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Sprachliche Belege

Ich unterstütze die vom Wiener Slawisten Georg Holzer ab 1995 entwickelte Theorie über Lautstand und Entwicklung des Protoslawischen ab etwa 600 n. Chr. Desweiteren Darüber lehne ich wie auch beispielsweise Wolfram Euler die gemeinsame Balto-slawische Vorstufe des Baltischen und Slawischen ab. Als Nachbarn haben sie sich natürlich gegenseitig beeinflusst, wodurch Gemeinsamkeiten entstanden. Dies bedeutet nicht das sie aus einer Wurzelsprache – eben dieses fiktive Baltoslawisch stammen.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der Apfel ist ein Fruchtbaum der offenbar aus Zentralasien nach Mitteleuropa gelangte.
Sein Ursprungsgebiet liegt im Süden Kasachstans nahe Usbekistan und Tadschikistan. Dort ist er bereits seit 10.000 Jahren bekannt.
Der heutige Kulturapfel entstammt dieser Wildform und wurde um ca. 4000 v. Chr. domestiziert und vielleicht im Südlichen Kaukasus-Gebiet nochmal veredelt, bevor er dann um etwa 1500 v. Chr. über die Kolonisation nach Europa gelangte. Das interessante dabei ist nicht der Apfel selbst, sondern vielmehr seine Etymologie. Die zeigt nicht nur massive Unterschiede innerhalb der indogermanischen Familie sondern auch Querverbindungen in turkische und ugrische Sprachen. Und hier liegt des Pudels oder besser des Apfels Kern vergraben.
Der Apfel kam zweimal nach Europa. Einmal vermutlich schon mit den asiatischen Vorfahren der Glockenbecher und Uraliern und diese Äpfel sind gewöhnlich kleiner und saurer aber widerstandsfähiger, was bei alten Obstsorten normal ist. Daher stehen diese oft auf Fallobstwiesen. Der zweite Apfelimport stellen die großen süßen Äpfel dar, der viel empfindlicher ist.

Die alten Völker der Region betteten den Apfel schnell in ihre Kulturen ein – so standen Äpfel beispielsweise bei den Kelten der Geschichte nach symbolisch für Tod und Wiedergeburt und waren bei den Germanen ein Symbol für Unsterblichkeit. Es ist sehr wahrscheinlich das man Obstler daraus machte.
Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation symbolisierte der Apfel die Weltkugel und wurde als sogenannter Reichsapfel bei Krönungszeremonien vom Herrscher in der linken Hand gehalten.

Aber nicht nur die symbolische, sondern auch die landwirtschaftliche Bedeutung des Apfels nahm immer mehr zu: Die Frucht wurde mit den Jahren nahezu in ganz Europa angebaut und steht auf der weltweiten Produktionsliste für Obstsorten mittlerweile auf Platz 4. Von allen europäischen Staaten werden in Deutschland die meisten Äpfel verzehrt, Deutschland ist das Apfelland von Europa.

Deshalb gibt es in den indoeuropäischen Sprachen zwei verschiedene Wortstämme für den Apfel.

Das eine sind:

  • die Germanischen, Keltischen, Slawischen und Indoiranischen Sprachen,
    Apfel =

    • Germanic *apla- (Old Norse apaldr, Old Saxon appul, jiddisch epl),
    • Baltic *ablo, (Lithuanian obelìs, Latvian âbele)
    • Celtic *abalo-, (Old Irish *aball, mod. Welsh afal, Old Breton aballen, schottisch-gälisch ubhal),
    • Slavic *ablъ (Middle Bulgarian ablanь, Old Russian ablanь, Old Polish jabłoń, mod. bulgarisch yabŭlka, mod. Rus yabloko, serbisch jabuka).
    • weißrussisch jablyk

    Apfelbaum =

    • Germanic *apaldra,
    • Celtic *abalnā,
    • Baltic *obelis,
    • Slavic *abolnь, *ablonьv

    Das Wolgafinnsche *amarnē (z.b. Erzyan umaŕńe, finnisch omena, Estnischõun) wird im Baltischen z.B. als Pferdeapfel (im Dialekt „omin“) entlehnt und kam sicher über die Seidenstraße wo sie der Mittel-Ostiranische Form *amarnē (ostiranische Zweige Tocharian / Iranian Khotanese) entlehnt ist. Vermutlich ist Baktrien/Sogdien als Drehkreuz der Seidenroute dafür verantwortlich.

    Völlig davon losgelöst ist das

    • baskische sagar
    • hindi/punjabi/kannada seb/sēba/sēbu und gurajati sapharajana
    • maltesische tuffieħ
    • spanisch/portugiesisch maçã/mazá oder katalanisch pomo
    • Amharische (Südäthiopien) pami
    • albanische mollë

    Wohingegen es eine deutliche Beziehung von dem dt. Apfel zu

    • Malaisch epal und Malayam āppiḷ
    • Tamil Āppiḷ und Telegu Āpil, bengalisch Āpēla
    • Thai Xæppeil und Khmer phle baom
    • Zulu apula
    • Maori aporo

    auftaucht. Offenbar eine Folge der Globalisierung, da kamen wohl die ersten Äpfel aus Deutschland. Was prima zeigt wie Worte auch in der Gegenwart exportiert wird.

    Anders sieht es mit Südeuropa/Anatolien aus. Hier findet sich eine andere Wurzel.

    • Hethitisch (maḫla- = Zweig einer Weinrebe)
    • Griechisch (μῆλον, konvertiert malos)
    • Lat. mālum (mālus), eine antike Form des dorischen Griechisch μᾶλον, die Griechischen, Romanischen und Hethitischen Sprachen gehen laut Linguistik auf die IE Wurzel *meh₂- ‘wachsen’, viz. *meh₂ (Rekonstruktion Nikolaev 2014) zurück.
  • Bei Vergil’s Aeneas wird malifera (Negation von mālum) sogar als Unglück (wie auch im Hexenhammer, lat. “Malleus Maleficarum“) bezeichnet.

Da der Apfel wohl nach Südeuropa über eine orientalische Route kam, hat Südeuropa der Frucht einen ganz anderen Namen verpasst als Nordeuropa. Dies muss mind. vor den Hethitern gewesen sein, die hier offenbar eine Technologie übernahmen, darauf deutet die Beschreibung des hethitischen mahla hin (egal ob das nun für zerdrücken/zerreiben oder wachsen steht) und der Zusammenhang mit Wein.

genetische Apfel-Reise

genetische Apfel-Reise

Eine etwas andere Wein-Lese
Wein wurde in Mykenisch wo-no genannt, aus dem sich das altgriechische *ϝοῖνος [woínos] und griechische οἶνος [oínos] entwickelte, das zum lateinischem vinum wurde. Hier gelten Georgien und Armenien vor 5000-10.0000 Jahren als Ursprungsländer. In armenisch und georgisch hat sich hier das Wort gini bzw. ghvino für Wein erhalten, das wohl auch für den engl. Gin und dem Englischem Lieblingsbier Pate stand. Der Apfel wird in Armenisch als khndzor bezeichnet.
Frühe Juden nannten Bier schechar, was dem baskischem sagar nahe steht. Somit dürfte hier ein phönizischer/punischer Ursprung für das baskische Wort in Frage kommen. Den ältesten Wein fand man im Grab des Pharao Skorpion I. der zur 1. Dynastie Ägyptens gehört.
Die bislang älteste Kelteranlage wurde in Hajji Firuz Tepe im Zagros-Gebirge im Iran gefunden. Die Anlage ist nach heutigem Kenntnisstand 5000–5400 v. Chr. betrieben worden.

Nach Angaben des griechischen Historikers Herodot (482 –425 v. Chr.), was später der Autor Strabo (63 –23 v. Chr.) bestätigte, wurde unter der Achaimeniden-Dynastie (559 –331 v. Chr.) der Rausch bewusst eingesetzt, um über wichtige Fragen zu urteilen. Später mussten die gefassten Beschlüsse noch einmal im nüchternen Zustand bestätigt werden. Dies dürfte aus dem Zeitraum um 500 v. Chr. stammen.
Offenbar betrachteten Griechen und Römer die Perser als Erfinder des Weines und betrachteten den Iran (insbesondere Persepolis, altpers. Parsa) als Wiege der Weinkultur. Dies dürfte damit zusammenhängen das die Weine der Perser als die besten der Antike galten.
Aber da die Hethiter 1000 Jahre früher schon ein Wort dafür hatten, ist die Erfindung des Weins sicher nicht persisch sondern eher sumerisch. Schon Gilgamesh wurde mit Wein in Zusammenhang gebracht.

Weinreben tauchen in Mitteleuropa erst in der Eisenzeit auf und wurden von Kolonisten insbesondere im österreichischem Weinviertel und entlang der Rhöne bis in die Schweiz und sicher auch Süddeutschland angepflanzt. Damit wanderte der Begriff Wein nach Mitteleuropa ein und vermutlich auch der Begriff für Apfel, der aber von den Mitteleuropäern nicht übernommen wurde.

Bier und damit auch das Prinzip der Gährung war schon in der Bronzezeit in Europa bekannt.
Das die Nordeuropäer für die Vergährung zum Alkohol mit anderen Pflanzen experimentierten, schuf eine Vielfalt von Obstlern (z.b. der Sliwowitz) die zum Teil im Süden gar nicht vorkommen, dafür benutzten sie u.a. auch den sauren Apfel.

Ein anderer Zusammenhang besteht zwischen dem heth. mahla und dem deutschem „mahlen“, das als germ. melə- rekonstruiert wurde, was in diesem Zusammenhang eher für zerdrücken oder zerreiben stehen muss. Es wurde zur Wurzel von Wortschöpfungen wie Mahlzeit, Malche, Mehl, Mühle, Müller, Mus und Mett zusammen. Hierbei könnte auch ein Zusammenhang mit dem semitischen Mulha oder Mullah bestehen, das eventuell von den Hethitern entlehnt wurde. Nunja, man weiss es nicht so genau.
Ein echter Zusammenhang zwischen einer Tätigkeit (zerdrücken – mahla) und einem Namen (Apfel) besteht bei dem Begriff Mus (Apfelmus). Und so wie die Westbalten das uralische Wort für Pferdeäppel benutzen, kennen die Germanen die Begriffe für Apfel aus mindestens zwei Quellen, wenn nicht noch mehr Quellen. Das erklärt auch den umfangreichen Wortstamm, der mit mahla in Verbindung steht. Er könnte also mehrfach aus- und eingewandert sein.

Dieses mahla kann bereits mit den anatolischen Farmern nach Mitteleuropa eingewandert sein, da ja das mahlen bereits mit Einführung der ältesten Getreidesorten notwendig war.
Die Behauptung das der Müller als Name vom lat. Molinare entlehnt wurde, beruht auf der Vorstellung das die Germanen Mühlen zum ersten Mal bei Römern gesehen haben. Dazu passt das althochdeute mulīn. Dies wurde zum erstenmal in den Schrift der Gebrüder Grimm erwähnt und ist damit mehr als 170 Jahre alt. Dies wird wieder und wieder zitiert, ohne das es jemand je überprüfte.
Das mag zwar so sein das die Germanen keine Mühlen kannten und in dieser Zeit wurde es sicherlich in Römischen Reich erstmals ein Vollzeit-Beruf, aber bereits die heute noch in Afrika gebräuchliche Steinmühle wird als Mühle bezeichnet, das sich aus dem Verb (Mahlen, und der hethitischen Form mahla) entwickelt haben könnte. Das Molinare könnte sowohl von Seefahrern als auch vonDas geht zurück bis zur Domestikation von Emmer, dem ersten Getreide vor mehr als 7000 Jahren.

So ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn die römische Besatzungsmacht nur sehr selten Müller, Meier, Becker oder Schmied hießen, denn den Job machten ja die Unterworfenen (also Gallier, Noriker, Sklaven). Typisch römische Wurzeln hat dagegen der engl. Leinster der auf den römischen Lanister zurück geht, also den Betreiber einer Gladiatorenschule.
Im freien Germanien machte wohl jeder sein Bier selbst und die Beliebtheit von Mehl als Grundnahrungsmittel sorgte dafür das der Müller zum häufigstem Namen wurde. Man erklärt sich das so, das die Handwerker also die Müller, Meier, Becker und Schulze nicht in Kriegszeiten eingezogen worden sind und somit alle Kriege nach 1450 AD besser überlebten. Sämtliche Müller-Varianten sind vorwiegend in germanisch-sprachigen Ländern anzutreffen und so ist Deutschland nicht nur eine Apfelnation, sondern auch eine Müller-Nation. Die könnten ganz Luxemburg mit den deutschen Müllers füllen. Machen wir aber nicht, weil wohin dann mit den Luxemburgern. 😉

Den Dreh raus hat man aber wenn man das hethitische mahla mal umdreht.
Dann wird daraus ein a[h]lam, was der ursprünglichen kasachischen Turkform *alma wiederum sehr nahe kommt.
Dies könnte jedoch auf einen Lesefehler beruhen, da die Schreib- und Leserichtung der frühen Schreiber beliebig war, sodaß eine Schreibweise von Rechts nach Links einer Spiegelschrift entspricht.
Dabei muss aber das Kasachische *alma älter sein und umgekehrt gelesen werden, was wiederum wunderbar dem Sanskrit amla- (für verschiedene Fruchtbäume genutzt) entspricht.

Dieses Ostiranisch steht im Zusammenhang mit dem Turk *alma (kasachisch alma, asabaidschanisch alma, magyarisch alma, Oğūz alma, Mongolian alima, Saka-Turk ālimla, Salar Turkic ālima, Old Uyghur almïla) Proto-Altaic *ālima, dem Proto-Turk *ālimla.

So soll das kasachische Almaty übersetzt „Stadt der Äpfel“ bedeuten und tatsächlich wachsen da Äpfel auch sehr gut. Zudem scheint diese Gegend der Ursprung der Turkvölker zu sein.

Dies entspricht wunderbar der asiatische Herkunft des Ursprungsgebiet.
Mit anderen Worten eine Form kam sicher über die Seidenstraße und ist um ca. über Turkvölker und den Ostirand nach Westen gewandert.

Das bestätigt auch die Genetik, eine frühe Form eines süß-sauren kleinen Apfels ist bereits in Europa als die späteren süßeren und größeren Formen über Griechenland einwandern.
http://popular-archaeology.com/issue/summer-2017/article/new-genomic-insights-reveal-a-surprising-two-way-journey-for-apple-on-the-silk-road

Die Nordeuropäischen Sprachen (Germanic *apla-) weichen von diesem Schema eher ab, sind aber von Wolgafinnisch beeinflusst.

  • Wolgafinnisch *amarnē
  • Kasachstan: Alma

  • Germanic *apla-, *apal
  • Welsh afal
  • altturkisch *alma
  • Ungarisch: alma
  • Protoaltaiisch *ālima
  • Osmanisch: ālima
  • Hethitisch: maḫla

    Interessant ist hier das der Turksprachige Stamm der Hujie (ein Substamm der Dingling die am Ili-Fluss lebten) westlich am Irtysch lebte, während am oberen und östlichen Irtysch der ugrischer Stamm der Chanten lebte, die zu den Ob-Ugriern gehören und wo wohl die Ungarn ihre Sprache übernahmen. Diese Chanten werden als „han’di oder hunni“ ausgesprochen und sind als nächstes mit den Mansen verwandt.

    Heute glaubt man das sie erst um 500 n. Chr. den Irtysch verließen und weiter nördlich am Ob siedelten, wobei sie die ursprünglichere ugrische Bevölkerung (yDNA R1a) assimilierten und zum ob-ugrisch sprechenden Rentierzüchter wurden. Im 11. Jhd. werden sie als Jugra und später als Ostjaken bezeichnet.
    Teile ihres Volkes wurden auf der Kolahalbinsel angesiedelt und gehören nun zu den Saami. Ihr Erscheinungsbild hat einen leicht mongolischen Einschlag und korreliert mit der Haplogruppe N, die der mongolisch geprägten Haplogruppe O näher steht als beispielsweise die Haplogruppe R.

    Das Burushaski báalt ist sicher nicht der Ursprung. Doch es wäre interessant ob hier ein Zusammenhang mit dem semitischen Gott Baal (alias Balat, Belet ev. auch der germ. Balder, urgerm. *balta) und seinem phönizischem Bruder Melqart (Melech = König,  Milk-Qart „Stadtkönig“ als Baal von Tyros) besteht, der von den Griechen als Herakles-Melkart gleichgesetzt wurde. Diese Formen gehen ihrerseits auf Adad (ugaritisch Hadad), dem Gott von Ebla zurück. Das nordsyrische erste Reich von Ebla mit dem Gott Adat ist also hier der vermutliche Ursprung.

    Indogermanische Rekonstruktion

    Die idg. Genitivform *h₂eb-l-ós als Rekonstruktion (von Wodtko 2008: 262 ff.) ist massiv zu bezweifeln, da der *apla/*ablo nicht aus der gleichen Wurzel wie das *mālus/maḫla stammen kann und deshalb auch verschiedene Bedeutungen (einerseits wachsen assoziiert mit „des einen Glück/des anderen Unglück“ und andererseits Apfel im Sinne einer speziellen Frucht) hat.

    Die IE-Form *ablu ist das Resultat einer sekundäre Entwicklung, also unabhängig von einer hethitisch-griechisch-romanischen Form. (J. Cheung, H. Aydemir,2015 Wurzel des Wortes Apfel), mit anderen Worten die Rekonstruktion *h₂eb-l-ós ist Schwachsinn.
    Der Apfel ist  sicherlich ein Kulturtransfer, vermutlich der Yamnaya und der späteren Glockenbecher sowie der indoiranischen Völker (über die Seidenstraße), mit denen die Europäer in Kontakt kamen.

    Derartige Unterschiede gibt es häufiger zwischen Nordeuropäischen und Südeuropäischen Sprachen, was ein nordeuropäisches Sprachkontinuum in der Bronzezeit sehr viel realistischer macht, als ein Szenario das die ukrainische Steppe oder Anatolien als Ursprung aller IE-Sprachen ansieht.

    Denn nur so passt auch die Theorie von Guus Kroonen, der den landwirtschaftlichen Terminus auf einen anatolischen Ursprung zurück führt, was realistisch ist, sofern es sich um Landwirtschaft handelt, die mit den Farmern vor 8000 Jahren nach Europa einwanderte und das südl. Deutschland um etwa 5500 v. Chr. erreichte. So z.B. Worte wie Stier (vom protosem. tawr bis zum griechischen Taurus zum got. Stiur) oder Erbse.
    (Mehr zu der Theorie des nicht-indogermanischen Substrats von Guus Kroonen)

    Die Mischung dieser beiden Quellen fand nicht im Süden Europas, sondern im Norden Europas statt, wo die eingewanderten „Fachsprachen“ (Farmer-Wortschatz, Pferdezüchter-Wortschatz und Metall- und Schmiedewortschatz) die einheimische Fischer- und Jägersprache der mesolithischen Bevölkerung sowie den Wortschatz der Megalithik (Steinbau-Wortschatz) ergänzte und Teil des indogermanischen Wortschatzes wurden, das dann  eine eigene Weiterentwicklung erfuhren, die sich über das gesamte Sprachkontinuum der Schnurkeramiker und Glockenbecher verbreitete.

    So gesehen fiel der Apfel nicht weit vom Stamm, zumindestens metaphorisch gesehen.

    Das kann man auch grafisch darstellen.

    Sprachliche Entwicklung der Nord- und Südeuropäischen IE-Varianten im Verhältnis zur Einwanderung nach Europa

    In der folgenden Grafik zeige ich die Wanderung des Haplogruppenstammes R1a und R1b von ihrer gemeinsamen Wurzel R1 in Westasien mit ihren größeren Abzweigungen in Relation zum Schwarzen Meer (als Kreis dargestellt) und in Relation zu ihrem Ursprung.
    Dabei fällt auf das südeuropäische Sprachen mehr anatolische Elemente enthalten als nordeuropäische Sprachen, was ganz natürlich ist weil das Mittelmeer eine Verbreitung südeuropäischer Sprachen entlang der Küste förderte, während in Nordeuropa eine riesige Landmasse lag die den Landweg notwendig machte.
    Im Süden hopst die Sprache von einem Hafen zum anderen, im Norden krabbelt sie von Siedlung zu Siedlung übers Land.
    Es war also für die einwandernden Pferdezüchter aus der Steppe logisch in jene Gebiete zu streben, wo attraktive Tauschressourcen zu finden waren und die lagen erstmal alle rund um das Mittelmeer. Nicht nur die Cucuteni-Tripolje sondern auch Karanovo und Varna zeigen Anzeichen sehr früher Modernisierung und so wird es auch verständlich das ausgerechnet die Thraker und Daker als besonders alt gelten. Kein Wunder, hier trafen die Steppenreiter als erstes auf eine hohe Kulturstufe und sofort entwickeln sich dank der importierten Kenntnisse neue Ideen die z.B. an der Keramik sichtbar wird.

    Doch erst in den Karpaten traf man auf die Baden-Boleraz Kultur die mit den alpinen Nordeuropäern in Handelsbeziehungen standen und die Pferdezüchter direkt in die östlichen Alpen führte. Daneben werden auch die adriatischen Kulturen modernisiert.
    Nur wenige Jahrhunderte später ersetzt die neu entstandene Kugelamphorenkultur den Handelsweg der Baden-Boleraz-Kultur und bald darauf wimmelt es vom Rhein bis zum Dniepr von Schnurkeramikern, bald darauf siedeln sich Glockenbecher an und bilden riesige Kulturen, während zwischen Dniepr und Ural das Waldneolithikum und die daraus entstandene Kammkeramik die Szene beherrscht. Erst als hier Metallprospektoren aus der östlicher gelegenen Schnurkeramik (Fatjanovo Kultur) und aus den Balkanischen Innovationszentren einwandern und die Kupferquellen des Ural bzw. des Balkan und der Karpaten ausbeuten, und von Süden her kaukasisch-asiatische Metallurgen die Flüsse hinauf wandern, beginnt auch hier die Bronzezeit die schliesslich die Kammkeramik ablöst.

    Betrachten wir Deutsch mal anders

    Nach der Theorie vom Zyklischen Sprachwandel entwickeln sich ursprünglich agglutinierende Sprachen zu flektierenden/fusionalen Sprachen, die alles vereinfachen. Diese entwickeln sich weiter zu isolierende Sprachen und diese wandeln sich zu agglutinierende Sprachen die es wieder verkomplizieren. Dadurch wird ein Kreislauf (Zyklus) geschlossen.

    Würde man dies auf einem Ziffernblatt einer Uhr übertragen, wäre eine stark agglutinierende Sprache kurz nach 0 Uhr anzusetzen, während der Abbau agglutinierende Worte den Zeiger auf 3 Uhr setzen würde. Ein Fusionieren und Beugen der Worte wäre bei 6 Uhr anzusetzen und würde auf Bevölkerungsexpansion hindeuten die miteinander kommuniziert, ein Isolieren würde bei 9 Uhr beginnen.

    Prototypische Vertreter agglutinierender Sprachen sind Ugrische (z.b. Finnisch) und Turksprachen (wie Türkisch). Hier existiert praktisch für jede Bedeutung ein eigenes morphologisches Mittel (z.B. Suffix).
    Kennzeichen der agglutinierenden Sprachen ist ein hoher Ikonismus zwischen Ausdruck und Inhalt bzw. Form und Funktion. Aufgrund dieser Eindeutigkeitsrelation findet die für flektierende Sprachen typische Fusion praktisch nicht statt. Stattdessen werden gebundene Morpheme (Vor-oder Nachsilben, z.B. Gott-heit) hintereinander verkettet, was man als synthetische Sprache bezeichnet (z.b. Frucht-bar-keits-gott-heit, wobei nur Frucht und Gott freie Morpheme sind).
    Ganz extrem ist dies in fast allen Indianersprachen zu beobachten, die auch freie Morpheme (alleinstehende Wortwurzeln entsprechen dem Wort z.B. Gott) verketten und dadurch extrem lange Wörter bilden, sodaß man hier von einer Polysynthetische Sprache spricht.
    Nach der Agglutinationstheorie ist das Entstehung der Flexion auf das Anfügen von Hilfsverben und Pronominalwurzeln zurückzuführen und daher wird geglaubt, das Affixe (angeheftete Silben) ursprünglich selbstständige Wörter waren.

    Das Vietnamesische kennt all diese Veränderungen nicht – hier spricht man von einer isolierenden Sprache, denn beispielsweise der Plural wird nicht etwa durch ein Suffix ausgedrückt, sondern mittels eines weiteren voran- oder nachgestellten Wortes („Wir“ etwa heißt „Chúng tôi“ – exakt übersetzt: ‚Viele Ich‘). Solche Umschreibungen sind recht umständlich und wirken eher wie überflüssige Floskeln die aus z.b. ritueller Tradition genutzt werden. Derartige Umschreibungsfloskeln finden sich auch oft in mesopotamischen Ritualtexten.

    Deutsch ist zwar grundsätzlich (wie alle germanischen Sprachen) eine flektierende („beugende“) Sprache, aber mit einigen Besonderheiten, die das Erlernen von Deutsch so schwierig machen, weil es so viele Ausnahmen gibt.

    Extreme Beispiele der Deutschen Sprache sind Worte wie
    „Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gungs­zu­stän­dig­keits­über­tra­gungs­ver­ord­nung“ oder „Rind­fleisch­eti­ket­tie­rungs­über­wa­chungs­auf­ga­ben­über­tra­gungs­ge­setz“ oder das „Ver­kehrs­infra­struk­tur­fi­nan­zierungs­ge­sell­schaft“, das selbstverständlich nach dem „Ver­kehrs­infra­struk­tur­fi­nan­zierungs­ge­sell­schafts­ge­setz“ geregelt wird, wobei auch die 56 Buchstaben lange „Ver­mö­gens­zu­ord­nungs­zu­stän­dig­keits­über­tra­gungs­ver­ord­nung“ ein Musterbeispiel bundesdeutscher Beamtenseilschaft ist.

    Und es gibt noch mehr davon wie z.b. die „Kraft­fahr­zeughaft­pflicht­ver­siche­rung“, die „Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­unter­neh­men“, die „Ge­schlechts­chro­mo­so­men­kon­stel­la­tion“, oder das „Kran­ken­ver­sicher­ungs­än­der­ungs­ge­setz“ und nicht zu vergessen die „Spar­ten­be­triebs­füh­rungs­ge­sell­schaft“.

    Das derart verbale Wortungetüme ausgerechnet Staatsbeamten einfallen, hat wohl mit der Schwerfälligkeit der Bürokratie zu tun. Beim Volke hat es sich inzwischen eingebürgert trennende Bindestriche (KFZ-Haftpflicht) einzubauen oder gar eine Verkürzung (statt „Googlesuche“ zu „googeln“) zu benutzen, was belegt, das ein Volk die Sprache formt – nicht der Duden.

    Sprachen wie Latein, Altgriechisch, das Sanskrit sowie Baltisch und Slawisch sind sehr viel mehr flektierende Sprachen, was darauf hindeutet das sie sich verschiedenen Sprechergruppen anpassen mussten.
    Auch das Arabisch ist eine flektierende Sprache. Flektierende Sprachen zeichnen sich durch relativ regelmäßige Beugungen auf, je regelmäßiger diese ist, desto leichter ist sie zu erlernen und deshalb zugänglicher für Fremdsprachler.
    Dies ist eine Vereinfachungsstrategie die durch die Assimilation von Fremdsprachlern oder ein weitreichendes Handelsnetz entsteht.
    Beispiel einer typisch deutsch-türkischen Sprachvereinfachung ist z.B.
    „Hast du Problem mit Sprache geh in Schule.“
    Hier werden einfach die Artikel wegrationalisiert.
    Ähnliches lässt sich z.B. im Afrikaans beobachten, das auf die Sprache der Buren beruht. Afrikaans ist eine Mischung aus dem Holländisch der Buren, Bantu, Khoisan, Portugiesisch und Malaysisch. Verben und Pronomen werden nicht konjugiert und es gibt keine Geschlechter. Auch sonst gibt es so gut wie keine Grammatik.

    Andererseits hat die Assimilation von Fremdsprachlern aber auch einen Einfluss auf Stammsprache, die sie um einen neuen (entlehnten) Fachwortschatz erweitern. So z.b. war der Begriff Döner natürlich nicht deutsch, sondern wanderte mit Türken ein. Inzwischen ist der Döner kulturell vollkommen assimiliert.
    Und so gibt es im Deutschen viele Wörter die von Einwnderern adoptiert und kulturell total assimiliert worden.

    Besonderheit 1: Das Deutsche hat durchaus noch agglutinierende Elemente. Im Deutschen stimmen z.B. beim Wort „Kind“ im Plural mit Ausnahme des Dativs alle Wortformen überein. Der Dativ ist also der markierte Fall, im Plural mehr als im Singular, wo das Dativ-e („dem Kinde“) von der Sprachgemeinschaft abgebaut wird.
    Aber es existiert noch in literarischer Form oder bei Idomen z.B. „Wie sag ich´s dem Kinde.“
    Dies ist vergleichbar dem Griechisch des Homer. Auch hier liegt eine literarische Form zugrunde die ältere Idome nutzt.

    Besonderheit 2: Durch die Nutzung eines Hilfsverbes statt der Beugung, hat Deutsch u.a. Merkmale oder Tendenzen einer isolierenden Sprache.
    Beispiel: Ich ging. Ich bin gegangen, Ich würde hingehen.
    So wird z.B. das Wort „backen“ nicht mehr zu „ich buck“  gebeugt, sondern durch ein Hilfsverb ergänzt und zu „ich habe gebacken“ umgebaut. Und schliesslich wird weiter zu „ich backte“ vereinfacht. Für einen Einwanderer ist das völlig unverständlich.

    Besonderheit 3: Deutsch hatte einst wie alle Indogermanischen Sprachen drei Numeri nämlich den Singular, Dual und Plural (Einzahl, Zweizahl/Paar, Mehrzahl).
    Ursprünglich war das „Du“ der germanische Dual und ist z.B. noch im Altenglisch mit „Thu“, im Altnordischem mit „þū/vit“ (wir/ihr beide) und als Reste im Gotischem, Friesischem (wat/jat=wir/ihr beide) und Bairischem (eß/enk=ihr/euch beide) Dialekt belegt.

    Auch Slawische Sprachen hatten den Dual, haben ihn aber weitestgehend verloren, Reste gibt es noch im Slowenisch und Sorbisch. Im Keltischen gibt es diese Reste nur in einer flektierenden Form.
    Der Dual ist auch in Sanskrit, Avestisch, das homerische und klassische Altgriechisch, Altkirchenslavisch, Altirisch und Altlitauisch belegt und war damit noch bis in die Zeit der Völkerwanderung in Gebrauch. Die Vereinfachung des Dual zum Plural erfolgte also während und nach der Völkerwanderung als Germanische Stämme in Südeuropa ansässig wurden.

    Zeitliche Entwicklung und Sprachumfang des Indogermanischem

    Ein interessanter Vergleich bietet sich mit Sumerisch an, vorausgesetzt man geht davon aus, das die Farmer die nach Europa einwanderten eine dem Sumerisch verwandte Sprache hatten (entsprechend der Theorie von Gus Kroonen).

    Heute wird sumerisch als isolierte Sprache angesehen, die sich keiner bekannten anderen Sprachfamilie zuordnen lässt. Ihr Niedergang begann vermutlich mit dem Reich von Akkad, wo es von Akkadisch abgelöst und mit der Zeit zur Ritualsprache der Tempel in Koexistenz zur akkadischen Alltagssprache noch lange fort lebte.
    Mit dem Babylonischen Reich war es dann nur noch in Tempeln gebräuchlich, was sicherlich auch an den langlebigen Tontafeln lag. Mit dem Sturz des Babylonischen Reiches durch die Perser im 5. Jhd. v. Chr. existierte es nur noch in den letzten überlebenden Tempeln babylonischer Götter, die bis ins 1. Jhd. v. Chr. noch als Religion existierte. Somit ist der Persische Aufstieg zugleich der Untergang des Sumerischem samt der sumerischen Tempelgötter.

    Vergleichbar ist dies mit Latein, was heute nur noch in der wissenschaftlichen Nomenklatur relevant ist, wobei Nutzer der Nomenklatur nicht zwingend Latein verstehen. Dabei war auch Latein nach dem Fall Roms jahrhundertelang nur noch auf Klöster, Glaubenstexte und bestenfalls noch Herrscherhöfe beschränkt. Spätestens mit dem Übersetzen der Bibel in die jeweilige Volkssprache hatte Latein seinen Nutzen endgültig verloren und verschwand aus dem Alltag, obwohl es noch Jahrhunderte fleissig in Schulen gelehrt wurde – sehr zum Unwillen der Schüler denen diese Sprachkenntnisse nicht viel nutzten.
    Auch im Juristen-Deutsch sind heute noch lateinische Sätze präsent, die sich einfach aus der Übernahme der römischen Rechtssätze ergaben. Hier handelt es sich mehr um ritualisierte Aussagen und Titel.
    Latein überlebt in dieser Nische als Ritualsprache.

    Sumerisch verfügte über 20 Konsonanten und acht Vokale. Die Verben hatten zwei Tempora (Vergangenheit und Präsens-Futur). Es gab drei Kasus (Nominativ, Genitiv und Akkusativ), zwei grammatische Geschlechter (männlich und weiblich) und im Numerus Singular, Dual und Plural. Dies ist relativ gut mit dem heutigem Deutsch vergleichbar, wo wir 6 Vokale (a,e,i,o,u,y), 3 Hilfsvokale (ä,ö,ü), 21 Konsonanten (mit dem ß), vier Fälle (den zusätzlichen Dativ), drei grammatische Geschlechter (zusätzlich das sächliche Neutrum) und im Numerus Singular und Plural kennen. Der Dual wurde wie erwähnt abgeschafft.

    Dem Urindogermanischen werden teilweise 3 Fälle, teilweise aber auch 8 bis 9 Fälle zugeschrieben, so ganz ist man sich wohl nicht einig.
    Das Sanskrit verfügt über 8 Fälle, Latein über 7 Fälle, wobei nur 5 benutzt werden, die Restlichen werden nur in Sonderfällen genutzt.

    Vermutlich gibt es in der Kreolisierungsphase zweier Sprachen einen Zeitraum der Expansion der neuen Sprache, dem dann eine Konsolidierung und Reduktion auf das Wesentliche (Steigerung der Kommunikations-Effektivität) folgt. Danach sammelt die Sprache immer mehr Wortschatz an und zerfällt in Einzelsprachen die aus lokalen Varianten entstehen was zur Isolation und damit zur Abspaltung führt, so wie es mit dem Angelsächsischem geschah das sich zu einem unabhängigen Englisch entwickelte.

    Urgermanisch soll ein Dativ-Lokativ-Instrumental gehabt haben, desweiteren dichtet man ihm ein Vokativ an.
    Altgriechisch soll ein ausgeprägteren Dativ-Lokativ-Instrumental gehabt haben und hätte damit wie Urgermanisch auch 5 Fälle.

    Lithauisch hat keinen Genetiv, dafür aber 7 Fälle, die aber praktischerweise die gleiche urgermanische Endung nutzen (urgermwulf-a = lith. vil̃k-a), sodaß sich Nordeuropa von der südeuropäischen Endung (altgr. lýk-on = lat. lup-um) deutlich unterscheidet.
    Ob dies ein Erbe des Latein im Ordensstaat ist, oder eine Folge von Zuwanderung z.b. von Tataren, sei dahin gestellt.

    Mögliche Fälle im Indogermanischem:

    • der Nominativ,
    • der Genitiv (nominales Attribut, Zugehörigkeit, Bereich), 
    • der Dativ (indirektes Objekt, Nutznießer), 
    • der Akkusativ (direktes Objekt des Satzes, Bewegung zum Gegenstand hin),
    • der Instrumental (Mittel, Werkzeug),
    • der Lokativ (Ort des Gegenstandes, Angabe der Zeit)
    • der Vokativ (Anrede, Anruf), 
    • der Ablativ (Bewegung vom Gegenstand weg, Grund),
    • der Direktiv oder Allativ (Bewegung zum Gegenstand hin)

    Ein eventueller neunter Kasus, der Direktiv oder Allativ, wird angesichts einiger Spuren im Althethitischen diskutiert. Desweiteren findet er sich im Ugrischem und Baskischem.

    Der Genitiv, Dativ und Vokativ scheint ein Phänomen der gesellschaftlichen Differenzierung (Hierachie) zu sein, während neben Akkusativ der Lokativ, Ablativ und Direktiv eine Positionierung im Raum (Lokal-Kasus) darstellt.
    Der Vokativ dürfte für die Begrüßung fremder Personengruppen wichtig gewesen sein und könnte Ausdruck von Friedfertigkeit, Respekt und vielleicht auch Revieranspruch sein und könnte als vorsichtiges Abtasten betrachtet werden.

    Instrumental würde ich als Versachlichung und damit als Besitzanzeigend ansehen, was wohl nur dort Sinn macht, wo man gezwungen ist den Besitz zu bekunden.
    Im Hebräischem wandelte sich der Akkusativ zu einem Direktiv.

    Insgesamt scheint die Zahl der Fälle in der Indogermanischen Sprachfamilie mit der Beeinflussung aus Asien/Kleinasien zuzunehmen, um dann im Laufe der Sprachnutzung wieder verschliffen zu werden und damit abzunehmen.

    Alte Sprachen würden sich dann nicht durch sehr viele, sondern im Gegenteil durch wenige Fälle auszeichnen, weil sie sich im Laufe der Zeit harmonisieren. Sie neigen also zur Vereinfachung und Regelmässigkeit, da sie durch langen Gebrauch verschliffen werden.

    In Englisch sind die Wörter sind kurz, es gibt keine Geschlechter und die Verben ändern sich nur in der dritten Person. Es gibt eine hohe Zahl Sprecher und damit eine hohe Motivation Englisch zu erlernen. Dies wäre nicht der Fall wenn England nicht zahlreiche Kolonien gehabt hätte. Inzwischen entwickelt sich jedoch das Insulanische Oxford-Englisch mit dem Kolonialenglisch, dem US-Englisch und dem Australischem Englisch immer weiter auseinander.

    Englisch entwickelt sich also in Richtung einer eigenen Sprachfamilie, obwohl sie klar auf Angelsächsisch bzw. Germanisch beruht. Die Sprachgeschichte von Englisch ist also sehr viel älter als Slawisch.
    Eine weitere Eigenschaft alter Sprachen ist der Umfang des Wortschatzes. Da die Sprache über Jahrhunderte immer mehr Einwanderer assimiliert, wandern auch Worte ein, die ursprünglich völlig fremd sind.
    Germanische Sprachen wie Deutsch oder Englisch haben einen extrem hohen Sprachwortschatz von ca. 5 Mio. Worten. Von denen ist ein großer Teil assimiliert, entlehnt und angepasst, also eingedeutscht.

    Eine für Fremde leichte Sprache zeichnet sich also durch ein leichtes Schriftsystem, eine buchstabengetreue Aussprache, eine leichte Grammatik mit wenige sehr klare Standartregeln, wenigen Zeit- und Personenformen sowie wenigen Fällen aus. All dies bietet z.b. Englisch, weshalb es in der Erlernbarkeit klar vor Deutsch liegt. Auch Spanisch ist recht leicht erlernbar.
    Ein Gerücht besagt auch das Indonesisch sehr einfach aufgebaut sein soll.

    Sehr günstig wirken sich auch feste politische Strukturen aus, wie z.b. die chinesische Geschichte aber auch die russische Geschichte. Zwar gab und gibt es Minderheiten, doch diese wachsen zweisprachig auf. Der letzte sehr günstige Umstand ist Expansion, d.h. Auswanderung oder Unterwerfung fremder Regionen wie das im Kolonialismus der Fall war. Auf diese Weise konnte sich Englisch zur dominanten Sprache auf 3 Kontinenten entwickeln, obwohl England mit nur 55. Mio Einwohnern im Vergleich zu Afrika, Amerika oder Asien eher ein recht niedliches Ländle ist.
    Dabei muss man aber den Hass-Faktor berücksichtigen. Die Okkupation neuer  Gebiete ruft bei der unterworfenen oft misshandelten Bevölkerung Hassgefühle gegenüber den Fremdherrschern hervor.
    In dem Fall sinkt natürlich auch die Motivation der ansässigen Bevölkerung die Sprache der Fremdherrscher zu nutzen. In mehreren ehemaligen Kolonialstaaten ist Englisch zwar noch die Verwaltungssprache, aber die Bevölkerung kehrt teilweise zu ihrer alten Sprache zurück, insbesondere wenn dies auch durch die Regierung gefördert wird. Ein Beispiel ist Südafrika in der fast 80% der Bevölkerung Afrikaner sind, aber die 9% Weißen das Land 300 Jahre lang regierten. Englisch wird hier als Verkehrssprache mehr und mehr durch Afrikaans ersetzt, das aus der Vermischung der Buren mit den Afrikanern entstand.

    Es ist also kein Wunder das diese Sprachen eine große Anzahl Sprecher haben und es somit in die TopTen der Weltsprachen schafften.

    Sogesehen müsste Sumerisch mit seinen drei Fällen schon zu Beginn der Verschriftlichung vor 6000 Jahren recht alt gewesen sein.
    Und auch Deutsch mit seinen vier Fällen muss auf eine lange Sprachgeschichte zurück blicken.

    Andererseits haben besonders die Asien nahestehende Sprachen, wie das Kaukasische, Ugrische und Turksprachen deutlich mehr Fälle, im Schnitt 6-9 Fälle, die vielleicht auf eine junge Sprache hindeuten.
    Es wäre interessant hier mal Vergleiche zu anderen Sprachfamilien zu ziehen, wie die sich eigentlich verhalten.

    Sumerisch wurde mit rund 600 Wort- oder Silbenzeichen geschrieben. Die sumerische Keilschrift war dem Akkadischem nicht gut angepasst, weshalb Hammurabi von Babylon (1792-1750 v. Chr.) die wohl erste „Rechtschreibreform“ für das Altbabylonische durchführte. Im Schnitt behielt das Babylonische die jeweilige Sprachstufe für 500 Jahre bei und ging ab 75 n. Chr. unter.

    Übertragen wir das aufs Germanische so ist der erste „Fürst“ von Leubingen
    (Aunjetitzer Kultur) auf ca. 1942 ± 10 v. Chr. datiert und hier müssten wir eine eigene voll ausgebildete Sprache schon um 2200-2050 v. Chr. ansetzen.
    Da das Zentrum der Gussbronze ab 2200 BC hier im Mittelelbe-Saale Gebiet liegt, muss der Aufstieg des Leubinger Fürsten (heute der nördliche Stadtteil des thüringischem Sömmerda nahe der Unstrut) in direktem Zusammenhang mit der Gussbronze stehen, die damals sowohl Zinn aus Cornwall als auch Zinn aus dem Erzgebirge bezog. Der fruchtbare Boden, das Salz, Bernstein und die neue Technologie der Metalurgie machte den Fürsten von Leubingen zum einflussreichsten Herrscher seiner Zeit.

    Interessanterweise sehen Linguisten wie Wolfram Euler, Gottfried Wilhelm Leibniz und Jürgen Udolph die Germanische Urheimat aufgrund der Hydronomie im südöstlichem Niedersachsen (Lüneburg), Sachsen-Anhalt und Thüringen, also genau in jener Region, wo der Fürst von Leubingen herrschte. Hier verläuft die Dialektgrenze zwischen dem Mitteldeutschem und dem Süddeutschem zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen.
    Die westgermanische Urheimat liegt dagegen am Rhein was etwa dem Gebiet der Rheinfranken entspricht. Diese dominierten Deutschland während der Karolinger Zeit und verdrängte die Mitteldeutsche Form, woraus dann das heutige Deutsch entstand.

    Man muss sich hierbei darüber im Klarem sein das die dominante Sprache immer auch an historischen Machtverhältnissen gebunden ist. Da dieser Fürst von Leubingen den mit Abstand ältesten Herrscher Deutschlands darstellt, ist er für die Entwicklung des Germanischem zwangsläufig auch ein wichtiger archäologischer Beleg, der eben nicht in einer Randzone des Germanischem, sondern in dessen Mitte residierte und mit fortschrittlicher Gussbronze sowie dem Salzvorkommen und der fruchtbaren Erde dieser Region auch über eine wirtschaftliche Machtbasis verfügte die Überschuß produzieren konnte und in jedem Falle in einem Umkreis von mind. 300 km exportiert wurde. Und natürlich stand er nicht alleine, sondern bildet nur den sichtbaren Beleg einer lokalen Dynastie von Herrschern der nördlichen Aunjetitzer Kultur die sich in Dieskau, Helmstedt, Sömmerda, Issersheilingen, Körner, Baalberge, Lochau, Nienstedt, Kleinkorbetha und schliesslich bis zu Seddin fortsetzt. Ebenso wichtig war der Aunjetitzer Fürst von Łęki Małe der jahrhundertelang im zentralen Polen residierte und sich in Szczepankowice (deutsch Schönbankwitz) in Breslau fortsetzt. Sie beherrschten nicht nur den Handel, sondern prägten auch die Sprache. Das sie diese nicht erfanden sondern von den Ahnen übernahmen zeigen auch ihre Grabbräuche. So geht die Konstruktion eines Zeltähnlichen Aufbaus bereits auf die Schnurkkeramik und sogar bis in die Bernburger Kultur zurück. Die Sprache die sie hatten war also 1000 Jahre älter und durch den Handel mit Leki Male war sie auch dort präsent.

    Kleine Sprach-History

    • Mit etwa 8000 Worte war dem Leubinger Fürsten eine Kommunikation problemlos möglich, die sich per Handel über Westpolen, Böhmen und Mähren bis nach Niederösterreich verbreitete. Doch auch nach Süd- und Westdeutschland sowie Niedersachsen gibt es klare Signale für Handel und Wandel.
      Die DNA des Leubinger gehört zu den üblichen Schnurkeramikern, er war also kein Fremder der sich an die Spitze setzte, sondern einheimisch.
      Seine sogenannte Dodehus (Totenhütte) ist eher in Jütland und Dänemark üblich gewesen. Eine möglicherweise 3-schiffige Festhalle des Leubinger Fürsten war 44m lang, 10,50m breit und etwa 8-9m hoch. Im Vergleich zu Wikinger Festhallen war das recht bescheiden, aber eben auch 3.000 Jahre früher.
      Der merkwürdige Stabdolch in seinem Grab stellt eine direkte Verbindung zur Trichterbecherzeit her und gehört ebenfalls zu seinen Grabbeigaben, wie auch ein Randleistenbeil, Vollgriffdolche und Vollgriffschwerter, die wohl zu den damaligen Exportschlagern gehörten. Die ersten Stabdolche aus jütländischem Flintstein stammen aus Oppe Sundby und Bjerre im dänischem Jütland. Dort lebte die nördliche Trichterbecher-Gruppe. Es besteht also die Möglichkeit das sie die Erfinder der Stabdolche sind, wobei das nicht wirklich wichtig ist. Viel interessanter wäre die rituelle Bedeutung dahinter und die scheint überall in Europa gut bekannt gewesen zu sein.

      Stabdolche finden sich von Polen über die Karpaten, England/Schottland (Siedlungsgebiet der Pikten), Irland, Frankreich bis nach Spanien z.B. in Almería oder Südostiberien (im Siedlungsgebiet Bastetani, Oretani, Edetani, Los Millares Kultur). Felsbilder aus den ligurischen Alpen und Arco am Gardasee, Italien zeigen ebenfalls Stabdolche die vermutlich in die Remedello-Kultur gehörten und in großer Zahl abgebildet wurden.
      Besonders weit entfernte Stabdolche fand man in Oukaimeden, in Marokko am südwestlichem hohem Atlas, wo sie in Fels geritzt waren. Das ist rund 3200 km Luftlinie von Leubingen entfernt. Kupferne Stabdolche treten zuerst an der Moldau in Tschechien an der Grenze zu Österreich und nördlich der ungarischen Pforte auf. Hier häufen sich nicht nur eisenzeitliche Urnenfelder sondern auch Bronzezeitliche Gräber. Schon die anatolischen Farmer nahmen genau diesen Einwanderungsweg von Bratislava über Brno und Prag nach Böhmen, wo  eine Gruppe der Linearbandkeramiker nach Kleinpolen abgebogen ist.

      Erst ab ca. ca. 1500 BC, also mit dem Einsetzen der frühen Lausitzer Kultur (Pre-Lausitzer Kultur oder Havelberger Kultur) und der Beerdigung der Nebra-Scheibe verschwindet der Stabdolch aus dem Waffenarsenal Mitteleuropas. Im Westen Europas sind sie noch bis zum 8. Jhd. v. Chr. belegt.

      Die Bilder belegen das es sich um eine Kriegerwaffe handelte.
      Stabdolche sind ein deutlicher Hinweis, dass hinter dieser Idee eine Gemeinsamkeit stand, die sich möglicherweise von der Ostseeküste zur Donau nach Westeuropa ausbreitete, unzwar bereits vor der Urnenfelder und Hallstatt-Kultur. Andererseits kam sie von der Donau wieder zurück nach Jütland, nur diesmal als Bronze oder Eisenwaffe.  Ob dies die Waffe der einheimischen Verteidiger oder der ankommenden Angreifer war ist unklar. Meiner Meinung nach war sie die Waffe eines mobilen Händlers der mit dem Gespann von Siedlung zu Siedlung fuhr und sich gegenüber Straßenräuber verteidigen musste. Dies würde die Verlängerung des Armes durch den Stab und die rechteckig angesetzte Klinge erklären, die aus einer höheren Position des Verteidigers (z.b. auf einem Wagen) Sinn machen würde und erklärt, warum diese Waffe in unterschiedlichsten Regionen Europas aufgefunden wurde.
      Auf jeden Fall wird sie von der Glockenbecherzeit bis etwa 1500 v. Chr. genutzt und verschwindet dann aus dem Arsenal der Waffentechnik.
      Ab 1450  v. Chr. sind Dolchstab-Waffen auch in China bekannt, allerdings aus einheimischer Produktion und in einem Chinesischem Stil. Dies könnte andeuten das nun auch hier der Wagen alltäglich auf den Straßen wird.

    • Dem geht nur die Vermischung der Schnurkeramik mit den Glockenbechern und den Trichterbechern voraus (etwa 2700-2550 v. Chr), die auf dem Siedlungsgebiet der ausgehenden Trichterbecherzeit (3200-3050 v. Chr.) stattfand. Dabei ist zu bedenken das die Trichterbecher zunehmend von den nördlichen Jägern und Sammlern geprägt waren und im Süden mit der Bernburger Kultur interagiert.
      Im Sinne der Sprachtheorie wäre die Sprache der Trichterbecher ein Substrat das als Urwortschatz in die Sprache der Schnurkeramiker einging, während die Sprache der Glockenbecher ein Adstrat der Schnurkeramiker-Sprache wäre, da sie sich am Anfang überlappen und damit kreolisieren, aber jeweils eine eigene Domaine (Ost bzw. Westeuropa) belegen und diese auch bis in die Bronzezeit beibehalten.
    • Geht man davon aus das die Schnurkeramik bereits irgendeine unbekannte Form von Ur-Protogermanisch (Indogermanisch) sprach, der sich auch die Glockenbecher anpassten, dann muss man die Zeit des Leubinger Fürsten ganz klar als Weiterentwicklung zur nächsten Sprachstufe mit einer beginnenden Elite definieren, nennen wir es Pre-Protogermanisch (Vorgermanisch) die zwischen 2200 und 1650 v. Chr. gesprochen wurde.
    • Ein Protogermanisch (Urgermanisch) wäre in die Zeit des Fürsten von Dieskau (dem Herrn der Himmelsscheibe von Nebra), also um 1600 v. Chr. zu datieren, genauer gesagt irgendwann zwischen 1650-1250 v. Chr. oder in die entwickelte Bronzezeit bzw.  Vorlausitzer Kultur. Die Stufe könnte in Norddeutschland bis 1250 BC existiert haben als Urnenfelder an der Tollense in die Schlacht zogen.
    • Frühgermanisch würde exakt in die frühe Hallstattzeit (Ha A, Ha B) 1200-1050 v. Chr. passen und die noch bestehende Einheit von Elbgermanisch/Ostgermanisch (Lausitzer Kultur, Sueven, Vandalen, Westbalten) mit dem Nordgermanisch (Jüten, Skane, Svear) und Westgermanischem (Niedersachsen, Nordhessen) definieren.
      Da es dafür keinerlei sprachl. Aufzeichnungen gibt, kann sie auch nicht definiert werden.
      Der Grund für die Aufsplittung ist der Kulturkontakt der Nordgermanischen Kultur mit dem südgermanischen Raum, wo sich die Urnenfelder- und Hallstatt-Kultur entwickelte.
      Kurz nach dieser Sprachstufe sind die sogenannten Etruskerhelme im Gebiet Österreich, Venetien, Eturien in der Urnenfelder Kultur zu finden.
      Die Quelle dieser Helme ist bis heute unbekannt, deutet aber auf eine Präsenz von Einwanderern hin, die auf der Bernsteinstraße die östlichen Alpen überquerten. Üblicherweise gilt die Villanova-Kultur als Quelle, aber auch das ist nicht ganz sicher.
      Hier käme eine neue Sprache aus dem Südeuropäischem Raum dazu, die als Superstrat eisenzeitlichen Einwanderern (Kolonisatoren) die nordeuropäische Sprache bereicherte. Das Phänomen der Orientalisierung an den südeuropäischen Küsten macht auch vor Nordeuropa nicht halt. Sie übernehmen nach und nach die Macht in den Alpen und tragen überwiegend alpine Genetik. Sie sind Einheimische die aus den einstigen Einwanderern hervor gingen. Die vorhergehende Sprache wird nun zum Substrat des Urgermanischem.
    • Die erste definierte Sprachstufe (vernersche Lautverschiebung) im Urgermanischen läge um 700-550 v. Chr. in der späten Hallstattzeit (Ha C und Ha D) und entspricht der Ausbreitung von der Donau- bzw. Rheinquelle zur Nordsee, wo sie auf Nordseegermanen (Friesen, Jüten) einwirken und die Weser-Rhein Germanen (Chatten und Belger-Stämme) der Harpstedt-Nienburger Gruppe ausbilden.Diese stehen der ostgermanischen (suebisch-venetische) Gruppe des Elbgermanisch/Ostgermanisch (Jastorfer, Oxhöfer und Przeworsk-Kultur, und der späten Poienești-Lukaševka-Kultur) gegenüber. Es zwingt auch einige Nordgermanische Stämme tiefer nach Skandinavien (frühe nordische Eisenzeit) zu wandern, wodurch ein ost-skandinavisches (eher schwedisches) und ein nachrückendes west-skandinavisches (eher norwegisches) Dialekt entsteht.
      Dies entspricht der Expansion der klassischen Hallstatt-Kultur von Süd nach Nord und der sich ausbreitenden Eisenzeit. Die Bronzezeitler passten sich dem Fortschritt an und übernahmen nicht nur die Eisenverarbeitung, sondern auch deren Sprache und Kultur.
      Ganz so wie die DDR-Bevölkerung sich binnen weniger Jahre an Westdeutschland anpasste. Und so wanderten Ostdeutsche Substratbegriffe mit samt Fernsehturm, grünem Pfeil und Ampelmännchen in den westdeutschen Wortschatz.
    • Dann entstand im Jahr 50-200 n. Chr. eine neue Sprachstufe (zweite grimmsche Lautverschiebung) die mit der römischen Expansion und der Völkerwanderung als Spätgermanisch bezeichnet wird, wobei der Westgermanische Dialekt schliesslich aufgrund der Franken, Sachsen und Allemannen dominiert und im Jahre 550-860 n. Chr. die Ostgermanischen und Elbgermanischen Dialekte nur noch im slawischen Raum präsent sind, wo sie durch die Christianisierung zur slawischen Kirche ab 863 schliesslich verdrängt werden.

      Das Germanische wird zum Substrat verschiedener Sprachen deren Machtelite im Westen aus dem römisch-katholischen Militäradel entsteht und demzufolge romanische Sprachen in den verschiedenen Königreichen ausbildet.
      Und so wird es auch zum Substrat der slawischen und baltischen Sprachen.

      Auf der anderen Seite etabliert sich ein von Awaren, Bulgaren und Ungarn durchsetzte byzantinisch-orthodoxe Machtelite die durch Karl dem Großen zu  Vasallenfürsten werden und um etwa 1000 n. Chr. ebenfalls Königreiche bilden in der die slawische Sprachwelt erblüht, während die Altsprachen wie griechisch, latein oder germanisch und sogar indoiranisch als Substrat übernommen werden und verblassen.

    • Das Westgermanische wandelte sich (insbesondere durch die Fränkische Verwaltung im Ostfränkischem Reich) zum Althochdeutschen, das gewöhnlich um ca. 1050-1200 n. Chr ins Mittelhochdeutsche mündet. Nun definieren sich die Ostfranken, Sachsen, Bajuwaren und Alemannen als Deutsche, während sich die Einwohner im Westfränkischem Reichsteil als Franzosen definieren.
      Und natürlich definieren sich die Einwohner Italiens als Nachfahren der Römer, gleiches passiert in Iberien wo gotisch zum Substrat der Iberischen Sprachen wird. Hier wird die Entwicklung jedoch durch die Maurische Zeit verzögert.
      Im Zuge der Reconquista entwickeln sich dann aus dem Asturischem Widerstand der letzte in den Bergen überlebenden Spätgoten auch die beiden wechselseitig verständlichen Sprachen Portugisisch und Spanische.
      Aber auch in Osteuropa definiert man sich an der Donau noch als Romanisch was eine Folge der Romanisierung des Donaulimes war, südlich davon etabliert sich Bulgarisch und am Plattensee Ungarisch infolge der Magyaren die um 900 dort ihr Reich errichten. Die Awaren gehen im südlichem Slowenien, Kroatien, Bosnien und Serbien, Montenegro (Štokavische Sprachen) sowie im nördlichen Mähren, Schlesien, Böhmen und Polen sowie den verschiedenen Stämme der Lusitzen auf.
      In Russland entsteht aus der Vermischung der Rus mit der ansässigen Bevölkerung das Russische, in den slawischen Fürstentümern differenzieren sich süd- und westslawische Sprachen und am nördlichen Zipfel des Baltikums die baltische Sprache. Kurz gesagt, die Europäer entwickeln nationale Identitäten.

      Ostgermanisch wird in Ostdeutschland zeitweise vollständig durch Polabisch und Sorbisch ersetzt, dann aber durch Westgermanische Vereinnahmung wieder verdrängt, was insbesondere auf die im Ostfränkischem Reich etablierte westgermanische Amtssprache zurückzuführen ist. Ostgermanisch existiert nur noch als Substrat des Westgermanischem und in norddeutschem Dialekten.
      Andererseits wird das römische Latein zum Substrat der südslawischen Länder wie Slowenien und Kroatien. Das Byzantiner Griechisch wird ein Substrat des Albanischem und Macedonischem. Diese Substrate finden heute noch entlang des Limes und entlang der Römisch-griechischen Sprachgrenze oberhalb der byzantinischen Provinzen Macedonien (einschliesslich Albanien) und Thrakien wo der Haemus Mons (Balkan) die historische Sprachgrenze zum romanisch geprägtem Moesien bildet. Grund dafür ist die Truppenstationierung entlang des Limes. In der Linguistik wird dies als Jireček-Skok-Linie bezeichnet.

    Die Bevölkerung oberhalb des Haemus Mons also z.B. von Nicopolis et Istrum, Serdica (Sofia) und Novae war, wie auch die Rumänische Bevölkerung mehr durch Westrom romanisiert, während der Süden Bulgariens durch das byzantinische Ostrom beeinflusst wurde.
    Als mit der Erlaubnis des Papstes Kirchenslawisch zur Lehrsprache der Kirche erhoben wurde, sahen slawische Fürsten darin die Möglichkeit sich der fränkisch-angelsächsischen Priesterschaft und damit auch der fränkischen Hegemonie zu entledigen, was zur Dominanz der slawischen Kirchen nach byzantinischen Ritus und damit der Durchsetzung slawischer Sprachen führte.
    Die waren natürlich noch nicht alltagstauglich und wurden somit durch Substrate ergänzt die sich um den begrenzten Wortschatz des Kirchenslawisch anlagerten und zu eigenen Sprachen führte.

    Einen letzten Einfluss hatte noch die osmanische Expansion, die lange Zeit Südost-Europa beherrschen, bis der alte Mann Anatoliens schliesslich von den Europäern nieder gerungen wird und Griechenland als moderner Nachfolger des byzantinisches Reiches zur alten Sprache der Hellenen zurück. Zurück blieb die albanische Sprache was die westlichste Grenze des europäischen Osmanischen Reiches bildete.

    Aktuelles zur deutschen Sprache
    2004 hatte das Deutsche etwa 5,3 Mio Worte (genau 5.328.000), das hat der Linguist Wolfgang Klein ermittelt. Geschätzt wurde es bisher auf ca. 1 Mio. Worte. Davon wird der Standartwortschatz auf etwa 70.000 Worte geschätzt, der Rest sind Fachsprachen (z.b. Wissenschaftl. Fachbegriffe, Religion, Berufl. Fachbegriffe usw.) oder Dialekte. Das zehnbändige „Große Wörterbuch der deutschen Sprache“ aus dem Duden-Verlag hat nur 200.000 Worte gelistet.
    Im „Deutschen Wörterbuch“ von Jacob und Wilhelm Grimm sind etwa 350.000 Stichwörter verzeichnet, das seit 1838 geführt wird.
    Zum Vergleich: Das „Oxford Dictionary of English“, das versucht, den gesamten Wortschatz der englischen Sprache in ihrer historischen Tiefe und ihren regionalen Varianten zu beschreiben, weist derzeit etwa 620.000 Stichwörter auf. Der für die französische Sprache maßgebliche „Grand Robert“ beschreibt 100.000 Stichwörter.
    In den letzten 100 Jahren wuchs der Wortschatz um ein Drittel, sodaß wir die letzten Entwicklungen der industriellen Revolution schlichtweg als übernatürliches Bevölkerungswachstum ansehen müssen. Ein weiteres Sprachwachstum geht auf das Konto der Kolonien, von denen ja so einiges übernommen wurde. Für die Zeit von 1905-1914 ermittelte er 3.715.000 Worte.

    Der Zuwachs besteht jedoch nur zum geringen Teil aus eigenständigen neuen einfachen Wörter wie „mosern“. Auch die Zahl der Fremdwörter wird überschätzt. Die weitaus meisten neuen Wörter sind Ableitungen (wie Zocker von zocken, googeln von Google) oder Zusammensetzungen (wie Endlösung, Gutmenschen, Leitkultur usw.).

    Gehen wir also davon aus das die Sprache um 1700 etwa 1 Mio Worte hatte. Damit dürfte man so einigermaßen gut liegen. In der Umgangssprache nutzen Muttersprachler allerdings wesentlich weniger Worte, üblich sind heute etwa 12.000 Worte. Je nach Person schwankt der individuelle Wert zwischen 2.000 Wörtern und 20.000 Wörtern, die im aktiven Wortschatz benutzt werden. Dies hängt von Bildung und Erfahrung ab. Mit etwa 5000 Worten kommt ein heutiger durchschnittlich intelligenter, aber wenig reisender Mensch sehr gut aus. Fremdsprachler können bereits recht gut mit nur 500 Worten durch den Alltag einer anderen Sprachregion zurecht kommen.

    Zum Vergleich: Ein guter Reiseführer bietet etwa bis zu 1000 Vokabeln an und kleine Vokabelbücher bieten ca. 3000 Worte an.
    Halbieren wir dies pro Sprachstufe, die wir alle 500 Jahre ansetzen (zzgl. 150 Jahre für die Durchsetzung), so kommen wir zu folgenden Zahlen:

    • 17. Jhd., Zeit der großen Monarchien (1700 AD – 1900 AD) ca. 1 Mio. Worte
    • Mittelhochdeutsch/Fürstentümer (ab 1050-1200 AD) ca. 500.000 Worte
    • Althochdeutsch/Frankenreich (ab 550-700 AD), ca. 250.000 Worte
    • LaTeneZeit/Völkerwanderung/Germanisch (ab 50-200 AD), ca. 125.000 Worte, ausreichend für expandierende Sprachvielfalt
    • Hallstatt/Urgermanisch (ab 550-700 BC), ca 62.500 Worte, ausreichend für Mischsprachen basierend auf fremdsprachige Zuwanderung, beginnende Sprachvielfalt
    • Frühhallstatt/Prägermanisch (ab 1200-1050 BC), ca. 31.250 Worte, ausreichend für 2 Dialekte
    • Mittelbronze/Aunjetitzer Kultur/Protogermanisch (ab 1700-1550), ca. 15.625 Worte
    • Bronze/Leubinger Fürstenzeit (ab 2200-2050 BC), ca. 7.812 Worte
    • Schnurkeramik/Glockenbecher Zeit (ab 2700-2550 BC), ca. 3906 Worte
    • Trichterbecherzeit (ab 3200-3050 BC), ca. 1953 Worte

    Das ist natürlich nur mal eine Schätzung über den Daumen. Dabei wird jedoch klar, das zur Trichterbecherzeit bereits eine Kreolisierung im Gange war und der allgemeine Gebrauchswortschatz zum Ende der Trichterbecherzeit ausreichend verfügbar war.
    Die Sprachforschung geht heute davon aus das 2000 Worte genügen um normale Alltagsgespräche zu führen. Das deckt auch etwa 80% eines Textes z.B. in Zeitungen ab und erlaubt daher den Inhalt zu verstehen.
    Damit deckt sich die Trichterbecherzeit hervoragend mit der Entstehung des Indogermanischem von dem sich das Indoiranische bereits abgespalten hat.

    Zum Vergleich: Ein Menschenaffe bringt es auf ca. 600 Gesten mit denen er sich ausdrücken kann. Basic Englisch kommt mit 850 Worten aus.
    Pidgins, also reduzierte Kreolsprachen kommen mit 750-1500 Worten aus und vereinfachen die Grammatik.
    Natürlich reicht es prinzipiell zu sagen „Es regnet“, aber der Muttersprachler bevorzugt vielleicht „Es gießt, Es schüttet, Es pladdert, Der Himmel hat seine Tore geöffnet“ usw.

    Bemerkenswert fand Klein die Hartnäckigkeit mit der sich einige Worte im Gebrauch kontinuierlich oben halten. Dabei handelt es sich oft um Gebrauchsworte (.z.b. ie: bhergh~os = Berg, Brocken = Ersterwähnung broke  = protokelt. brig = lat. Mons ruptus – zerbrochener Berg).  Es ist also recht unwahrscheinlich das Gebirgsnamen im Osten oder Norden Deutschlands auf Keltisch, Latein oder Slawisch zurück gehen, da sich die ursprüngliche Bezeichnung solange hält, bis alle Sprecher verschwunden sind. Wahrscheinlicher ist hier eine Entlehnung aus der einheimischen Sprache mit entsprechender Anpassung (Variner=Warnen=Waari=Wagrier).
    Dies gilt wohl auch für den Gehrdener Berg bei Hannover auf dem römische Münzen aus der Zeit des gallischen Krieges gefunden wurden, sodaß hier vermutlich Vertriebene des gallischen Krieges aus dem Rechtsrheinischen Raum ansässig wurden und einen Burgwall zur Verteidigung errichteten, der bis in die Zeit der Sachsen auch gewartet und ausgebaut wurde. Die Kreisgrabenanlage vom Gehrdener Berg ist deutlich älter und an den Brocken und Wurmberg ausgerichtet. Zur Zeit der Germanen und Sachsen soll sich ein großes Wotansbild auf dem Brocken befunden haben. Der Brocken hatte also eine überregionale Bedeutung und war schon in der Bronzezeit ein markanter Orientierungspunkt.

    Klein bemängelt auch: „De facto ist es so, dass es kaum noch deutschsprachige Spitzenforschung gibt; soweit sie noch Weltgeltung hat, beruht sie auf englischsprachigen Arbeiten, entweder von den Verfassern selbst so geschrieben oder gelegentlich auch in Übersetzungen.“
    Der Linguist hält diese Entwicklung für „deprimierend“: Zum einen stelle sie einen massiven Nachteil für die Forschung hierzulande dar, zum zweiten koppele sie die Spitzenforschung von den Schulen ab und zum dritten verfälsche sie inzwischen auch die Geschichte der Wissenschaften.
    Damit trug sie auch dazu bei, das Deutsch als wissenschaftliche Sprache immer unmoderner wird, was dumm ist, denn die Förderung der wissenschaftlicher Einrichtungen wird vom eigenem Volk finanziert und wenn es die nicht versteht, warum sollte sie die finanzieren?

    Aber man kann es auch ganz logisch betrachten indem man das Alter, die Verbreitung und deren Umstände von Sprachen mal miteinander vergleicht.
    Nach dem aktuellem ethnologischen Sprachkatalog „Ethnologue“ des SIL International gibt es im Jahr 2015 rund 7102 lebende Sprachen sowie seit 1950 cirka 367 ausgestorbene Sprachen. Die Zahlen vergangener Reiche sind aktuelle Hochrechnungen.

    Dabei muss in China eine 2000 Jahre bestehende Abschirmung/Einheit des Reiches mittels der chinesischen Mauer sowie im Römischen Imperium die Abschirmung/Einheit des Reiches mittels des römischen Limes für etwa 500 Jahre berücksichtigt werden, in denen die jeweilige Sprache (hier Latein, dort Mandarin) über Jahrhunderte durchgesetzt wurde.

    Für germanische Sprachen sind die Jahre der Völkerwanderung 1. bis 5. Jhd. der Beginn der Ausbreitung und angelsächsische Kolonialisierung. Die Expansion der Wikinger, Normannen und Waräger hat nicht zur dauerhaften Germanisierung anderer Regionen geführt. Dafür hat die Kolonialisierung der niederländischen Buren eine neue Sprache hinterlassen. Berücksichtigt werden muss als Ausbreitungshemmnis die Zersplitterung des germanischen Sprachraumes in zahlreiche Kleinstreiche mit wechselnden Allianzen über einen Zeitraum von mehr als 800 Jahren. Auch der Landverlust und der Bevölkerungsverlust der beiden Weltkriege oder durch Seuchen müssen als massiven Einschnitt und damit als Ausbreitungshemmnis verschiedener Sprachen angesehen werden.

    Für Spanien ist die Reconquista ab 1080 ausgehend von ehemalig gotisch-iberischem Altadel in Kastilien und Asturien prägend für die Dominanz der spanischen (kastilischen) Sprache. Für Portugal war die Entdeckung Amerikas 1492 und deren anschliessende Ausbeutung und Dominanz der einheimischen Indios in Amerika von zentraler Bedeutung für die Ausbreitung der Sprache.

    Für England ist die Kolonialgeschichte Ende des 16. Jahrhunderts in Amerika, Australien und Afrika ausschlaggebend. Ähnliches gilt für Frankreich mit seiner afrikanischen und amerikanischen Kolonialgeschichte und Russland das den ganzen Norden Asiens quasi kolonialisierte.
    Dies müsste man über ein Punktesystem auf- bzw. abwerten.

    Heute gibt es insgesamt zehn germanische Sprachen mit jeweils mehr als eine Million Sprecher. Bei Scots und Niederdeutsch ist die Stellung als eigene Sprache umstritten. Übrig geblieben ist Englisch aufgrund ausgedehnter Kolonien und
    Deutsch was angesichts der paar Jahre Kolonialzeit erstaunlich ist, denn abgesehen von dem niederländischen Ableger Afrikaans hat die Kolonialzeit nicht zu neuen Sprachen geführt, sodaß praktisch alle germanischen Sprachen auf das ursprüngliche Siedlungsgebiet in Nordeuropa beschränkt sind.
    Niederländisch (25 Mio), Schwedisch (10 Mio), Afrikaans (6,7 Mio, mit Zweitsprechern 16 Mio), Dänisch (5,5 Mio), Norwegisch (5 Mio; Bokmål und Nynorsk), Niederdeutsch (ca. 5 Mio Erst- und Zweitsprecher;), Jiddisch (1,5 Mio), Scots (1,5 Mio)
    Insgesamt sind das mehr als 840 Mio Sprecher germanischer Sprachen, von denen jeder zweite die Sprache freiwillig lernt. Übertroffen wird sie nur noch von Mandarin, wobei in China natürlich ein Zwang durch Schulen ausgeübt wird.

    Geht man jedoch mal 3500 Jahre zurück ins Jahr 1500 v. Chr. so gab es nördlich der Alpen einen massiven kontinentalen Handel zwischen England, Frankreich, Deutschland, Skandinavien, dem Baltikum, der nördlichen Alpenregion/Voralpen, obere Donau bis in den Kapartenraum also entlang der Mittelgebirgskette – das Barbaricum.

    Jenseits der Alpen findet sich ein massiver Handel im Mittelmeerraum, insbesondere zwischen dem Balkan, Griechenland, Anatolien, Italien, südliches Alpengebiet und reicht vermutlich bis Iberien, womöglich entlang der Nordafrikanischen und der italienisch-franz. Mittelmeerküste, da man ja eher entlang der Küsten fuhr. Während man im Süden mit Stein und Lehm in Siedler-Konzentrationen (beginnende Urbanisierung) baute und diese befestigte, wurde im Norden eher Höfe und Behausungen aus Holz-Erde-Grassoden (in einigen sehr steinreichen Regionen eine Art Stein-Holz-Erde Kombination) benutzt wobei Wallanlagen zur Kontrolle von Handelswegen und Ressourcen dienten, also eher eine auf individuelle Autonomie beruhende Zersiedelung.
    Obwohl der eine vom anderen wusste, was durch Importfunde ja klar wird, hat das Barbaricum nicht das Konzept der Urbanisierung übernommen. Durch die Megalithik hatte er sicher ausreichend Erfahrung mit Stein, er war also schon dazu in der Lage, aber er wollte offenbar nicht seine Unabhängigkeit aufgeben. Und damit wird schon eine gewisse Teilung Europas in Nord und Süd sichtbar. Identität wird hier durch unterschiedliche Lebenskonzepte (hier die barbarische Autonomie der Selbstversorger, dort der urbane Luxus und Spezialisierung auf Berufe) definiert.
    Fasst man das Gebiet der Skandinavischen, Fränkischen, Englisch-Irischen, Germanischen, Baltischen und nördlich der Karpaten lebenden Stämme Europas (Asien und Kolonien ausgenommen) zusammen, so ist dieses Gebiet fast doppelt so groß wie der Urbanisierte Mittelmeerraum im südlichen Europa. Die Nähe die slawische und baltische Sprachen noch im 12. Jhd. zu Altdeutsch oder Germanisch hatten, deutet nicht darauf hin, das sie so alt sind, wie man sie gern hätte, sondern sich erst in den letzten 1500 Jahren abspalteten.
    Dafür spricht auch die Überlieferung des Tacitus der auf Slawengebiet die Veneti/Venedi ansiedelt und Jordanes der die Sklaveni als von Goten unterworfenen Stamm erwähnt. Sogesehen sind Slawen eher Veneti-Germanen (Wenden=Vandalen) und Balten ostpreussische Pommern die unter erheblichen Fremdeinflüssen standen.
    Hier das Beispiel eines Slowenischen Satzes des Herzogs Bernhard von Spanheim der bei seiner Durchreise in Thörl-Maglern/Vrata Megvarje 1227 auf Slowenisch mit den folgenden etwas ironischen Worten begrüßt wurde:

    Slowenisch  übersetzt

    „Der fürste und die gesellen sin
    Der Fürst und die Gesellen sind

    mich hiezen willekommen sin.
    mich hießen willkommen sein.

    ir gruoz was gegen mich alsus:
    Ihr Gruß war gegen mich also:

    „buge waz primi, gralva Venus!“
    „Bücke war prima, großartige Venus!“

    In neueren Studien wird die historische Gleichzeitigkeit von Langobarden (ab 510) und Slawen (ab frühestens 547) im Gebiet Ostslowenien, Grenzgebiet zu Ungarn festgestellt, wobei Langobarden um ca. 568 nach Italien abwanderten, wobei ein Teil durchaus zurück blieb und mit Neuansiedlern zu Slawen verschmolz, wobei diese frühslawische Phase bis ca. 680 angesetzt wird.
    Tatsächlich gab es in Langobardischen Siedlungen slawische Produkte und in slawischen Siedlungen langobardische und sogar römische Funde. Als Slawisch gilt eine Siedlung durch Abwesenheit von Kriegergräbern und Eisenwaffen sowie grobes Gebrauchsinventar (die sogenannte Küchenkeramik). Insgesamt wirken sie eher wie arme Neuansiedler, die das Töpfern erstmal lernen müssen und daher nur schlechte Keramik besitzen. Da aber Langobarden Waren importierten und die Produktion um 542 mit der Pest zusammen bricht, nutzen Langobarden die Neuansiedler als Lieferanten.

    Vergleichbare Sprachbeispiele gibt es auch aus dem ostpreussischem Raum das sogenannte Elbinger Vokabular aus dem 13. Jhd. in der zahlreiche Worte ähnlich wie das Slowenische Beispiel mehr wie ein germanisches Dialekt wirken und ähnlich wie Luxemburgisch nur noch rudimentär verständlich ist. In den vielen unzugänglichen Gebieten Skandinaviens, Englands/Irlands und der zerklüfteten Nord- und Ostseeküste hielt man konservativ viel länger an der alten Sprache fest.

    Extra wäre der Raum zwischen Weißem Meer, Wolga, Dniepr und Ural in dem Uralische Sprachen dominierten, was vielleicht 10% Europas ausmacht.

    Zuwanderer und Eroberer aus dem Süden kamen sicher nicht in rauhen Massen als Stämme an, sondern in Familien und Siedler-Kleingruppen und setzten sich nach und nach als neue Herrscher über die einheimische Bevölkerung durch.
    Sie mussten quasi die einheimische Sprache lernen um zu herrschen und einheimische Sitten annehmen um sich als Führer zu legitimieren. Dabei haben sie zwar nicht nur neue Technologie, Riten, Götter, sondern auch neue Worte eingeführt, aber die Struktur der alten Sprache blieb erhalten, es entsteht eine neue Sprachstufe, eine Weiterentwicklung und vielleicht auch zu Kreolisierung.
    Eine massive Verdrängung der Nordsprache Europas auf so riesigem Gebiet wie Gallien ist nicht ohne massive Einwanderung zu erreichen, zumal die Bevölkerungszahlen ja nur langsam anstiegen und die Nordbevölkerung körperlich in guter Verfassung und wohl auch größer war. Die Einwanderer unterlagen also einem Anpassungsprozess der einige Jahrhunderte in Anspruch nahm. Dazu kamen Einflüsse der Römer die womöglich neue Keltenstämme erst geschaffen haben, indem sie z.B. Sarmaten nach England verlegten. (Nachgewiesen durch die Cleveländer Pferde).
    Der Anpassungsprozess an verschiedenen Orten durch Einwanderung kleiner Grüppchen und ihrer erfolgreichen Integration in die lokale Bevölkerung muss eine genetische Subclade des ursprünglichen Stammes bewirken und je mehr Gruppen es gibt, desto mehr fasert sich sich der Urstamm auf. Genau das sehen wir bei R1b, eine Aufsplittung in viele neue Subgruppen und eine Änderung der Dominanz die aber nicht schlagartig (durch massive Einwanderung) sondern langsam ansteigend (durch Integration und erfolgreicher Reproduktion) ist. Insofern waren es wohl eher „keltische Leuchttürme“ inmitten eines Nordeuropäischen Sprachbundes die erst nach und nach vorherrschend wurden.

     

    Region Bevölkerung lebende / amtl. Sprachen Muttersprachler Sprecher
    Asien mit Indonesien 4,278 Mrd 2301 / 203
    Europa mit Russland 736 Mio 286 / 73
    Nord- und Südamerika 953 Mio 1064 / 37
    Afrika mit Madagaskar 1,1 Mrd 2138 / 194
    Australien mit Ozeanien 38,5 Mio 1313 / 71
    China (Mandarin) 1,03 Mrd 1,197 Mrd
    Indien (Bengal/Hindu) 449 Mio 613 Mio
    Magna Germania/Angelsachsen (En./Dt.) 145 Mio 840 Mio
    Iberia (Espania/Portug.) 602 Mio 725 Mio
    Spanisch 399 Mio 490 Mio
    Englisch 335 Mio 480 Mio
    Hindi 260 Mio 380 Mio
    Französisch 220 Mio 370 Mio
    Russisch 166 Mio 275 Mio
    Portugisisch 203 Mio 235 Mio
    Bengali 189 Mio 233 Mio
    Deutsch 90 Mio 185 Mio
    Deutsche Bund 1815 25 Mio 29,2 Mio
    Frankenreich 962 1 Mio Germanen 6 Mio
    Römisches Imperium 15-50 AD 5.9 Mio Römer
    5 Mio Gallier
    23,1 Mio Europäer
    45,85 Mio.

    Und zum Schluss noch ein ganz einfaches Beispiel, das zeigt das die Rekonstruktionen des Indogermanischem/Urgermanischem zeitlich gar nicht passen.
    Wie wir wissen, hatte die Lateinische Schrift kein „w“ bzw. „v“, aus diesem Grunde schrieb man im Latein ein „u“. Das war während der römischen Kaiserzeit so üblich.
    Suebi kann man demzufolge als „Sübi“, als „Swebi“ oder  „Svebi“ interpretieren sofern man es mit römischer Schrift dieser Zeitperiode zu tun hatte. Die Interpretationen späterer Zeiten machten schliesslich aus den Sueben die Schwaben.

    Diese neuen Buchstaben tauchen etwa um 600 v. Chr. in Europa auf, vorwiegend am Mittelmeer wo Phönizier oder Griechen Kolonien errichteten. Dann verbreiteten sie sich langsam über den Norden Europas.

    In Deutschland ist der erste Einzelfund von Runen ab ca. 150 v. Chr. datierbar, aber erst mit dem Bau römischer Kastelle und des Limes am Rhein tauchen Runen öfter auf, wobei sie nicht im Umfeld römischer Bauten auftauchen, sondern stattdessen dort etablieren wo nie Römer waren, also im Osten und insbesondere im Norden, wo sie magischen Zauber bewirken sollten. Regelmässig tauchen sie daher auch erst im 3-5. Jhd. an der dt. Küste und im südlichen Skandinavien auf. Die Angelsachsen die also 420 nach England gingen, hatten längst erkannt das Runen keine magischen Zeichen sind. Und während die Terwinger Goten mit Wulfila eine erste Verschriftlichung der Gotischen Sprache anfertigen, übernehmen die Franken im Westen gleich die ganze Sprache.
    Erst im Norden entsteht daraus eine Schrift, die vorwiegend von Wikingern genutzt wurde.

    So kommt es das Runen im frühem Wikingerzeitalter, schliesslich als „Heidenschrift“ gleichzeitig zu Latein als Lehrschrift der Christen koexistieren, dann aber mit fortschreitender Christianisierung durch Latein abgelöst wird. Dies führt schliesslich dazu, das die Sprache des Volkes überhaupt nicht geschrieben wird, bis sich schliesslich der Minnegesang die Verschriftlichung des Deutschen im 9. Jhd. wieder anstößt.

    Das ganze trägt den Charakter einer extrem langsamen Alphabetisierung.

    Nehmen wir nun aber mal ein paar rekonstruierte Beispiele von Indogermanisch und Urgermanisch.
    idg. su̯ei-***, su̯i-*** wird interpretiert als „zischen, pfeifen“
    lat. sībilāre, sībilus entspricht dem „zischen, pfeifen“
    germ. *swendan, *swenda- wird zu schwinden, verschwinden, schwenden

    Das selbe Prinzip mit anderem Wort:

    idg. su̯ē̆i-***, su̯ē̆-** wird interpretiert als „schwingen, winden, wenden“
    lat. sīmus, gr. σιμός (simós) übersetzt „biegen, nach oben gebogen“
    germ. *su̯eig-, balt. *su̯eid- wird interpretiert als „biegen, drehen, schwingen“
    daraus entstehen *sweiban- schweben, z.b. in Schwibbogen enthalten und
    *sweifan übersetzt schweifen, z.b. in Pferdeschweif enthalten ist.
    Aber auch das englische „bend“ was schlichtweg „gewunden, gewendet, biegen“ bedeutet.

    In beiden Fällen tritt hier das „römische Schriftproblem“ zutage, nämlich das sie kein w/ v schreiben konnten und stattdessen das „u“ nutzten.
    Dieses Urgermanisch muss daher aus der kaiserlicher Römerzeit stammen.

    Gleichzeitig unterscheidet sich das Urgermanische bereits so massiv vom Griechischem bzw. vom Latein, es muss zwangsläufig mehrere Veränderungen vor dem postulierten Urgermanisch gehaben und dazu reicht ein Pre-Germanisch nicht aus um das zu erklären. Es fehlen einige Stufen.

    Folgen wir der Linguistik so erklärt sie die Sprachstufen so:

    1. Erste Lautverschiebung („Grimmsches Gesetz“) markiert die Entstehung des Germanischen zwischen 500 v. Chr. und der Zeitenwende,
      Stammesnamen sowie die Gotische Wulfilabibel und Runen sind hier die einzigen Belege.
    2. Ausnahme davon („Vernersches Gesetz“)
    3. Aufkommen der Initialbetonung
    4. Schwächung der unbetonten Silben
    5. Verfall/Umbau der morphologischen Systeme (Flexionssysteme)

    Runenfunde sind vorwiegend ab dem 2. Jhd. häufiger, Gotisch ist seit dem 4. Jhd. belegt, Althochdeutsch und Altenglisch ab dem 7. Jahrhundert, Altsächsisch ab dem 9. Jahrhundert, Altniederfränkisch ungefähr ab dem 10. Jahrhundert, Altnordisch ab dem 12. Jahrhundert

    Doch sein Alter wird mit einer einzigen Begründung negiert, sie seien zu dieser Zeit nicht als Volk belegt. Na dann geht euch doch bitte bei den Griechen und Phöniziern beschweren, warum sie denn nichts über die Völker des Nordens geschrieben haben!

    Tatsächlich ist das so gar nicht wahr, sie sind belegt – archäologisch sind sie spätestens seit der Lausitzer Kultur problemlos zu belegen und genetisch sind sie bis zu den Schnurkeramikern zurück zu verfolgen. Abgesehen davon das sie schon 1400 v. Chr. Bernstein an die Mykener verkauften, deutet nichts darauf hin, das sie die germanische Sprache von irgend jemanden übernommen haben. Von wem denn auch, Slawen, Kelten? Aber die tauchen erst sehr viel später auf.
    Doch selbst wenn man annimmt das die schon da waren, so ist die Lausitzer Kultur auf keinen Fall deren Nachfahren. Genetisch sich nur die Slawen verwandt und deren DNA ist jünger. Somit kann die Sprache der Lausitzer nicht von Slawen übernommen worden sein.

    Stattdessen sind die Kulturen von Deutschland über Polen, Tschechien bis zum Westbaltikum und oberhalb der Mittelgebirge in der Bronze- und Eisenzeit in weiten Teilen so eng verknüpft das sie zu einer einzigen großen Sprachzweig des Indogermanischem gehören müssen, die sich höchstens durch lokale Stammestraditionen und Dialekte (ggf. auch durch Einfluss benachbarter Sprachzweige) unterscheidet.
    Mit cirka 15.625 Worten kann man davon ausgehen, das ein Reisender in der Zeit der reichen Fürstengräber problemlos von Thüringen bis ins Westbaltikum umfangreiche Gespräche führen konnte. Und da ein deutschsprachiger Flame noch 1554 die Krimgoten verstehen konnte, zeigt eigentlich das sich der grundsätzliche Wortschatz nur sehr langsam veränderte, sofern die Gemeinschaft alte Werte pflegt.

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