offenbar noch recht unbekannt. Dagegen lassen die Gräber der Spätstufe auf eine deutliche soziale Differenzierung schließen. Fürsten wurden unter einer hölzernen Totenhütten unter riesigen Erdhügeln beerdigt. Aber auch Steinkistengräber die einst eine Holzkonstruktion hatten, Flachgräber und Grabhügel waren beim einfachen Volk üblich. Einige Gräber und Steinkistengräbern weisen Mehrfachbestattungen auf. Eine Bestattung wies eine Bauchlage auf. Man nimmt an das es auf gesellschaftliche Bestrafung, Angst vor dem „bösen Blick“ oder „Wiedergängern“ zurückzuführen ist. Seit der Spätstufe hat man gelegentlich Kinder in tönernen Vorratsgefäßen beerdigt. Derartige Pithos-Bestattungen sind aus dem westlichen Anatolien und Griechenland bekannt und dürfte eine importierte Sitte sein.
In der Religion der Aunjetitzer spielten Opfer eine wichtige Rolle. Makabre Opferriten dürften sich in manchen der etwa 20 Höhlen des Kyffhäusers bei Bad Frankenhausen (Kyffhäuser-Kreis) in Thüringen abgespielt haben. Dort befand sich in der Bronze- und Eisenzeit ein bedeutender Kultort, an dem immer wieder auch Menschen geopfert wurden. Menschenopfer wurden von Aunjetitzern außerdem in Höhlen des Ith – eines Höhenzuges in Niedersachsen – dargebracht. Als Schauplätze derartiger blutiger Rituale gelten die Rothesteinhöhle, die Nasensteinhöhle und möglicherweise auch die Kinderhöhle, die alle im Kreis Minden liegen.
Womöglich äußert sich darin die wachsende Bedrängnis durch die sich ausbreitenden Urnenfeldern, was eine Parallele zu der wachsenden Zahl von Menschenopfern zum Ende der Azteken wäre.

Wikinger-Versammlungshalle Heorot

Wikinger-Versammlungshalle Heorot

Diese Beschreibung wurde wesendlich ausführlicher in „Deutschland in der Bronzezeit“ von Ernst Probst veröffendlicht.

 
Einige Daten zum Fürstengrab von Leubingen:
Dendrochronologisch datiert wurde der Grabhügel von Leubingen in die Zeit um 1942 (± 10) v. Chr. (3892±10 BP=before Present: vor 1950). Der Hügel hatte eine Höhe von ca. 8,5 m und einen Durchmesser von ca. 34 m, einen Umfang von 145 m und ein Bauvolumen von 3270 m³. Aus dicken, behauenen Eichenbalken und -bohlen errichteten man eine zeltförmige Totenhütte, die 3,50 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,30 Meter hoch war. Die als Bauholz benötigten Eichen wurden – modernen Altersdatierungen zufolge – nach 1942 v. Chr. gefällt. Die Grabkammer barg eine Doppelbestattung, wobei die Hauptbestattung – ein rund 50 jähriger Mann – eine herausragende Persönlichkeit gewesen sein muss (Stammesführer, Priester, Kriegsherr oder Metallurg). Quer über den Hüften des auf dem Rücken liegenden Toten wurde das Skelett eines etwa zehnjährigen Kindes gefunden, das offenbar erschlagen wurde. Die zeltförmige, hölzerne Grabkammer war mit Schilf bedeckt und mit Gips verfugt. Der Boden der Grabkammer war mit Steinen gepflastert, mit Holz gedielt und mit Schilfmatten ausgelegt. Das Dach der Totenhütte hatte man außen mit Ton und Schilf abgedichtet. Darüber lasteten ein Steinhügel von zwei Meter Höhe und 18 Meter Durchmesser sowie eine Erdaufschüttung von fünf Meter Höhe. Die reichen Grabbeigaben, bestehend aus Goldschmuck, bronzenen Waffen (eine Stabdolchklinge, drei Dolchklingen, zwei Randleistenbeile) und Werkzeugen, einen großem Grabgefäß sowie weitere Keramikbeigaben und nicht zuletzt der gewaltige Aufwand für die gesamte Begräbnisstätte, bezeugen die Bestattung eines Mächtigen. Am Bau solcher Anlagen dürften die Einwohner mehrerer Dörfer beteiligt gewesen sein.
Die Erdaufschüttung mit 34 Metern Durchmesser am Fuß und acht Metern Höhe repräsentierte für damalige Verhältnisse ein einzigartiges, weithin sichtbares Mahnmal. Darin eine gezimmerte Kammer für den ausgestreckt auf dem Rücken bestatteten Toten und eine Fülle an kostbaren Beigaben für seine letzte Reise.
Der neuste Fund ist übrigens ein Gebäude das als Prunkhalle bezeichnet wird und rund 3,5 km Luftlinie in Sichtweite des Grabhügels bei Dermsdorf entdeckt wurde. Auch ein Hortfund allererster Güte wurde gemacht, 98 Bronzebeile platziert am Eingang und exakt auf der Mittelachse eines Langhauses, dessen Dimensionen alles bisher Entdeckte in den Schatten stellt: Mit 44m Länge, 10,50m Breite und rund 8-9m Höhe (aufgrund einer Dachschräge von 45-50 Grad errechnet) war dieser dreischiffige Pfostenbau so etwas wie die Kathedrale der frühen Bronzezeit.Die konstruktive Leistung nötigt selbst heutigen Zimmerleuten Respekt ab. Zumal man damals ja nicht mit Nägeln arbeitete, sondern die Verbindungen zwischen den schweren Bauelementen allein mit Holzdübeln und Seilen stabilisierte. Diesen Aufwand einer dreischiffigen Monumentalhalle betrieb man gewiss nicht für einen Normalsterblichen. Ihre Wohnhäuser errichteten diese Menschen in weitaus pragmatischeren, bescheideneren Größenordnungen. Typischerweise bildeten eng nebeneinander eingegrabene Holzpfosten die Seitenwände; die Zwischenräume wurden teilweise mit Flechtwerk ausgefüllt und mit Lehm wärmedämmend verschmiert. Die Datierung ins 19./18. Jahrhundert vor Christi Geburt fällt ungefähr in dieselbe Zeitspanne. Möglicherweise diente sie dem Regenten als Residenz oder als Versammlungsraum.  In ganz Thüringen samt angrenzenden Bundesländern wurden überhaupt erst drei Beilhorte geborgen, die größer waren als dieser aus Dermsdorf im Landkreis Sömmerda. Es ist einer der bedeutendsten Funde in Mitteldeutschland seit der Himmelsscheibe von Nebra.

fehlverhaltenZu guter Letzt sei noch erwähnt, natürlich hab ich nicht selbst jedes Grab ausgegraben, sondern auf Forschungsdaten und Publikationen zurückgegriffen. Aber tausende Steinchen zusammenzutragen und daraus eine Theorie zu formulieren macht auch Arbeit und es gab schon genug Wissenschaftler die ihre angeblichen Erfolge durch puren Ideenklau erzielt haben. Ich werd so nach und nach eine Recherche- und Referenzliste anlegen, aber die wird lang – sehr sehr sehr lang. Und das dauert halt eine Weile.

Diskussionen

16 Gedanken zu “Die Bronzezeit

  1. zu den Solutreans Europas – deren Steinbearbeitung sich in der Clovis-Kultur später in Amerika wieder findet: https://www.youtube.com/watch?v=kNTXCMYjwEk

    Verfasst von Michael Stateless Federat Blackshield | 04/03/2015, 11:07 AM
    • Die Theorie ist schon gegessen, der Clovis „Scheineuropäer“ ist ein waschechter Vorfahre der Indianer und kam aus Asien, wo auch seine nächsten Verwandten her kamen. Da bist du nicht mehr auf den neusten Stand.

      Verfasst von Vanalander | 04/03/2015, 11:27 PM
  2. „Paleosibirische Sprache“ – du meinst Cro magnon Menschen welche in der Eiszeit Europa bevölkerten, sich sicherlich auch (zumindest mit männlichen) Neandertalern vermischten und anscheinend später wieder aus Europa abwanderten als das Eis sich wieder weiter nach Süden schob. Dazu fällt mir eine interessante Dokumentation ein welche Eiszeitler zeigen welche bis nach Amerika gelangten um 16 000 BC. Dort anscheinend jedoch wenig genetisches Material hinterließen und sich mit den über die Beringstraße kommenden Paläo-Indianern anscheinend vereinigten. Die Clovis-Technik soll nahezu identisch sein mit eiszeitlicher Steinbearbeitung.

    „Also ob die Tarimmumien die von 1800 BC stammen überhaupt Tocharisch sprachen ist auch nicht sicher.“

    klar, da hast du schon recht, Tocharer kamen erst rund 1 Jahrtausend später in diese Region, jedoch auch indoeuropäish und nicht Turk-sprachig, sicher auch schon bereits ein Völkergemisch aus versch. Haplogruppen der Region. 😉

    Das die Hunnen Mongolen sind ist sehr gewagt, denn eigentlich sind die Mongolen gerade um die Zeit schwer mit China beschäftigt.

    Die in chinesischen Quellen als „Hsiung-Nu“ bezeichneten Stämme, wenn auch nicht direkt Mongolen, so sicher eng mit diesen verwandt und aus quasi angrenzenden Regionen.

    „Die Hunnen hatten mit Sicherheit ein paar Mongolenstämme dabei, aber mind. 1/3 der Hunnen dürften zur R1b-Haplogruppe gehören.“

    Das ist durchaus möglich, Vermischung indem sie sich mit den Frauen anderer Kulturen fortpflanzten.
    Auf den Kriegszügen der Hunnen ließen sie ja wohl ihre Frauen daheim und nahmen jede welche ihnen in die Finger geriet, zumindest den römischen Geschichtsschreibern jener Zeit zufolge, welche die Hunnen natürlich logischerweise als rückständige und blutrünstige Barbaren charakterisierten. Vielleicht waren sie das ja auch tatsächlich?

    „Auch C dürfte in höher Dosis dabei gewesen sein.“

    klar, das auf jedenfall 🙂

    „Das lateinische Wort für Hundert stammt vermutlich sowieso von Griechen oder Macedonen ab.“

    Hmm.. griechisch „hekaton“ – lateinisch „centuria“ nur geringfügige Ähnlichkeit, aber sind ja beides indogermanische Kentum-Sprachen.

    „Das yüz, jüz, yuz könnte übrigens auf das indoiranische jaz/jat zurück gehen, was wörtlich wohl “Stall” aber im Sinne von Sippe, Stamm oder Familie gebraucht wird.“

    Das könnte in der Tat stimmen.

    „Das macht doch die Sache so interessant, weil es eben noch eine andere Erklärung dafür gibt. Ob die richtig ist,
    nun ja daran wird ja intensiv geforscht. Aber die Forscher wurden schon mehr als einmal von Ergebnissen überrascht, die alles, was sie zu wissen glaubten, auf den Kopf stellten.“

    interessant ist das durchaus definitiv, viele Dinge über das bronze- und eisenzeitliche Handelsnetz jener Zeit sind ja auch vollkommen richtig und leider auch vollkommen Unbekannt in heutiger staatlicher Schulbildung, wo man den Kindern eintrichtern möchte das die Menschen vor der griechisch/römischen Antike noch quasi als Troglodyten in Höhlen gehaust hätten. Was sich später darin bemerkbar macht, das sich die heutigen Europäer keine dezentralisierten Gesellschaften in vollständiger Selbstversorgung ohne stark zentralisierten und stark hierarchisierten alles beherrschenden und kontrollierenden Nationalstaat mehr vorstellen können oder diese als durchweg primitive und rückständige Barbaren klassifizieren welches sich ja durch die gesamte sozialwissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Literatur der Neuzeit zieht, von Hobbes über Adam Smith bis Thomas Huxley’s „struggle for existence“ 1888; mit seinem Sozialdarwinismus der Darwin anscheinend grundlegend falsch verstanden hat was erst zu Houston Stewart Chamberlains sozialdarwinistischen Rassetheorien führte welche sich Alfred Rosenberg und Adolf Hitler zur Grundlage ihrer Menschenverachtenden NS-Ideologie machten. Aber das ist ein jetzt ganz anderes Thema, bevor ich ganz vom Thema abschweife 😉

    Bis denn..
    Micha

    Verfasst von Michael Stateless Federat Blackshield | 04/03/2015, 11:03 AM
  3. ich bestreite gar überhaupt nicht das R1a und R1b eng miteinander verwandt sind, ich bezweifle nur stark das Westeuropäer von Turksprachigen Populationen abstammen sollen.

    „Zudem fehlt jede paleolithische, mesolithische und frühneolithische R1b-Präsenz in Europa. Wo waren die denn deiner Meinung nach?“

    Ebenso wie R1a auch in Westasien bzw. Osteuropa nördlich des schwarzen Meeres bzw. zw. schwarzem Meer und kaspischem Meer.

    „Da R1b und R1a verwandt sind und von der RQ-Gruppe abstammen, gibt es wohl eine Makrogruppe zu der Uralisch aber eben auch Turkisch gehört. Die Quelle dürfte irgendwo in der Nähe des 24.000 Jahre alten Mal’ta-Fundes liegen.
    R1a ist eben nur etwas früher nach Westen gewandert…“

    stimmt, nur die Turksprachen sind mit dem mongolischen verwandt, das sich die Turkstämme auf ihrem Weg nach Westen mit indogermanischen Populationen mischten in Zentralasien was ihnen ihr heutiges Aussehen verlieh, das stelle ich überhaupt nicht in Frage. Das die heutige Westeuropäische Bevölkerung nicht indigen sein kann, auch das bezweifle ich nicht. Das auch die indoeuropäischen Tocharer R1b sich in Zentralasien mit Turkvölkern vermischt haben dürften ist stark anzunehmen, jedoch haben diese Mongolen und die späteren Hunnen eben keine R1b DNA.
    Sondern diese werden durchgehend in der antiken Literatur als klein, dunkel, schlitzäugig etc. charakterisiert, auf ihrem Weg nach Europa vermischten sich diese zweifellos auch mit Indogermanen, den „blonden“ Westgoten, Ostgoten auf der Krim welche ja vor diesen nach Westen flohen und als römische foederatii auf dem Balkan angesiedelt wurden, wohl als Pufferzone gedacht.

    „Eigentlich sind es nur die Westeuropäer die unbedingt sowas wie Ureuropäer sein wollen, was vor allen Dingen an der Deutung der Wikipedia liegt, die ja offensichtlich von Kelten aus der Eiszeit und neolitischen Slawen zensiert wird.“

    Natürlich ist R1b eben sowenig „indigen“ wie R1a – zur Eiszeit dürfte Nordeuropa kaum bewohnbar gewesen sein, die mesolithische Urbevölkerung Europas dürfte bereits ein Gemisch aus G aus dem Kaukasus (Ötzi), E aus Nordafrika über Spanien und I Balkan und Südeuropa; dargestellt haben, welche später nachdem sich das Eis zurückgezogen hatte sich auch im Norden ansiedelten. Die in ganz Europa wild verspränkelt, verbreitete Haplogruppe G könnte tatsächlich auf einen Geheimbund von „Zauberern und Schamanen“ darstellen, welche über Geheimwissen verfügten (Kräuterkunde, Metallurgie während der Kupferzeit (Chalkolithikum), ich meine das auch bei dir ansatzweise irgendwo in den vielen Texten gelesen zu haben?

    Nichts gegen deine Arbeit, alleine die Quellen alle auszuwerten und zu lesen dürfte Jahre in Anspruch genommen haben? Und du kommst durchaus oft zu sehr plausiblen Schlussfolgerungen, z.B. beweisen deine Zusammenfassungen das die Globalisierung spätestens bereits in der Bronzezeit ihren Anfang genommen haben muss, wenn nicht gar bereits im Neolithikum. Nur mit der Interpretation der Genetik kann ich oftmals nicht ganz übereinstimmen z.B. das Gallier und Römer deiner Interpretation nach aus Turksprachigen Völkern stammen, bitte korrigiere mich wenn ich dich da bloß falsch verstanden habe? Heutige Türken haben sich zweifellos in Anatolien mit R1b vermischt, sowie mit J2. Heutige Kasachen sind bereits eine bunte Mischung von R1a, R1b und O.

    „Assyrern um etwa 2000 BC (R1b)“

    eine recht starke Portion yDNA J war wohl auch dabei! aber das mag so stimmen, die Oberschicht wird wohl R1b gewesen sein und mit den indischen „Asura“ welche im „Ramayana“ um 1200 BC erwähnt werden identisch sein?

    „Sie waren in allem viel fortgeschrittener. Ihre ganze Kultur unterscheidet sich wesentlich von denen der Alteuropäer. Wo hatten sie das her?“

    R1b und R1a gerieten wohl während der Bronzezeit in Kontakt mit den Stadtkulturen Mesopotamiens, du übersiehst das die Turksprachigen Völker welche ja mit den altmongolischen Kulturen verwandt sind ja auch keine Städte in Zentralasien zu jener Zeit errichteten und erst sehr viel später das Pferd, die Bronzetechnologie, Schrift etc. wohl über die indogermanische R1b in Zentralasien (Tocharer?) übernahmen und mit diesen in Kontakt gerieten.
    Die ersten chinesischen Kaiser sollen blond bzw. blondrot gewesen sein, ab 1766 BC kommt dann urplötzlich auch in China am Huang He, am gelben Fluss die Bronzeverarbeitung, Pferd, Streitwagen, eine Schriftkultur, Polytheismus, Mathematik, die Monarchie, Währung, Märkte, Handel, Sklaverei, Bauwesen, Literatur, Seefahrt, eine Art antiker Feudalismus, die Philosophie, Astronomie, Medizin etc. auf.
    Woher sollen die Turkvölker das nun gehabt haben, wenn nicht über die Skythischen Reiternomaden bzw. die späteren Tocharer. Und die Skythen werden bereits in der Antike als Mischkultur beschrieben wo es durchaus sehr viele blondhaarige, rotblonde, brünette und selbst auch dunkelhaarige gegeben haben soll.
    Skythische Sklaven sollen im antiken Athen Polizeidienste wahrgenommen haben.

    „Zwei Karten machen dich vielleicht nachdenklich:
    Hier eine Karte mit der Ausbreitung der genetisch alten R1b-Stämme von Asien in den Westen von Klyosov“

    Nein, überrascht mich nicht, da die R1b Haplogruppe gerade unter den Turksprachigen Völkern Zentralasiens nur sehr gering ist, das R1b genau wie R1a aus Westasien/Osteuropa gekommen sein müssen und sich dann in alle Welt ausgebreitet haben bestreite ich überhaupt nicht, nur das R1b eben nicht Turksprachig gewesen sein kann, schließlich wird ja heute in Westeuropa auch kein Türkisch gesprochen bzw. stammen die heutigen Westeuropäischen Sprachen nicht von Turksprachen ab. Verstehe ich dich richtig, du willst sagen Gallier, Römer, Bretonen, Iberer seien Turksprachige Völker? Nein, dafür gibt es innerhalb der heutigen R1b Sprachen Westeuropas wohl kaum einen Ansatzpunkt. Das türkische Wort für Hundert ist nicht centum wie im Latein, nicht cent wie im französischen sondern yüz, kasachisch jüz, usbekisch yuz, mongolisch Zuun. Das Wort für Mann ist nicht hominem wie im Latein, nicht homo wie im spanischen oder homme wie im französischen, sondern Adam im türkischen und Kasachischen, oder odam im Usbekischen, khün im mongolischen. Eine sprachliche Verwandschaft zwischen Westeuropa und den Turksprachen lässt sich also ebensowenig belegen wie eine genetische Verwandschaft. Türken wurden vielmehr erst sehr viel später indogermanisiert auf ihrer Westwanderung und Turkvölker sind eben keine Indogermanen, sondern eine altaische Sprachgruppe, die Verwandschaft zu den uralischen Indoeuropäern dürfte noch im Paläolithikum kurz zustande gekommen sein, bis diese beiden Sprachgruppen sich wieder für lange Zeiten nicht mehr begegneten. Auch sind blonde Haare und helle Augen nicht erst an der Ostsee entstanden, sondern vielmehr bereits im Jungpaläolithikum in Zentralasien. Die Indogermanen dürften also bereits hellhaarige Phänotypen entwickelt haben bevor sie Europa erreichten, das heute viele Menschen Osteuropas helle Haare in ihrem Genom tragen beweist nur das R1a und R1b mit hoher Wahrscheinlichkeit die Träger dafür sind, vermischen sich die Populationen mit anderen eher dunkelhaarigen Kulturen so ist dies selbstverständlich nicht immer rezent.

    „Darwin der behauptete wir stammen vom Affen ab und Galileo der glaubte nicht die Erde sondern die Sonne stehe im Mittelpunkt unserer Welt.“
    Darwin hat durchaus auf bereits vorhandenes Wissen zurückgegriffen, die Theorie das die Menschen von Affen abstammen existierte bereits seit der Antike, nur hat man das meist als absurd abgetan bis es wenige Jahrzehnte vor Darwin recht populär wurde, Darwin war jedoch tatsächlich ein ausgezeichneter Naturbeobachter und wir Menschen und heute lebenden Affen stammen natürlich von gemeinsamen Vorfahren ab, doch das ist grad Haarspalterei (von mir). 😉 Galileo griff eindeutig auf Wissen aus der Antike zurück, Eratosthenes von Kyrene hatte bereits ziemlich genau den Erdumfang ermittelt, bloß mit dem Aufkommen des Christentums bzw. dessen römischer Assimilation wurde alles astronomische Wissen welches der „Heiligen Schrift“ widersprach als Ketzerei gebrandmarkt bzw. ist es in den Archiven des Vatikan verdorren und zu Staube zerfallen. Natürlich ist unsere Sonne nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern auch nur eine x-beliebige Sonne unter Myriaden, doch das ist wieder nur Haarspalterei von mir.

    „Und wenn man nun die Kelten zum Mittelpunkt Europas erklärt, dann muss man das beweisen.
    Bisher gibt es ausser bei mitteleuropäischen Glockenbechern die ja aus einer älteren bronzezeitlichen
    Einwanderung (mit der Einführung von Pferden) stammen, keinen Beleg.“

    Die Kelten waren doch eindeutig Indogermanen, ebenso wie Germanen, Italiker, Slawen, Balten, Illyrer, Griechen, Thraker, Armenier, Hethiter, Tocharer, Perser und indische Kshatriya Kaste, so stammen sie alle aus einer gemeinsamen Sprachgruppe welche sich in Europa mit ortsansässigen Kulturen vermischten, eine Sprachgruppe gemeinsamen Ursprungs welche bereits vor 3000 Jahren von Indien bis zum Atlantik reichte, wo ist das Problem dabei? Die Glockenbecherleute dürften doch R1b gewesen sein! Dabei ist es mir völlig egal ob man sie nun Kelten nennt oder Germanen oder wer weiß wie, es waren eindeutig Indogermanen.

    „Ich hab kein Problem damit Theorien auf den Müll zu schmeissen, wie stehts mit dir?“

    Wenn es mir stimmig und plausibel erscheint, dann ja, doch den heutigen Franzosen und damit auch den antiken Galliern eine turksprachige Herkunft attestieren zu wollen, bzw. der gesamten yDNA R1b und damit alle Kentumsprachen zu Turksprechern erklären zu wollen, damit kann ich so (bereits schon rein sprachlich unlogisch) definitiv nicht übereinstimmen. Nebenbei scheinst du der einzige zu sein welcher diese Theorie aufstellt und damit scheinbar alles auf den Kopf stellen mag?

    Naja, ich will hier nicht weiter streiten, darüber werden wir uns sicher ohnehin nicht einig. 😉
    Grüße M.

    Verfasst von Michael Stateless Federat Blackshield | 03/03/2015, 8:35 AM
    • Na ja gut das Westeuropäer von einer Turksprachigen Population abstammt ist eine plausible Theorie, aber die könnten auch irgendeine andere Paleosibirische Sprache gehabt haben. Darüber kann man sich herrlich streiten.
      R1b ist in Indien gar nicht verbreitet oder anders gesagt, erst seit der Neuzeit vereinzelt was vermutlich auf die Engländer zurück geht. Es ist also unwarscheinlich das die dort aufgetauchten Indoarier R1b trugen, wo hingegen R1a unter den Brahmanen (und auch der Kshatriya Kaste) ausgesprochen häufig ist. Es gab also keine R1b-Asura. Auf der Seidenstraße weiter nördlicher sah das allerdings schon wieder anders aus, dort ist R1b gut verbreitet.
      Der moderne R1a-Strang in Asien soll sich um ca. 1300 BC gebildet haben, demnach sind die Massageten (ab ca. 600 BC) die warscheinlichsten Träger.
      Unter den Tarimmumien von denen die ältesten auf ca. 1800 BC datiert wurden, befinden sich mehrere R1a-Typen, diese sollen nach Meinung von Klyosov einen Stamm angehören der sich kurz nach der Entstehung von R1a abspaltete und in Asien blieb.
      Bisher fehlt noch der Nachweis ob die Asiatische R1a-Z93/Z94 von den Europäern abstammt oder nicht, dann wäre sie Bronzezeitlich was durch die Laktosetoleranz nahe liegt. Die genaue Veröffentlichung der SNP der Tarimmumien fehlt noch.
      Die R1b-Mumien stammen wohl aus der Buddhistischen Zeit um 600 BC soweit ich weiss.
      Nun ist das mit den Tocharern sowieso ein größeres Problem, denn auch die Sprachdokumente stammen aus der Zeit um 600 BC, es sind teilweise Buddhistische Texte. Also ob die Tarimmumien die von 1800 BC stammen überhaupt Tocharisch sprachen ist auch nicht sicher.
      Das die Hunnen Mongolen sind ist sehr gewagt, denn eigentlich sind die Mongolen gerade um die Zeit schwer mit China beschäftigt.

      Die Hunnen hatten mit Sicherheit ein paar Mongolenstämme dabei, aber mind. 1/3 der Hunnen dürften zur R1b-Haplogruppe gehören.
      Auch C dürfte in höher Dosis dabei gewesen sein. Das Aussehen kann sehr stark täuschen, insbesondere wenn die Beschreibung von den Feinden kommt. Das lateinische Wort für Hundert stammt vermutlich sowieso von Griechen oder Macedonen ab. Die benutzten das innerhalb ihrer Kriegsaufstellung zu je 100 Mann. Das yüz, jüz, yuz könnte übrigens auf das indoiranische jaz/jat zurück gehen, was wörtlich wohl „Stall“ aber im Sinne von Sippe, Stamm oder Familie gebraucht wird.
      Natürlich haben die Turksprachen heute nichts mehr mit den indogermanischen Sprachen gemein. Doch wenn die späteren Westeuropäer erst 1000 Jahre durch die hethitisch, luwisch, lydische oder phönizische Mühle gegangen sind, dann dürften sie dabei einen gründlichen Sprachwechsel bzw. eine Kreolisierung durchlaufen haben. Wieviel sie dabei noch bei anderen Völkern entlehnt haben, steht wohl in den Sternen. Und dann kamen sie auch noch mit den Griechen und Germanen in Kontakt. Da war wohl von der ursprünglichen Sprache nichts mehr übrig, zumal Latein und Keltisch und auch Punisch selbst stark auf das Indogermanische verändert hat und seinerseits eigene Untergruppen bildeten.

      Und nein ich bin nicht der einzige der diese Theorie hat, das R1b ursprünglich mal eine Turksprache trug. Das Problem ist eher das westeuropäische Meinungen in Europa dominieren. Darauf was die Asiaten so sagen hört man hier nicht und die kennen die genetische Situation in Asien sehr viel besser als wir. Sie meinen das die Turksprache in Asien vorwiegend an R1b-Kulturen gebunden ist.
      Die Frage ist wohl eher, wie alt ist eigentlich das Ur-Turkisch?
      Aber ich stelle so einige Dinge auf den Kopf die allgemein als richtig angesehen werden.
      Das macht doch die Sache so interessant, weil es eben noch eine andere Erklärung dafür gibt. Ob die richtig ist,
      nun ja daran wird ja intensiv geforscht. Aber die Forscher wurden schon mehr als einmal von Ergebnissen überrascht,
      die alles, was sie zu wissen glaubten, auf den Kopf stellten.
      Wie heisst es so schön: „Für Risiken und Nebenwirkungen essen sie die Packungsbeilage und rufen sie ihren Psychiater an…“
      Also immer schön locker bleiben…

      Verfasst von Vanalander | 03/03/2015, 12:24 PM
  4. Hmm.. du widersprichst dir selbst: ich zitiere: „Zwischen Kupferzeit (3500-3000 BC) und Katakombengrab-Kultur (Spät-Jamnaja, 2500-2000 BC) ist die genetische Distanz am größten. Hier sind die Unterschiede wesentlich ausgeprägter als zwischen frühen kupferzeitlichen Kulturen (3500-3000 BC) und der Jamnaja-Population (früh Jamnaja 3600-3000 BC). Dieser populationsgenetische Wandel könnte ein Hinweis auf Diskontinuität bzw. Bevölkerungswechsel durch Migration sein.
    Eine von archäologischer Seite vermutete Einwanderung aus östlichen Steppengebieten hat aber zumindest auf weiblicher Seite kaum stattgefunden: Für Zentralasien typische DNA-Linien kommen in den untersuchten Populationen nicht vor.“

    Eben, keine oder kaum mtDNA doch ganz eindeutig yDNA – das stützt doch sogar noch Gimbutas These der indogermanischen Reiternomaden während der Bronzezeit. Oder etwa nicht?

    Verfasst von Michael Stateless Federat Blackshield | 02/03/2015, 9:26 AM
  5. Nach diesem Modell hier steht R1b für Turksprachen? hab ich das richtig verstanden? Türken sollen R1b sein? Demnach machst du die Hethiter zu Türken und somit auch die Westeuropäer, Spanier, Franzosen, Italiener und zum großen Teil auch Briten und große Teile Westdeutschlands welche R1b aufweisen. Also so ganz stimmt deine These hinten und vorne nicht, dabei war ich anfangs recht begeistert über den Blog bis ich mich zur Bronzezeit durchgelesen habe.

    Verfasst von Michael Stateless Federat Blackshield | 02/03/2015, 9:11 AM
    • Ja die R1b halte ich (wie auch andere nicht-westeuropäische Wissenschaftler) für die ursprünglichen Träger der Turksprache, besser gesagt eines Proto-Turkisch – nicht zu verwechseln mit türkisch.
      Proto-Türkisch wird bei den Gök-Türken um ca. 700 AD angesetzt. Das Ur-Turk dürfte die eigentliche Ursprache des Zentralen Sibiriens sein. Interessant wären hier auch paleosibirische Sprache.
      Ich mach also Hethiter nicht zu Türken, sondern zu einem ursprünglich Turkisch-sprachigem Volk.
      Nun könnte es durchaus sein das bereits die Samara-Kultur (heute ist das etwa das Gebiet der Bashkiren) als mögliche Quelle bereits ab ca. 2400-1800 BC indogermanisiert wurde, die haben heute nämlich bereits ein deutliches Gemisch zwischen R1a und R1b und I.
      Das würde durchaus erklären warum die Hethiter indogermanisch sprachen. Dagegen hatte die Samara-Kultur fast nur R1b.

      Aber die Hethiter könnten indogermanisch auch erst in Anatolien angenommen haben.
      Da wir ja keine Überlieferung einer älteren indogermanischen Sprache kann man nur Vermutungen anstellen.
      Fakt ist, abgesehen von Westeuropa und den Türken haben alle Turk-Sprecher überwiegend die Haplogruppe R1b und stammen aus einer Asiatischen Quelle. R1b ist mittlerweile sogar eine der häufigsten y-Haplogruppen der Welt und hat auch die unterschiedlichsten Phänotypen, das ist doch eine gigantische Erfolgsgeschichte!
      Da R1b und R1a verwandt sind und von der RQ-Gruppe abstammen, gibt es wohl eine Makrogruppe zu der Uralisch aber eben auch Turkisch gehört. Die Quelle dürfte irgendwo in der Nähe des 24.000 Jahre alten Mal’ta-Fundes liegen.
      R1a ist eben nur etwas früher nach Westen gewandert…

      Offensichtlich bist du mit der Verwandtschaft nicht zufrieden, doch ich muss dir mitteilen das es gerade die R1b-Turkvölker waren,
      die erstaunlicherweise die größten Reiche der Welt schufen. Sie domestizierten auch das Pferd, deswegen haben die „Pferdekulturen“ der Botai und die Samara-Kultur auch alle R1b und auch die großen Zeiten der Streitwagen fallen in die Zeit als sie den Orient beherrschten.
      Zudem fehlt jede paleolithische, mesolithische und frühneolithische R1b-Präsenz in Europa. Wo waren die denn deiner Meinung nach?
      Eigentlich sind es nur die Westeuropäer die unbedingt sowas wie Ureuropäer sein wollen, was vor allen Dingen an der Deutung der Wikipedia liegt, die ja offensichtlich von Kelten aus der Eiszeit und neolitischen Slawen zensiert wird.

      Nochmal:
      Das Auftauchen von Assyrern um etwa 2000 BC (R1b), der Paläer, Hethitern und Luwier um 1700 BC, der Maitani um 1600 BC, um 1600-1500 BC der Hyksos in Ägypten (Neues Reich 18.Dynastie=R1b), der Kassiten (akkad. kaššū) ab 1500 BC die um 1475 Babylon erobern und der Kaškäer die um 1450 BC Nerik erobern (vermutlich beide das selbe Volk) machen das genetische Durcheinander im Orient komplett.
      Vermutlich zeigt sich hier ein massiver Vorstoß der R1b-Population die aus Asien kommend in mehreren Wellen über den Kaukasus (eventuell von der Samara-Kultur ausgehend, Klyosov datiert diesen Zeitpunkt auf 5300±700 ybp) und unterhalb des kasp. Meeres in den Orient eindrang (Iran hat z.b. alte R1b-269) und ihn förmlich übernahm. Auch die Perser tragen sehr viel R1b.
      Den selben Wanderweg nutzten später die Seldschuken und Osmanen und auch die waren ja Steppenkrieger.

      Schaut man sich die Assyrer an, so berichten sie ja das sie anfangs in Zelten lebten, also eher wie Steppenkrieger, während die Hethiter um 1500 BC bereits Streitwagen benutzten und Eisen kannten. Ein Wissen das sie nur aus dem Ural und dem Kaukasus haben konnten. Sie waren überhaupt das erste echte Eisenvolk und wurden im Orient schnell zu einer führenden Macht.

      Die Eisenzeit in Europa begann etwa um 1200-1000 BC also mitten in der Zeit der Seevölker und damit begann die Hallstatt-Zeit.
      Diese Eisenzeit-Zuwanderer waren den Bronzezeitlern völlig überlegen, sie übernahmen die Minen, richteten ein florierendes Handelsnetz ein, führten Wein und Geflügelzucht ein, sie bauten aus dem nichts Städte und bauten auch völlig anders, während man in Mitteleuropa noch Wallanlagen errichtete. Sie waren in allem viel fortgeschrittener. Ihre ganze Kultur unterscheidet sich wesentlich von denen der Alteuropäer. Wo hatten sie das her?

      Wir haben hier zwei historisch dokumentierte starke Bewegungen, eine im 2. Jahrtausend und eine im 1. Jahrtausend,
      wobei im Orient genügend Völker auftauchen um den ganzen Orient zu beherrschen.
      Und die Herrschaft von R1b in Europa beginnt erst im 1. Jahrtausend mit dem Auftauchen von Römern und Kelten.
      Letztendlich werden sie mit all ihren orientalischem Wissen der Eisenzeit und erst recht mit der Schrift den
      indogermanischen Wortschatz praktisch verdoppelt haben. Jede Kultur hat ihre „goldenen Zeiten“…

      Zwei Karten machen dich vielleicht nachdenklich:
      Hier eine Karte mit der Ausbreitung der genetisch alten R1b-Stämme von Asien in den Westen von Klyosov
      Alte R1b-Route

      Und hier die Ausbreitung der Turksprachen wobei das Gebiet von Kasachstan etwa der Ausbreitung der Andronovo-Kultur entspricht.

      Natürlich kann ich mich irren, aber Wissen ist ja nur der derzeitige Stand der Unwissenheit. Es gibt genügend Beispiele wo sich die Welt eifrig gegen eine neue Theorie gewehrt hat. Darwin der behauptete wir stammen vom Affen ab und Galileo der glaubte nicht die Erde sondern die Sonne stehe im Mittelpunkt unserer Welt.
      Und wenn man nun die Kelten zum Mittelpunkt Europas erklärt, dann muss man das beweisen.
      Bisher gibt es ausser bei mitteleuropäischen Glockenbechern die ja aus einer älteren bronzezeitlichen
      Einwanderung (mit der Einführung von Pferden) stammen, keinen Beleg.
      Ich hab kein Problem damit Theorien auf den Müll zu schmeissen, wie stehts mit dir?

      Verfasst von Vanalander | 03/03/2015, 12:03 AM
  6. Das die „indigenen“ Europäer mit yDNA I wohl als Vanen und die einwandernde yDNA Haplogruppe R als Asen bezeicnet wurden, dem kann ich zustimmen, jedoch wird I wohl dunkelhaarig gewesen sein,. während R1a und R1b wohl bereits eine Multikulti-Mischkultur aus blond, rot, braun und schwarzen Haaren aufwies mit grünen, blauen, grauen und braunen Augen. Diese sollten die Vorfahren aller späteren Indoeuropäischen Kulturen werden welche durch Vermischung mit indigenen Kulturen voneinander divergierende Sprachen bildeten (Indische Kshatriya Kaste, Perser, Sogder, Meder, Baktrer, Hethiter, Tocharer, Thraker, Illyrer, Griechen, Armenier, Slawen, Balten, Romanen, Kelten und Germanen.)

    Verfasst von Michael Stateless Federat Blackshield | 02/03/2015, 9:04 AM
  7. Warum die Kurgan-These (komplett) falsch sein sollte überzeugt mich nicht, ich spreche 5 indoeuropäische Sprachen, (hauptsächlich westgermanische und romanische) sowie Grundkenntnisse in 2 weiteren. Du solltest dir einmal einen Hindi-Film anschauen, du wärst überrascht wie viel du (falls du mehrere Sprachen sprichst) daraus verstehen oder gar aus anderen indoeuropäischen Sprachen ableiten kannst. Diese Sprachverbvindung zwischen Indien und Europa ist bereits Johann Jacob Bachofen aufgefallen. Sicher Dr. Marija Gimbutas Kurgan-Theorie mag Lücken aufweisen, insbesondere der (gewaltsamen) Eroberung Europas durch Reiternomaden aus dem Osten, doch die Indoeuropäer bzw. Indogermanen sind zweifellos ob nun zu Fuß oder zu Pferde in mehreren Schüben aus dem Osten eingewandert, das ist zumindest allgemeiner Konsens in der Wissenschaft und die Germanen zu Caesars Zeiten müssen ja bevor sie aus Nordeuropa nach Mitteleuropa vor stießen auch irgendwo hergekommen sein (Jahrtausende zuvor natürlich) ob nun im Neolithikum, im Chalkolithikum oder erst in der Bronzezeit, darüber lässt sich streiten, aus der Erde heraus gewachsen werden sie wohl kaum sein, die vorindoeuropäische Urbevölkerung Europas hatten allem Anschein nach die yDNA Haplogruppen I1, I2 und vereinzelt G2 – welche meist dunkles Haar aufweisen (diese besiedelten anscheinend auch bereits Skandinavien nach dem Ende der letzten Eiszeit im Mesolithikum und Neolithikum. Die eher dunkelhäutige dravidische Urbevölkerung Indiens weist nicht die yDNA R auf sondern die yDNA H und vereinzelt F sowie am Indus L. Die Kshatriya Kaste hingegen ist Träger von R1, Mischlinge weisen R2 auf. Die Erkenntnisse der modernen Soziobiologie sowie der modernen Genetik sprechen damit eher für Gimbutas Modell.

    Verfasst von Michael Stateless Federat Blackshield | 02/03/2015, 8:52 AM
  8. sorry, ich muss schon wieder meckern, erst einmal jedoch ein Lob um diese riesige Anzahl von Fakten zusammenzutragen, alleine dies alles zu lesen stellt schon ein Mammut-Projekt dar, zur Kritik: das Kadmos von Theben aus Phönizien gekommen sei, dies macht die späteren Dorer (NW-Griechen welche später ab 1200 v.Chr. unter den Herakliden die mykenische Kultur okkupierten) das Kadmos und der thebanische Adel Phönizier waren, macht die Beherrschte Bevölkerung nicht automatisch selbst zu Phöniziern, auch wenn die Haplogruppe J unter heutigen Griechen weit verbreitet ist, so meines Wissens nach auch die yDNA Haplogruppen E, I und R1. Die Dorer waren NW-Griechen, allenfalls mit illyrischem Einschlag. Die Illyrer sollten die Vorfahren der heutigen Albaner sein und sind somit auch nicht komplett von der europäischen Landkarte verschwunden.

    PS. Kadmos wird bereits auf ca. 1450 v.Chr. datiert, also mehrere Jahrhunderte vor den Herakliden.

    Verfasst von Michael Stateless Federat Blackshield | 02/03/2015, 5:20 AM
    • Danke, ja das ist schon wirklich ein Mammutprojekt und es kommen ja auch immer neue Fakten ans Licht.
      Das ist schon ein richtiges Durcheinander und klar ist das auch relativ wacklig.
      Aber das Ziel ist ja auch eine zusammenhängende Europäische Geschichte zu erzählen wie Europa das wurde, was es wurde.

      Grundsätzlich haben wir ab ca. 2000 BC eine zunehmend stärkere Durchmischung im Orient und das wird auch schon Griechenland betreffen.
      Die Völker tragen nun nicht mehr eindeutig nur eine oder zwei y-Haplogruppen sondern vier oder mehr.

      Das Auftauchen von Assyrern um etwa 2000 BC, der Hurriter ab 1900 BC, der Paläer, Hethitern und Luwier um 1700 BC, der Maitani um 1600 BC, um 1600-1500 BC der Hyksos in Ägypten, der Kassiten (akkad. kaššū) ab 1500 BC die um 1475 Babylon erobern und der Kaškäer die um 1450 BC Nerik erobern (vermutlich beide das selbe Volk), der Uratäer um 1300 BC usw. machen das genetische Durcheinander komplett. Dazu kommt der Vorstoß der Ägypter in die Levante um 1500-1400 BC.
      Vermutlich zeigt sich hier ein massiver Vorstoß der R1b-Population die aus Asien kommend in mehreren Wellen über den Kaukasus und unterhalb des kasp. Meeres in den Orient eindrang und ihn förmlich übernahm. Den selben Wanderweg nutzten später die Seldschuken und Osmanen und auch die waren ja Steppenkrieger.
      Interessanterweise breitet sich um 2300 BC zur selben Zeit die Andronovo-Kultur aus, die ja als Skythisch angesehen wird. Es sieht ganz so aus als hätten sie die Turkvölker verdrängt.
      Schaut man sich die Assyrer an, so berichten sie ja das sie anfangs in Zelten lebten, also eher wie Steppenkrieger, während die Hethiter um 1500 BC bereits Streitwagen benutzten und Eisen kannten. Ein Wissen das sie nur aus dem Ural und dem Kaukasus haben konnten. Interessanterweise nutzten aber die Hethiter den Streitwagen nicht wirklich effektiv. Sie verließen sich vielmehr auf Eisen und waren daher das erste echte Eisenvolk.

      Von diesen Einwanderern wird die ohnehin nur spärliche R1a und I Population nahezu ausgelöscht und die J-Population in Anatolien nach Süden in die Levante (oder in Elam nach Osten) gedrängt, während die G-Population rund um den westl. Kaukasus relativ stabil bleibt.
      Es kommt also zu einem ganz großem genetischen Wandel…
      Und der selbe Wandel findet 1000 Jahre später in Westeuropa statt, als seefahrende Phönizier und Griechen Kolonien bilden und Kelten und Römer wie aus dem Nichts auftauchen und die Kelten mit der ersten Siedlung schon halb Europa übernehmen, jedenfalls wenn man der Wikipedia glaubt 😉

      Dazu kommt das Phönizier ihre Mannschaften oft bei den Kanaanitern anwarben die mit Sicherheit bereits J1 und E trugen. Da wird also der eine oder andere mit der yDNA E oder J1 mit Sicherheit darunter gewesen sein. Es wird ja erzählt das Kadmos auch Araber begleitet hätten, worunter man (aus Strabons Sicht) wohl eher das Hinterland in Kanaan verstehen sollte.

      Für Kadmos Wanderung gibt es ja auch keinen archäologischen Beleg, nur eben den Mythos.
      Das die Dorer NW Griechen waren, ist reine Vermutung. Ich gehe eher davon aus das die Phönizier aus den vielen Einflüssen
      auf die Levante lokal entstanden sind, da wären die Amurriter und Mitanni/Hurriter in Syrien,
      die Ägypter und Hethiter die beide ihr Reich bis Kadesh ausdehnen wollten. Später kommen auch noch Babylonier und Assyrer
      dazu, die ja ebenfalls mal hier aufschlugen.

      Das Kadmos Phönizier ist, ergibt sich nur aus dem Zusammenhang das er der Sohn eines Königs des phönizischen Sidon ist.
      Das in Sidon vermutlich auch Mykener anwesend waren, belegt die minoisch/mykenische Wandmalerei in Quatna was ja nicht weit weg ist.
      Kadmos könnte also theoretisch von ausgewanderten Mykenern abstammen.
      Allerdings glaube ich das nicht, denn ich gehe davon aus das die Phönizier keine Koloniegründung sind, sondern sich eher vor Ort aus einem Fischerdorf entwickelten das durch die Purpurschnecke reich wurde und demnach hatte es vermutlich auch einheimische Herrscher.
      Sidon soll der „erstgeborenen“ Sohn Kanaan gewesen sein. Ausserdem liegt Sidon im Gebiet des späteren Stammes Ascher, der auffallend viel yDNA R1b hat und diese Stadt zeigt auch viel babylonischen Einfluss. Es gibt da auch noch Hinweise das dieser Ascher-Stamm aus dem Maitani-Gebiet stammen könnte, als diese von den Assyrern unterworfen wurden. Darauf weisst z.b. die phönizische Stadt Nahariya hin, was stark an Naharina erinnert wo u.a. Harran liegt und das war Maitanisches Gebiet. Das könnte mit der biblischen Wanderung von Abraham zusammen hängen – wäre möglich ;-).
      Die Mykener siedelten wohl eher von Kreta und Rhodos und Karien ausgehend im Süden von Anatolien an der Lykischen Küste und an der nordsyrischen Küste bzw. Alesija/Zypern.

      Meiner Meinung nach gab es drei phönizische Wanderungen, die von Kadmos war die erste, die ging nach Thasos in Thrakien, in die Doris, nach Theben und Illyrien. Illyros soll dabei ein Sohn des Kadmos gewesen sein, der vermutlich dann über die Illyrer herrschte, d.h. die Illyrer waren vorher nicht da und die Encheläer haben nicht gegen die Illyrer sondern eher gegen die Einheimischen Dalmatier gekämpft, die an der Küste assimiliert und Teil der Illyrern wurden während sich der Rest der Dalmaten mehr ins Hinterland zurück zog.
      Die zweite Wanderung war wohl die des Aietes der die zweite Hälfte der Drachenzähne bekam und mit seinem Bruder Korinth und Sikyon eroberte und dann König über Phasis in der Kolchis wurde. Auch hier haben wir keinerlei archäologische Beweise.
      Die dritte Auswanderung der Phönizier war die der Dido die um 900 BC Karthago gründete.

      Die Haplogruppen I und R1a waren ja sowieso schon seit der Bronzezeit im Griechischen Raum verbreitet (bevorzugt I aber auch J für die Minoer). Die Haplogruppe J1 ist wohl die ursprünglichste aller einheimischen Haplogruppen der Levante und ist vom Euphrat bis zur Levante, vom Taurus bis nach Kanaan verbreitet. Vermutlich gab es durch den Handel, die vielfältigen Auswanderungen aus Phönizien und natürlich durch Sklaven einen ständigen leichten Zustrom von J1 nach Griechenland.

      Ob die Albaner von den Illyrern abstammen, wage ich mal zu bezweifeln. Sicherlich beruht die Genetik der Albaner auf den Europäischen Mischmasch der dort verbreitet war (u.a. auch Illyrer), aber ihr Name hängt wohl eher mit dem Albanien im Kaukasus zusammen, das aber sehr viel später erst existiert. In der Mythologie wird kein Albanien erwähnt, was darauf hindeutet das es dort kein Albanien gab, weder zu Zeiten der Griechen noch der Römer. Das ist wohl mehr eine Gründung der Turkstämme oder Alanen die sehr viel später in Osteuropa einfallen und zuvor mal am Kaukasus lebten wo sie den Namen „Albanien“ entlehnten. Das ist so meine Vermutung.

      Natürlich sind die Völker Osteuropas daran interessiert ihre Geschichte zu verlängern und sie arbeiten ja auch fleissig daran sich eine Geschichte bis in die Steinzeit zu geben, aber weder die Sprache noch Mythologie legt eine längere Geschichte von Albanien, Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Macedonien, Bosnien usw. nahe.
      Historische Namen stehen nicht im Zusammenhang mit den heutigen Namen. Sie stehen also nicht in der Tradition historischer Völker und sprechen daher auch nicht die Sprachen dieser alten Völker. Eine Handvoll „möglicherweise illyrischer“ Worte sind als Beweis extrem dürftig. Das könnte genauso gut dakisch, thrakisch, getisch, phrygisch oder sogar gotisch oder oskrisch, sabelisch oder sogar von Turksprachen her kommen. Zumindest derzeit wissen wir nicht besonders über die Stämme oberhalb Griechenlands und die Zeit vor der römischen Eroberung.

      Verfasst von Vanalander | 02/03/2015, 8:49 PM
  9. Danke für Deine prompte und umfassende Antwort! Mit „genial“ meine ich Dein Wissen und die zwingende Logik Deiner Schlussfolgerungen. Wenn ich das hätte, würde ich Bestseller schreiben. Was die Glockenbecherleute betrifft, so habe ich Deine Vermischungskarte 1800 BC mit meinen Erkenntnissen über die Atlantischen Kulturen verglichen. Dabei erscheinen mir mehrere Wellen aus dem südwestlichsten Zipfel nach Mitteleuropa möglich: Homo sapiens um 150.000 über die Straße von Gibraltar, der Strom nach der letzten Eiszeit ab 11.000 und die Megalith-Bauern um 4.000 – alles vor der Zeitrechnung. Auch die Glocken-Typen könnten sich mit einem wohlhabenden Hinterland, gefestigten Staatengebilden und starken Eliten auf die Wege ihrer Altvorderen gemacht haben. (Oder mit einer Katastrophe im Rücken.) Aber gegen Gene und Fundauswertungen komme ich natürlich nicht an. Höchstens: es gab damals schon feste Handelsrouten zwischen östlichem und westlichem Mittelmeer. Sind die Glockenbecher-Funde in Vorderasien wirklich mit den europäischen zu vergleichen?

    Verfasst von Hans-Joachim Heß | 07/02/2014, 8:33 PM
    • Na dann danke für das Lob. Ja mit dem Schreiben von Büchern hab ich auch so meine Probleme. Ich denke zwar drüber nach, aber die ganze Formatierung und es geht auch noch ziemlich chaotisch hier zu. Man will es ja auch so erklären das es jeder versteht, gelle.

      Momentan haben wir keine ausreichenden genetischen Beweise einer derart uralten Population die aus Nordwest-Afrika eingewandert ist und archäologisch ist zwar eine uralte Population zu finden, aber die war wohl eher über dem europäisch-asiatischen Norden verbreitet und hat sich bis in alle Ecken Europas (als auch Iberien und England) ausgebreitet. Der Weg deutet eher an, das sie über Zentralasien nach Norden gewandert ist und dann Westwärts nach Europa bzw. Ostwärts nach Amerika zog und gewissermaßen die europäische Bevölkerung vor der Eiszeit darstellte.
      Diese manifestierten sich hier als Waldkultur und bildete damit die mesolitische Steinzeitbevölkerung Europas.

      Vielleicht gab es eine kleine Einwanderung aus Nordwestafrika die tatsächlich über die Straße von Gibraltar kam, ich denk darüber auch schon nach. Aber sie müsste einer sehr sehr frühen yDNA-Verzweigung angehören. Eine richtig frühe Bevölkerung müsste A, B oder C angehören. Wenn es die gab, ist sie zu 100% ausgestorben und würde quasi der Cro-Magnon-Mensch sein, der die Magdalénien-Kultur getragen hätte.
      Um dies allerdings zu beweisen, müsste man belegen das die Ibéromaurusien in Nordwestafrika ebenfalls von Cro-Magnon-Menschen getragen wurde.

      Andersrum sind die ältesten Megalithbauten etwa um 6000-5500 BC in Iberien entstanden. Wenn die Idee aus Nordwestafrika kam, müsste sich dort eine Kultur etabliert haben, die ebenfalls so alte Megalithbauten hat.
      Möglich wären z.B. auch Y-DNA der Haplogruppen D, E, F.
      D und F ist jedoch derart selten, das man eigentlich nicht sagen kann, wo genau sie die höchste Konzentration haben aber die Untergruppen von F deuten darauf hin das sie weiter östlich in Kleinasien verbreitet war.
      E ist zweifellos in Nordwestafrika verbreitet und wäre damit die beste Wahl, zumal man ein yDNA E-Mann in Iberien vergesellschaftet mit Megalithanlagen gefunden wurde. Das wäre aber eine Nach-Eiszeitliche Einwanderung, keine Vor-Eiszeitliche Einwanderung.
      Die Capsien (9.000-3.000 v. Chr.) in Tunesien würden damit in Frage kommen, die wohl mit der Merimde-Kultur (7000-4500 BC im Nildelta) und der nachfolgenden Badari-Naqada-Kultur (4500-3000 BC, Mittelägypten bei Abydos) im Nordöstlichem Afrika zusammen hängt.
      In dem Fall wäre Malta aber viel näher als die Iberische Halbinsel und müsste die ältesten Megalithbaute aufweisen. Diese Megalithbauten sind aber erst ca. 2500 BC entstanden, soweit mir bekannt ist. Das sollte ich mal mit einfügen.

      Ja, das wäre durchaus eine interessante Überlegung. Schade das die nordwestafrikanische Steinzeit so schlecht erforscht ist, weil sich alles nur auf das prachtvolle Ägypten stürzt. Im Grunde genommen zeigt sich überall, das die direkten Nachbarn früher Hochkulturen oft stiefmütterlich behandelt werden. Dabei sind sie oft die direkten Vorläufer.
      Zur frühen Bronzezeit:
      Ob die Glockentöpfe in Vorderasien und die Glockenbecher in Europa wirklich zu vergleichen sind, eine gute Frage. Zumindestens sind sie beide fast eine Art Industriegüter, wobei sie in Europa individueller Besitz, in Vorderasien offensichtlich eher Geschirr der Bauarbeiter an den Tempeln und Palästen waren.
      Meine Idee dahinter ist eigentlich: das Bauarbeiter gewöhnlich eine enge Beziehung zu ihrem Werkzeug und auch zu ihrem Geschirr pflegen, dazu braucht man nur mal einen Blick auf die Kaffeetöpfe heutigen Arbeiter zu werfen. Diese individuelle Beziehung zu ihrem Glockenbecher besteht wohl auch bei den Glockenbecherleuten, die sich mit ihrem eigenem Becher begraben ließen. Aber klar, das ist ein eher dünner Beleg. Es braucht wohl einfach mehr Belege.
      Danke für die Hinweise, die sind sehr sehr nützlich. Gern mehr…

      Verfasst von Vanalander | 08/02/2014, 3:41 PM
  10. Genial! Kann es nicht doch sein, dass die Glockenbecherleute, wie auch ihre Vorfahren aus Südwesten nach Mitteleuropa einmarschiert sind?

    Verfasst von Hans-Joachim Heß | 07/02/2014, 5:31 PM
    • Tja ich weiss nicht so recht wie ich das Genial bewerten soll.
      Aber es ist derzeit noch ein großes Rätsel, warum in Iberien so früh Glockenbecher auftauchen. Andersrum fehlen aber die iberischen R1b-Glockenbecher-Leute dazu. Noch ist mir kein yDNA R1b-Fund in Iberien bekannt, der in die Anfangszeit der Glockenbecher datiert wurde. Leider wird da auch nicht viel publiziert.
      Womöglich stimmt auch die Datierung aus Iberien nicht. Manchmal sind Forscher bestrebt etwas zu beweisen und publizieren eher die untersten Datierungen damit es passt. Die Glockenbecher in Belgien/Niederlande waren auch etwas zu hoch datiert. Zudem sind die Datierungen der der südwest-iberischen und der nordalpinen Glockenbecher höchstens 400 Jahre auseinander. Da ist also noch Raum für Spekulation.

      Andersrum wäre es viel logischer, wenn die Glockenbecher von Osten (Asien) oder Südosten (Griechenland) kommen, weil nunmal der bequemere Weg nach Mitteleuropa ist. Wieso sollten sie mit ihren wackligen frühbronzezeitlichen Booten erst das ganze Mittelmeer durchqueren?
      Insbesondere da es bereits eine Handelsroute für Bernstein und Bronze gibt, bei der sie bequem auf dem Bock eines Rinder-/Pferdewagens einwandern könnten?
      Die älteste yDNA-R1b Signaturen sind auch eher im östlichen Mitteleuropa aufgetauchen, wo heute praktisch nur eine Minderheit R1b lebt.
      Ich denke daher, sie nahmen einfach den Weg des geringsten Widerstandes.

      Aber gegen Ende erkläre ich auch, das es einen Einfluss aus Iberien gab, der allerdings stark an Hannibals Armee geknüpft ist. Offensichtlich hat der uns die erste germanische Lautverschiebung und den Namen „Germanen“ eingebracht.

      Aber wenn du ein paar gute Argumente hast, dann immer her damit. Theorien müssen angegriffen werden. Und wenn sie falsch sind, muss man sie auch überarbeiten/streichen.

      Ansonsten Danke für den Kommentar. Wir sind ja alle Suchende…

      Verfasst von Vanalander | 07/02/2014, 6:36 PM

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