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Die Alteuropäer – Vom Volk zu Völkern

Begrifflichkeiten – wer ist was?

Wie schnell man sich irren kann

Es war einmal, in grauer Vorzeit, ein kleines Volk. Wir wissen fast nichts über sie und trotzdem beeinflussten sie das Leben von etwa drei Milliarden Menschen, die heute zwischen Island und Sri Lanka siedeln.
Völker entstehen nicht nur aus großen, sondern aus sehr kleinen Quellen die einen gewissen evolutionären Vorteil haben, sei es eine Erfindung oder auch eine gemeinsame Vorstellung von der Welt. So war es bei den ersten Afrikanern aber auch, den ersten Australiern, den ersten Chinesen und so ist es auch bei den ersten Indogermanen.

Bei vielen Völker in Eurasien ist z.b. die Vorstellung von dem UrEi verbreitet. Nach einigen Vorstellungen zufolge baute ein Vogel ein Nest auf dem Knie eines schlafenden Gottes und legte ein Ei. Der Gott bewegte sich und das Ei kullerte aus dem Nest und zerbrach. Aus seinen beiden Schalen wurde einerseits der Himmel, die andere wurde das Meer. Der Taucher (Vogel) tauchte in das Meer und holte vom Grunde des Meeres das Land an die Oberfläche. So entstand die Erde auf der die Menschen leben.

So sind z.b. 10% der heutigen Amerikaner Nachfahren der ersten 50 Pilgerväter, die man nun wahrlich keine Völkerwanderung nennen kann. Diese Pilgerväter kamen erst 1620 auf der Mayflower nach Amerika.
Wären nicht zufällig Indianer/Indios in Amerika, hätte man diese Pilgerväter vermutlich als voreiszeitliche Einwanderer bezeichnet und auf mehrere Tausend Jahre zurück datiert. Der Kennwick-Mann mit seinem europäischem Typ hätte ebenso hervorragend ins Bild gepasst und die mythologischen Hinterlassenschaften der Wikinger und anderer die vor den Spaniern da waren, hätten diesen Eindruck verfestigt.

Das diese kleine Gruppe Pilgerväter mal 15 Mio.  amerikanische Nachfahren haben wird, ist angesichts der nur knapp 400 Jahre geradezu unvorstellbar viel.
Ich will damit nur zeigen das vieles reine Interpretationssache ist und wie leicht es ist, sich zu irren. Man könnte es so interpretieren das aus den 50 Pilgervätern von 1620 ziemlich schnell 12.000 Jahre alte Uramerikaner werden, die über die Beringsee einwanderten. Es passt hervorragend ins Bild eines typischen Westeuropäers der sich als Krone der Schöpfung sieht, insbesondere wenn man auch noch ein paar europäische Wikinger ausbuddelt, die es im 10. Jhd. nach Amerika verschlagen hat. Es hat nur einen Haken, es ist falsch.
Unser Glück ist, das wir von diesen Pilgervätern wissen, doch von vielen anderen Auswanderern wissen wir nichts und müssen die Geschichte mühsam rekonstruieren. Dabei liegen wir nicht immer richtig.

So gesehen kann die Verbreitung von DNA, die vor rund 3.000 Jahre nach Europa eingewandert ist, locker die Vorfahren von mehr als 150 Mio der 740 Mio Europäer darstellen und dafür reichen rein rechnerisch bereits 50 eingewanderte Väter aus. Insbesondere dann, wenn die Eingewanderten dank der Nutzung von Eisen weiter entwickelt sind, als jene Völker die sie verdrängen. Und schon kann man die Verdrängten als Zuwanderer ansehen. So kehrt sich die Wahrheit ins Gegenteil und es entsteht eine völlig neue Geschichte.

Unsere Vorstellung zur Besiedelung der Kontinente weist inzwischen eine lange Reihe von Irrtümern auf, die oft Jahrzehnte oder noch länger etabliert waren.
Gerade die Geschichte birgt noch viele Geheimnisse und manchmal kann man gar nicht doof genug denken. Wir haben es die meiste Zeit mit Menschen zu tun, die gewöhnlich keinen großen Aktionsradius haben und dementsprechend unwissend über die Welt waren. Systematisch erforscht wird die Besiedlungsgeschichte erst seit dem 19. Jhd. und die Gentechnik steht uns erst seit knapp 10 Jahren zur Verfügung, wobei sie anfangs noch eine viel zu geringe Auflösung hatte.

Vorschnell wurden Theorien formuliert, die so nicht stimmen können. Andere Theorien wurden abgewürgt und diffamiert, weil sie politisch unerwünscht sind/waren.
Beispiele dafür gibt es zuhauf. So führen Slawen ihre Herkunft grundsätzlich auf ein slawisches Urvolk zurück. Sicher gab es das, aber sicher nicht in der Bronzezeit.

Ein Beispiel dafür ist z.B. hier zu sehen – basierend auf eine Theorie von 1952 (TRET’YAKOV P.N.) und dann immer schön weiter ausgebaut zb. durch
KUKHARENKO Yu. V. 1964, ZAVIERNIAYEV F.M. 1970, KOZAK D.N., TERPYLOVS’KIY R.V. 1986, SHMIDT E.A., 1990, Lapinsky 2010 usw…
Unschwer ist zu erkennen ist, das nichts davon durch westliche Archäologen in irgendeiner Form bestätigt wurde. Tatsächlich passt die dort angeführte linguistische Karte sehr gut zur Ausbreitung der Lausitzer Kultur nach heutigen Erkenntnissen, was deutlich auf ostgermanische Herkunft der slawischen Begriffe schließen lässt.

Das genaue Gegenteil, nämlich das Germanen quasi zu Kelten erklärt werden, finden wir im „Celtic Cultur Blog“. Interessant dabei ist, das die sogenannten Kultwagen, Vogelwagen und Vogelfiguren die hier so fleissig zu „keltischer Kunst“ umdeklariert werden, zu 70% in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, dem polnischen Odergebiet bzw. in Siedlungsgebieten von Ostgermanen gefunden wurden und Kelten waren in Brandenburg echte Exoten.
Gerade der Kultwagen von Skallerup ist etwa zeitgleich mit den brandenburger Vogelwagen und die Mecklenburgischen Fürstengräber jener Eisenzeit weisen starke Verbindungen nach Dänemark und Jütland auf. Deswegen kämpfen auch Leute aus Skandinavier und Polen an der Seite der ostgermanischen Sueben in der Tollense-Schlacht von 1250 v. Chr.
Diese Schlacht fand an der Tollense, ein Nebenfluss der Peene statt, wobei eine hölzerne Brücke über die Tollense einen Handelsweg offenbart, über den der Bernsteinhandel vom Baltikum nach Thüringen stattfand. Durch die im Moor versenkten Balken der Brücke ist eine genaue Datierung möglich. Dazu kommt das mind. einer der frühen „Keltengräber“ eine Ostgermanische Genetik hat. Das Kultwagen eine keltische Quelle haben ist daher absurd, denn alle „Keltenwagen“ sind deutlich jünger (aus der LaTene-Zeit, wenn auch prächtiger) als die Funde in Ostdeutschland bzw. Osteuropa und Skandinavien. Der keltische Streitwagen hat dagegen klar orientalische oder römische Wurzeln.
Noch interessanter macht es die Wikipedia, die behauptet stur und steif das Körpergräber eine Innovation der Kelten seien. Dabei sind Körpergräber in Nordeuropa bis weit ins Neolithikum belegt. Tatsächlich ist es die Feuerbestattung neu hinzu gekommen und damit kommen auch Urnen in Mode.
Und so geht es weiter und weiter… Auf hunderten Webseiten einschliesslich der Wikipedia wird alles zu keltisch erklärt, egal wo in Europa. Das die ausschliesslich westeuropäischen Autoren solcher Texte ihre geliebten Kelten als alteuropäische Fast-Hochkultur sehen, ist kaum zu übersehen. Kein Osteuropäischer Wissenschaftler bestätigt diese Ansicht. Die sind damit beschäftigt ihre slawische Urheimat zu beweisen. 😉 Es bleibt zu hoffen das die Ergebnisse des Tollense-Schlachtfeldes bessere Nachweise über die politischen Strukturen Nordeuropas erbringen.

Zur Tollense Schlacht: Hier wurden ein angreifendes Heer  der Urnenfelder Kultur aus dem Alpenvorland im Suedwesten (Rheingebiet, Schwarzwald, Bayern, Baden Würtemberg oder Schweiz) erfolgreich von einem einheimischen Heer bestehend aus Menschen aus dem dänischen Skandinavien, dem polnischen Pommern und den Siedlungsgebieten Suebischer Stämme geschlagen. Daher sind die meisten der Opfer auch südwestdeutscher Herkunft. Interessant hierbei ist die bauliche Leistung einer 120m langen Brücke im Jahr 1250 v. Chr. , also 700 Jahre vor den Römern. Erstaunlicherweise ist diese Schlacht 100 Jahre älter als der Trojanische Krieg und im Gegensatz zu all den anderen Schlachten im Süden existieren hier unwiederlegbare Beweise für große Heere aus Berufskriegern, was eine sehr viel höhere Organisation der Stämme voraus setzt. Solche Heere haben Könige, aber keine Clan-Häuptlinge!

Alle Völker entstanden aus Vermischung von Populationen, doch um eine eigene Kultur zu bilden ist es notwendig eine „kritische Masse“ zu erreichen. Deshalb ist die Stadtbevölkerung innovativer und kreativer als die Landbevölkerung. Und klar ist auch das man in der Stadt sehr viel mehr Waren absetzen kann als auf dem Land. Also versucht jeder seine Waren in die Stadt zu liefern, was ein ständiges Kommen und Gehen fördert.
Viele Menschen bedeutet viele Ideen und wer Ideen hat, hebt sich von seinem Umfeld ab.  Hat jemand eine tolle Idee, finden sich schnell Nachahmer, Anwender oder Weiterentwickler. Dabei spielt es keine Rolle ob es sich um einen Browser, eine Waffe oder um die Zucht einer neuen Haustierrasse mit besseren Eigenschaften handelt. Bevor man also eine „Urheimat“ definiert, muss man eine solche Keimzelle haben. Doch aus welche Keimzelle am Ende zu einer geschichtsträchtigen Kultur heran wächst, ist von vielen weiteren Faktoren abhängig. Dazu zählen Ressourcen, Erfindungen, Exportartikel, Aggressivität usw.. Es ist ein bisschen wie ein Rennen und es gibt nur einen Sieger auf der Bahn. Auch in der Evolution hat sich immer nur jene Art durchgesetzt, die mit allen Widrigkeiten zurecht kam. Das es am Start noch tausend Andere gab, ist anzunehmen.

Urgermanentheorien Ja oder Nein?
Hintergrund der Urgermanentheorie war die Ausschlachtung der Germanenforschung durch die Nazis, die daraus eine Lebensraum-Idiologie machten, der den Anspruch der Nazis auf Slawische Siedlungsgebiete belegen sollte. Dazu haben sie weder die Germanen befragt noch haben sich die Germanen daran beteiligt, es gab sie ja nicht mehr. Siehe auch unter „Von Darwin zum Rassenwahn“
Als Fortsetzung der Urgermanentheorie bezeichnete man die Theorie z.B. von Walther Steller. Der sah Slawen als asiatische Einwanderer von Sarmaten abstammend, die infolge der Völkerwanderung aus Asien kamen (was damit mehr oder weniger sogar der Kurgantheorie entsprechen würde) und stellt sie als eine Art Invasoren der germanischer Urbevölkerung in Osteuropa dar, die infolge der slawischen Einwanderung die Sprache der Slawen übernahmen.  Dazu forschte er vor allen Dingen an germanischen und altdeutschen Wurzeln.
Doch wie in jeder Theorie steckt auch darin ein Körnchen Wahrheit, das durchaus auch weiter wissenschaftlich diskutiert wird. So ganz grundlos kann er seine Theorien nicht aus der Luft gegriffen haben, schliesslich hat sich Steller intensiv mit den Dialekten von Friesen und Schlesiern beschäftigt. (Dazu sei anzumerken das es auch Gemeinsamkeiten mit dem teils als Oberfränkisch angesehenem Dialekt von Thüringen gibt, so z.b. die Aussprache von Dorf als „torp/torf“)
Später seien die (deutschen) Germanen seiner Theorie nach, aus den Ostgebieten in die Heimat gewandert/vertrieben (z.B. durch die Benesh-Dekrete usw.) Das wurde von Vertriebenenverbänden ebenfalls so gesehen, denn als Vertriebene verloren sie ihre Heimat. Vieles daran war falsch und auch Stellers Lebenslauf weist eine starke Unterstützung des Anschlusses slawischer Siedlungsgebiete an Hitlerdeutschland auf. Er warf daher anderen Wissenschaftlern vor den Verlust deutscher Gebiete in Ostpreussen, Schlesien und Böhmen zu fördern.
Steller wurde mehr oder weniger kaltgestellt, doch ihm wurde nie der wissenschaftliche Titel entzogen. Dennoch waren seine Publikationen sein wissenschaftliches Todesurteil, dessen Arbeit 1961 als Erzeugnis nationalsozialistischer Pseudowissenschaft bezeichnet wurde.

Heute wie damals ist es umstritten, ab wann es eine slawische Identität gab und neuerdings halten sich Slawen sogar selbst für Nachfahren von Sarmaten, wahlweise auch für Alteuropäer, Nachfahren der Vinca-Varna-Donaukulturen, der Hunnen oder Bolgaren. Es gibt eine ganze Reihe Theorien die durchaus nationalistisch versuchen, das Slawentum immer früher zu datieren und damit eine Verbindung zwischen Germanen und Slawen zu leugnen oder gar eine germanische Invasion urslawischer Länder zu konstruieren.
Vieles liegt darin begründet einen nationalen Gründungsmythos zu erschaffen um damit die Existenz eines Staates zu begründen. Doch der ist meiner Meinung nach unnötig, denn wenn sich Menschen dazu entschieden haben, einem Staat zu gründen, so ist das ihr gutes Recht. Insofern ist das Existenzrecht slawischer Staaten unstrittig, dazu braucht man nicht die Geschichte umschreiben. Schade ist nur das sie dazu unsere gemeinsame Vergangenheit ausradieren wollen.

Eine frühe germanisch-baltisch-slawische Einheit gilt in nahezu allen Theorien zum Indogermanischem als realistisch, wobei sich Germanisch genau wie Baltisch deutlich vom Slawischem unterscheiden. Wahlweise wird hier das Baltische oder das Ostgermanische (Gotisch) als älteste Aufspaltung gesehen, wobei mangels Sprachzeugnissen der Ostgermanen dies besonders schwierig ist.

Das es slawische Entlehnungen aus der germanischen und deutschen Sprache gibt, ist bei Nachbarn eigentlich normal. Doch besonders die westslawischen Sprachen (Lechische Sprachen) weisen sehr viel mehr als nur die übliche Entlehnung auf. Die Gemeinsamkeiten zwischen Germanen, Slawen und Balten gehen sehr viel weiter.

Gefördert wurde die angeblich junge Geschichte des Germanischem durch Analysen einiger Linguisten die plötzlich in allen germanischen Etymologien eine keltische, römische oder griechische Entlehnung sahen. Dieser Glaube hält sich bis heute hartnäckig und wird auch durch die Wikipedia verbreitet, ob er bereits von zahlreichen Linguisten massiv in Frage gestellt wurde.
Ich bezweifle nicht das Germanische Sprachen grundsätzlich viel entlehnt haben, doch Sprachen entwickeln sich auch mit Hilfe von Entlehnungen die in die Alltagssprache eingehen. Die mehr als 5 Mio Worte die im Deutschen gezählt wurden, sind ja schliesslich nicht alles Neuschöpfungen. Im Gegenteil, je mehr Worte eine Sprache aus unterschiedlichen Quellen entlehnt, desto mehr muss sie erlebt und beeinflusst worden sein. Es deutet also vielmehr ein hohes Alter der Sprache an. Der Unterschied besteht darin, wie viel eine Sprache aus einer Quelle schöpfte. Für Deutsch ist nicht feststellbar, das es bevorzugt Latein aufgenommen hat, ganz im Gegensatz zu Englisch das sehr viel Latein aufnahm oder polnisch das sehr viel Altdeutsches aufnahm. Deutsch verhält sich eher angepasst, je nachdem wer gerade die Weltpolitik bestimmt, momentan ist es englisch, aber es hat auch französisch, spanisch, jüdisch, latein, griechisch, slawisch oder von den Buren, Wikingern, Türken und Italienern übernommen. Es ist mehr ein Fass in der jeder Zuwanderer seinen Teil Worte hinein schüttet. Dann wird tüchtig durchgerührt, bekommen einen deutschen Klang und was man daraus schöpft ist das zeitgemäße „Neudeutsch“.

Nehmen wir nur mal das Wort Computer, das ja zweifellos nicht dem Germanischem entstammt, obwohl ja ein deutsches Wort („Rechner“) vorhanden ist. Der englische Begriff computer, abgeleitet vom lat. Verb (to compute, computare „berechnen“), bezeichnete ursprünglich Menschen, die zumeist langwierige Berechnungen (z.b. Astronomen) vornahmen. Tatsächlich verdrängt aber das entlehnte englische „Computer“ das deutsche „Rechner“ aus dem Alltag.

Ist das nun ein Beweis das Englisch älter als Deutsch ist? Und ist das ein Beweis das Latein älter als Englisch ist? Nein! Es bedeutet nur das Englisch von Latein beeinflusst ist. Tatsächlich enthält Englisch weit mehr lateinische Entlehnungen als die deutsche Sprache, was eindeutig auf die römische Besetzung Englands und die römisch-katholische Kirche zurück geht. Mit anderen Worten die Menge der Entlehnungen beweist erstmal gar nichts sondern man muss es in Beziehung zur Zeit stellen. Wer wanderte ein, wer wanderte aus usw.

Üblicherweise werden im ersten Schritt hauptsächlich Substantive (Bezeichnungen) entlehnt, wie z.B. Computer, erst wenn diese generell etabliert sind, entwickeln sich daraus Verben (Tätigkeiten) und im dritten Schritt Adjektive (Eigenschaften).
Beispiel:
Bezeichnung „Googel“, entlehnter Eigenname  (10100)
Verb „googeln„, eingedeutschte Ableitung
Adjektiv „googelich„, als mögliche Eigenschaft neugieriger Suchmaschinen

Bezeichnung „Furcht“, Substantiv, althochdeutsch for(a)hta (Vorahnung)
Verb „fürchten“, eingedeutschte Ableitung
Adjektiv „fürchterlich“, Eigenschaft für angsteinflößendes Verhalten
Eine Verbindung zum lat. „timor“ ist nicht erkennbar, eher zum griechischen „phóbos“ (z.b. Thanatophobie = Todesangst).

Deutlich hartnäckiger sind
– Präpositionen wie „äußer, hinter, inner, ober, unter, vorder“,
Suffixe (Nachsilben) wie-bar, -haft, -ig, -isch, -lich, -los, -sam, -en, -ern,-ung,-heit“ usw,  z.B. das Wort „geh-en“ wobei „-en“ die Nachsilbe bildet.
– Präfixe (Vorsilben) wie „be-, ge-, un-, bei-, zer-“ z.B. das Wort „Ge-leit“ wobei „Ge-“ die Vorsilbe bildet.
– Interfixe (Zwischensilben) z.b. wie „Frieden-s-taube“,  „hin-zu-setzen“
sowie Zirkumfix das eine Vor- und eine Nachsilbe enthält z.b. „ge-leit-en“, „be-geh-en“, „zer-lauf-en“
– Infixe, die besonders in Indoiranischen Sprachen z.b. bei der Verneinung zum Tragen kommen und eine Beugung der Zwischensilbe darstellt.
Nach der linguistischen Theorie waren diese Vor-, Zwischen- und Nachsilben einst eigenständige Worte die einer agglutinierenden Sprache (agglutinare „ankleben“) entstammen und daher auf die Ursprache zurück gehen.  Und darin liegt auch eine Besonderheit der deutschen Sprache, die auf ausgesprochen kreative Art und Weise immer wieder verschiedene Worte aneinander klebt und so neue Worte erschafft, z.b. „Fahr-stuhl“, „Fahr-stuhl-fahrer“, „Fahr-stuhl-fahr-ordnung“ und „Fahr-stuhl-fahr-ver-ordnung“. Interessanterweise ist man im Ausland ganz begeistert von derartigen deutschen Wortkreationen, da viele andere Sprachen diese Eigenschaft nicht haben. Besonders in diffusen Begriffen greift z.B. die New York Times gern auf deutsche Begriffe zurück, weil es dafür schlicht kein englisches Wort gibt, so z.b. „Weltschmerz“, „Gottesfurcht“ u.ä..

Unzweifelhaft nahmen Menschen beim Wandern ihre Erinnerungen, Mythologie und sogar ihre Ortsnamen mit wie z.b. im Fall von York, New York, bzw. Amsterdam, New Amsterdam. Das ist öfter geschehen als man denkt und so finden wir heute auf dem Amerikanischen Kontinent Dutzende von Städtenamen die als Gründungen von Europäern auch Europäische Namen sind (z.B. Berlin oder Paris in den USA oder Berlin in Russland, aber auch Philadelphia und Boston in Deutschland). Wieso sollte es in der Vergangenheit anders gewesen sein?
So muss man wohl das eine oder andere von Stellers etymologische Forschungen an Dialekten differenzierter betrachten, bevor man es auf den Müll der Geschichte wirft. Dann aber deutlich distanziert von der Nazi-Idiologie. Slawen sind nicht Eindringlinge die uns was weg nahmen, sondern slawisch sprechende Brüder bzw. Nachbarn die Mitteleuropa bereicherten, die wahrscheinlich genauso auch Teil der Wikinger und Waräger waren und denen wir nicht zuletzt auch die reiche sorbische Kultur verdanken.

Bewiesen wird das auch durch die Verbreitung der mtDNA U und H sowie der yDNA R und I die z.T. schon in weiten Teilen der bronzezeitlichen Bevölkerung Europas verbreitet war und heute den Hauptbestandteil der europäischen Genetik darstellt.

Die in Westeuropa fast unbekannte Russische ForschungLeo Klein, Alex Rezepkin

Lev Samuilovich Klejn, ein aus Vitebsk in Weissrussland stammender Archäologe, dessen Vater in der Roten Armee gegen die Nazis kämpften, forschte in den 60igern intensiv an der Linearbandkeramik und Schnurkeramik von Osteuropa und entdeckte 1968 die Donets Katakomben Kultur.
Bald darauf formulierte er eine erste Thesen, das u.a. über die Schnurkeramiker wesentlichen Einflüsse aus Mitteleuropa kamen, genauer gesagt aus der bronzezeitlichen Norddeutschen Tiefebene. Daneben waren die Wikinger in Russland eines seiner großen Themen. Dafür wurde er abgestraft, denn Wikinger die Russland gründeten, waren dort idiologisch nicht akzeptabel. Die SU entzog ihm sogar den wissenschaftlichen Titel und begründete dies fadenscheinig. Mit anderen Worten, sie stellte ihn kalt.

Nach dem Entzug seines Titels forschte Leo Klein (wie man den Namen in Westeuropa kennt) privat trotzdem auf theoretischer Basis weiter und wurde dabei zum Begründer der Theoretischen Archäologie. Nach der Perestroika in der SU wurde er in allen Ehren rehabilitiert und zum Gründer und erstem Direktor der European University in St. Petersburg.

Inzwischen gilt es als erwiesen das Wikinger (hier Waräger genannt), die Kiever Rus gründeten und die alten Sagas nicht der Fantasie der Skandinavier entsprungen sind. Inzwischen gibt es bereits einige Forschungen die sich mit der Generalogie von Rurik dem Gründer Russlands beschäftigen. Womöglich war er mehr Finne. Andere Funde in Novgorod scheinen eher Wikinger aus Niedersachsen gewesen zu sein. Vermutlich sind die Wikinger eher als Phänomen zu betrachten, d.h. es schlossen sich Menschen vielerlei Herkunft den Wikingern an, die als Kolonisatoren der Ostsee in vielen Regionen Handelszentren gründeten, aus denen später Städte wurden.

Bereits 1988 stellte ein weiterer Russe aus Tscheljabinsk namens Alexey Rezepkin (Senior Researcher der Abteilung für Archäologie in Zentralasien und im Kaukasus IHMC und Leiter der Expedition zur Erforschung der Majkop-Kultur) die Theorie auf, das die Trichterbecherkultur wesentlich für die Entwicklung des Indogermanischem sei und formulierte diese Theorie 2013 nochmals als „Northern European Hypothesis“ wobei er u.a. auch Skoglund et al. 2012, also erstmals auch genetische Belege heran zog. Leider publiziert er vorwiegend auf Russisch, was daher kaum im Westen wahrgenommen wird. Als weiterer Verdienst seiner Forschung ist auch der Einfluss des Nahen Osten auf das südliche und nördliche Kaukasusgebiet hervorzugeben.  Link zum Youtube-Video zum Einfluss des Nahen Osten auf die Entwicklung Osteuropas. Auch von Alexaner Kozinetsev wird Rezepkin unterstützt.

Während dessen formulierte Marija Gimbutas, die 1942 aus dem noch nicht von Russen besetzten Litauen floh, 1973 die Kurganthese, die ein Überrennen von Europa durch asiatische Reitervölker postulierte, wobei sie den Blick auch auf die alteuropäischen Menschen lenkte und ihnen eine matriachalische, friedliche, klassenlose Kultur unterstellte. Als Folge ihrer Thesen wurde die indogermanische Urheimat nun in der Ukraine lokalisiert.
Prä-Europäischer Kommunismus in der Steinzeit und bronzezeitliche Ur-Russen die Europa indogermanisierten, das fand selbst unter den Russen großen Anklang. Also gingen nun nicht mehr nur Westeuropa, sondern auch die Russen von dieser Theorie aus.

Zitat Alexaner Kozinetsev: „Pit-Grave groups show no southern affinities; the Pit-Grave series from Ingulets River is especially similar to the Funnel Beaker group from Ostorf, Germany, IV mill. BC. Early Catacomb people from Molochnaya River are also close to Ostorf — and to Kemi-Oba, Crimea, IV-III mill. BC. The pooled Early Catacomb group of Ukraine is closest to Kuro-Araxes people of Armenia, IV-III mill. BC.

Der nächste große Russe der viel zur Erforschung der Wanderungen leistete ist Anatole A. Klyosov, der sich der genetische Erforschung widmete und den Weg der Haplogruppen R1a und R1b erforschte.
Seine Kritik an der Kurganthese liest sich so:

Zitat Klyosov 2013:
Laut der Kurgantheorie sollen in der Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit, während eine Kalt- und Warmphase der Jüngeren Dryas (12.800 – 11.500 YBP), sich Nicht-IE Menschen und PIE Menschen entlang der entlang der Küste des Schwarzen Meeres angesiedelt haben. Nach der Kurgantheorie bildeten sie in diesem Bereich ein Proto- Indogermanisch aus. Als etwa 7600 YBP (Ryan et al., 1998) das Mittelmeer eine Verbindung zum Schwarzen Meer aufbaute, wanderte diese Bevölkerung ab und bildete in der Folge die Vinca- und Linearbandkeramik.
Marija Gimbutas (1991) definierte Alteuropa als eine  Europäische Kultur die sich zwischen dem 9. und 7. Jahrtausend v. Chr. im Bereich des Balkans, Griechenland, der Adria-Region, der Republik Moldau und die Ukraine vor der Ankunft der IE-Sprachler entwickelte.
Die DNA Genealogie zeigt,
1) eine Migration von R1a Völker von Europa in die russischen Tiefebene zwischen 4800 und 4600 YBP (d.h. eine Richtung entgegengesetzt zu der Kurgan-Theorie), und
2) eine Migration von R1b Völker von Asien in die russischen Tiefebene und dann nach Süden zwischen 7000 und 5000 ybp und nach Westen, zwischen 5500 und 4500 YBP.
Mit anderen Worten wurden die Wanderungen der Arbins (R1b) und der Arier (R1a) zeitlich getrennt und ging weitgehend entgegengesetzte Richtungen.
Insgesamt wanderten asiatische Nicht-IE-Sprecher von Osten nach Westen (Europa) und Süden und überquerten den Kaukasus;  IE-Sprecher wanderten dagegen nach Osten also nach Asien. Die Kurgan-Theorie postuliert eine Sprachmigration in entgegengesetzter Richtungen. Mit anderen Worten, das gesamte Muster der Kurgan-Theorie verzerrt das, was in Europa und der Russischen Tiefebene zwischen 5000 und 3000 YBP passierte.
Darüber hinaus, stammt auch die Balkanbevölkerung nicht wie es die Kurgan Theorie vorgeschlagen hat, von der Küste des Schwarzen Meeres wo sie angeblich zwischen 12.800 und 11,500 YBP ein Proto-Indogermanisch gebildet haben soll.“

Und auch das alteuropäische Matriachat einer friedlichen Gesellschaft in Prä-Kommunistischer Eintracht wird inzwischen verworfen, nachdem in zahlreichen Funden auch Konflikte mit Gewalteinwirkung in der alteuropäischen Geschichte belegt ist. Ebenso ist zu bezweifeln das es zwischen 5000 und 4000 schon Reitervölker gab. Sie hatten zwar Pferd und Wagen, aber es gibt kein Beleg das sie diese Pferde auch geritten haben. Belege von Reitern gibt es frühestens erst im 1. Jahrtausend v. Chr. Die gesamte Basis der Kurgantheorie ist also falsch interpretiert worden.

Warum diese Einwanderung von Asien immer noch als Kurgantheorie bezeichnet wird, macht angesichts dessen, was alles widerlegt wurde, macht damit fast schon den Kreationisten Konkurrenz.  Man bessert die Kurgantheorie ständig nach. Das aber will man anderen Theorien nicht zugestehen.

Die einzige Wahrheit an der Kurgantheorie ist, das es Einwanderung aus Asien gab. Dabei ist zu bedenken, das die Europäer seit der Megalithzeit fleissig Grabhügel aller Art bauten und somit eine gewisse Praxis darin hatten. Sie brauchten also gar keine Anleitung zum Bau von Kurganen (in Europa als Tumulus bezeichnet).
Andersrum ist in Asien keine Grabhügeltradition ab 5500 BC bekannt. Selbst mit der höchsten Datierung und allem Wohlwollen sind sie frühestens im 4., aber eher im 3. Jahrtausend BC zu finden. Daneben sind viele Kurgane sehr viel älter datiert worden, als sie tatsächlich sind, was auch für den einen oder anderen Tumulus in Europa galt. Inzwischen geht man hier auf Nummer sicher und nimmt die unsicheren Datierungen heraus oder prüft sie mit modernen Methoden erneut nach.

Nur da bleibt eine Frage: Woher also hatten die späteren Kurganvölker eigentlich dieses Wissen?
Gab es vielleicht schon ein uraltes Wissen das über Eurasien verbreitet war, war es eine europäische Idee oder stammt diese Idee womöglich sogar aus dem nördlichen Afrika? Schliesslich tauchen die ersten und ältesten Grabhügel ausgerechnet auf der iberischen Halbinsel auf!
Nach allem was man inzwischen so weiss, datiert man die Anfänge der Megalithik in Iberien auf das 6. Jahrtausend v. Chr.
Aber wer genau lebte auf der Iberischen Halbinsel vor mehr als 8000 Jahren?

Westeuropäische Forschung

Diesen wissenschaftlichen Konsens der Kurganthese hat die Anatolien-Theorie infrage gestellt. Renfrew wies 1987 darauf hin, daß Wanderungsbewegungen durch Bevölkerungswachstum veranlaßt sind, wozu besonders Fortschritte im Ackerbau beigetragen haben, z.B. jenen im Zweistromland (Mesopotamien). Die ersten Indogermanen könnten sich nordwärts gewandt haben bis an die Hänge des Kaukasus, u.a. ins Gebiet des heutigen Anatolien. Demzufolge wären sie vielleicht 9.000 Jahre alt.

Diese Anatolien-Theorie wurde besonders von Linguisten begeistert aufgenommen und weiter verfeinert. Dummerweise entdeckte man aber in den frühen 90igern, dass die mtDNa eingewanderten Bauern kaum indogermanisch war, also nur einen kleinen Teil der europäischen Genetik sich auf diese Farmer zurückführen ließ. Somit war die Frage wieder offen.

Auf der Grundlage einer vergleichenden Analyse von Blutdaten und genetischen Daten haben Cavalli-Sforza u.a. (1994) vorgeschlagen, die Vorstellungen der Kurgan-Theorie und der Anatolien-Theorie zu vereinigen. Proto-Indo-Europäisch (PIE) kann sich im anatolischen Raum gebildet haben. Davon können sich Hethitisch, Tocharisch, Armenisch und
möglicherweise auch Griechisch und Albanisch sehr früh abgespalten haben, während eine andere Gruppe nach Norden gewandert ist und dort die Kurgan-Kultur entwickelt hat; von dort aus haben sich dann vor 5.500 – 5.000 Jahren die Kelten, Germanen-Italier und Balto-Slaven abgespalten. Die indogermanische Sprache hätte sich demnach vor allen Dingen als Kulturtransfer in Europa verbreitet.

Während dieser Zeit begann sich auch eine neue Forschergeneration in Deutschland zu etablieren die nun systematisch auf der Suche nach einer Antwort ging und dabei angefangen bei Urzeit die Träger verschiedener Kulturen und deren Zusammenspiel zu erkunden. Erstmalig bezog man nun im größerem Stil die Genetik mit ein und etablierte die Paleogenetik als neuen Zweig der Geschichtsforschung.

Einen neuen Impuls gaben Gray und Atkinson von der Universität Auckland (Neuseeland) die im November 2003 einen Artikel in der Zeitschrift Nature veröffentlicht, in dem sie mit Methoden der vergleichenden Linguistik auf Basis von Computerberechnungen von knapp 2.500 Wörtern aller verfügbaren 103 indo-europäischen Sprachen nachgewiesen haben, daß der erste Trennungspunkt (die Abspaltung des Hethitischen) zwischen 7.800 und 9.800 Jahre zurückliegen muß. Dazu benutzten sie die sogenannte Swadesh-Liste, die jeweils nur ein einzigen Begriff für das jeweilige Wort beinhaltet.
Dies bestätigte demnach in zeitlicher Hinsicht die Anatolien-Theorie.
Nach dieser Modellrechung sei das Hethitische 8.700 Jahre alt ist, daß Tocharische 7.900 Jahre alt, das Griechisch-Armenische 7.300 Jahre alt, das Albanisch-Persisch-Indische 6.900 Jahre alt, und allenfalls danach beginnt die Möglichkeit einer eigenständigen Kurgan-Periode, mit einer Abspaltung des Balto-Slavischen vor 6.500 Jahren, des Keltischen vor 6.100 Jahren und schließlich eine Aufspaltung in das Italisch-Germanische vor 5.500 Jahren.

Schon wurde von Linguisten das Ende des Streites nach der indogermanischen Urheimat ausgerufen.

Bernstorf bei Freisingen vor 3400 Jahren

Bernstorf bei Freisingen vor 3400 Jahren (Zeichnung Chr. Haußner)

Auch in Europa werden immer mehr die vielfältigen Kontakte der Menschen des bronzezeitlichen Mitteleuropa belegt.  Funde von baltischen Bernstein die im Jahr 2000 in Bernstorf (Freisingen)  ausgegraben wurden, erwiesen sich als mykenisches Siegel mit mykenischen Linear B Schriftzeichen auf der Siegelseite und ein zweites Siegel eines bärtigen Mannes in Mykenischem Stil mit norddeutschen Symbolen auf der Rückseite  lassen keinen Zweifel daran, die Bernstorfer hatten schon um 1400 Jahren Kontakt zu Mykene. Und auch Tutanchamun hatte einen Bernstein als Skarabäus in seinem Grab. Ein Löwenkopf wurde in der Königsgruft von Qatna entdeckt rund 3400 Jahre alt.
Bernstorf
2 Jahre zuvor fand ein Arzt in Bernstorf bereits ein Gebilde das sich als minoisch-mykenische Krone entpuppte, wie sie wohl zur Zeit Agamemnons üblich waren, eine Wanax-Krone. Die Lesung des Siegelgesichtes wird mit »tin-wa-pa« übersetzt und ein tinwa ist als Name aus dem mykenischem Pylos belegt. Doch inzwischen ist auch das wieder strittig, denn die Wanax-Krone wird aufgrund der Goldreinheit als Fälschung angesehen.
Und gerade in jüngster Zeit hat man einen Tumulus in Pylos ausgegraben der reiche minoische Fundstücke enthielt.

Doch die Menschen von Bernstorf zeigen zu dieser Zeit keinerlei früh-hallstättische oder ur-keltischen Eigenschaften, sondern waren typische mitteleuropäische Bronzezeitler. Also wo lebten die Steinzeit-Kelten von Europa die doch zu gerne überall postuliert werden.

Kam die Ursprache doch aus der russischen Steppe?
Die linguistische Kon­kur­renz favorisiert die fried­liche Gegen­these und ver­ortet die Ur­heimat der indo­europä­ischen Sprachen weiter in Ana­tolien.

Genetiker und Archäologen konnten sich mit Anatolien als Urheimat des Indogermanischem nicht arrangieren, zuviel sprach dagegen.
Zuerst kam auch der Fund der Himmelsscheibe von Nebra, die auf 3700–4100 Jahre datiert wird und die früheste astronomische Darstellung in das rückständige „Barbarenland“ verlegte.
Durch immer neue Funde von Rädern, Radspuren, Abbildungen von Wagen auf Keramikgefäßen usw. wurde auch die Vorstellung gesprengt, das das Rad eine Erfindung der Mesopotamier sei. Zuerst sah man die Kurgankulturen als Urheber an, doch die Datierungen wiesen ausgerechnet nach Mitteleuropa. Und nicht nur das, sie waren alle mehr oder weniger Teil des Handelsnetzwerkes der Trichterbecher-Gruppen bzw. nordalpiner Nachbarn. Was sollte die Bewohner einer Waldlandschaft dazu bewogen haben ein Rad zu erfinden? Das hört sich recht absurd an und passte so gar nicht zu den Vorstellungen einer rückständigen nordeuropäischen Kultur.

2012 besserten Gray und Atkinson von der Universität Auckland (Neuseeland) ihre Theorie nach.
Diesmal ist Kelto-Italisch der jüngste Zweig dem ein Alter von 4000 Jahren, also 2000 v. Chr. bescheinigt wird. Indoiranisch wird ein Alter von 6500 Jahren bescheinigt. Insgesamt hat sich aber nur wenig geändert. Gotisch ist das älteste Germanisch und noch ein wenig älter ist Altpreussisch (also die Sprache der Prussen).

Per Pressemeldung der Pro­motion­abteilung von Science stellt man den Medien un­ent­gelt­lich Para­phrasier­vor­lagen zur Verfügung und jeder schrieb in etwa:
„Ein kriegerisches Nomadenvolk der Kurgan-Kultur habe demnach die proto-indoeuropäische Sprache auf dem Pferderücken verbreitet, im Gepäck zwei wichtige Erfindungen: das Rad und die Zähmung des Pferdes.
Die Verortungsexperten der Presse in: Zeit Online, am 24.08.2012, ähnliches publizierte u.a. Spiegel und Tagesspiegel sowie eine weitere weiterer Käse- Presseblätter.

Wenig beachtet wurde dagegen die Abhandlung von Fournet & Bomhard über indogermanische Elemente in der Hurritischen Sprache. Sie bringen erhebliche Beweise dafür vor, dass Hurritisch und Proto-Indogermanisch eine starke Affinität zueinander haben, sowohl in den Wurzeln von Verben als auch den Formen der Grammatik.
Dies ist mehr als es durch Zufall entstanden sein kann; so stark, dass kein Philologe sie untersuchen kann ohne zu glauben, dass sie einer gemeinsamen Quelle entsprungen sein müssen….“
„Wir schlagen vor, dass beide von einem gemeinsamen Vorfahren, den man „Proto-Asianic“ nennen könnte, abstammen, dies belebt die uralte Theorie eines „Vannic“ (abgeleitet von Van-See) erneut.“

Fournet & Bomhard beziehen sich dabei insbesondere auf Maitani-Reich von 1350 v. Chr., doch insgesamt ging ihre Theorie nach einer kurzen Euphorie „indogermanischer Mitanni“ bald wieder unter. Mittlerweile bürgerte sich die Ansicht ein, das die Maitani ein Hurritisch mit indogermanischem Substrat sprachen. Worauf sich diese Behauptung stützt ist nicht ganz klar. Es ist wohl mehr Glaube als ein Beweis.

Meiner Meinung nach erklärt die These jedoch eine ganze Menge bezüglich der Entstehung des Armenischem. Dabei muss man bedenken, das Armenisch massiv mit dem Königreich der Rusa-Dynastie um 750 v. Chr. am Vansee verbunden ist, das in einer vorwiegend semitisch sprechenden Welt entstand und zugleich von Kimmerern und Skythen tangiert wurde, die um 750 v. Chr. ebenfalls über den Kaukasus nach Anatolien eindrangen.

So steht also die grundsätzliche Neubewertung einer jahrtausendelangen Geschichte Europas im Mittelpunkt, wie es Alexander Kozinetsev (European Homeland and Migrations The Evidence of Craniology and Genetics 2014, Autor: Alexander Kozintsev, Russian academy of sciences, Peter the Great Museum of Antropology and Ethnography, Anthropology) formuliert.

Es gibt ganz klar erhebliche Mängel an der derzeitigen Darstellung, was sowohl die Gewichtung als auch den Einfluss verschiedener Völker an der Sprachausbildung und ihrer europäischen Präsenz betrifft.
Vieles was man als alt an sah, stellte sich als wesendlich jünger dar und was man für jung hielt war viel älter.

Dabei darf man Volk nicht als starre ethnische Einheit, sondern als Gefolge sehen, dessen Genpool und Kultur durch verschiedenste Ereignisse verändert wird. Die DNA Haplogruppen stellen dabei nur die Mehrheit im Genpool eines Volkes (=Kultur) dar, nicht dessen „Reinheit“ oder „Wert“.
Letztendlich beruht der Erfolg eines „Volkes“ d.h. seine Stärke und Ausbreitung meiner Meinung nach auf die Fähigkeit, sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Das können natürlich Umweltbedingungen sein (z.b. Klimaereignisse) aber auch Anpassung an Zuwanderung und Innovationen.

Besonders heftig schwelt dabei der Streit um die Slawische Urheimat, denn Slawen wollen auf keinem Fall Ostgermanischer Herkunft sein, also suchen sie nach anderen Erklärungsmodellen.

EastEurope ca 750BC

Osteuropa, Lage der Chernoles-, Milograd- und Lausitzer Kultur um 750 v. Chr.

 

  • Trzciniec Kultur-Hypothese: Nach dieser Theorie des polnische Historiker Gerard Labuda ist die Ethnogenese der Balto-Slawen in der Trzciniec Kultur (ca. 1700-1200 v. Chr.) zu sehen, die die Kulturgruppen von Trzciniec, Sosnica, Komarov zusammen fasst. Hierbei handelt es sich um Schnurkeramiker die sich unter Einfluss der Aunjetitzer Kultur zur Trzciniec Kultur weiter entwickelten.
  • Milograd-Kultur-Hypothese: Nach dieser Theorie sind die Träger der Milograd-Kultur (7. Jhd. v.Chr. – 1. Jhd. n. Chr.) im Norden der Ukraine und südlichen Belarus die sehnsüchtig gesuchten Pre-Proto-Slawen (oder wahlweise auch Balto-Slawen), wobei man hier postuliert das die Anten und Sclaveni die gesuchten Proto-Slawen seinen die von den bösen Goten geschlagen wurden. Diese Kultur hat sich wahrscheinlich aus der Kujawischen Gruppe der Lausitzer Kultur gebildet, wobei sie vermutlich auf finno-ugrische Stämme stieß.
  • Chernoles Kultur Hypothese: In dieser Theorie favorisiert man die Pre-Proto-Slawen als Träger der Chernoles Kultur (750-200 BC) in der nördlichen Ukraine. Später setzt die späte Sarubinzy-Kultur (3. Jhd. v. Chr. – 1. Jhd. v. Chr.) dies fort. Und natürlich wurden auch diese angeblichen Sclaveni von den bösen Goten geschlagen.
  • Donaubecken Hypothese: Diese Theorie verfasste Oleg Trubachyov und wurde durch Florin Curta ergänzt, der frühe mittelalterlichen Quelle wie die Nestor-Chronik zum Beweis heran zieht.
    Die Sporoi (griechisch: Σπόροι, sinngemäß „Samen“) waren nach dem römischen Gelehrten Prokop (500-560) der alte Name der Antes und Sclaveni. Prokop erklärt dabei, dass die Sclaveni und Antes die gleiche Sprache hatten, aber er führt ihren Ursprung nicht auf die Venethi zurück. Den Begriff „Sporoi“ leitete er dabei aus dem der Griechischen (σπείρω „verstreute Körner“ wörtlich übersetzt „Spreu“) ab, weil sie das Land besiedelten in weit verstreuten Siedlungen bewohnten. Florian Curta assoziiert diese nun mit den Venethi des Tacitus und des Jordanes. Tatsächlich ist die genaue Übersetzung des griechischen „Sporoi“ der lat. Begriff „Semnones“. Also ein Stamm mit dem die in Ostdeutschland lebenden Sueben bezeichnet wurden.
  • Lausitzer Kultur Hypothese: Die Pre-Proto-Slawen sollen demnach im Nordosten von Mitteleuropa seit dem Ende des 2. Jahrtausends gelebt haben und waren die Träger der Lausitzer Kultur (1300-500 BC) und später auch der Przeworsk-Kultur (2.-4. Jhd. n. Chr). Da die Lausitzer Kultur mit Vandalen assoziiert ist, betrachtet man die Vandalen nicht als Ostgermanisch, sondern definiert sie als Venethi zu Proto-Slawen um, die von den bösen Goten als Sclaveni geschlagen wurden.

Natürlich kann man die „verstreuten Körner“ (Sporoi) als angebliche Proto-Slawen hinstellen, was die slawische Geschichte mal eben um tausend Jahre verlängert. Andersrum lassen sich die Sporoi auch prima mit Sarmaten in Einklang bringen. Vielleicht sogar mit Sabiren, deren Verschleppung zeitgleich zum jüdischen Exil durch die Babylonier erfolgte und die nördlich in den Kaukasus flüchteten. Später machen sie Sakel im Nordkaukasus zu ihrer Hauptstadt und werden hier erst wieder von den Hunnen, Bolgaren und Chasaren unterworfen.
Tatsächlich lassen sich die Sporoi aber am besten mit den Lausitzer Sueben in Einklang bringen, die in der Geschichtsschreibung nach Tacitus praktisch nicht mehr vorkommen. Andersrum sind die Stämme der Sueben nach Tacitus allerdings so zahlreich, das er die Ostsee als „Mare Suebicum“ bezeichnet. Wenn Jordanes ein lateinisches Werk vorlag, das sich aus griechischen Quellen nährte, so wurde hier möglicherweise ein Stammesname übersetzt.

Schon sehr früh wurden die Sporoi von ukrainischen Wissenschaftlern mit Ptolemäus’s Serboi verknüpft, wovon dieser sagt: „diese Serboi lebten weit im Osten, in der Wolga-Region“. Von dort zu den Serben war es natürlich nur ein kleiner Sprung. Andererseits wird von Römern erwähnt, das die Gepiden nachdem sie geschlagen waren in die Gegend von Belgrad, Serbien zogen.

Der tschechische Historiker Francis Dvornik brachte die Sporoi dagegen mit von erwähnten Jordanes (fl. 551) „Spali“ und den von Plinius der Ältere (fl. 77 bis 79) erwähnten „Spalei“ in Zusammenhang. Tatsächlich sind die Serben in Byzanz als „Sorpoi“ oder „Sorboi“ bezeichnet worden, während die Sorben als „Surbi“ oder „Surboi“ dokumentiert sind.
Der zuständige oströmische „Magister militum per Thracias“ verfügte damals über keine schlagkräftigen Truppen und seit 615 fielen wiederholt Avaren in Oströmisches Gebiet ein. Daher gestattete der Oströmische Kaiser Herakleios (610-642) den Weißen Serben eine Ansiedlung im heutigem Serbien unter der Vorraussetzung das sie als Auxiliartruppen seinen Heerführer (magister militum per Thracias) verstärkten. Später seien zu den Weißen Serben noch andere Slawen aus Osten (wohl die 567 heimatlos gewordenen Gepiden in den Karpaten) hinzugekommen.

Es ist wohl ein Treppenwitz das die Avaren nur 100 Jahre später das selbe Schicksal ereilte, das sie den Gepiden bereiteten. Die Bulgaren schlugen die Avaren und sie flüchteten in Richtung Nordgriechenland. Römer vermerken zu dieser Zeit das „Avaniten“ aus „Arvanon“ kommend jenes Land besetzten, was sich heute Albanien nennt, wobei ein Teil jener „Avaniten“ noch immer in Nordgriechenland lebt, während es große Probleme gibt die Sprache der Albaner innerhalb des Indogermanischen einzuordnen, da sie so ganz anders ist. Wenn also die Albaner sprachlich Awarische Wurzeln hätten, wäre dies gut erklärbar.
Andersrum werden auch Sorben gemeinsam mit Boier, Mährer und Serben gemeinsame slawische Wurzeln bescheinigt, wobei Boier neben Böhmen (Bohemia) auch Teile des heutigen Bayern besiedelten, während Serben und Sorben ihrerseits Kulturräume in Deutschland und Serbien besiedelten.
Zu dieser Zeit eroberten die Westgoten bis 625 ganz Spanien, während von Osten her die Araber Judäa und Ägypten übernahmen und so die Islamisierung des Orients voran trieben.

Šafařík klassifiziert die Weißen Serben (griechisch Boiki) als Polabischen Stamm, dem Francis Dvornik eine Verwandtschaft und eine Herkunft mit den Sorben unterstellt und die er um 560 als südöstliche Wanderung von der Lausitz nach Böhmen bzw. Schlesien attestiert, bevor sie um 620 durch Kaiser Herakleios die Ansiedlung in Serbien gestattet wurde. Gleichzeitig vollzieht sich in Bayern und Franken die Ethogenese der Bajuwaren, wobei die im 5. Jhd. im Raum Bayern-Böhmen gefundene Friedenhain-Přešťovice Keramik offenbar mit der elbgermanische Thüringern und Boiern harmoniert, was sich auch im Namen Bajuwaren nieder schlägt, während kurz darauf auch Slawen in bayrischen Gräbern auftauchen. Die Boier sind also um 560 direkte Nachbarn der griechischen Boiki. Na wenn das mal kein Zufall ist. Und die in Schlesien lebenden Boiki werden zu Sorben auf dem Gebiet der Sueben (Semnonen und Hellever) deren Bevölkerung im Laufe der Zeit sicherlich auch zugenommen haben muss und vermutlich längst die Gebiete der im 3. Jhd. abgezogenen Silinger in Schlesien beanspruchte.

Das die Bastarnen von slawischen Wissenschaftlern mit den Buschanen gleichgesetzt werden, sei auch noch erwähnt.
Diese hätten sich in zwei Stämme aufgespalten, die Luchanen in Moldavien und die Duleben nördlich in Wolhynien, wo sie nun als Wolhynier bezeichnet werden.

Prokopios von Caesarea, bezeichnet um 550 (neben den Awaren) auch die Σκλαβηνοί (Sclavenoi) als plündernde Angreifer an der Donaugrenze (z. B. Prok. Hist. 7,14,2) und gibt an, sie würden nördlich der Donau siedeln. Da die Gepiden erst 567 von den Avaren geschlagen wurden, war nördlich der Donau, also im Gebiet östlich von Sirmium an der Save bis ins Karpatenbecken noch das Gepidenreich, während nordwestlich der Gepiden (also in Österreich) die Langobarden die Gepiden attackierten.
Ein Radogost alias Ardagast (584-597) im Gebiet der Terwinger soll (unter dem Antenkönig Musokios) um 577 (wahrscheinlich) bzw. 584 bis 597 südliche Slawen angeführt haben, die mit den Anten in Griechenland plünderten. Offenbar sind da Terwinger zu Terwitzen geworden. In diesem Zusammenhang wird um 592 wird der letzte Gepide namens Christan genannt.

Erst kürzlich erschien bei Stratum plus ein Sonderdruck unter dem Titel „The Slavs on the Danube. Homeland Found“ in dem Roman A. Rabinovich und Igor O. Gavritukhin ebenfalls behaupten, die Slawische Urheimat endlich gefunden zu haben. Na man darf gespannt sein.

Chernigov culture

Chernigov culture

Archäologisch ist der wahrscheinlichste Ort einer slawischen Urheimat um Kiew, also dem sogenannten Dnieper-Knie herum und die Westukraine auszumachen. Auch die starke Besiedlung Moldaviens fällt archäologisch ins Gewicht.
Dementsprechend sehen die meisten Forscher die Ostgermanen entweder von vornherein als Proto-Slawisch an oder Slawisch entstand als Ethogenese unter Einfluss der Magyaren und Bolgaren (also den späteren Bulgaren und Ungarn) die im 6. Jhd. erhebliche Gebiete kontrollierten.

Auch ich denke das sich die slawische Sprachfamilie aus dem Ostgermanischen entwickelte, natürlich unter Einfluss und Assimilation verschiedener Zuwanderer (Hunnen, Alanen, Awaren, Bolgaren, Tartaren aber auch finnisch-ugrischen Völkern usw.), wobei besonders die drei-Völker-Konförderation zwischen Hunnen, Alanen und Germanen ab 375 in der Chernigov-Kultur (und deren Fortsetzung der Kiever Kultur) eine bedeutende Rolle spielte und Slawisch gewissermaßen als Kreolsprache zwischen diesen entstand.

Lalia und die Pest

Wesentlich für die Verwandlung Euroas war die Pest die ab 542 bis etwa 600 stark, danach immer mal wiederkehrend in Europa wütete. Wissenschaftler rechnen dabei mit 25% Verluste der Europäischen Bevölkerung, was für die Überlebenden einen sozialen Aufstieg bedeutet, da die alten Strukturen zusammen brechen. Tatsächlich zeigen Friedhöfe vor und nach der Pest das die Lebenserwartung stieg, was sicherlich auch damit zusammen hängt das die Basis für Wohlstand, also Lohneinkommen und Land leicher erhältlich war weil der Konkurrenzdruck fiel. Dementsprechend wurden wohl auch Waren abgesetzt die schlechtere Qualität hatten, weil es schlichtweg Versorgungsprobleme gab. So ist auch die frühslawische Keramik leicht zu erklären die eher qualitativ an Lehrlinge erinnert als an Meister, während  Germanen sich offenbar eher an römischen Waren bedienten, deren Gebrauchszeit deutlich länger war, als es zuvor üblich war. Die Trennung zwischen Slawen und Germanen ist also eher eine Status-Grenze, wobei sehr wohl auch slawische Keramik in z.B. langobardischen Siedlungen gefunden wurde.

Dafür verantwortlich sollen drei Vulkanausbrüche sein, die die Antike aufmischten. Diese Zeit wird als „Lalia“ bezeichnet. Der Name ist eine Abkürzung für „Late Antique Little Ice Age“, also die kleine Eiszeit der Spätantike. Der Klimaforscher Ulf Büntgen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und seine Koautoren haben dieser Periode im 6. und 7. Jahrhundert ihren Namen gegeben.
Vom Jahr 536 bis ungefähr 700 standen die Länder rund um die Alpen und das Altai-Gebirge unter dem Einfluss Lalias. In diese Zeit fallen neun der zehn kältesten Dekaden Asiens und fünf der kältesten zwanzig Dekaden in Europa, jeweils im Vergleich über die vergangenen 1800 Jahre. Dabei werteten sie Proben von Baumringe von 359 v. Chr. bis 2011 aus, wobei jedes Jahr mit 10 Proben vertreten war.
Aus dem Jahr 536 berichtet z.B. der byzantinische Historiker Prokop von Cäsarea: „Die Sonne warf das ganze Jahr ihre Helligkeit ohne Strahlen aus, wie der Mond, und hatte die ganze Zeit das Ansehen einer Verfinsterung … Seitdem sich dies ereignete, hörten weder Krieg noch Hungersnot, noch andere Plagen für die Menschheit auf.“ Auch  Michael der Syrer oder Flavius Cassiodorus berichten von Schnee im Sommer.

Diese Kaltzeit „Lalia“ soll nach Ansicht der Klimaforscher dafür verantwortlich sein, dass rund um das Mittelmeer die letzten Reste antiker Ordnung verschwanden und damit das dunkle Mittelalter begann.

Irgendwo auf der nördlichen Halbkugel, vermutlich im hohen Norden Islands oder Grönlands war im März 536 ein Vulkan ausgebrochen und ließ im August 536 in China Schnee fallen, was zum Fall der nördlichen Wei-Dynastie führte. Zeitgleich begannen in Italien die Gotenkriege (535–552/562) und die Langobarden paktierten mit den Awaren und erledigten die Gepiden die daraufhin als Flüchtlinge ein neues Zuhause suchten. Belegt wird es durch ein Sulfat-Maxima in Grönland.

Im Jahr 540 explodierte wieder ein Feuerberg, diesmal in der Nähe des Äquators, belegt auch durch ein Sulfat-Maxima bei etwa 542 in der Antarktis. Das war sogar die drittstärkste Eruption der gesamten Epoche. Der Ausbruch könnte sich am Rabaul (eigentlich Tavurvur bei Rabaul) auf dem Bismarck-Archipel von Papua-Neuguinea, dem Krakatau in Indonesien oder dem Ilopango in El Salvador (bisher auf 429 n. Chr. datiert) ereignet haben.

Um 541 ist der Ausbruch der Pest in Ägypten und kurz darauf in Byzanz dokumentiert und verbreitet sich als Justinianischen Pest über Europa.

547 gab es einen dritten Ausbruch, über den wenig bekannt ist.

Diese Kette von Eruptionen bildet den Anfang einer Kälteperiode die mit massiven Umwälzungen in Asien (Fall der Rouran-Dynastie, Rebellion der Kök-Türken unter Bumın Kagan 552  und Untergang der Hephthaliten um 560, Fall der nördl. Wei-Dynastie 535, der westlichen Wei bis 556, der nördlichen Qi bis 581 und Aufstieg der Sui-Dynastie 581), Europa (Goten, Langobarden, Awaren, Slawen), Arabien (Aufstieg des Islam) und Amerika (Teotihuacán, Ende der frühen klassischen Periode der Maya 300 v. Chr-600 n.Chr.) einher ging. In Mittelamerika endete damit die Zeit der großen Pyramiden und Teotihuacán wurde aufgegeben. Im Jahr 562 kommt es zu einem großen Krieg zwischen Calakmul und Tikal.  Zusammen mit El Mirador und Tikal ist Calakmul (historischer Name „Chan“, Schlange) eine der größten jemals entdeckten Maya-Städte. Interessanterweise erinnert der Name an die Chen-Dynastie die von 557 – 589 den Süden Chinas regierte und durch die Siu vertrieben wurden.

Mit anderen Worten, sowohl das Chinesische Reich als auch das Römische Reich spalteten sich im 4. Jhd. und erlebte eine Epoche der Umstürze die in China um 304 mit den 16 Reichen anfing und ab 420 zu einer Spaltung Chinas in Südlichen und Nördlichen Dynastien führte die bis 581 anhielt. Zwischen 907–960 erlebte China eine zweite Epoche der Spaltung in 5 Dynastien.

Vergleichbar geschah in Rom wo es mit dem Ende der Severer 259/60 zur Reichskrise kam, 395 folgte die Reichsteilung in Ost- und Weströmisches Reich. Mit der Absetzung des Weströmischen Kaisers 476 fiel das Weströmische Reich endgültig in die Hände verschiedener Dynastien der Germanen, bis die Franken einen Stamm nach den anderen unterwarfen. Mit dem Tod des Chlodwig um 511 erschütterten fränkische Bruderkriege der Merowingern das Land bis es schliesslich durch die Dynastie der Karolinger wieder geeint wurde. Um 814 erreichte es unter Karl dem Großen seine größte Ausdehnung und wurde dann 843 erneut unter den Söhnen Lothar, Ludwig und Karl aufgeteilt. Der letzte Karolinger starb in Frankreich um 987. Damit endete das Frankenreich.
Das oströmische Reich von Byzanz erlebte um 1071 seine größte Reichskrise als Seldschuken im Osten Anatolien einnahmen und dort die byzantinische Herrschaft beendeten. Den Rest des Reiches schlucken die Osmanen mit der Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453.

Die Eruptionen zwischen 536 und 547 trugen genügend Schwefel in die Stratosphäre ein, das es zur Abschwächung des Sonnenlichtes kam. Hinzu kam ein zufällig gleichzeitig eintretender Rückgang der Sonneneinstrahlung um ein Promille zwischen 540 und 680.
„Die Abkühlung hätte aber vermutlich nicht so lange angehalten, wenn sich in der Folge nicht auch Meeresströmungen und die Meereisbedeckung in der Arktis verändert hätten“, vermutet Johann Jungclaus vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg.
(Drei Vulkane beendeten die Antike)

Tatsächlich spielte sich ein ähnliches Szenario im 14. Jhd. ab, als Klimaschwankungen auch hier eine verheerende Pestepidemie in Europa auslöste. (Lösten Klimaschwankungen die Pest aus?)

Bezeichnend ist hier auch der phönizisch-syrische „Seuchengott“ Reschef (akkadisch Rešef, in Ebla Ra-sa-ap) der in Ugarit den Beinamen „Pförtner der Sonne“ trug und offenbar auf die 5. Dynastie des Snorfu von Ägypten zurück geht.

Zur Auswahl stehen die Pharaonen Ra-cha-ef (bekannt als Chepren), dessen Bruder Ra-djed-ef (Radjef) oder Cheops (Chufu oder Chufu-cha-ef) die allesamt ins 3. Jahrtausend v. Chr. datiert sind und damit zeitgleich zum ersten Auftreten des Rasap in Ebla lebten. Auch im Hurritischem ist es als Name Rašap belegt.
Das Problem ist hierbei die ägyptische Schreibweise die sich nicht problemlos in die Keilschrift übersetzen ließ. Offenbar wurde Ägypten zur Zeit der Phönizier mit Seuchen assoziiert, wobei den Hafenstädten wie Ugarit durch den Handel besondere Bedeutung zukommt. Seuchen verbreiten sich über Handelsrouten.
Interessant ist hier die luwische Übersetzung (belegt in der luwisch-phönizischen Bilingue von Karatepe, 7. Jhd. v. Chr.) als „Runzas“ (oder Runtia, im Hieroglyphenluwisch der Eisenzeit Run-tiya z.b. in Arslantepe des 11./10 Jhd.v.Chr.), wobei Tiya sicher mit Tius=Gott zu übersetzen ist. Er war der Schutzgott von Tauriša, einer heiligen Stadt im Kernland der Hethiter und galt als Sohn des Tiwaz und der heilenden Göttin Kamrušepa. Dort hatte er ein Hauptheiligtum namens „Tauriššizzaš wašḫaz Runtiyaš“ (taurišäischer geheiligter Runtiya). Weitere Heiligtümer waren der mysteriöse „Garten der Geheimnisse“ ḫarwašiyaš. Ihm wurde im Frühling zum AN.TAḪ.ŠUM-Fest Opfer dargebracht. Das 40 Tage dauernde AN.TAḪ.ŠUM-Fest wird mit dem Blühen einer Krokuspflanze (dem Safran-Krokus) in Verbindung gebracht. Am 32. Tag opferte das Königspaar dem Runtiya, pilgerte zum Berg Piškurunuwa und besuchte das Gehege des heiligen Hirsches der Sonnengöttin von Arinna.

Im 18. Jhd. v. Chr. ist Runtia bereits in Kanesh, also der von frühhetitischem Herrscher Anitta um 1730 v. Chr.  beherrschten Stadt Nesha (Neša) belegt. Nicht umsonst nannten Hethiter ihre Sprache „nešili“ abgeleitet von ihrem Herkunftsgebiet Nesha. Merkwürdig ist hierbei nur, das Anittas Vater Pitḫana das dem hethitischem Fremde „tḫ“ enthält. Dafür passt es hervorragend in den altassyrisch Wortschatz, der sich aus dem Akkadischem entwickelte.
In Syrien wurde Rasap in Gärten Opfer gebracht u.a. Böcke, während die Luwier Runtiya auf einem Hirsch stehend (wahlweise auch mit Geweih) mit Bogen in der Rechten und Adler sowie einem Hasen in der Linken darstellten. Bei Karasu wird er im Ägyptischem Seitenprofil mit einer Spitzmütze und Bogen auf einem Hirsch stehend dargestellt.

Westgermanische Geschichte

Im Gegensatz zur Ostgermanischen Geschichte steht die Westgermanische Geschichte, die wohl enger an punische und griechische Einflüsse und der römischen Machtverschiebung im gallischem Krieg geknüpft sind und deren germanische Belger-Stämme (u.a. Atrebaten, Nemeter) wesentlich an der Bildung der Herausbildung des Inselkeltischen beteiligt war, was die keltische Sprachfamilie erheblich mit prägte.
Die sprachliche Verwandtschaft von angeblichen keltischen Inschriften  (direkt neben Griechischen/Phönizischen/Punischen Kolonien) sind sicher auch an die Seevölker und nicht zuletzt auch an Hannibals mehr als 26.000 iberische und punische Krieger im Alpenfeldzug 219 v. Chr. geknüpft.
Selbst eine aus dem suebischen Galizien bereits unter Rechiar belegte Kooperation und einer Auswanderung um 450 n.Chr. hatte Anteil an der Inselkeltischen Sprache. Sie führte wohl zu dem berühmten p-Zweig des Inselkeltischen.
Westgermanen sind also eher mit Westeuropa verknüpft, während Ostgermanen eher mit Osteuropa verknüpft sind.
Die Schwierigkeit ist, diesen fundamentalen Unterschied deutlich zu machen.

Vernetzung Nordeuropa 2000 BCWesentlicher Beweis dieser Theorie ist die genetische Nähe der als Ostgermanen bezeichneten Stämme, mit denen der slawischen oder baltischen Region, die gemeinsame Urahnen voraussetzen. Eine unabhängige Entwicklung ist angesichts der Vernetzung innerhalb der Nordeuropäischen Tiefebene inkl. der westslawischen Siedlungsgebieten und dem Baltikum völlig absurd.

Gleiches gilt für die genetische Nähe der Iberer zu Irland und die genetische Nähe der Belger zu dem q-keltischen Siedlungsgebieten in England.
Völkernamen die man auf Karten drauf pappt, sind nun mal kein Beweis.

Zudem haben Griechen und Römer den ihnen unbekannten Stämmen teilweise recht absurde Namen verpasst, oder diese zu Formen umgewandelt, die einer Neuerfindung gleich kommen. Deren slawische oder keltische Entlehnungsform wird dann auch noch eine indogermanische Etymologie zur Seite gestellt die jeder Beschreibung spottet. Der poetische Bezeichnung als Spreu liegt die Vorstellung eines Bauern zugrunde der die Saat auf dem Feld ausstreut. Das dies kein Name ist dem sich die Stämme gaben dürfte eigentlich klar sein. Er ist also genauso eine Umschreibung wie die „Hippomolgen“ (Stutenmelker) und deutet vielmehr an, das die antiken Chronisten notdürftig umschreibende Namen verwendeten um Völker zu definieren, deren Namen sie nicht kannten.

Man muss also um die Ecke denken um das Durcheinander der Geschichte zu enträtseln.
Slawische Etymologie kann nicht vor Slawen entstehen und die Ostgermanen überspringen, wenn sie erst um ca. 600 überhaupt fassbar werden was ziemlich genau mit dem Auftreten der Pest überein stimmt .
Und keltische Etymologie kann auch nicht vor den Kelten entstehen, die frühestens in der LaTene-Zeit greifbar werden und in England frühestens erst im 2. Jhd. BC fassbar sind. Es gibt keinerlei Hinweis, das es dort schon eine frühere keltische Population gab, zumindestens nach derzeitigem Stand der Forschung.
Es ist durchaus legitim die Kelten mit der Hallstattzeit zu verbinden, da sich hier neue Eisenvölker in Europa ausbreiten, aber davor ist weder eine proto-keltische Kultur noch Siedlungsgebiet dieser Proto-Kelten auszumachen.

Ich hab versucht ein paar neue Antworten zu finden. Ob sie richtig sind ist, wird die Zeit zeigen, zumal sie ja nur den gegenwärtigen Zustand der Unwissenheit darstellen.

Ein besonders krasses Beispiel was alles so kursiert ist das hier:

Slawen der Steinzeit
Etwa 20.000 Jahre v. u. Z. waren die letzten ↑Eisgletscher der Weichseleiszeit bis weit in das heutige Mecklenburg-Vorpommern vorgedrungen und zum Stillstand gekommen, was auch erklärt warum in der ↑Jungsteinzeit (4200 und 4000 v. Chr.) eine Besiedlung der Norddeutschen Tiefebene nicht nachgewiesen konnte.
Nach der ↑Jungsteinzeit, dem späten ↑Neolithikum (ca. 5500 bis 4500 v. u. Z.) besiedelten die Slawen den Balkan und das westlich gelegenen heutige Russland, von Süden ausgehend, bis an die Grenzen des heutigen Finnland.  Die slawischen Völker waren Spezialisten im Überlebenskampf unter (nach)- eiszeitlichen Kaltzeit-Bedingungen, was zur Folge hatte, dass die slawischen Stämme über die ↑Eisenzeit (↑Hallstattzeit) hinaus eine steinzeitliche Jäger- und Sammler- und Fischerkultur hatten. Wissenschaftlich belegt ist, dass die slawische Kultur ihren gesellschaftlichen Ursprung im mediterranen Südosten von Europa, zwischen dem Balkan und den Alpen, während der Hallstattkultur  ca. 1000 v. u. Zeitrechnung hatte. Steinzeitliche Hügel- und Großsteingräber der germanischen in Horden lebenden Stämme sind ab etwa 2.500 v.u.Z. in Norddeutschland zu finden.

Tja, das wurde vor 2 Jahren mit Daten aus der Wikipedia formuliert (die auch wie wild verlinkt wurde).


Das theoretische Vanaland

Etymologisch kann man dieses rein theoretische Vanaland (also Land der Vanen) an lokalen Bezeichnungen wie Vana, Väner, Venia, Venha, Wanna fest machen, das zum damaligem Zeitpunkt neben Südskandinavien und eine Ecke Westfinnland, insbesondere die norddeutschen Tiefebene von Niederlande bis Polen, samt das östlich der Weichsel gelegene Westbaltikum (Ostpreussen) sowie das westslawische Sprachgebiet (Böhmen, Mähren, Schlesien) umfasste.

Es gibt ungefähr 200 Orte die mehr oder weniger von dem Urbegriff Vana abgeleitet werden können.
Wannsee ist z.b. auch davon abgeleitet genau wie der Vaener See in  Schweden oder der Vansee im Orient der wohl für die frühe indoarische Kultur ein wichtiger Bezugspunkt war.  Auch Kvener als Wikingerbezeichnung für die Lappen, der Begriff  Sloveni, Slowiener (Sloviene, Slovieni, worauf möglicherweise der Name Wien zurück zu führen ist), Sprewanen, Drewaner (Drevani abgeleitet von got. *tiur=Baum, engl. tree  und dem polabischen drevdrevo „Baum“, polnisch drzewo) für Slawen gehen ebenfalls darauf zurück. (Netterweise macht sie die Wikipedia zu Drewljanen, um jede Nähe zu Ostgermanen zu verschleiern).
Wahrscheinlich stammt die Bezeichnung jedoch sowieso von den Sachsen, die zu dieser Zeit Nachbarn der Drewanen waren. Frühslawische Gräber in Bayern und Franken zeigen deutlich das Slawen sich problemlos bei Allemannen und Sachsen integrierten. Ob Polabische Sprachen sich überhaupt jemals vollständig auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands durchsetzte, ist auch nicht so sicher wie gedacht, denn ob Deutschland nach dem Abzug der Germanen je entsiedelt war, ist auch nicht klar.
Die Semnonen und Hellever tauchen in den Wanderungen der Germanen gar nicht auf. Womöglich blieben sie einfach da wo sie schon immer waren, an der Elbe. Dort behielten sie einfach ihr urtümliches altgermanisch bei, was sicherlich auch für Skandinavier galt.  Während die Skandinavier aber in der Vendelzeit und später als Wikinger mit dem Seehandel beginnen und dadurch neue Einflüsse aufnahmen die ihre Sprache veränderte, wanderten Slawen bei den Semnonen und Hellevern ein und slawisierten jene die man nun als Po-Laba (entlang der Elbe) oder Welataben (Wilzen) bezeichneten, bis sie sich selbst als Polaben oder Welataben und damit als Slawen betrachteten. Schon Einhard behauptet in seiner Vita Caroli Magni, daß die Wilzen sich selbst als „Welataben“ bezeichneten.

Diese Region bezeichneten sie den alten Sagas nach als Vanaland, weshalb die Theorie von mir auch Vanaland-Theorie heisst. Vanlandi soll ein mythischer Vorfahre der mythischen Könige Skandinaviens und Sohn von Vidar (nordisch Víðarr), Sohn des Odin und der Jotin Grid (jötunn Gríðr) gewesen sein.  Nun ja ein Mythos, kaum zu beweisen. Poetisch gesehen eine nette Legende.
Mein Vanaland ist jedoch kein Reich sondern nur das Siedlungsgebiet von Menschen die einst eine gemeinsame Nordeuropäische Sprache verband aus der sich über die Zeit hinweg die Germanische, Keltische, Baltische und Slawische Sprachfamilie entwickelte.

Selbst im Urkeltischstem Gebiet Amorica findet sich ein Vannes das im Siedlungsgebiet der amorikanischen Veneter liegt und von wo aus gleichzeitig Angriffe von Sachsen und Bagauden dokumentiert sind.

Dem gegenüber steht in Asien die Asena-Legende, die in der einen oder anderen abgewandelten Form fast von jedem Turkvolk erzählt wird. Der Begriff Asen definiert offenbar Asiatische Völker, wobei ursprünglich Anatolien als Asien bezeichnet wurde. Erst später übertrug sich das auf diese riesige Landmasse jenseits des Ural, auf Asien.

Asena aber auch Asien schliesst sich etymologisch hervorragend an die Asen an, sodaß die Europäer die ursprünglich Anatolien unter Asia verstanden, sich offensichtlich der Darstellung der Römer von Asia minor und Asia als der große Kontinent Asien anschlossen.
Dazu kommt die jüdische Darstellung eines Königs von Juda namens Asa (913- 873 v. Chr.) der just unmittelbar vor Zeit regierte als die Seevölker besonders viele Kolonien gründeten.
Und wer weis, vielleicht sind die Asen sogar ein entlehntes Erbe jener Juden, die im 3. oder 4. Jhd. am Rhein siedelten und selbst eine germanisch-jüdische Sprache schufen, das Jiddisch.

Asa soll sich der Bibel nach mit Ben-Hadad, dem König von Aram gegen Israel verbündete, als die punische Wanderung erfolgt sein muss.  Dionysios von Halikarnassos datiert die Gründung Karthagos auf das Jahr 814 v. Chr. Danach soll die Essa (Dido) Tochter des Königs Mutto von Tyros und Sidon (Mattan I., von 829-821 v. Chr.) und Schwester von Pygmalion (oder Pumayaton, König von Tyros 820-774 v. Chr.),  die Stadt Karthago gegründet haben.

Diese Punier entsandten um 480 v. Chr. eine Flotte die möglicherweise England und Irland erreichte und die mythische Einwanderung der Partholon in Irland darstellen könnte.
Jüdische Gemeinden sind seit dem 1. Jhd. n.Chr. in Spanien und seit dem 3. Jhd. n. Chr. am Rhein belegt.
(Vergils Figuren Pygmalion und Dido die tyrische Prinzessin in Karthago sind durch einen Aufenthalt des römischen Gründers Aeneas auch in der römischen Mythologie enthalten.)

Demzufolge sind Menschen aus Asia minor und der Levante (einschliesslich Judea) sowie Asien identisch mit den Asen der alten Sagas.

Es heisst dort in der Edda: „die Germanen seien aus Asen und Vanen gebildet, also aus zwei Völker, wobei die Vanen die älteren Weisen und die Asen die jüngeren Starken seien.“

Eine Übertragung der Anatolischen Asen auf die sehr viel später ankommenden asiatischen Turkstämme ist durchaus anzunehmen. (Gerade die Hunnen haben sehr viel von den Goten übernommen, aber auch die Goten von den Hunnen.)
Allerdings ist auch nicht anzunehmen das Reiter Dinge wie Töpferscheiben mit sich schleppen. Ihr Leben ist auf Mobilität und Krieg ausgerichtet. Kunst wird auf individuelle Gebrauchsgegenstände begrenzt wie Kleidung oder Waffen. Die Germanen die unter Attila mit den Hunnen zu tun hatten, dürften diesbezüglich nicht nur die Kampftaktik, sondern auch die mobile Lebensweise der Steppenbewohner schätzen gelernt haben, die sie ja wie ein Sturm überrannt hatte.

Schaut man sich Europa heute an, stellt man schnell fest das die heutigen Nachfahren der Vanen tatsächlich nicht doof sind (Slawen und Russen, die den höchsten Bildungstandart in Europa haben), während die heutigen Nachfahren der Asen (heute Westeuropäer) eher die Muskeln spielen lassen (z.B. Blockadepolitik, Nato).
Diese prowestliche  antirussische Geschichtsteilung ist seit dem Frankenreich und Byzanz und damit der Trennung in die römisch-katholische und griechisch-orthodoxe Kirche etabliert.

Jene Bewohner die jenseits der Wolga als finno-ugrischen Stämme lebten, bezeichneten sich selbst wohl als Laachen während sie von Wikingern als Tschuden bezeichnet wurden. Vermutlich handelt es sich um ein Lehnwort aus dem Proto-Ugrischem, das zu *Laaken wurde und sich schlichtweg wohl auf eine Seen/Flusslandschaft bezieht. Im Slawischen hat man davon womöglich Lechia abgeleitet, was ja auch eine Seenlandschaft bildet. Möglicherweise wurde es zum Gründungsmythos der Piasten.

Die Slawen erscheinen in Europa wie aus dem Nichts. Und nicht nur das, sie besetzen auch sofort riesige Gebiete. Dies ist nur möglich wenn sie bereits dort waren, also die einheimische Bevölkerung assimilierte. Aber warum unterscheidet sich ihre Kultur von der vorherigen? Der einfachste Grund ist wohl der Klimaeinbruch von 536-537 und die darauffolgende Pest von 541/542 die sich von Byzanz aus über das gesamte Römische Reich und schliesslich über ganz Europa ausbreitete. Inzwischen wird sie auch in Regionen wie Estland mit Migration in Verbindung gebracht. 25% der Bevölkerung stirbt, Adel, Handwerker, Bauern. Die Folge sind neben Hungersnöten natürlich auch der Verlust von Wissen. Chroniken werden nicht weiter geführt oder es entsteht keine neue Literatur. Und so weißt ausgerechnet diese Zeit in der sich die Ethogenese der Slawen vollzieht, keine ausreichende Literatur auf.

Ab 581 dienen Slawen unter ihrem Anführer Radogast dem Awarenführer Bayan I als Hilfstruppen und greifen Sirmium an der Save an. Diese Slawen zogen vermutlich mit der Ipotesti Candesti Kultur nach Südwesten und standen wahrscheinlich auch schon 578 in den Diensten der Awaren. Radogast führte dabei die Tervici (Terwitzen) an, die der slawischen Ipotesti-Candesti Kultur angehörten und just in der gleichen Gegend (Stammsitz auf der Insel Peuke) lebten auch die Terwinger dort, die sich während der Zeit des Bischof Wulfila einer Verfolgung der Christen ausgesetzt sahen, worauf sich der Stamm in zwei Parteien aufteilte. Diese Terwinger wurden größtenteils von der Balthen-Dynastie geführt. Radogast wird später bei Kroaten und Rujanen vergöttlicht.

581 besiegen Göktürken unter Taspar Qaghan die Stadt Chersonesos auf der Krim. Ihre Reiterhorden ziehen bis 590 plündernd durch die Steppe oberhalb der Krimhalbinsel. Dies wird weitere Slawen zur Migration nach Westen bewegt haben.

Slawische Siedlungen werden anhand einer Keramikform und deren Mustern identifiziert, die einer viel früheren Form von Urnen ähnelt, die in den Aunjetitzer und Lausitzer Kulturen, später auch bei den Sachsen weitaus qualitätvoller waren. Allerdings sind diese in der slawischen frühen Form nicht auf Töpferscheiben geformt.
Auch das führte wohl dazu das man die Slawen als ein „neues Volk“ sah, das angeblich aus Asien eingewandert sei. Erst die Menkendorfer Keramik ist auf der Töpferscheibe gedreht und zeigt als Erste den fränkischen Einfluss an. Dies stimmt mit der Zusammenarbeit von Witzan und den Franken überein. Aber auch eine sorbische Mark wird relativ schnell eingerichtet. Karl der Große definiert 808 den Limes_Sorabicus, der den Limes saxonae fortsetzt und die östliche Grenze des Frankenreiches bildet, wobei er „Sklavania“ als Pufferzone benutzen und beeinflussen will. Dazu müssen die Slawen unter einem Herrscher vereint werden, wobei er in den Abodriten-Warlord Witzan den geeigneten Kandidaten entdeckt und ihn zum Herrscher über Abodriten, Wilzen und Sorben macht, worunter er einen Großfürsten der Slawen versteht, der dem fränkischem Marktgrafen unterstellt ist. Damit führt er das Europäische Adelssystem bei den Westslawen ein.

Wer sich für die Entstehung des europäischen Adels interessiert, hier gibt es die Antwort.

Sicherlich gibt es nicht erst seit der Eroberung in Sibirien den einen oder anderen Auswanderer nach Asien, aber es ist anhand der Genetik zumindestens bei Westslawen und Ostslawen (Weißrussen, Ukrainer und Russen) zu bezweifeln das sie je als Kurganvolk nach Europa einwanderten. Sie sind der Genetik nach überwiegend Europäer.
Das im Laufe der Zeit auch Leute aus anderen Kulturen hängen blieben, die inzwischen auch ein paar Prozente zum Gesamtvolk ausmachen, will ich gar nicht bestreiten.

Europa heute und damals
Europa hat derzeit knapp 740 Mio Bewohner und pi mal Daumen sind 90% davon Indogermanen, rund 30% davon haben R1b, weitere 30% haben R1a, und nochmal 20% I1 oder I2 und etwa 10% haben N, die restlichen 10% verteilt sich auf ein paar überlebende Alteuropäer, sowie weitere Einwanderer (Dschingis Khan, Tartaren, Juden, Sinti und Roma sowie moderne Einwanderer aus Afrika, Fernost, dem Orient, dem Kaukasus oder Einwanderer aus Inseln der Karibik, Südsee usw) – mit anderen Worten aus der ganzen Welt.
Von diesen 30% R1b (ca. 200 Mio) haben 60% westgermanische Genetik, das sind rund 120 Mio Menschen. Von rund 740 Mio haben rund 453 Mio. Europäer entweder die Haplogruppe I1, I2, R1a oder westgermanische R1b. So eine ziemlich grobe Schätzung, wobei man das nochmal teilen muss, denn die Hälfte sind ja Frauen. Bleiben also 236 Mio Menschen von insgesamt 742 Millionen Europäern.
Bei den Damen sieht es insgesamt deutlich gemischter aus, aber damals wie heute sind es überwiegend Männer die regieren. Diese kleine Rechnung schlägt sich bereits in der Dominanz der Germanischen oder Slawisch-baltischen Sprachfamilien nieder.

genetische Karte Europas , erstellt von der medizinischen Fakultät der Erasmus-Universität in Rotterdam 2003

genetische Karte Europas , erstellt von der medizinischen Fakultät der Erasmus-Universität in Rotterdam 2003

Die Genetische Karten Europas stellt immer und in allen genetischen Auswertungen die gleiche Region unmittelbar ins Zentrum. Das ist keine spezielle Sichtweise, sondern ein deutlicher Hinweis darauf, das eine ganz bestimmte DNA in 60% der Europäer anzutreffen ist. Ermittelt man nun die genetische Distanz aller Europäer muss zwangsläufig diese Basis in der Mitte erscheinen.
Das heutige Deutschland überlappt sich dabei mit 12 weiteren Ländern die alle rund um Deutschland liegen. Das gleiche gilt für die umliegenden Länder wie Österreich, Schweiz, Belgien, Dänemark und Polen.

In der Mitte ist der Ort wo sich die Handelswege kreuzten, wo Ost und West zusammen trafen, sich vermischten und neue Kulturen entstehen. Dummerweise liegt mitten in Europa das historische Gebiet Germanien. Es gibt also gute Gründe sich dieses Land in der Mitte genauer anzuschauen.

In Deutschland werden vorwiegend Westgermanen ausgewertet, sodaß Deutschland nach Westgermanen tendiert.
Eine noch genauere Ausweitung auf 15 Völker zeigt aber auch, das die Germanen sowohl nach Ost- als auch nach Westeuropa tendieren, mit Ausläufern nach Finnland und Portugal/Spanien. Sie sitzen gewissermaßen zwischen allen Stühlen, nicht nur in der Mitte Europas, sondern auch genetisch gesehen.

Zudem wissen wir aus der historischen Geschichte, dass die Germanen in jedem europäischem Land früher oder später mal siedelten oder es durchzogen. Oft nicht sehr lange und natürlich blieben auch immer ein paar Familien zurück die z.b. kampfunfähig oder zu alt waren oder einfach nicht mehr weiter wollten. Einige überlebten und wurden Teil der Landesbevölkerung, andere verschwanden wieder.

Aber die Geschichte zeigt ja, das eine kleine Gruppe durchaus in der Lage ist die Welt zu verändern. Und je weniger Menschen in dieser Welt leben, desto bessere Chancen haben diese auch, sich nachhaltig zu etablieren.
Das war im Neolithikum und der Bronzezeit lange der Fall. Die Bevölkerung Europas wuchs derart langsam, das man die Bewegungen Gruppen einigermaßen erfassen kann.
Die Nordeuropäische Präsenz umfasst im späten Neolithikum und der Bronzezeit mehr als 65% von Europa, schon weil weniger Mittelmeer dazwischen liegt. Aber das ist nur meine grobe Schätzung. Den Rest, also 35% muss man der neolithischen Mittelmeerbevölkerung  (inkl. der neolithischen Zuwanderung anatolischer Farmer) zuschreiben.

Die ollen Germanen (also die Mitteleuropäer nördlich der Alpen) sind damit sowohl genetisch als auch historisch, archäologisch und einfach aufgrund der puren Menge der beste Kandidat für die Verbreitung einer gemeinsamen Sprachbasis. Was dort an Einwanderung, Innovationen oder kultureller Modeerscheinung auftauchte, war bald überall in Europa verbreitet. Brachte also ein Kaukase die Technologie der Bronze nach Europa wurde die binnen einiger Jahrhunderte kopiert, adaptiert und verbreitet. Genauso war es mit dem Pferd, der Landwirtschaft und vielen anderen Innovationen. Aber einiges haben sie auch selbst erfunden.

Sie sind aus rein logischen Gründen daher besser geeignet  eine Kontinentale Sprache zu verbreiten als z.B. die Römer. Die waren zwar auch fast überall, deren DNA ist aber nicht über ganz Europa verbreitete. Römische Genetik fehlt z.B. völlig in Skandinavien, dem Baltikum oder Russland (wobei sich das aufgrund der Globalisierung gerade ändert).
Es beruht einfach auf neuste Erkenntnisse der Genetik die uns vor 10 Jahren noch nicht zur Verfügung stand. Die Vorstellung das nur zivilisierte Hochkulturen solchen Einfluss haben können, ist ganz offensichtlich falsch. Genauer gesagt trifft sie eigentlich auf gar keinem Kontinent zu.
Eine Theorie muss dafür schon eine plausible Erklärung liefern und wenn sie das nicht kann, ist es entweder Geschichtsfälschung oder falsch.

Die Mythen der Kelten stellen die Römer nicht als nette Kulturbringer hin, sondern als grausame Eroberer, missgestaltete Dämonen gegen die sie kämpften und leider auch verloren. Sie waren für die Kelten Fremde die sie versklavten und denen sie Tribute zahlen mussten.
Die heutige Verklärung der Römer zu netten römischen Onkels, die Straßen, Wasserleitungen und Thermen bauten und den armen Barbaren das 1×1 beibrachten ist völlig absurd. Genauso läuft die Verniedlichung von Hitler als netten Onkel der ja auch Straßen baute.

Aber die Wahrheit ist, über diese Straßen kam auch der Tod in Form von Kriegern, Waffen, Waffen, Sklavenhändler oder Seuchen.

Um die Maßlosigkeit der Römer mal zu dokumentieren sei erwähnt das der reichste Sportler der Welt ein einfacher spanischer Wagenlenker zwischen 130 und 150 n. Chr. war. Dieser erwarb mit mehr als 2000 Wagenrennen in 24 Jahren umgerechnet über 13 Milliarden Dollar.  Das ist mehr als Christian Vettel verdient, denn der rangiert nur auf Platz 2.

Setzt man dies im Verhältnis zu römischen Senatoren und Imperatoren, sagt das einiges über die gesellschaftlichen Unterschiede von Arm und Reich der „Hochkultur“ der Römer und deren Pax romana (lat. Römischer Friede, 27 v. Chr. von Augustus definiert) aus.
Rom wandelte sich, wie Augustus meinte, von einer Stadt aus Ziegeln zu einer Stadt aus Marmor. Leider vergisst die Geschichte, auf wessen Schultern dieser Marmor in die Stadt kam. Die Römer waren zwar weitgehend von äußeren Gefahren abgeschottet, das galt aber nie für Provinzen wie England oder Frankreich. Permanent gab es in diesem heute verklärten Rom Aufstände und Rebellionen.

Es geht also nur um die Frage wie wir wurden was wir sind. Das wir heute ein buntes Gemisch unserer Vorfahren sind, steht außer Zweifel, aber jeder dieser Vorfahren ist  nicht plötzlich aus dem Ei geschlüpft, sondern kam irgendwo her. Und eines steht inzwischen fest, Afrika ist die Urheimat aller Menschen (jedenfalls von 96% ihrer Genetik, abzüglich der paar Prozente Neandertaler/Denisova).

Die Staatenbildung Europas verlief derart chaotisch, das zwischen dem 6. und 9. Jhd. eigentlich nur die Franken und Byzanz stabile Staatengebilde waren, die umfangreiches Schriftgut hinterlassen haben. So kommt es, dass vieles nur aus römischer, fränkischer oder byzantinischer Sicht bekannt ist. Dazu sind von den letzten 6000 Jahren Geschichte nur 2000 Jahre dokumentiert und selbst diese Quellen sind stark erodiert. Vieles ist sehr spekulativ und ob man das jemals beweisen kann, ist recht fraglich, zumal sich die Bevölkerungszusammensetzung weiterhin unablässig ändert.

Dieses Szenario zeigt also nur, wie es gewesen sein könnte und das eine Ausbreitung auch anders verlaufen sein kann, auch oder gerade weil man es bisher nicht in Erwägung zieht (oder aus geschichtlichen Gründen völlig negiert).

Zuviel wird heute leichtgläubig hingenommen, werden gern Völker auf Karten gepappt werden, die entweder noch nicht existieren oder deren Volk noch nicht eingewandert sind. Trotzdem werden Slawen fleissig auf jede Karte eingezeichnet, vom Neolithikum bis in die Römerzeit und das nicht etwa nur von Laien, nein auch Museen und Wissenschaftler sind da nicht besser. Ähnliches gilt für Skythen, Sarmaten, Kelten, Römer von denen keiner im Europa des Jahres 1000 v. Chr. in irgendeiner Weise belegt ist. Germanen sind da natürlich auch nicht drauf.

Heutzutage werden sämtliche Urnenfelder und Hallstätter Funde als Siedlungsgebiet von Proto-Kelten hingestellt, obwohl auf keinem Fund Kelte drauf steht.  Das hat sich gewissermaßen eingebürgert, wie eine unumstößliche Wahrheit und niemand stellt das in Frage.
Ein anderes Beispiel dazu sind die Slawen die vor 600 AD nirgends erwähnt werden und dabei ist noch fraglich ob sie sich selbst als „Slawen“ sahen, denn es werden zwar „Sklavenen“ von Jordanes erwähnt, die er mit den „Anten“ und „Venethi“ als Aufspaltung der Venethi beschreibt. Die Frage ist nur, wen meinte er damit?

Zudem werden Länder aufgrund einer Sprache klassifiziert, die genetisch dominant eine ganz andere Abstammung haben. Beispielsweise gilt England als urkeltisch und Finnland als urfinnisch. Das liegt zwar irgendwie nahe aber nur die Genetik kann beweisen ob das auch stimmt.
Leider haben wir ja sonst keine Sprachzeugnisse von dem schriftlosen Europa, bestenfalls ein paar Namen. Und ob die dann wirklich existierten ist auch oft nicht beweisbar.

Natürlich kann man denen so leicht eine Herkunft unterstellen, komischerweise würde aber niemand auf die Idee kommen Ungarn als Saami zu bezeichnen, obwohl doch ihre Sprache zur finno-ugrischem Sprachfamilie gehört. Dagegen sind Esten genetisch genauso baltisch, wie die sie umgebenden Völker. Ob sie je unterschiedlich waren, nun ja, vielleicht irgendwann mal.
Das gleiche gilt für Basken, die sich von den anderen Iberern kaum unterscheiden. Nichts macht sie „urtümlicher“. Als „indigen“ werden sie nur aufgrund ihrer Sprache eingestuft. Dabei ist ihre Vergangenheit praktisch unbekannt.
Das Alter ihrer durchaus besonderen Genetik ist nur ein etwa 2000 Jahre alter Zweig des großen Westeuropäischen R1b-Stammes. Also so richtig uralt ist das auch nicht.

Wie indigen so manche „indigene Ureuropäer“ wirklich sind, zeigt der als indigen geltende Stamm der Woten, der sich schlichtweg nach Wotan benannt hat und eine Minderheit in Estland darstellt, wahrscheinlich aus einer Zeit als Wikinger nebenan auf einer Insel siedelten die sie Dödel nannten. Erst kürzlich hat man hier auf der Insel Saaremaa in Salme gleich zwei Wikinger-Kriegsschiffe gefunden, angefüllt mit toten Skandinaviern. Das Schiff Nr. 1 wurde dentrochronologisch auf 650-700 bestimmt und war wohl einige Jahrzehnte in Gebrauch, bevor es als Massengrab mit sieben Wikingern versenkt wurde. Das zweite war kaum 30m entfernt, wesentlich prächtiger und die 33 Wikinger waren auch sehr viel sorgsamer bestattet worden. Es gab Beigaben wie Schilde und Waffen aber auch Tieropfer. Auch hier gab es Unterschiede, denn einer wird als Anführer, vielleicht sogar als König identifiziert.
Es gibt sogar eine passende Saga:

„Der schwedische König Yngvar soll um 600 in Estland eingefallen sein. Die Männer Estlands kamen aus dem Landesinneren mit einer großen Armee, und es gab eine Schlacht; aber die Armee des Landes war so tapfer, dass die Schweden ihr nicht standhalten konnten, und König Yngvar fiel und seine Männer flohen.“

Schnurkeramiker Nordeuropa

Datierung von Schnurkeramiker in Nordeuropa

Andersrum hat auch die lettische und litauische Sprache äußerst altertümliche Eigenschaften. Doch schon um 2.500 BC sind hier Schnurkeramiker aufgetaucht und assimilierten die einheimische Bevölkerung. Dem folgten um etwa 1500 BC  Menschen aus der Lausitzer Kultur, die nun ihrerseits die alten Schnurkeramiker assimilierten. Und weitere 1000 Jahre später sammelten sich die Goten an der Küste und assimilierten wiederum die alten Lausitzer. Wieder tausend Jahre später gründete der deutsche Orden hier seinen Ordensstaat und christianisierte bzw. assimilierten die alten Balthen.

Das Baltikum ist wahrscheinlich schon eine Art Refugium der alten Sprache. Es litt insgesamt wenig unter Römern, phönizischen oder griechischen Kolonisatoren, unter Hunnen oder Zuwanderung und so konnte sich das eine oder andere halten, was anderswo bereits unter ging. Das gilt sicher auch für Finnen.
Alle nordöstlichen Völker sind natürlich massiv von benachbarten finno-ugrischen Völkern beeinflusst worden. Und so konservierten sich auch in der finno-ugrischen und volga-ugrischen Kultur Mythen, Traditionen, Rituale die in dem stark frequentierten Mitteleuropa längst ausgestorben sind. Das diese durch regionale Variationen und neue Legenden ergänzt wird, dürfte eigentlich klar sein.

Entwicklung der Sprachen
Wahrscheinlich entwickelten sich also Sprachen viel chaotischer und wesendlich schneller als wir annehmen. Ein Beispiel dafür ist die CSSR die noch vor 25 Jahre die gleiche Sprache hatte. Heute werden sie als zwei Sprachen behandelt. Noch verstehen sie sich, aber wie lange noch?
Sprache ist mehr eine Sache des Bauchgefühls was Menschen miteinander assoziieren. Und das Bauchgefühl dominiert bei Menschen über den Verstand. Insofern ist Sprachlogik insbesondere für alte Sprachen durchaus zu bezweifeln, angesichts ihres teilweise sehr engen Wissens über die Welt in der immer wieder Assoziation und Glaube eine Rolle spielte. Ausserdem neigen Völker auch dazu eigene Dialekte zu bilden, in dem sie bestimmte Laute verstärken, verlängern oder verschlucken. Namen sind dafür ein gutes Beispiel. So ist der deutsche Kuno auch als bretonische Name Konomor, irisch Conomor oder schottisch Connor und lateinisiert als Cunomorus belegt. Dabei stellt bereits Kuno (weiblich Kunigunde die zu Gudrun wurde) die Kurzform von Konrad dar. Dabei liesse sich das -mor mit moria (Meer, Morgana) und das -morus auch mit Merow- (z.B. Merowingern) oder wahlweise auch mit Marius (alternativ Mario) in Verbindung bringen.

Wir können diesen Namen problemlos mit dutzenden Regionen in Europa in Verbindung bringen, die alle als Ursprung in Frage kämen. Namen etymologisch einer Ursprungsregion zuzuordnen, erweist sich bei genauer Betrachtung als ausserordentlich problematisch, da sie meistens auf Entlehnungen (sozusagen einer „Namensmode“) beruhen. Und das findet auch heute noch statt, aus Samuel oder Samantha wird Sam und schliesslich Sammy. Ist Sammy nun englisch, jüdisch und stammt es  von Schmuel oder von Simeon und Simeat oder gar von Siemowit ab ?

Interessanterweise haben insbesondere Slawische und Germanische Sprachen
dieses Dualsystem mal gehabt, aber inzwischen fast überall abgeschafft.
Belegt ist es in
sämtlichen frühen germanischen Sprachen wie Altnordisch, Gotisch, Angelsächsisch, Friesisch, Frühenglisch, Schwedisch, Bairisch, Isländisch und Faroese
Litauisch, Altpreussisch
Niedersorbisch, Obersorbisch, Serbo-kroatisch, Polnisch, Slowenisch, Tschechisch, Russisch, Weißrussisch, Ukrainisch
sowie Sanskrit, Griechisch und Keltisch (nur der gälische Zweig, nicht der Brythonische Zweig) aber auch im sehr frühem Latein. Es wurde von Latein nicht an Subsprachen weitergegeben.

Um ein anderes kleines Beispiel zu nennen; unregelmässige Verben waren wohl die ältere Form im Deutschen und wurden nach und nach regelmässig. Sie bereiten den Lernenden besonders viele Schwierigkeiten. Viele verschwanden mit der Zeit, aber einige – die am häufigsten gebrauchten – schleppen wir trotz allem seit mehr als 2000 Jahren noch immer mit uns, obwohl es doch logischer wäre sie zu regulieren.
Es sieht auch nicht so aus, als würde sich das in Zukunft ändern. Gerade diese unregelmässigen Verben wären ein hervorragender Ansatz für vergleichende Sprachforschung.
Moderne Sprachen eleminierten die Unregelmässigkeit zugunsten einer Regelmässigkeit die die Spracherlernung vereinfacht.

Ein interessanter Punkt ist auch der Dual, womit neben dem Singular und Plural ein Paar angesprochen wurde.

Andererseits hat die neuste Rechtschreibreform erhebliche Akzeptanzprobleme. Wir betrachten eine Schifffahrt mit drei f als „unnatürlich“, es sieht „falsch“ aus. Stattdessen machen wir daraus eine Schiffsfahrt. Wir umgehen das Problem, indem wir extra einen Buchstaben einfügen. Nicht mal das „Deutsche Schiffahrtsmuseum“ in Bremerhaven sieht sich genötigt, seinen Namen „Rechtschreibungskonform“ zu ändern.
Die richtige Rechtschreibung ist weder ein Beweis für besondere Intelligenz noch für Weisheit. Und Leute die anderen kleinkariert Fehler vorwerfen, werden nicht besonders geschätzt. Pedanterie ist ein typisch westdeutsches Hobby.


fehlverhaltenZu guter Letzt sei noch erwähnt, natürlich hab ich nicht selbst jedes Grab ausgegraben, sondern auf Forschungsdaten und Publikationen zurückgegriffen. Aber tausende Steinchen zusammenzutragen und daraus eine Theorie zu formulieren macht auch Arbeit und es gab schon genug Wissenschaftler die ihre angeblichen Erfolge durch puren Ideenklau erzielt haben. Ich werd so nach und nach eine Recherche- und Referenzliste anlegen, aber die wird lang – sehr sehr sehr lang. Und das dauert halt eine Weile.
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