//
du liest...
Allgemein

Schädelkult & Steinzeitkalender

In letzter Zeit machen immer mehr seltsame Schädelkulte auf sich aufmerksam.
Deswegen hier mal ein paar Überlegungen zu diesem Thema.

Ein Schädelkult wird in Herxheim vermutet, wo Linearbandkeramiker um 4950 v. Chr. bis zu 1300 Menschen begruben, von denen einige eindeutige Zeichen von Zerlegung, Entfleischung, Markentnahme und damit möglicherweise eine Art von Kannibalismus zeigen. Dabei handelt es sich nicht etwa um Jäger und Sammler, sondern um Linearbandkeramiker die teilweise aus der Region oder aus großer Entfernung wie dem Pariser Becken und Belgien, aus Böhmen, aus den Niederlanden oder Mitteldeutschland (Saale-Unstrut-Gebiet) stammen.

Einwanderung der Farmer (links Megalitische Dolmenerbauer und rechts Kreisgrabenanlagen-Erbauer)

Einwanderung der Farmer (links Megalitische Dolmenerbauer und rechts Kreisgrabenanlagen-Erbauer)

Besonders ins Saale-Unstrut Gebiet und nach Böhmen gab es wohl engere Beziehungen. Dabei ist zu bemerken das Herxheim damit Kontakt zu dem Gebiet um Saale-Unstrut-Elbe hat, aus dem Urgermanisch kommen muss, jenes Gebiet was eine große Vielfalt der Genetik zeigt, ein Zufall?

Nimmt man die Theorie von Gus Kroonen das Germanisch noch Spuren einer landwirtschaftlichen Sprache hat, die auf die eingewanderten anatolischen Bauern zurück geht, dann sind die LBK genau jene Bauern die diesen Teil beigesteuert haben könnten.

Doch was trieb die Menschen in ein Dorf das 5300 v. Chr. gegründet wurde und wo vielleicht 30-50 Menschen 300 Jahre ganz normal lebten und starben.

Um 5000 v. Chr. ändert sich das, plötzlich setzt eine Phase ein in der hier massenweise Menschen in Gruben beerdigt werden. Viel zu viele für das kleine Dorf.
Einigen zeigen Schnitte am Schädel, ihnen wurde möglicherweise die Haut vom Schädel abgezogen und der Schädel wie ein Trinkgefäß zurecht geschlagen. Auch ihre Knochen sind extrem stark zersplittert und wild kreuz und quer in die Grube gelangt.

Bei ca. 10% der Individuen treten an den Schädelkalotten zusätzlich Schnittspuren entlang der sagittalen Linie auf.  Mittlerweile konnte durch die Untersuchung der Fragmente des unteren Stirnbereiches mit den Orbita festgestellt werden, dass in Einzelfällen auch unmittelbar oberhalb der Augenhöhlen die Kopfhaut quer eingeschnitten wurde, um die durch die Sagittalschnitte in zwei Hälften geteilte Kopfhaut abziehen zu können. Die Maßnahme betraf offensichtlich relativ frisch verstorbene Personen.
Zudem konnte festgestellt werden, dass bei ca. 3% der Skelettelemente des Körperskelettes ebenfalls Schnittspuren vorliegen. An Schulterblättern wurden Weichteile entfernt und im Ellenbogen- und Hüftbereich Gelenkverbindungen durchtrennt.
Hierdurch wird deutlich, dass nicht nur die Schädel regelhaft manipuliert, sondern auch die postcranialen Körperteile in noch frischem Zustand nach bestimmten, regelhaften Mustern zerlegt worden waren.

Aber wurden sie getötet oder zogen Menschen mit den verwesenden Leichen über 300 km nach Herxheim um sie dort zu entfleischen und gemeinsam in Gruben zu werfen? Niemand weiss es.
Keiner dieser Menschen zeigt Spuren von Unterernährung, Hunger fällt also als Begründung aus.
Das ganze ist sehr sehr merkwürdig und zerstörte das Bild von den friedlichen Ackerbauern für die man die Linearbandkultur einst hielt.

Herxheim LBK

Herkunft der LBK in Herxheim

Das Erdwerk von Herxheim gehört zu den Grubenanlagen vom Typ Rosheim. Gemeint ist damit ein lockerer Ring vermutlich aus Pfählen an denen immer wieder Langgruben angelegt wurden, sodaß sich im Laufe der Zeit eine ganze Kette von Gruben aneinander reihen. Doch in Rosheim war diese Kette nie durchgehend. In Herxheim wurde viel intensiver gegraben und es gibt zwei Ringe.
Die Interpretation dieser Erdwerke reicht von Verteidigungsanlagen, Fluchtburgen, geschützten Weideflächen für das Vieh (Viehkral), Handelsplätzen, Kultplätzen bis zu Zentralplätzen und Heiligtümern.
Es ist davon auszugehen, dass alle Gefäße vor Ort absichtlich zerschlagen oder zerstört wurden. Diese intentionelle Zerstörung, die ebenso bei Steingeräten, Mahlsteinen und vor allem den menschlichen Überresten zu beobachten ist, spielt offenbar in Herxheim eine wichtige Rolle.

Doch nach 50 Jahren ist der Spuk vorbei, das Dorf wird verbrannt und erneut Leichen zusammen mit allerlei Hausrat und Mühlsteinen in Gruben geworfen. Das ganze ist für die Archäologen bis heute ein Rätsel und die Vermutungen reichen von rituellem Kannibalismus bis zur Zweitbestattung.

„Rituelle Kannibalismus“, damit ist gemeint das die Gemeinschaft ihre Toten verzehrt  im Rahmen von Bestattungsriten, um sich deren Lebensenergie einzuverleiben oder um ihr Andenken zu ehren.

Kopf oder Kalender

Kopf oder Kalender

Nun ist so ein Schädelkult auch am Göbekli Tepe aufgetaucht, wo vor 9600–7000 calBC eine Vorkeramische neolithische Bevölkerung (PPN) lebte.

Die megalithischen Kreisanlagen aus der Zeit um 9000 v. Chr. geben den Ruinenhügel als rituelles Zentrum einer vernetzten Gemeinschaft zu erkennen.
Die Kreisanlage am Göbekli Tepe hat verblüffende Parallelen zu den Kreisgrabenanlagen Europas die sich von Ungarn über Österreich und Böhmen bis nach Mitteldeutschland ziehen.

Bei der Interpretation als Schädelkult geht es im Wesentlichem um diesen Geier-Stein Nr. 43, wo ein Geier scheinbar einen runden Gegenstand darbringt.  Einige interpretieren das als Kalender, so z.b. der Wissenschaftler Andis Kaulin der überall in der Welt angebliche Steinzeitkalender finden will.
(Doch schon die Datierung seiner „Sonnenfinsternis“ am 16. April 1699 BC, die er an der Himmelsscheibe von Nebra entdeckt haben will, erweisst sich als falsch. Die Nasa hat zwar eine Sonnenfinsternis am 16. April 1698 BC errechnet, aber über Ägypten. Von Deutschland aus wäre diese nicht sichtbar gewesen.)

Archäologen haben am Nabelberg nun kürzlich 3 abgetrennte Menschenschädel, sowie mit Löchern und Gravuren verzierte Schädelfragmente entdeckt. Dies spricht dafür, dass die Steinzeitmenschen den Schädeln eine rituelle Bedeutung zusprachen. Daher wird dieser runde Gegenstand auf den Geier-Stein 43 nun als Schädel interpretiert.

Diese Theorie wird von einem Ingenieur namens Martin B. Sweatman und einem Bioingenieur Dimitrios Tsikritsis, beide an der Hochschule für Ingenieure in Edinburgh, verbreitet die damit einen Kometeneinschlag um 10.950 v. Chr. datieren wollen.

Jens Notroff einer der deutschen Archäologen und ein ambitionierter Indianer Jones-Darsteller, der derzeit am Nabelberg gräbt, hält die Theorie für interessant  sieht aber zu wenige Beweise dafür.  Zumindestens in Sachen Schädelkult zieht er mit dem Vorbild „Indy“ gleichauf. Der hat ja auch das Rätsel des Kristallschädel  gelöst. Den Ingenieuren aus Edinburg geht er aber nicht auf den Leim.

Kometen müssen in den letzten Jahren für allerlei herhalten, dabei gibt es 100 mal mehr Vulkanausbrüche mit schweren Folgen als sie etwa Kometeneinschläge üblicherweise verursachen. Vielleicht liegt es an der Faszination das manche Leute immer gleich von kosmischen Katastrophen ausgehen, anstatt natürliche Ereignisse der Erde in Erwägung zu ziehen.

Und das selbst den Neandertalern neuerdings ein Steinzeitkalender unterstellt wird, zeigt das hier eine Menge Unsinn erzählt wird. Angeblich sollen auf der Krim in den Zaskalnaya Bergen 43.000 Jahre alte Rabenknochen mit Einkerbungen gefunden worden sein, die – wen wunderts – natürlich als Kalender interpretiert werden. Doch im Kaukasus hat man auch eine 10.000 Jahre alte Kreisgrabenanlage gefunden von denen man 9000 wieder streichen musste. Die Arischen Veden lassen grüßen.

Der Ingenieur Martin B. Sweatman und der Bioingenieur Dimitrios Tsikritsis interpretieren die Tier-Darstellung auf den Stein 38 jedenfalls als Sternenkonstellation und damit sind sie nicht die Ersten.
(Geier/Adler, Skorpion, Ente mit Fisch im Schnabel, Wolf/Fuchs, Benu-Vogel, Ibex (Steinbock), Frosch) als
Sagittarius (Stier), Scorpion, Libra (Waage), Ophiuchus (Schlangenträger),
Lupus, Pisces (Fische), Gemini (Zwillinge), Virgo (Jungfrau)

Laachersee mit Stellarium errechnet

Laachersee-Eruption mit Stellarium errechnet?

DECODING GÖBEKLI TEPE WITH ARCHAEOASTRONOMY: WHAT DOES THE FOX SAY? (pp.233-250). B. Sweatman, D. Tsikritsis, DOI: 10.5281/zenodo.400780 , http://www.maajournal.com/Issues2017a.php (PDF)

Nun, wenn die Theorie ein Körnchen Wahrheit enthält, dann haben sie eher den Ausbruch des Laacher See-Vulkan datiert, der ist nämlich tatsächlich seriös datiert worden und nachgewiesen. Und auch die Enten finden sich an den berühmten Vogelwagen die ebenfalls zwischen Ungarn und Deutschland, hier besonders entlang der Oder, gefunden wurden.

IslandAsche April/Mai 2010

IslandAsche April/Mai 2010

Die neolithischen Anatolier haben offenbar eine Aschewolke aus Europa ab bekommen. Der nette Ingenieur hat uns praktisch das Datum des Ausbruchs errechnet, wo demzufolge am 9. Nov. 10.950 BC gegen 13 Uhr über die Türkei/Nordsyrien ein Ascheregen niedergegangen sein könnte. Ein ähnliches Ereignis verursachte der Ausbruch des Eyjafjallajokull am 19. April 2010. Dessen Aschewolke bedeckte halb Westeuropa.

Möglicherweise gab es aber auch einen Ausbruch an einem der anatolischen Vulkane, auch die waren zu dieser Zeit aktiv. Da die Afrikanische Platte ja an der europäischen Platte stößt was Spannungen verursacht, wäre es nicht unwahrscheinlich das die Vulkanaktivität der Eifel mit einer Plattenbewegung im Mittelmeer zusammen hängt die dann auch auf die Anatolischen Vulkane drückt. Möglicherweise sind die sogar der Grund für die Wanderung anatolischer Bauern nach Europa.

Es ist unstreitbar das unsere Vorfahren offenbar viel Zeit und Muße aufwendeten um Sterne zu beobachten, was angesichts des mangelnden Fernsehers als Abendunterhaltung sicher nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Rund um die Welt existieren aus unterschiedlichen Epochen Bauwerke die irgendwie auf Sternenbeobachtung hin deuten, wobei der Spekulation kaum Grenzen gesetzt sind. Man sollte jedoch die Kirche im Dorf lassen und nicht in jedem Steinloch gleich ein Sonnenobservatorium vermuten.
(Mehr über News vom Nabelberg)

Auch in Çatalhöyük hat man verzierte Schädel unter der Schwelle der Häuser gefunden. Das ganze erinnert stark an Herxheim. Gibt es eine Verbindung? Schliesslich sind die Linearbandkeramiker doch Nachkommen jener Menschen vom Göbekli Tepe.

Eine der Tötungen in Herxheim ist vielleicht eine heisse Spur, denn diese Tötung fällt dadurch auf, das einem Mann Kopf und Hände abgeschnitten und durch einen Hundeschädel ersetzt wurden. Damit ähnelt er ein wenig dem Gott Anubis oder Seth, Ägyptischen Göttern die in Menschengestalt aber mit dem Kopf eines Caniden dargestellt werden. Bis heute ist nicht klar was für Caniden dort eigentlich dargestellt sind.

Gewöhnlich wird Seth mit einem Wüstentier meist ein Wüstenfuchs in Verbindung gebracht und Anubis mit einem Schakal.
Dies kann aber so nicht stimmen weil Seth größer ist, ein Wüstenfuchs aber gewöhnlich kleiner als ein Schakal ist. Er ähnelt mehr dem Pharaonenhund. Seth hat ein schlechtes Image, doch in der Frühzeit war das noch ganz anders.
Auch Anubis bewacht das Grab der Könige (z.b. Tutanchamuns) und für einen Schakal wäre das ziemlich ungewöhnlich. Möglicherweise handelt es sich hier einfach um zwei unterschiedliche Hunde so wie es auch in den Sternen einen großen und einen kleinen Hund gibt.
Dieser Kult des Anubis und Seth lässt sich bis in die Predynastische Zeit Ägyptens also etwa 4000-3500 v. Chr. zurück verfolgen. Und auch die Landwirtschaft muss ja nach Ägypten eingewandert sein.

Der große und der kleine Hund galt schon in Babylon als Begleiter des Jägers Orion, dessen hellster Stern der Hundsstern Sirius (α Canis Majoris) ist. Orion verkörpert in Ägypten den Osiris. Somit sind die beiden Hunde Begleiter des Osiris. Abgesehen von Skandinavien und dem Norden Englands sind diese Sternbilder von der ganzen antiken Welt sichtbar.

Da der Hund schon im alten Ägypten existiert, ist dieser mit dem Kreta-Hund und dem Kanaan-Hund verwandt, der bis auf 4000 v. Chr. zurück geht. Dies wird auch durch die Genetik belegt.

Doch schauen wir uns mal den Schöpfungsmythos an:
Laut dem Schöpfungsmythos von Heliopolis ägyptisch On) existerte anfangs nur das Urwasser genannt „Nun“. Das Licht „Atum“ entstieg dem Urwasser und ließ aus dem Wasser einen Urhügel entstehen. Dort ließ er sich nieder und zeugte durch Vereinigung mit seinem Schatten die Winde „Schu „und die Feuer „Tefnut“. Tefnut wird mit einer Sonne zwischen Kuhhörnern und Schuh mit einer Feder auf dem Kopf dargestellt. Gewöhnlich steht er zwischen Geb und Nut wobei ihm zwei Formen des Rindsköpfigem Chum (Khum) dienen. Es wurde auch erzählt, dass Atum den Luftgott Schu durch Niesen und die Göttin Tefnut durch Ausspucken gezeugt hat.
Schu und Tefnut zeugen Nut, das Sternenzelt und Geb, die Erde. Geb wird mit einer Ente auf dem Kopf und einem Federkleid dargestellt, Nut mit einem Sternenverziertem Kleid.
Die wiederum zeugten Seth (Sethec, Sutech, Sterben), Isis (Leben), Osiris (Tod) und Nephthys (Nebet-hut, Wiedergeburt). Osiris und Isis zeugten Horus, so dass eine neunköpfige Familie, die sogenannte Enneade oder Neunheit von Heliopolis entstand.
Nach dem alten Glauben ist Nut bereits mit Isis schwanger die Horus in sich trägt. Somit ist Nut auch die Mutter des Horus. Chum dagegen wird als jener Gott dargestellt der aus Lehm die Menschheit formte.

Isis trägt wahlweise eine Geierkrone (Nechbet) die auch von den Pharaonenfrauen getragen wurde, während der Pharao gewöhnlich die Kobra (Wadjet) mit der Doppelkrone beider Länder trägt.

Wer hier den Ptah vermisst ist besonders aufmerksam. Tatsächlich gehört er zum Schöpfungsmythos in Memphis. Von der Verbindung Pitar und Ptah habe ich ja bereits berichtet.

Newgrange Tumulus

Newgrange Tumulus

Zurück nach Herxheim.

Der Herxheimer Hundeschädel wurde im Rahmen der Domestikations-Studien genetisch untersucht und zeigt wiederum Verwandtschaft zu einem Hund von Newgrange, der um 2500 v. Chr. begraben wurde. Dieser entstammt im Wesentlichen der Europäischen Linie, zeigt aber auch Genetik die der Asiatischen Linie zuzuordnen ist. Er ist in der Kultur der Glockenbecher gefunden worden die den Tumulus von Newgrange erbauten, der seinerseits nach der Sonne ausgerichtet ist. Und natürlich ist auch Newgrange als Steinzeitkalender interpretiert worden.

Wanderte der Kult von Anatolien nach Herxheim und von dort nach Newgrange? Es ist zumindestens eine faszinierende Idee.

Advertisements

Diskussionen

2 Gedanken zu “Schädelkult & Steinzeitkalender

  1. Hat dies auf LIMES GERMANIA rebloggt und kommentierte:
    Schöne neue Gedanken

    Verfasst von limesgermania | 24/07/2017, 5:29 PM

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pingback: Der wandernde Schädelkult | Die Goldene Landschaft - 24/07/2017

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Schließe dich 59 Followern an

%d Bloggern gefällt das: