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Germanische Tempel
Die monumentalen Grabhügel der Wikinger aus Borre

Die monumentalen Grabhügel der Wikinger aus Borre

Wenn wir über germanische Tempel sprechen, dürfen wir uns nicht unbedingt einen Ort der Anbetung von Göttern vorstellen, wie man das von anderen Kulturen kennt.
Vielmehr benutzten die Germanen diese Art Tempel als Machtzentren. Sie entsprechen eher einem Versammlungsort oder einer repräsentativen Demonstration von Macht an dem ein Herrscher „Hof hielt“.
Das entspricht dem Konzept eines Reichstages, allerdings eher im rustikalen Stil mit dem Charme einer Scheune. Aber mal so unter uns, in Scheunen lässt sich hervorragend „Hof halten“.
Vor tausenden von Jahren waren die Tempel jedoch noch Orte der Ahnenverehrung unter freiem Himmel, heilige Haine, Steinmonumente oder Orte an denen bedeutende Ahnen beerdigt wurden und so entstanden auch die Hallen durchaus in Sichtweite von Grabhügel und Megalithanlagen.

Diese Hallen gab es bereits seit der Aunjetitzer Kultur (2.200-1.600 v. Chr.), wo sie in Sichtweise des Grabhügels beim thüringer Fürsten von Leubingen, datiert 1942 ± 10 v. Chr. erstmals gefunden wurde. Weitere Funde stammen erst wieder aus der Eisenzeit. Offenbar war es einfach bequemer war unter einem Dach zu sitzen als unter freiem Himmel. Die Prunkhalle des Fürsten von Leubingen aus der Aunjetitz Kultur, war offensichtlich ein Vorläufer für weitere Hallen dieser Art. Da die Aunjetitzer Kultur mit der Griechischen Bevölkerung Handel trieb, könnte es sich dabei durchaus um eine aus dem Süden importierte Sitte derartiger Versammlungshallen handeln, was wohl der ursprüngliche Zweck von Tempeln und Kirchen darstellt. Modern könnte man es wohl auch als Kulturzentrum oder Regierungssitz bezeichnen. Die Übergänge sind fliessend.

Deutschland ist für solche Funde ein ziemlich bearbeiteter Boden, da wird es schwer sowas zu finden. Vermutlich werden wir noch einige davon in England, Island oder Scandinavien finden, wo sie bessere Chancen hatten die Zeit zu überstehen. Auch im Baltikum (Dödel z.b.), an der Weichsel (Krakow vielleicht) oder Russland könnte noch das eine oder andere zu finden sein. Man darf also gespannt sein, was in Zukunft noch so entdeckt wird. Durchaus möglich das die eine oder andere Festhalle zur Kirche umfunktioniert wurde und sich dabei Zeugnisse dieser Art erhalten haben.

Festhalle von Borre in Vesterfold

Festhalle von Borre in Vesterfold

Ein Zusammenhang besteht wohl zwischen dem innerste Heiligtum (Sanctum, Cella) das man in Indien Garbha griha (garbha Schoß und griha Kammer, englisch garbish) bezeichnet und ausschliesslich Brahmanen betreten dürfen und der Gnipahellir des gewaltigen Hundes Garm in der germanischen Mythologie, der den Eingang zur Unterwelt bewacht.
Erwähnt sei auch noch, das das englische Garbish wohl eine Rumpelkammer bezeichnet, was in völligem Gegensatz zur indischen Ansicht eines „Schlosses“ steht, wobei diese wohl eher an Tempel-Rumpelkammern, also Lagerräume erinnern. Schloss ist durchaus eine idiologische Aufwertung. Die in Kerala gebräuchliche Bezeichnung des srik-ovil umschreibt wohl modern betrachtet ein „Schreibbüro“ alá Oval office im weißem Haus. Auch das deutet auf übliche Tempeltätigkeiten hin. Man darf wohl annehmen das man hier verschiedenste Germanisch/Skythisch/Indoarische Traditionen kopierte, sodaß man grob daraus dem Tempelbau dieser Zeit ableiten kann, wie es einige Jahrhunderte zuvor in Germanien ausgesehen hat.

Rückschlüsse:

Wikinger-Versammlungshalle Heorot

Wikinger-Versammlungshalle Heorot

Offensichtlich bestand ein ursprünglich germanischer Tempel aus einer säulengestützten Haupthalle (Versammlungshalle) der „Wallhalla“ (Wallfahrts-halle) mit oder ohne Vorhof und einer weiteren kleineren „verbotenen“ Kammer, die „Gnipahellir“ in der vermutlich die Stammesheiligtümer positioniert waren. Im Grunde genommen sieht eine Kirche heute noch so aus, nur das dort keine Stammesheiligtümer, sondern ein Altar steht. Unter diesem liegt gewöhnlich die Krypta. Eine Krypta (gr. ‚die Verborgene‘; das Wort entspricht der Gruft) entspricht also einer verborgenen Kammer und dient gewöhnlich als Aufbewahrungsort für einen Sarkophag, so z.b. in der Krypta des Braunschweiger Doms wo Heinrich der Löwe, Bruder Barbarossas seine letzte Ruhe fand.
Mythologisch gesehen entspricht diese Krypta durchaus einem Tor zur Unterwelt.

Gehen wir davon aus, das die frühen Tempel keine Stein- sondern Holzgebäude waren, wurden da bestenfalls zeitweise bedeutende Krieger aufgebahrt, bevor man sie beerdigte. Den Rest der Zeit dürfte das als Aufbewahrungsort oder für Tempelaktivitäten gedient haben, wozu sicherlich auch Runendeutungen und Prophezeihungen gehörten die vermutlich im Vorhof oder der großen Halle stattfanden. Diese Kammer ist also eine Art „Zwischenwelt“, die den Übergang von den Lebenden zu den Toten markiert und nur von bestimmten Personen betreten werden durfte. Der Hintergrund der Garm-Legende ist also ein furchteinflößender Hund/Wolf, der eine Zwischenwelt bewacht, die mit Tod assoziiert wird. Aus der Sicht der Germanen-Krieger ist dieser Übergang der Weg ins germanische Paradies „Wallhall„. Grob gesehen der „der Weg ins Licht“ oder eben germanisch ausgedrückt „der Weg ins Helle, der Weg zur Hel„.

Heorot in Lejre, Dänemark (Beowulf-Epos)

Rekonstruktion der Heorot in Lejre, Dänemark (Beowulf-Epos, Hrothgar´s Scyldings Halle)

Der Begriff Hölle ist eine christliche Umdeutung davon, was heidnische Germanen erwartet, wenn sie nicht an Christus glauben.

Gnipahellir ist also Teil eines Tempels mit einer großen Versammlungshalle Wallhall, in der eine krypta-ähnliche tabuisierte oder versteckte „Kammer der Hel“ (Kammer der Toten) existiert, wohin sich die gefallenen Krieger begeben (Wallfahrt) und aufgebahrt (sanskrit bahru) werden, bis sie entweder mit (unter) der Erde (Vanen=Mond=Hügelgrab=Erde) oder dem Himmel (Asen=Sonne=Verbrennung=Himmel) vereint werden.
Das waren die Urelemente der mesolitischen Weltanschauung in Europa. Sie unterscheiden sich fundamental zum Orient wo Himmel und Erde mit zirkumpolaren Sternbildern assoziiert wurde. So gab es das Zeitalter des Widders, das Zeitalter des Stier, der Schlange (auch als Drache bezeichnet).

 Die Festhalle von Borre
Vor einiger Zeit wurde der Wikingerhauptsitz von Vesterfold in Borre entdeckt. Die Überreste boten genug Möglichkeiten die Festhalle zu rekonstruieren und was dort heraus kam ist geradezu genial.
 
Festhalle von Borre - Innenansicht

Festhalle von Borre – Innenansicht

Interessant dazu, vor einigen Tagen fand man auch in Gamla Uppsala (Alt Uppsala) vermutlich den uralten Tempel der Wikinger, der in Sichtweite der Yngerlinga Grabhügel lag. Datiert wird er auf 375 bis 550 AD. Nach Einschätzung der Archäologen war die Halle ca. 500 m lang, 250m breit und 8-10m hoch. 144 Pfähle wurden dazu gesetzt. Was man bisher hört, erinnert an die 3schiffige Festhalle des Fürsten von Leubingen, nur war die mit 44m Länge und 10,50m Breite aber auch etwa 8-9m Höhe noch bescheiden. Sie wird der Aunjetitz-Kultur (2200 bis 1600 BC) zugeordnet und ist damit bedeutend älter. Da darf es sicher auch kleiner sein.
Der Begriff „Heorot“ bezeichnet die Versammlungshalle des dänischen Königs Hrothgar in dem angelsächsischen Heldenepos Beowulf bezeichnet. Hrothgar soll nach der Überlieferung im 6. Jahrhundert gelebt haben, vermutlich aber erst im 7. oder 8. Jhd. zu Zeiten des Danelag.
Heorot
Heo wird momentan keltisch mit Hirsch übersetzt, könnte aber eine Verfälschung von Hero (Held) sein. Wieso sollten denn Dänen und Angelsachsen keltische Begriffe verwenden? Diese Ethymologie ist völlig absurd und beruht auf Keltomanie.
Rot könnte von riot, also von Streitwagen „chariot“ abstammen (oder auf den Erbauer hRoth-gar hinweisen).
Übersetzt man es germanisch würde dann sowas wie Heldenwagen „Heroriot“ heraus kommen und wäre einem Wikinger durchaus angemessen, da ja auch die germanischen Götter einen Wagen haben. Womöglich hatten diese Tempel alle verschiedene Namen.
Angeblich soll diese Heorot in Lejre, Denmark gefunden worden sein. Uppsala (die Region Vendeln) und Vendel (womit laut Snorri das nördliche Jütland gemeint ist) benennen dieses Geschlecht Yngerlinga.

Die rekonstruierte Tür der Festhalle von Borre

Die rekonstruierte Tür der Festhalle von Borre

Harde ist ein Verwaltungsbezirk etwa ein Landkreis, stammt von ahd. hariraida, (heriraita, dt. etwa Heer-Reiter, der jeweilige Reik einer Region „herreder“) ab, der einem Syssel (Sysler, etwa Sitz) untersteht und etwa einem Fürstensitz entspricht.In England dokumentiert ist Bretwalda (zu dt.: den weithin Herrschenden) der als Erster unter Gleichen der oberste König der Angelsachsen in England war. Der Begriff wird in Zusammenhang der Eroberung Mercias durch den westsächsischen König Egbert benutzt. Die Abingdon Chronicle I benutzt das Wort „brytenwalda“ und die Peterborough Chronicle macht daraus brytenweald. Mag sein das es mit einem Stamm der Bryten (Brytonen) zusammen hängt und damit einfach als Brytenwald zu übersetzen ist. Womöglich wurde absichtlich eine Verbindung zu einem Keltenstamm hergestellt um den Titel keltischer zu machen.
Eine andere Möglichkeit ist: das altenglischen Verb breotan (verteilen) stammt vom „bræt“ ab was wir z.b. als Wildbret kennen. Die Angelsachsen verteilten die Beute (England) und wählten einen obersten „Verteiler“ ein, der damit über die Beute im Wald (alias Brytania) herrschte, wobei Wald mit herrenlosem Wald im Sinne von Land zu übersetzen wäre.
 
Gnipahelli
In der Völuspá, dem auf die Zeit um 1000 n. Chr. zurückgehenden ersten Götterlied des Codex Regius, wird die Insel Lyngvi, auf der Fenrir in der Höhle Gnipahelli angekettet sind, von Garmur bewacht, einem riesigen Hund (Zerberus). Wenn die Ketten von Fenrir brechen, steht der Weltuntergang unmittelbar bevor. Dies wird gewöhnlich mit Loki (Lofon, Insel Lövön im Mälarsee) in Verbindung gebracht, der seinerseits dem Prometheus gleicht der von einem Adler gequält wird. Fenrir entspricht dem Drachen (Banner der Wikinger auf dem Danelag d.h. Scyldinger/Yngerlinga Banner). Thietmar von Merseburg Chronik, Grottasöngr, The Lejre Chronicle, Sven Aggesen Eine kurze Geschichte der Könige von Dänemark, Skjölfunga Saga (in Arngrímur Jónsson des lateinischen Paraphrase), Saxo Grammaticus ‚Geschichte der Dänen, Snorri Sturluson Ynglinga Saga und „Hrolf Kraki und Vogg“, und The Saga of Hrolf Kraki. Demnach wäre Hrothgar ein König der Skjöldung und die Heorot die Versammlungshalle der Scyldings. Lejre liegt 23 km westlich von Kopenhagen. Leiter der Ausgrabung war Dr. Tom Christensen, Kurator of Denmark’s Roskilde Museum.
 

Germanen und Götter

Die Edda berichtet:

Pfahlgötze

moderner Wodan-Pfahlgötze, Foto: (c) Ingmar Möller

Die Götter errichten auch einen hǫrgr hátimbráðr‚ hochgezimmerten Steinaltar, Opferstätte‘ und einen hof ‚Tempel‘.

Dies wird nur dann logisch wenn man unter Götter einen regierenden Herrscher versteht, statt eines spirituellen  Gottes. Gott ist eine Ableitung von Goðe und der wiederum eine Ableitung von Gote. Der Gode hat wiederum rituelle Pflichten.
Und der Gote ist ein Mensch. So einfach können Antworte auf Rätsel sein. Die Bezeichnung für einen spirituellen Vanen und hängt davon ab wie er entschwand.

Das trifft aber nicht für Asengötter zu, weil man davon ausgeht, das diese in einer anderen Dimension leben. Die Pfähle (ebenso wie Menhire) stellen gewissermaßen immer Asengötter dar. Vanengötter beruhen dagegen auf natürliche Formationen wie Haine, Feuer, Seen, Moore usw.

Inglinge Hög Grabhügel nahe Ingelstad

Inglinge Hög Grabhügel nahe Ingelstad

Hǫrgr (Old English hearg, hearga, althochdeutsch German harug, haruc, haruch, Navajo hooghan, moderne Formen sind Hort oder Haugen, Haug, Hög oder Huggna) dürfte ursprünglich nur ‚heilige Stätte‘ bedeutet haben, wo man Opfer darbrachte.
Während der Eisenzeit wurde daraus ein kuppelförmiger runder Bau den man über eine heilige Stätte aufschüttet, z.b. über Gräber. Der Begriff findet sich daher in vielen Ortsbezeichnungen wieder, wenn in der Nähe entsprechende Orte sind die als solche in der Erinnerung blieben.
Während der Wikingerzeit wurde daraus ein Gedenkstein (Runenstein), der schliesslich zu einer mit Symbolen verzierten Gedenkkugel wurde, die bis heute auf einigen Friedhöfen zu finden sind.

Svastika Huggna aus Schweden

Svastika Huggna aus Schweden

Der Name wird im Isländischen noch für einen germanischen Opferaltar genutzt. Diese sind archäologisch schon seit der Jungsteinzeit belegt.
Ein hǫrgr hátimbráðr deutet somit wohl auf eine Holzkonstruktion hin die auf oder um einen steinernen Altar besteht.

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