//
du liest...
Bronzezeit, Falsche Thesen, Mythen

Arische Veden & co

Das ganze Thema rechter Nationalismus in Ostblockländern hielt ich mal für unmöglich. Normalerweise sieht man doch nur Deutsche als Neonazis an. Das es nach der Verfolgung und rassischen Abwertung Leute gibt, die nun genau der gleichen Idiologie huldigen ist mir völlig unverständlich. Und das beschränkt sich nicht nur auf Hobbyhistoriker, darunter sind gestandene Wissenschaftler.

In diesem Sinne viel Spass mit der Sammlung nationaler Auswüchse und Kuriositäten.
Beim Songcontest haben wir uns ja an „Germany zero points“ gewöhnt, müssen wir uns jetzt vor aus lauter Toleranz auch an Geschichtsverfälschungen gewöhnen? Reicht es nicht wenn man die jüngere Geschichte z.B. die der DDR nach Siegermentalität verzerrt? Wie weit darf Toleranz eigentlich gehen?

Heutzutage ist es wieder Mode im Osten von Slawischen Veden zu faseln und/oder ungeliebte Völker zu unterschlagen. Man negiert so ihren Beitrag zur historischen Geschichte des eigenen Landes. Und natürlich stehen Deutsche als Verursacher zweier Weltkriege ganz weit oben. Doch das gleiche Phänomen gibt es auch in einer westlichen Version, wo man sich ebenfalls von den bösen Deutschen distanciert und zu Kelten umdeklariert, frei nach dem Motto „Lieber Kelten als Germanen“. Und dann gibt es noch die Typen mit den amüsanten Ideen, die sind wenigstens unterhaltsam.

Doch wer eine ernsthafte Theorie hat, muss die 5 W-Fragen handfest beantworten können. Wer, Wie, Was, Wann und Warum. Er muss historische Überlieferungen, Archäologie, Linguistik und Genetik unter einem Hut kriegen.

Hier sind ein paar die das nicht schaffen, dafür füttern sie jede Menge Nationalrassismus.

Ursprünglich fand ich die Forschung von Łukasz L. Łapiński und sein seinem R1a-Baum-Diagramm sehr hilfreich.
Doch eines Tages stellte ich fest das er die Germanen einfach heraus strich. Die gab es plötzlich nicht mehr und das zu einem Zeitpunkt wo alle mitteleuropäischen bronze- und eisenzeitlichen R1a Funde aus Deutschland kamen. Ja er bezweifelt sogar die gemeinsame Geschichte der Slawen und Germanen die historisch eng mit einander verflochten war und das beweist nicht nur der Name Bayerns der wie der Name Böhmen auf die Boier zurück geht, sondern auch die reichhaltigen Funde vieler Jahrhunderte die sich auf beiden Seiten der Oder erstrecken.

Evolution der Lapinski Welt

Evolution der Lapinski Welt

Begründet hat er dies mit dem sehr hohen Anteil an R1a in der polnischen Bevölkerung. Das ein beträchtlicher Teil des Landes erst 1945 polnisch wurde, interessierte ihn nicht und Kritik an seiner Darstellung löscht er bis heute weg.

Nachdem es massive Kritik hagelte, verschwand diese Version ganz schnell wieder und er billigt den Germanen einen kleinen „Außenseiter-„Ast zu.
Leider hab ich nicht mehr alle Versionen gefunden, aber ein paar andere die gut dokumentieren wie die Germanen in „Lappis Welt“ zurecht geschrumpft wurden.
Viel kopieren das kritiklos, weil diese Baumübersicht so hübsch ist, ohne sich darüber zu wundern, das dessen „Slawen“ ständig in Deutschland gefunden werden.

Auch die zuvor von ihm angeworbenen Wissenschaftler zogen sich nun zurück.
Trotzdem berief er sich weiter auf sie und erklärte fleissig Osteuropa zu einer einzigen großen slawischen Familie.
Um dem Ganzem einen internationalen Anstrich zu geben, hat er die ungeliebten westlichen und asiatischen Zweige Z93 L664-Cluster und Z284 und einem Ami, einem Skandinavier und einem Niederländer zur Moderation überlassen. Den Z280-Cluster okkupierte er gleich mit 3 polnischen Freunden die wunschgemäß alles zu slawisch erklären.
Man mag das für unwesentlich halten, aber Lawinen fangen immer mit einem kleinen Stein an und am Ende reißen sie alles hinweg.

Dummerweise hat Deutschland in der Bronzezeit die höchste Vielfalt aller europäischen yDNA R1a und auch auf dem R1b-Zweig zeichnet sich eine große Vielfalt im Süden Deutschlands ab. Dazu kommt die große Vielfalt der Haplogruppen I1 und I2 und eine Vielfalt einer zweiten europäischen Domestikation zeichnet sich auch unter den Haustieren ab, die von den damaligen Bewohnern gehalten wurden.
Alles nur ein Zufall? Sicher nicht.

Eine Quelle erzeugt neue Linien und muss daher eine hohe Vielfalt aufweisen. Hier experimentiert die Natur.
Wenn also Polen eine Quelle wäre, müsste es eine höhere Vielfalt als Deutschland aufweisen, aber so ist es nicht. Polen hat relativ wenige Linien die aber stark present sind. Sie zu Westslawen zu erklären wie Lappi es tut ist daher fragwürdig, und auch die Behauptung sie kämen direkt aus der Yamnaya Kultur, geht nicht auf.
Da gibt es nämlich ein Problem, die Väter der Urpolen müssten dann ja eigentlich östlich von Polen zu finden sein. Dummerweise sind sie aber westlich von Polen gefunden worden. Die Geschichte verlief hier nicht so wie man es erwarten würde.

Inzwischen gibt es auf Lappis Baum auch eine schwarze Sonne, ein Symbol das sofern es stimmt, wohl auch von der SS benutzt wurde. Nun ja ich bin da nicht so bewandert. Vielleicht irre ich mich ja.

Auch die deutsche Wikipedia stellt diese ethnische Zugehörigkeit bronzezeitlicher Menschen als Balto-Slawische Sprecher hin und bezeichnet das als „objektive und neutrale Wahrheit“, obwohl das von führenden Linguisten abgelehnt wird. Erst intensive Diskussionen und Beleidigungen führten letztendlich dazu, das sich die Wikipedia langsam neueren Erkenntnissen wieder öffnet, wobei man hier noch immer „Altwissen“ mit sich herum schleppt.
So präsentiert die Wikipedia z.B. eine Zeichnung Europas in der ein vermutlich 15jähriger Franzose 2005 einen Kreis mit Pfeilen gekritzelt hat. Wie objektiv das ist, kann man sich ausmalen.

Die mind. 30 archäologischen Studien die seit 10 Jahren erscheinen und Slawische Kulturen frühestens ab 547 AD datieren, berücksichtigt sie nur extrem ungern und sortiert „unbeliebte Erkenntnisse“ gern aus. Ansonsten halten sie jeden mit einer anderen Meinung für einen Rechten.

Am liebsten würde sie Ostgermanen sowieso jegliche Existenz oder kulturellen Beitrag absprechen und sie zu Slawen umdeklarieren, womit sie letztendlich die selbe Sichtweise vertritt, wie Jene die von Arischen Veden schwafeln.

 

Reale Fundsituation R1a

Reale Fundsituation R1a

Wie das jedoch wirklich aussieht dokumentiert mal dieses Bild. Es gibt zwar neuere Funde die noch nicht enthalten sind, doch die dokumentieren eigentlich nur das was dieses Bild schon andeutet, zwei Haufen von R1a, der eine vom Ural, der andere in Mitteleuropa.

Es war immer klar das sich Uralischen Stämme bis nach Estland und Karelien ausgebreitet haben und auch mit der Wolga in den Süden gelangten und somit in der Yamnaya Kultur auftauchten.
Würde es hier eine weitere (balto-slawische) Sprachkultur geben, hätten sich eine dritte Grabkultur herausgebildet, die irgendwie auffallen müsste.

Es gibt reichlich Studien die das thematisieren, mit Datierungen, Fundvergleichen und allem PiPaPo, trotzdem wird weiterhin das Märchen bronzezeitlicher Slawen verbreitet.

Der Erfolg der Lapinski-Publikationen waren jedenfalls dutzende neu-arische „Jünger“ die nun intensiv „Arische Veden“ verbreiten, die angeblich die wahre Mythologie der Slawen wäre. Dabei handelte es sich wohl um pseudomythologische Schriften aus dem letzten Jahrhundert. Derartige Slawentheorien waren einst zur Stalinzeit populär.

Man muss sich das nicht antuen, die Veden gehören nach Indien und die Arier ist ein antikes indoiranisches Volk. Wer was anderes behauptet, muss es erstmal beweisen.

Und so schreibt z.b. einer der arischen Lapinski – Jünger:

„Was uns in einzigartiger Weise unter den Völkern Europas verbindet sind die gemeinsamen männlichen Vorfahren mit den indoiranischen Arier durch die Mutation der Y-DNA R1a-M417. Diese Mutation wurde an spätere Generationen weitergegeben und ist heute als Gemeinschaft des indoeuropäischen Erbes anerkannt, die nicht nur eine sprachliche und ethnische Gemeinschaft sondern auch eine biologische Gruppe bilden. Die Suche nach der geografischer Heimat der Prä-Indoeuropäer ist sinnvollerweise in der Urbevölkerung Zentralasiens zu sehen, die nach Mitteleuropa kamen und die genetische Abstammungslinie R1a mitbrachten. Genetische und archäologische Spuren scheinen zu zeigen, das das polnische Kujawa vielleicht die letzte Stufe dieser Migration – vor der ersten Erweiterung der indogermanischen Dialekte nach Europa war. „
„So ist es rationell, auf dem polnischen Gebiet die Trennung von Bałto-Slowenen und Slawen aus der indoeuropäischen linguistischen und biologischen Gemeinschaften zu suchen.“

Das ist zwar ganz grob gesehen nicht ganz falsch aber R1a-M417 ist mindestens 10.000 Jahre alt. Damals rannten noch Eiszeitjäger durch die Wälder.
Ja und dann sucht er und was findet er? Na klar, Polanen die 7000 Jahre alt sind. Das funktioniert dann so:

„Ab dem sechsten Jahrtausend vor Christus entstand im Westen des mittleren Dniepr zaghaft eine neue Kultur die vor allem in Zentralpolen und Kujawien heimisch war und deutlich von Komornicka und seiner anschließenden Expansion als Chojnicko-Pieńskowskiej Kultur stand, die im Zusammenhang mit der Tradition der Maglemose-Kultur steht (A. d. R. etwa 9.000 bis 6500 v. Chr.) und eine Ausbreitung nach Deutschland und Nordjütland bewirkte. Dies war der Janisławicko Rudoostrowski-Kulturkreis. Dieser ist von vielen Archäologen (S. Kozłowski, L. Czerniak, L. Domańska und anderen) aufgrund seiner proto-neolitschen Traditionen und charakteristischer Steinwerkzeugen und der Art von „Eichen-Siedlung“ (Eichen-Siedlung sind in Kujawien identifiziert) anerkannt worden. Slawen nehmen auf der phylogenetischen väterlichen-Baum nach R1a-M417 den Platz der Mutationen M458 und Z280 ein und sind überwiegend in den heutigen slawischen Ländern, in Polen etwa 57%.“

Es sei erwähnt das die Maglemose-Kultur Nachfahren der Federmesser-Gruppen sind und vor 15.000 Jahre bereits Lager in Gönnersdorf aufbauten. Und gerade erst ist die schwäbische Alm mit den berühmten Figuren der Vogelherdhöhle und des Löwenmannes zum Weltkulturerbe erhoben.
Der Janisławicko Rudoostrowski-Kulturkreis hat nichts was ihn zu etwas Besonderem macht und wird wie auch die Jäger und Sammler in Deutschland größtenteils von den Linearbandkeramikern verdrängt. In der Kultur ist nicht die  R1a-Z280 nachgewiesen, wie das hier dargestellt wird und auch der dargestellte Weg ist falsch. Die meisten der Proben stammen aus der Schnurkeramik oder sogar aus der Eisenzeit. Hier werden mal eben mehrere Jahrtausende vermischt. Aber darüber könnte man ja noch hinweg sehen.

Von 6.500 bis 3500 v. Chr. sieht er dann einen Flaschenhals bis sein erster Pole die Welt erblickte und behauptet dann:
„Inzwischen muss es ein Signal der Kontinuität von Slawen sein, die auf dem Gebiet der Slawen lebten, aber nicht ihre eigenen Hydronomie erstellten, obwohl die Kontinuität der aufeinanderfolgenden archäologischer Kulturen belegt ist.“

Also er behauptet, zuerst hat die slawische Maglemose-Kultur sich in Deutschland ausgebreitet, dann gab es einen Flaschenhals um 3.500 v. Chr. und dann kamen die Kujawischen-Eichenwaldsiedler als Schnurkeramiker über Europa.
Die Kujawischen TRB-Proben sind zwar alt, aber diese Datierung ist problematisch, da sich ja in Deutschland ja die verschiedenen Gruppen zur TRB vereinten und dabei mehrere Gruppen ausbildeten die sich an der unteren Elbe überschneiden. Dies impliziert das die Kujawischen Proben nicht älter, sondern jünger sind und die Datierung der TRB in Kujawien „schön gerechnet“ wird.

Ein weitererer Jünger dieser Janislawice-Theorie findet sich z.B. unter
The Baltic in Vedic. Auch hier wieder mit zahlreichen haltlosen Behauptungen.

Man könnte diese „Lapinski-Streichung“ als Einzelfall sehen, doch der Mist beeinflusst auch Wissenschaftler.
Das wurde mir bewusst als mir die erste wissenschaftliche Studie einer Ukrainerin namens Valentina Mordvintseva unter die Hände kam, die über Barbaren in der Nordpontischen Region und ihre Kontakte eine wissenschaftliche Studie verfasste.
Nun denkt man doch da müsste doch eigentlich alles drin stehen was man so weiss, Wissenschaftler sind doch neutral? Und tatsächlich es wird auch ausgiebig die Gotenzeit der Ukraine thematisierte, nur das darin keine Goten vorkommen.

Obwohl die Goten bis 375 auf dem Höhepunkt ihrer Macht großflächig die westliche Ukraine beherrschte und in Dakien einen römischen Kaiser samt Thronfolger killten, fand die Studie nicht einen Goten. Auch keinen Bastarnen oder Skiren die ja in historischen Quellen genannt werden.
Sie fand nur lauter glückliche Skythen und Sarmaten die total happy sind von den Römern endlich unterworfen worden zu sein, damit sie am Hadrianwall Wache für die Römer schieben können.
Das Wort „Gote“ kam überhaupt nicht in der Studie vor und das durch die gesamte Gotenzeit. Das die Goldmünzen die Kniva in der Schlacht am Abritus erbeutete, über 8 Länder verstreut auftauchten und der Kaiser sogar ein Gesetz erließ, nachdem Soldaten keine Münzen mehr in den Einsatz mitnehmen dürfen. Das alles spielt keine Rolle.
Auch nicht das der römische Limes an der Donau zusammengebrochen war oder die Römer eine Reichskrise hatten, das sie Dakien räumten und Tribute an die Germanen zahlten, nichts – nicht ein Wort.

Doch es ist keine Ausnahme.

In der Ausstellung deutschen Skythen und Barbaren in Bonn kam ein weiterer Ukrainer namens Askold Ivantchik im Begleitband zu Wort. Auch so ein Akademiker mit einer recht ansehnlichen Sammlung von Titeln. Doch das half ihm nicht einen Bastarnen zu finden.
So schreibt er:
„Das 3. Jahrhundert v. Chr. ist die „dunkle Zeit“ in der Geschichte des nördlichen Schwarzmeergebietes. Sowohl skythische als auch sarmatische Denkmäler sind in den nordpontischen Steppen in dieser Zeit unbekannt; eine befriedigende Erklärung fehlt dafür bisher. Jedoch ist es unstrittig, dass die sarmatische Expansion im 3. Jahrhundert v. Chr. stattfand.“

Was übrigens beweist das Sarmaten im 4. Jhd. v. Chr. nicht in der Ukraine waren. Dagegen kommt es um 325 v. Chr. zu Volksverschiebungen am oberen Dniester und südl. Bug, wo offenbar gerade die Bastarnen  einwanderten. Vermutlich wanderten die Sarmaten kurz darauf um 315 v. Chr. in die Region Olbia ein. Das entspricht etwa dem Zeitraum als der Sohnes von Alexander dem Großen und seine Mutter Roxana ermordet wurde. Damit hatte die baktrische Leibwache der Roxana ihre Hauptaufgabe, den Schutz der Roxana und ihres Sohnes verloren.

Zur Zeit um 280 v. Chr. werden nun auch Sarmaten von den Griechen bezeugt.
„Die Zeit der friedlichen Koexistenz mit den Barbaren wurde hier durch fortwährende militärische Konflikte abgelöst.
Im nordwestlichen Teil des Schwarzmeergebietes ist nicht allein die Expansion verschiedener Gruppen der iranisch-sprachigen Nomaden, vor allem der Sarmaten, sondern auch geto-thrakischer und keltischer Völker zu beobachten. Die Folge ist der Untergang von Nikonion; Olbia und Tyras verlieren ihre Chora und sind in eine anhaltende wirtschaftliche und politische Krise verwickelt.“

So, so, der Ukrainer findet nur iranisch-sprachige Nomaden, Geto-Thraker und Kelten. Historisch haben die Griechen dann alles wieder aufgebaut.

Dann schreibt er weiter:
„Es handelte sich tatsächlich aber nur um eine kurzfristige Stabilisierung, denn in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. zeichnet sich im nordwestlichen Schwarzmeergebiet bereits eine erneute Krise ab. So verringerte sich unter anderem das Territorium von Olbia, ebenso wie die Bevölkerungszahl der Stadt.“

Wer nun glaubt er habe endlich die Bastarnen gefunden, der irrt sich denn eine Begründung was diese Krise auslöst fehlt. Um 230 v. Chr. belagerten die Bastarnen mit den germanischen Skiren die Stadt Olbia am Schwarzen Meer und schliesslich werden sie um 221 v. Chr. sogar von Philipp V. von Macedonien angeworben. Das setzt sich bis zum ersten Dakerkrieg fort den die Römer gegen die Daker und verbündete Bastarnen und Sarmaten verlieren. Auch das bleibt ohne Erwähnung.

Er umschifft dieses Thema ganz ganz auffällig unauffällig.

„Der erste bekannte König dieses skythischen Reiches war Argotes, der zweite Ehemann der bosporanischen Königin Kamasarye, die die Witwe des Königs Pairisades II. und die Mutter des Königs Pairisades III. war (CIRB 75; vgl. die Inschrift vom Mausoleum des Argotes in Neapolis Skythike: Vinogradov/Zaicev 2003, 44–53). Argotes starb um 135 v. Chr. und sein Nachfolger war Skiluros, der nicht nur die zentrale und westliche Krim (außer Chersonesos) kontrollierte, sondern auch eine Reihe anderer Territorien des nördlichen Schwarzmeergebietes. Olbia war in die politische Abhängigkeit von Skiluros geraten, der in dieser Stadt Münzen mit seinem Namen prägen ließ. Er hatte freundschaftliche Beziehungen zum Bosporanischen Reich und eine seiner Töchter war mit einem Mitglied der bosporanischen Königsfamilie, Heraklides, verheiratet (SEG 37, 674). Gegenüber Chersonesos betrieb Skiluros weiterhin eine feindliche Politik.“

Und zum Beweis hier berichtet er über die Machtübernahme des Mithridatus:
„Besonders schwierig war die Situation im nordwestlichen Schwarzmeergebiet, wo die größte Gefahr nicht von den iranisch-sprechenden Skythen und Sarmaten ausging, sondern von den geto-thrakischen Stämmen. In der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. schuf Byrebistas eine mächtige Allianz aus getischen Stämmen, die eine Reihe von griechischen Städten im westlichen und nordwestlichen Schwarzmeergebiet zerstörten, darunter Olbia.“

Obwohl die Bastarnen und sogar die Skiren in den Quellen eindeutig als Partner Byrebistas (wir schreiben Burebista) genannt werden, berichtet er ausschliesslich von „geto-thrakischen“ und „getischen Stämmen.
Zu guter Letzt hat er sich dann doch an Goten erinnert, vermutlich weil das Begleitheft den Titel „Skythen, Sarmaten und Goten“ hieß.

„Die Goten besetzten und zerstörten Tyras und Olbia sowie eine Reihe bosporanischer Städte.“

Das war´s, die Goten als böse Zerstörer, die Bastarnen nicht existent und das auf volle 12 Seiten. Und habt ihr aufgepasst – Daker kommen auch nicht vor.
Die  mag er also auch nicht, obwohl er sogar deren König Burebista nennt. Den macht er zum König der die geto-thrakischen Stämme vereinte. Da weiss man doch gleich woher der Wind weht. Und dann trägt der auch noch den Wikingernamen „Askold“. Ich frage mich wieso die Bonner sowas akzeptieren?

Quelle: Griechen und Barbaren. Das nördliche Schwarzmeergebiet vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr., in: Die Krim. Goldene Insel im Schwarzen Meer. Griechen – Skythen – Goten. Begleitband zur Ausstellung. Bonn, 2013, S. 37-49.

Da es mir vergönnt war russische Untersuchungen der verschiedenen Kontakte dieser Kulturen am schwarzen Meer einzusehen, weiss ich das es ganz massive Kontakte zwischen dem bastarnischen Siedlungsgebiet, den Roxolanen und Olbia sowie Tyras gab, die bis auf die Krim reichten. Und das war nicht ein kleiner Haufen, sondern die waren im Geschehen des nordwestliche Pontusgebietes fleissig involviert. Das Dniestr-Bug-Gebiet ist Teil dieses Netzwerkes. Ebenso ist zweifelhaft das Burebista das Gebiet östlich des Dniester kontrollierte, wie das zugern von der Wikipedia dargestellt wird. Burebista´s Expansion richtet sich ins Karpatenbecken mit seinen ergiebigen Eisen- und Kupfervorkommen. Hier nimmt Burebista das Heiligtum Samagetusa durch die Vertreibung der Boier ein, die er offenbar nur mit Hilfe der Bastarnen und Roxolanen schlagen kann.

Das der Ukrainer die Bastarnen weg lässt, trotz zahlreicher Historischen Quellen, welche er ja zitiert und Bastarnen genau zu dieser Zeit erstarken als es da zu Kämpfen kommt, zeigt das er sie nicht erwähnen wollte. Im übrigem werden sie von allen führenden Wissenschaftlern als Ostgermanisch eingeordnet. Der einzige Grund dort überhaupt Kelten zu vermuten, sind ein dutzend römische Infantrie-Helme im keltischen Stil die in Hügelgräbern der Karpaten und entlang der Pruth und des Dniester als Kriegsbeute der Römerkriege zutage kamen.

Noch schöner ist ja seine Schrift von 2014, wo es um die Römer am Bosborus geht, u.a. um die Schlachten von 229-232 v. Chr. gegen Sauromates  III. und Cotys III.,  als Bastarnen das von Sauromates III./Cotys III. beherrschte Olbia monatelang belagerten.
Auch hier wird natürlich nur von Skythen und Geto-Thrakern gesprochen.
Dann liest er alle Namen indoiranisch und stellt fest das die „Alanischen Namen“ nicht mit den archäologischen Zeugnissen überein stimmen die sie erst im 1. Jhd. n. Chr. anzeigen. Na kein Wunder, da waren ja auch noch keine Alanen. Und so geht es weiter bis ins 6. Jhd. ohne das ein Gote auch nur ansatzweise auf der historischen Bildfläche erscheint.
In der Ukraine scheint diese Zeit nicht nur dunkel, sondern geradezu rabenschwarz zu sein. Und auch diesmal wird kein Daker erwähnt.

Noch mehr „Wissenschaftliches“ von der Ukraine gefällig?

Vom Caspian Research Institute der Ukraine wurde z.B. im Aug 2014 eine wissenschaftliche Studie von Y. Shilov und V. Krasnoholovets veröffentlicht, daraus möchte ich mal die ersten Sätze zitieren die da lauten:

„Ukraine is the only country in the world whose people have a historical memory founded in the Paleolithic era, encompassing memories of the past 22,000 years, with their glaciers and mammoths. For example, one of the legends of the Kyiv region reads: “We call Earth the womb. God made her one of the droplets of land… Land – this is a dish placed on four elephants, and they stand on a cloud. This Earth was 196 centuries ago.” This tradition,
as well as some information in The Veda Slovena, The Veles Book, ritual songs and ornamentations correspond to a Paleolithic settlement in Cyril Street of Kyiv, capital of Ukraine. The land of Kyiv is the oldest of all the known world capitals that retains the remains of settlements over the past 20,000 years.“

Sinngemäß übersetzt:

„Die Ukraine ist das einzige Land der Welt, dessen Menschen ein historisches Gedächtnis bis in das Paläolithikum haben, dessen Erinnerungen die vergangenen 22.000 Jahre mit ihren Gletschern und Mammuts umfasst.
Zum Beispiel eine der Legenden der Kiewer Region erzählt:
„Wir nennen die Erde Gebärmutter. Gott machte ihr einen Flecken Land …
Das Land plazierte er auf vier Elefanten die auf einer Wolke standen.
Das war die Erde vor 196 Jahrhunderten. Diese Tradition, sowie die Informationen der „Veda Slovena“, des Veles Buches, der Ritual Lieder und Ornamente  entsprechen einer paläolithischen Siedlung in der Cyril-Straße von Kiew, der Hauptstadt der Ukraine.
Das Land von Kiew ist die Älteste aller bekannten Hauptstädte, deren Überreste der Siedlung bis in die vergangenen 20.000 Jahren zurück reichen.“

Die Veda Slovena ist eine in modernes Bulgarisch geschriebene angeblich auf alten muslimischen Bulgaren beruhende Legenden- und Liedersammlung. Der erste Band wurde 1874 in Belgrad gedruckt und der zweite Teil im Jahr 1881 in St. Petersburg unter der Autorenschaft des Bosnisch-kroatischen Stefan Verković. Angeblich hat es ein bulgarischer Lehrer 12 Jahre lang gesammelt. Die bulgarische Enzyklopedie betrachtet es als Legendenbildung im Zuge des damals aufflammenden Nationalbewusstsein. Und jeder neutrale Wissenschaftler sieht es genauso, denn um 700 v. Chr. wurde ganz sicher nicht in kyrillischen Buchstaben geschrieben, wenn der Erfinder Kyrill erst um 800 n. Chr. geboren ist.

Das Buch von Veles ist ganz klar eine Fälschung. Es wurde angeblich 1919 auf einer Holzplanke geschrieben aufgefunden und verschwand im 2. WK. Darin wird eine Geschichte von ca. 700 v. Chr. bis 900 n.Chr. erzählt. Der Grund warum es als Fälschung betrachtet wird, ist die Sprache die aus verschiedenen modernen slawischen Sprachen zusammen gestückelt wurde um den Eindruck einer slawischen Ursprache zu vermitteln. Das ganze wurde in einem relativ frühem Kyrillisch auf alten Planken geschrieben.
Das es im 2. WK verbrannte, war für den „Übersetzer“ ein glücklicher Umstand, denn so ist ja eine streng wissenschaftliche Prüfung nicht mehr möglich. Vorhergehende Prüfungen hatte er verweigert. Die Meinung von Altslawisten ist vernichtend, hier war jemand am Werk der keine Kenntnisse der slawischen Sprachgeschichte hatte und vermutlich unter Vorlage einer Altkirchenslawischen Bibelkopie versuchte eine slawische Urgeschichte zu erschaffen.
Was bleibt ist ein Mythos der den „Arischen Veden“ und ähnlichen Idiologien eine pseudowissenschaftliche Basis verschaffte.
Das ist also die slawische Variante der „Protokolle der Weisen von Zion“ und wurde nur 15 Jahre nach diesen „entdeckt“, was für ein Zufall.

Ukrainische Wissenschaftler unter Führung eines gewissen Levko Lukyanenko halten es natürlich für echt und setzten es doch tatsächlich nach der Ukrainischen Unabhängigkeit 1989 auf dem Schulplan ukrainischer Kinder. Lukyanenko wurde infolge der Ukrainischen Abtrennung an die Macht gespült und erster Bildungsminister der unabhängigen Ukraine.

Kontinuität wie es das Caspian Research Institute in dieser suggeriert ist in diesem Fall sogar gänzlich ausgeschlossen, denn die Haplogruppe R ist zu dieser Zeit in Mal’ta am Baikalsee  (datiert auf 24.000 Jahre) nachgewiesen. Die können also gar nicht in der Ukraine gewesen sein.

Um dem noch eine Krone aufzusetzen, bezieht man sich sogar auf eine bestimmte Siedlung und suggeriert das diese Siedlung in der Kyril-Straße kontinuierlich vor 20.000 Jahren bis zu den Kiever Rus besiedelt gewesen sei. Da müsste ja die Siedlungsschicht einige Meter höher sein als in Troja. Würde das ein deutscher Historiker so schreiben, würde man ihm wohl sofort den Kopf waschen.

Das geht übrigens immer so weiter, da werden Verbindungen zu Sumer und Akkad, zu Ägypten und Mykene hergestellt und sämtliche russischen Wissenschaftler der Sowjetunion von 1920-1990 zitiert, die eine Kontinuität der Russen bis zum Sankt Nimmerleinstag zu beweisen versuchten. Das war damals die Doktrin also steht das auch überall drin. Doch inzwischen sind es die Russen, die objektiv und neutral die Geschichte aufarbeiten, während sich in der „freiheitlich demokratischen Ukraine“ rechte Idiologien verbreiten.
Eine Fälschung als Wahrheit zu präsentieren, das zeigt wohin der Hase läuft.
Zum Vergleich, in Deutschland ist die Krone aus dem Schatzfund von Bernstorf auch umstritten. Deshalb wird sie nicht ausgestellt. Ähnlich intensiv wurde die Himmelsscheibe untersucht, bei der inzwischen alle Zweifel ausgeräumt werden konnten.

Da mutet es fast ein bisschen lächerlich an, das sich die Rumänen eine 55 m große Skulptur des Dakerkönigs Decebalus für schlappe 1 Mio. Dollar  in den Felsen hauen ließen, während der Westen Geld für rumänische Weisenhäuser sammelt. Noch witziger sind die Serben die gegenüber eine Gedenktafel anbrachten auf dem sie ausgerechnet Trajan huldigten, der Decebalus besiegt hatte. Die blieben wenigstens im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

 

Kennen sie schon die Georgisch-Hurritische Herrschaft über Nordeuropa?

Ja, es erstaunt mich immer wieder was ich so in der Welt entdecke. Also der gute Mann namens Iurii Mosenkis, klärt uns darüber auf das die Germanen hurritisch gesprochen haben. Das wird nämlich von den Georgiern als Urheimat okkupiert. Als Beweis hat er da so einiges ausgegraben:

Proto-Germanic *saiwaz ‘sea’ cf. Hurrian šiwe ‘water, river’;
Proto-Germanic *saiwalo ‘soul’ cf. Hurrian šuhuri ‘life’,  Urartian šeheri ‘alive’;
Proto-Germanic *dimbaz ‘dark’ cf. Hurrian timerri ‘black’;

Also ich bezweifle sogar dieses Proto-Germanisch ist, wer weiss wo er das ausgegraben hat.
In seiner Welt ist die Kugelamphoren-Kultur die nördliche IE-Priester Elite der Indo-Iraner und die Schnurkeramik sind die restlichen Einwohner von Europa, die von den nördlichen IE-Priester-Eliten erstmal indogermanisiert wurden, weil wir doch noch Hurritisch sprachen. Zumindesten gibt es uns in seiner Welt noch. Das ist doch schon was.

Für die Kelten hat er auch was Niedliches ausgegraben. Die Kelten sind nämlich nördliche Schnurkeramiker und haben den griechischen Drachenmythos übernommen, den sie vorher von der Cucuteni-Tripolje Kultur (seine Proto-Mykener) übernommen haben, den diese über die Yamnaya-Kultur aus dem Kaukasus übernommen hätten. Als Beweis dient ausgerechnet „Nessi“ das legendäre Seemonster aus dem Loch Ness, das dort den Tourismus am Leben erhält. Das ist zwar nicht älter als das letzte Jahrhundert, aber wenn es denn so sein soll.
Darüber hat er ein ganzes 500 Seiten langes Buch darüber geschrieben.

Den Minoern hat er eine semitische Sprache verpasst, unzwar eine aus dem Jemen wo der Weihrauch her kommt. Die armen Glockenbecher werden allesamt zu Basken und die R1a-Einwanderer sprachen „Dene-Basque“ also eine Makrosprache die über ganz Eurasien verbreitet war, außer natürlich dem Kaukasus, da lebten ja die Ur-georgischen Hurriter denen wir unser Hurritisch zu verdanken haben.

Übrigens der Mann ist Professor unzwar Professor Iurii Mosenkis vom Georgischen Institut in Athen, offenbar ein großer Fan der griechischen Mythologie. Die hat er eben nur ein bisschen „georgisch“ betrachtet.
Aber schauen wir uns doch mal weiter um.

Die Polnische Linguistik
Die polnische Wikipedia hat eine ganz neue Erklärung für den Begriff „Slawen“ und „Slowenen“ ausgegraben. Damit will sie dem polnischen Nationalismus eine linguistische Grundlage verschaffen.
Nach Zbigniew Golab leitet sich der Name „Slawen“ aus dem PIE „*su̯edhnos“ (mit ü) ab und dies von der älteren Adjektiv „*su̯edho“ / „*su̯ebho“ abgeleitet, was er mit „eigen“ (ursprünglich „jemand“ in slawischen Sprachen) übersetzt; davon leite sich nach seinen Worten das Svoběne → Sloběne „Slawen“ und gleich noch das Sueben „Swebowie“, „Szwabowie“ ab. Trotz intensiver Suche habe ich irgendwas ähnliches keinem einzigem slawischen oder indogermanischem Wörterbuch gefunden.
Ein slawisch rekonstruiertes „*su̯edho“ / „*su̯ebho“ hat also keinerlei Grundlage, es sei denn, es wurde aus dem Althochdeutschem entlehnt. Und wieso sollte sich jemand „Eigen“ nennen?

Also hab ich weiter nach „*su̯edho“ = „Süden“ gesucht und gehofft es müsste sich  ein Beleg dafür z.b. im Griechischem oder Latein oder anderen IE-Sprachen finden lassen. Doch die Griechen benutzt man das Wort „δικές“ (dikés) oder als Bezeichnung für Südwind „Notos“ (Nordwind übrigens Boreas), was schwer zu übersehen von einer völlig anderen Wurzel abstammt. Diese stammen mythologisch von den Anemoi ab, den Kinder der αὔρα‘ Aura (des Lufthauches) und wurden als eine Art Windnymphen oder oft auch als geflügelte Pferde dargestellt.

Diese heute ausschliesslich von polnischen Linguisten publizierte Theorie von 1812 (!) wird daher auch nur in der polnischen Wikipedia genannt.
Und nebenbei hat es auch keinerlei linguistische Verbindung zu dem Begriff „Sklavinoi“, den sie ja auch für sich beanspruchen.

Die polnische Erklärung ist also Quatsch. Real ist dagegen das es im Polnischen und Teschischen und sogar im Baltischem jede Menge Wörter gibt, die aus dem Alt- oder Mittelhochdeutschem entlehnt sind.
Wenn es eine Bronze- oder eisenzeitliche Sprache wäre, warum sind die Entlehnungen aus einem Griechisch oder Latein dann aus dem 5- bis 10. Jahrhundert. n. Chr. und nicht vor Christus?
Und so nebenbei, die Römer waren auch nie in Polen oder dem Baltikum.

Gerade im Baltikum hat man haufenweise Römische Münzen aus der Gotenzeit (z.b. von Knivas großem Sieg) gefunden und ich wette in Pommern ist das nicht anders.

Quellen:
Samuel Bogumił Linde, Słownik języka polskiego: R-T, Warszawa 1812, s. 492.
Wiesław Boryś, Czakawskie studia leksykalne. Dziedzictwo prasłowiańskie w słownictwie czakawskim, Warszawa 1999, s. 44, ISBN 83-86619-03-1.
Tę i inne teorie szczegółowo omawia Branko J. Hribovšek, Vom Namen SLOVANI, 2007, (niem.).
Omówienie pracy Gołąba, [w:] „Język Polski”, 1994, nr 1 (styczeń/luty) s.49-55; wywodzenie scs Slověne od *Svoběne, *svobъ/*svebъ s. 55.

Aber auch der polnische Blog macht mir auch Spass. Der ist seit Jahren bemüht die Polen zum Mittelpunkt des Universums zu machen. Auch er ein Jünger von Lapinski und der beeinflusst seinerseits wiederum die osteuropäische Darstellung der Eupedia.

Die Polen sind insgesamt besonders hartnäckig darin ständig neue Theorien zu erfinden, in der sie zahlreiche bronzezeitliche Kulturen bemühen um die Existenz einer uralten Slawengruppe zu beweisen.
Das alles dient dem Zweck eine, von den unbeliebten deutschen Nachbarn unabhängige Geschichte zu schreiben, die sie dann eifrig in die deutsche Wikipedia einarbeiten.
Inzwischen geht das soweit, das man problemlos irgendeinen slawisch klingenden Begriff erfinden kann und als fiktiven slawischen Volksstamm einarbeiten kann, der für die nächsten 20 Jahre in der deutschen Wikipedia als absolut existent angesehen wird, auch wenn nie jemand davon gehört oder gelesen hat und die Referenz zu irgendeinem Spinner führt, der an kleine grüne Marsmenschen glaubt.

So ist z.B. den Begriff Ilmenslawen ein reines Kunstprodukt der Neuzeit. Keine Ahnung welcher übereifrige Nachkriegsautor den in die Welt gesetzt hat, aber die Wikipedia verbreitet den Mythos fleissig um die Bewohner des Ilmensee´s als Slawen darzustellen. Vermutlich stammt das noch irgendwie aus der Stalinzeit
als man versuchte die Slawen innerhalb des Ostblocks zu einem Volk zu vereinen um den Kommunismus voran zu bringen. Doch das wurde schnell wieder aufgegeben da man sowohl die DDR als auch die Ungarn, Esten, Wolga-Uralier und Karelen schlecht zu Slawen erklären konnte. Obwohl die genetischen Unterschiede zu den Nachbarn insgesamt eher klein sind, so ist doch die Sprache ein Teil der Identität.

Wir wissen z.B.  das dort entlang des finnischen Meerbusens vorwiegend Livische, Estnische, Tschudische bzw. Votische, Vepsische, Setukesen, Ischoren (Ingrier oder finnisch inkeri-läi-set) oder Karelische Völker lebten die allesamt zu den Finno-uralischen Stämmen gehören.
Die waren also nie slawisch, sondern sind ein netter nördlicher Mix des Waldneolithikums mit ein bisschen Schnurkeramik vom Westen, ein bisschen skandinavische Wikinger (in Saarema auf jeden Fall), Finnen vom gegenüberliegendem Ufer, Karelen die wanderten und den eingewanderten Samojeden mit der Haplogruppe N. Da mag es dann noch den einen oder anderen Exoten wie Russen, Polen, Juden, Tartaren, Deutschen (aus der Hanse z.B.) oder Mongolen geben, die diesen Genpool ein bisschen würzten.

Vermutlich verbergen sich in der Estnischen und Karelischen Überlieferung z.B. der Kalevala oder des estnischen Epos Kalevipoeg die echten uralischen Stammesnamen die als personifizierte Helden wie Väinämöinen, Ilmarinen und Lemminkäinen die jeweiligen Stämme repräsentieren und somit den tatsächlich existierenden Stämmen sicher gerechter wird, als idiotische Kampbegriffe wie Ilmenslawen.
Bei den Wechselbeziehungen des finnischen Meerbusen bleibt es auch nicht aus, das früher oder später auch Bezug auf Menschen genommen wird die gegenüber an der Küste wohnten. Davon mal abgesehen sind diese Sammlungen aber jüngeren Datums.

Die Gründungslegenden von Tschechien und Polen
Eine andere sehr beliebte Variante ist die Legende von Lech, Czech und Rus die als Herkunftslegende der Polen, Tschechen und Russen gern mal als wahr hingestellt wird.
Die wurde in der Großpolnischen Chronik des Erzbistums Gnesen-Posen von 1295, unter dem König von Polen und Böhmen Přemysliden Wenzel II. erfunden, um den slawischen Königreichen des Lech, Čech und Rus einen gemeinsamen Stammvater zu verpassen die seine Herrschaftsansprüche legitimieren sollten. Dieser hatte nämlich großes Interesse daran das Herzogtum Böhmen zu erwerben, was ihm 1300-1305 auch gelang und  seinen Nachkommen 1348 schliesslich mit dem Herzogtum Teschen nochmal gelungen ist.  Dabei konkurrierten die Přemysliden mit den älteren Piasten um Böhmen/Teschen.

Deswegen hat der Přemysliden-Spross im 9. Jhd. diese Legende verfassen lassen um eine gemeinsame Herkunft von Böhmen/Teschen und Polen zu konstruieren, wobei er Lech ins 7. Jhd. vor der Zeit von Kaiser Karl zurück datieren lies. Vermutlich wollte er noch Ansprüche auf das Fürstentum Ruthenien erheben, das unter der Herrschaft Russlands stand.

Übernommen hat er die Figur des Lech aus der Chronica Boemorum des Cosmas von Prag (1045-1125) und mit Czech und Rus erweitert, indem er Lech zum Stammvater der Polen umdekorierte und aus dem böhmischen Fürsten Krok den Herzog Krak der Wislanen macht, was seine Ansprüche auf Krakau bekräftigen würde.
Und diesen hat der Polnische König zu seinen angeblichen Vorfahren auserkoren.

Der echte böhmische Fürst Lecho war vermutlich einer jener Warlords, die sich 795 Karl dem Großen unterwarfen und daraufhin Vasallenfürsten der Franken wurden.
Die Awaren herrschten ab 636 bis 795 über Mähren, Nitra, (anfangs auch das östliche Österreich) sowie Ungarn.
Lecho rebellierte 805 und wurde getötet. 806 wurde sein Fürstentum zum Besitz von Karl dem Jüngerem erklärt, der aber schon 811 starb. So kam es zu Ludwig dem Deutschen der aber lieber in Frankfurt saß und sein Reich über Markgrafen und Fürsten regierte.

Davon mal abgesehen ist in Mähren schon im 9. Jhd. recht hochwertige Prunkkeramik belegt, die nicht so recht zur einfachen Slawenkeramik passt. Die Gleiche hat man bald darauf auf einer Obodritenburg in Norddeutschland (Oldenburg) gefunden. Doch mehr lässt sich dazu nicht sagen.
Andererseits ist belegt das suebische und thüringische Stämme im 3-4. Jhd. n. Chr. in Böhmen präsent waren, worauf z.b. Prunkgräber in Ostböhmen (Litoměřice) hinweisen und es gibt auch einige Hortfunde mit römischen Münzen die offenbar vom unteren Donaulimes stammen, wo vergleichbarer Schmuck im Umfeld römische Castelle gefunden wurde.

Frankenreich805-843-870

Frankenreich 805-843 Ludwigs und nach der Reichsteilung 843

Die Figur eines Lecho entnahm ein Prediger namens Cosimas von Prag dem Thietmar von Merseburg, der auf Geheiß von Heinrich II. die Hauptburg der Lusizen „Liubusua“ wieder aufbauen sollte, die von Heinrich I. zerstört worden war. Weiteres entstammt wohl einiges den Annales regni Francorum, der Annales Fuldenses oder der Annales Mettenses.
Im Jahre 805 ist dort ein Feldzug Karl des Jüngeren, Sohn Karl des Großen gegen einen rebellierenden böhmischen Vasallen namens Lecho belegt, der infolge dieses Krieges getötet wurde.

Damit beginnt der Mythos des Lech, der in der polnischen und tschechischen Geschichte geradezu als Beweis eines unabhängigen slawischen Landes das von den Deutschen erobert wurde, die daraufhin das Land besiedelten. Doch an der Sache stimmt so einiges nicht, u.a. das es eine deutsche Aufsiedlung gab. Im Gegenteil die Bevölkerung sprach wohl je nach Herrscher mal Deutsch, mal Slawisch und wurden so mehr oder weniger zweisprachig.
Wer sich für den Mythos des Lecho interessiert, hier kann man das nachlesen.

Die echte Geschichte Tschechiens

Das eine ist der Mythos, das andere ist eine auf der Hand liegende Erklärung wie die Tschechen zu ihren Namen kamen, Nämlich durch das Herzogtum Teschen (alttschechisch Tiessjn) was 1251 durch die Teilung des Herzogtum Schlesien entstand. Als der deutsche König Heinrich II. 1241 starb teilte er sein Land unter drei Söhnen auf, Herzogtum Liegnitz bekam der Älteste. Bald entstand ein Bruderkrieg unter den Söhnen und die folgenden Heinriche III.-IX teilten das Land immer wieder in neuer Konstellation auf, bis die inzwischen schlesische Piastenlinie ausstarb.

Das Herzogtum Teschen wurde wie das Herzogtum Glogau einst 1348 von dem blanken Jan (luxemburgisch Jang de Blannen), Johann von Luxemburg und Böhmen (einem Sohn Heinrich VII.)  als Lehen an den Piasten Kasimir I. von Polen gegeben. So wurde Teschen slawisch.

Ein Herzogtum Teschen bestand von ca. 1290 bis etwa 1625 und wurde dann durch Heirat Teil des Königreichs Böhmen, womit es später wieder an die Habsburger Dynastie fiel. Belegt ist das in Teschen deutsch gesprochen wurde.
Doch es gibt auch ein slawisches Dialekt das als Teschen bezeichnet wird.
Vermutlich existierten die jahrhundertelang friedlich nebeneinander.
Es ist also kein Wunder das das Teschener Dialekt massenhaft mittelalterliche deutsche Entlehnungen hat. Eine Uni hat sich die Arbeit gemacht und ein ganzes Wörterbuch deutscher Entlehnungen im Teschener Dialekt gefunden. Sie stammen alle aus dem Frühmittelalterlichem Deutsch.

Erst im Zuge des Zerfalls der Habsburger Monarchie wurden die Teschener – also die heutigen Tschechen unabhängig und nahmen den Namen ihres alten Herzogtums Teschen an, nun aber in der Slawischen Schreibweise als Czechen die aus der Chronik des Wenzel II. stammte.
Lustigerweise wurde die Stadt Teschen durch Landesausgleich zwischen Polen und Tschechien teilweise polnisch. Somit entspricht das heutige Tschechien auch nicht den Grenzen des damaligem Herzogtums und die Gründerstadt ist zur Grenzstadt zu Polen geworden.
Damit ist Tschechien nicht älter als 800 Jahre und relativ jung. Das trifft für fast alle Länder Europas zu. Und auch Deutschland war ja die meisste Zeit ein regelrechter Flickenteppich an winzigen Fürstentümern, die wahlweise mal mit den einen mal mit den anderen kooperierten.

So taten die Fürsten genau das gleich wie die Stämme der Germanen die tausend Jahre früher durch Europa zogen. Und es ist auch belegt das sich die Menschen des deutschen Flickenteppichs als Deutsche sahen, was man den Germanen gern in Abrede stellt, den Kelten und Slawen aber zubilligt.
So heisst es in der Wikipedia unter Kelten „Kelte ist wer keltisch spricht“. Bei den Germanen liegt die Mühe darauf zu beweisen das „Nicht Germane ist wer germanisch spricht.“ Merkwürdig neutral, nicht wahr?

Doch ich glaube die Menschen dachten auch viel praktischer, hat jemand die selbe Sprache wird er als zum selben Volk zugehörig betrachtet, egal ob er schwarz, grün oder hellgelblila ist. Fremdsprachige Leute werden auch als Fremde wahrgenommen.
Besonders beeindruckt hat mich eine russische Friseurin die erst als 19jährige nach Deutschland kam und deren Deutsch die gleiche Qualität hat, wie das von jemand der hier geboren ist. Da kann sich mancher Türke eine Scheibe abschneiden.
Und dann gibt es noch diesen rabenschwarzen Baiern, der in Lederhosn und Nationaltracht einen Schuhplattler hinlegt und feinste Kostproben tiefbairischen Dialektes von sich gibt.
Deswegen ist es auch wichtig das Zuwanderer deutsch sprechen. Subkulturen entstehen vor allen Dingen dann, wenn sie nicht deutsch sprechen.

Die meisten osteuropäischen Königreiche entstanden um das Jahr 1000 oder später. Und oft sind – wie im Fall der polnischen Könige die Vorfahren des 8-9. Jhd. unbekannt oder nur durch einen einzigen legendären Vorfahren bekannt, dessen Existenz fraglich ist. Je nach Ehrgeiz der Herrscher haben die sich auch gern mal Chroniken schreiben lassen, die – wie im Falle der Römer – bis Troja reichen konnten. Das die Briten von Brutus abstammen, glaubt ja heut niemand mehr. So die Geschichte zu enträtseln wäre ja auch zu einfach.

Im Grunde genommen ist das sogar eine uralte Tradition sich möglichst ruhmreiche Vorfahren zuzulegen und ich bin mir sicher solche Vorstellung existierten auch bei Kelten und Germanen. Auffällig ist z.B. in der Eisenzeit das sich viele Leute in alten Gräbern bestatten ließen und das diese Nachbestattungen oft aus einer anderen viel jüngeren Kultur stammten als die eigentliche Hauptbestattung. So sind reichlich Urnen in uralten heiligen Stätten, bei Menhiren oder in Tumuli belegt. Auf diese Weise konnte man seine Familie als besonders als alt und ehrwürdig hinstellen. Belegt ist dies bei Glockenbechern und Becherleuten generell die geradezu einen Faible für alte Traditionen entwickelten und so eine regelrechte Renaissance der Megalithik, der Pfahlbaudörfer und sogar der Kreisgrabenanlagen erschufen, obwohl diese Traditionen eigentlich schon am Ende war.

Es ist vielleicht erwähnenswert das die Tschechen genetisch stark in die Nähe der Germanen liegen. Ein Beispiel dieser Nähe sind die im Erzgebirge kursierenden Legenden über den Stülpner Karl, ein kleiner Straßenräuber der sich dem Soldatendienst dadurch entzogen das er nach Böhmen entschwanden. Dummerweise waren aber die Österreicher auf der anderen Seite und prompt wurde er dann doch eingezogen. Er flüchtete aber bei nächster Gelegenheit wieder über’s Erzgebirge nach Sachsen um dem sächsischen Heer in die Arme zu laufen. So kämpfte er mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, obwohl er weder der einen noch der anderen Sache dienen wollte. Die Legende kennt keinen Sprachunterschied.

Und weil die Sachsen und Böhmer die Schnautze von ihren blaublütigen Herren voll hatten, haben sie Nussknacker mit böhmischen, österreichischen, sächsischen und preussischen Uniformen hergestellt. Frei nach dem Motto, „die Nuss muss doch zu knacken sein“. Ja, die hatten noch Humor.

Slovenische Herkunft
Die nächste sehr beliebte Variante ist den Begriff Slawen von Slovenen abzuleiten, was man völlig spekulativ als „Leute von Slov“ interpretiert, wobei „Slov“ als Ortsname völlig unbekannt ist. Es ist mir ein Rätsel wie ein Linguist Deutschlands dies als historische Wahrheit akzeptieren kann. Und die geben auch noch zu, das sie kein „Slov“ finden können.

Vielmehr geht der Ursprung auf die Bezeichnung „Slovensk“ für die altslawische Kirchensprache des Kyrill (transliteriert slověnьskъ językъ) zurück, taucht also nicht vor 863 auf. Damals schufen Kyrill und Method die altkirchenslawische Schrift auf Basis der altbulgarischen Sprache unter Einbindung der mährischen Sprache. Sicherlich wird der Name irgendeinen kirchlichen Hintergrund haben, denn das war ja der eigentliche Grund eine Sprache für die Kirche zu erschaffen.
Würde man das dänisch interpretieren würde es „kleine Freundschaft“ heissen. Ein Zufall? Vielleicht nicht, denn wir wissen nichts über die Sprache der Slawen vor 863. Diese Sprache Slovensk ist also eine echte Kunstsprache und zur Rekonstruktion von Indogermanisch nur bedingt geeignet.

Diese Erklärung ist natürlich in Slowenien besonders populär. Da kann man sich doch gleich mal als Urslawe fühlen. Und so haben auch die Slowenen ihren Urmythos bekommen.

Die neuen Sprecher die mit Slovensk missioniert wurden, nannten sich demzufolge Slovenen. Dieser Begriff taucht erstmalig zuerst im Umfeld von Novgorod auf, als man dort slovensk als Lehrsprache der Kirche einführte, nachdem der dortige Herrscher die Gebiete des Fürstentums Kiew mit seinem Land Nowgorod vereint hatte.

Die Übernahme des Altkirchenslawisch war ein Zugeständnis an die Kiewer Slawen und Wolgabulgaren die nach der Unterwerfung in das russische entstehende Adelssystem Russlands als Bojaren integriert wurden, um das Land unter einer Sprache und einem Glauben zu einen. So wurde mit dem christlichen Titel auch dieses „Slovensk“ in Russland eingeführt. Natürlich musste man diese Sprache mit reichlich lokalen Worten anreichern, da die Kirchensprache natürlich nicht für den normalen Alltag ausreichte.
So gelangte Uralisch wie auch das von Wikingern gesprochene Altschwedisch und selbstverständlich auch Worte der Vespen, Woten und Irmen und das eine oder andere aus Byzanz mitgebrachte Griechisch, aber auch Jüdisch und die vorwiegend indoiranischen Sprachen der Seidenstraße Sogdisch und Baktrisch in die Russische Sprache die sich Schicht um Schicht um das „ur-Slovensk“ anreicherten, das bald durch die Eigenbezeichnung Russia verdrängt wurde und so einen Russischen Charakter annahm.

Von der eigentlichen Ursprache Slovensk ist daher nur wenig übrig. Es reicht gerade so um es als Teil der slawischen Sprachfamilie einzuordnen.
Das war natürlich im Mährerreich, bei Polen und Bolgaren und all den anderen Ländern nicht anders. Sprache ist ja nicht etwas Statisches, sie verändert sich laufend. Ein heutiger Norweger versteht das Nordgermanische des 10. Jhd.  genauso wenig, wie ein Slovene das ursprüngliche „Slovensk“ versteht.

Die Bulgarischen Indogermanen

Indoeuropäische Urheimat nach Ansicht der Slawen

Indoeuropäische Urheimat nach Ansicht von Valentyn Stetsyuk

Jetzt wirds lustig. Hier ist  ein „Wissenschaftler“ namens Valentyn Stetsyuk, offenbar ein Bulgare der fleissig alle Leute mit seiner absurden Slawen-Urheimat-Theorie belästigt und es sogar in die Wikipedia geschafft hat, wo er dank seines akademischen Titels als Referenz verlinkt wurde.

An der bastelt er nun schon seit Jahren herum, um alle Völker auf einen kleinen Abschnitt Land zwischen Litauen und der Ukraine zu quetschen. Das ganze sieht dann so aus – siehe rechtes Bild, und das ist noch die „gemäßigte Karte“.

Aber um der Sache die Krone aufzusetzen, die Bulgaren kamen als Tschuwaschische Protobulgaren demnach aus Norddeutschland und die Skandinavier sind abgespaltene Proto-Bulgaren. Deswegen vergleicht er Tschuwaschisch mit Germanisch und kommt zu dem Schluss das Germanen logischerweise Tschuwaschisch sprachen. Ist doch völlig klar, oder?

Zur Erklärung: Tschuwaschen sind ein uralischer Stamm an der Wolga der eine Turksprache annahm und sich nun für die Ur-Bulgaren hält. Sie haben einen wundervollen Mythos über Attila, das ein völlig anderes Bild vermittelt und sind auch sonst ein durchaus interessantes Volk. Aber ganz sicher sprach in Mitteleuropa niemand Tschuwaschisch.

Archäologisch wird das natürlich auch ausgeschlossen. Ausserdem zeigt ihre Sprache einige Besonderheiten zu üblichen Turksprachen, was eine ganz besondere Entstehungsgeschichte vermuten lässt. Die einfachste Erklärung wäre hier auch einen Zusammenhang mit den Magyaren zu sehen, die als Turkstamm eine uralische Sprache annahmen. Vermutlich haben sich Tschuwaschen und Magyaren gemischt und die Ural-magyarische sprechend Bevölkerung wanderte nach Ungarn, während die Turk-Magyarisch sprechende Bevölkerung in Tschuwaschien blieb. Das zumindestens verraten die genetischen Untersuchungen die Tschuwaschen eindeutig zu den uralischen Stämmen rechnen. Auch die Magyaren sind genetisch nicht weiter auffällig. Sie tendieren nur ein wenig zum Ural hin.

Als Herkunftsgebiet der Turkstämme ist Zentralasien die logischste Anwort. Ihre Turksprache entstand vermutlich auf der Seidenstraße unter Einfluss der Nordchinesen. Dazu muss man wissen das Xiongnu, also Nachfahren der Skythen aus Andronovo-Nachfolge-Kulturen mehrere Jahrhundertelang Teile Nordchinas regierten. Als Quelle der Kök-Türken kann man hier die Wunsun ausmachen. Erste Kontakte mit Chinesen deutet bereits die noch ältere Karassuk-Kultur um 1200 v. Chr. an, die eindeutig chinesische Importe aufzeigt. Viele der prachtvollen skythischen Hinterlassenschaften Asiens dürften von einer chinesisch-skytischen Mischkultur stammen, die sich an der Seidenstraße ansiedelte. Es würde mich nicht wundern wenn auch Mongolen dieser Mischung entstammen, was die Xiongnu gewissermaßen eine zentrale Rolle in der Ausbildung verschiedener Völker zuweist.

Türken, Indogermanen, Thraker und Iraner alle glücklich vereint

Und dann gibt es da noch die Makroversion von Valentyn Stetsyuk, bei der er die Kurgankultur in der Ukraine zum Turkvolk erklärt. Die möchte ich euch nicht vorenthalten. Dies wäre durchaus möglich, wenn die Turksprachen tatsächlich so alt wären. Nach dem jetzigen Stand der Dinge sind die aber nicht älter als 1200 v. Chr. was gut zur Karassuk und Tagar-Kultur passt.

Das Einzige was an seiner Arbeit wirklich Sinn macht ist, das er haufenweise germanische Ortsnamen in diesem Gebiet gefunden hat.
Nach seinem Bild ist das allerdings „Angelsächsisch“. Offensichtlich hat er nur ein englisches Wörterbuch benutzt und findet logischerweise haufenweise „angelsächsische“ Begriffe, natürlich vorwiegend in dem Gebiet das er den tschuwaschisch sprechenden Germanen zuweist.

Ich kann nicht sagen wie brauchbar seine „angelsächsischen“ Lokalisierungen sind, aber da sicher nie ein Ukrainer, Weißrusse oder Pole auf die Idee kommt  altgermanische Namen in Osteuropa zu suchen, ist es wohl der einzige Versuch dieser Art und diesbezüglich recht interessant. Ein paar Fehler hab ich aber schon gefunden, nun ja er ist Bulgare. Seine angelsächsischen Sprachkenntnisse sind wohl nicht so toll und altgermanische Kenntnisse scheint er auch nicht zu haben.

Das Gebiet das er übrigens als Slav markiert ist eines der Regionen mit dem höchsten Aufkommen an römische Münzen aus der Gotenzeit. Ach ja, von Goten hab ich da auch nichts gelesen. Aber das nur nebenbei.

Russisch, die arisch-slawische Ursprache Eurasiens

Lustig ist auch der russische Kollege Wjatscheslaw Seewald, der offenbar aus Russland (Wolgadeutscher?) eingewandert ist und ebenfalls vom Lapinski-Virus angesteckt ist. Er hat nämlich die Ursprache der Slawen und Veden geknackt und ist so nett uns darüber aufzuklären das wir einst alle russisch sprachen. Natürlich beweist er es anhand der Sorben und anderer Stämme und stützt sich hier insbesondere auf den Berliner Fürsten Jaxa von Köpenick.
Den macht er gleich mal zum Berliner Proto-Russen.

Deshalb bringt er uns schon mal das russische Alphabet nahe, dessen Essenz der Satz wäre: „Das wir Götter anbeten sollen, das würde schon für unser Dasein sorgen.“ Na ob es so einfach ist?
Jedenfalls verspricht er in seinem Video haufenweise Fortsetzungen dieser lustigen Auslegung und natürlich sollen wir diese Kurse und alle seine Weisheiten auch fleissig bezahlen. Der Mann braucht schliesslich Geld für seine Forschung.

Die Seewald-Akademie klärt uns auf

Und so schreibt er:
„Einst gab es auf dem gesamten Eurasischen Kontinent eine Einheitssprache, auf der sich die slawisch-arischen Stämme ausgetauscht haben. Mit der Zeit, als sich die Menschen auseinander gelebt haben, sind die immer mehr weggegangen von der Ursprache der Slawen und Arier. „
oder alternativ
„Einst haben auf dem gesamten Eurasischen Boden slawisch-arische Stämme in einem großen Reich Tartaria gelebt.“

Nachtrag: Inzwischen ist aus der Arisch-slawischen Sprache die Europäische Ursprache im Reich Tartaria geworden. Ja, man wächst mit den Jahren;-).

Ungarisch, die neolitische Sprache Europas
Ein ebenfalls nach Hessen eingewanderter Ungare unbekannten Namens (HunTv-Magyarország lässt das vermuten) der eigentlich wie ein Professor wirkt, klärt uns nun endlich über die neolithische Sprache Europas auf.
Die hätte sich im Karpatenbecken entwickelt, weil da die Erdkruste so dünn sei, das dort kein Eis entstand. Dann erklärt er uns, daß in Europa Temperaturen bis 70 Grad minus herrschten und zeigt uns ein Bild aus der Elster-Eiszeit (400.000 bis 320.000 Jahre) oder Saale-Eiszeit (347.000 bis 128.000 Jahre), das war leider nicht so genau erkennbar.

Dabei vergisst er natürlich, das die Menschheit zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in Europa war. Dumme Sache, hier liefen doch noch Neandertaler herum.

Bei der Gelegenheit sei mal gesagt das um etwa 90.000 der Eisshelf besonders weit in den Süden reichte. Vermutlich waren die Karpaten oder die pannonische Ebene tatsächlich für paleolithische Eiszeitjäger attraktiver, das will ich auch gar nicht abstreiten. Doch die sind seit spätestens 15.500 v. Chr. in Gönnersdorf auf der Eifel nachgewiesen. Ein wenig älter sind Spuren in Baden-Württemberg und in Österreich.

Es ist schon unglaublich das sich die Eiszeitjäger überhaupt in die eisfreie Tundra wagten. Das Einzige was sie dahin zog waren wohl die Herden und im harten Überlebenskampf nimmt man eben auch Kälte in Kauf. Jedenfalls hab ich mal eine Karte von Europa vor 20.000 Jahren aufgegabelt. Ob diese Gletscherseen tatsächlich da lagen wo sie eingezeichnet sind, also dafür möchte ich nicht garantieren.

Europa vor 20.000 Jahren

Europa vor 20.000 Jahren

Und ob nun die Erdkruste in den Karpaten wirklich dünner ist, kann ich auch nicht sagen. Aber das eine dünne Erdkruste an der neolithische Ursprache schuld ist, halte ich für ausgeschlossen. Da liegen ja mind. 10.000 Jahre dazwischen. Und dann wären da ja auch noch die neolithischen Farmer aus Anatolien.

Erst kürzlich las ich eine Abhandlung, da wurde die Höchsttemperatur der Eiszeit mit 19 bis 9 Grad in den letzten 20.000 Jahren angegeben. Also abgesehen vom dem Eisschild war es nicht kälter als beispielsweise heute in Sibirien, Nordschweden, Grönland oder Alaska, wo ja durchaus seit Jahrtausenden Menschen leben.
Das ist zwar nicht so wirklich angenehm, aber bei entsprechender Unterkunft und Kleidung kann man also eine solche Eiszeit überleben. Und hier krankt natürlich die ganze Theorie.

Aber seine Erklärung geht ja noch weiter.
Dann sei das Eis geschmolzen und hätte sich in den Karpaten gesammelt, wo ein Meer entstanden sei. Das müsste eigentlich nachweisbar sein, aber auch hier Fehlanzeige.
Die Menschen seien deshalb die Karpaten bis auf 800m hoch gegangen und hätten Terrassenfelder angelegt (die gibt es wirklich) und sich schliesslich soweit vermehrt, das sie nach allen Richtungen auswanderten. Und dabei verbreiteten sie die neolithische Ursprache.
Naja, es wird sicherlich niemand verwundern, das war ungarisch.
Zwar sind die Ungarn erst so 900 n.Chr. aufgetaucht, aber was solls.
Nun ja, den Unterhaltungswert will ich nicht abstreiten.
Wer sich das reinziehen will: Neolithische Ursprache Modell Karpaten=Urheimat

Die Kroaten als Urslawen
Die Kroaten glauben dagegen aufgrund einer Legende des Oströmischen Kaisers, das sie aus dem westukrainischem Galizien stammen. Dies reicht der Wikipedia aus um einen slawischen Stamm namens Chorvaten nach Galizien zu platzieren, wo traditionell seit nahezu 3000 v. Chr. mit hoher Sicherheit durchgehend  östliche Mitteleuropäer lebten. Davon mal abgesehen sind Chorvaten östlich der Daleminzier im ostdeutschem Raum der Mark Zeitz als „Cutizi orientalis“ lokalisiert. Aber es gibt auch noch eine Lokalisierung in Schlesien.

Die betreffende Region in Galizien war vermutlich von einem Völkermix bewohnt. Der dürfte sich aus der Vorbevölkerung und den 20% der zurückgebliebenen Goten rekrutieren. Während der Chasarischen Herrschaft über die Krim dürften weitere vertriebene Krimgoten ebenfalls hier ein neues Zuhause gefunden haben. Die haben sich vermutlich schon während der Gepidenzeit als Warlords etabliert und später Tribute an die Awaren gezahlt, was sie aus byzantinischer Sicht zu Sklavinoi machte. Als die Macht der Awaren um 800 durch die Franken gebrochen war, dürften bereits jede Menge Waräger in Reidgotaland unterwegs gewesen sein.
882 erfahren wir von Askold und Dier die wohl Waräger waren und von dem Oleg aus Novgorod geschlagen wurden. Diese Vereinigung schuf die Kiewer Rus.
Die Expansion des Kiewer Rus dürfte neben den weißrussischen Warägern auch die Warlords von Volhynien und Galizien zu deren Vasallen gemacht haben.

981 hört man hier erstmalig von einem Fürstentum Przemyśl, wobei sehr unterschiedliche Variationen wie Peremyschel, Premissel oder Prömsel benutzt wurden.

Hinter der Legende von Chorvaten in Galizien dürften sich jedoch um 558 Awaren verbergen, die gerade einen Foederatenvertrag mit Justinian geschlossen hatten und auf Wunsch von Justinian den Kutiguren in Galizien den Weg nach Gepidia (das Karpatenbecken) versperren sollten, da die Gepiden die Kutiguren zum Plündern des Byzantinischen Reiches eingeladen hatten. Dies ist überhaupt das erste mal das Römische Quellen über diese Region irgendwas sagen. Und warum sollten sie auch einen Stamm im Barbaricum kennen?
Aus römischer Sicht waren die Barbaren doch alle Kulturbanausen.

Da die Gepiden zu dieser Zeit der ungeliebte „Freund des Römischen Reiches“ waren und Byzanz die Gepiden wegen der hohen Tributzahlungen und als Bedrohung los werden wollte, wäre es natürlich verheerend, wenn diese auch noch Zulauf von Kutiguren erhalten hätten, die dann ebenfalls Byzanz bedroht hätten.

Die Legende des oströmischen Kaisers erzählt also von Awaren die sie als Sklavinoi bezeichnen. Die Ruthenische Chronik nennt sie „Obir“. Das entdeckt man aber erst wenn man alle Informationen zu einer Kette zusammen fügt. Dabei waren die Awaren um 558 so erfolgreich, das sie auch gleich die Utiguren (Proto-Bulgaren) dort unterwarfen. Verjagt wurden sie dann von den Utiguren die sich mit den Kök-Türken verbündeten. Aber die Kök-Türken zerlegten sich selbst sodaß die Bulgaren und Chasaren zu einem Machtfaktor heran wachsen konnten.

Erstaunlich ist das die Byzantiner seit 550 von Slawen angegriffen sein sollen aber 100 Jahre später noch immer keinen einzigen Stamm bezeichen können ausser diese sagenhaften Chorwaten. Ich nehme mal an das ist ein byzantinischer Begriff der den Einfluss der Stadt auf die umliegende Landbevölkerung (Chora) bezeichnet, also eine Art Speckgürtel wie er auch um Berlin existiert. In dem Fall würde ich von einer byzantinisch-römischen Provinz ausgehen und vermutlich bezieht sich das auf den Verlust der Krim.

Die Arische Seite der Eupedia
In der Eupedia klingt das alles erstmal recht glaubwürdig und neutral als würde man hier neutrale Forschung betreiben. Doch so neutral wie es den Anschein hat ist das auch wieder nicht. Hier hat sich der Polenblog mit Keltenfans zusammen getan und die Geschichte quasi unter Polen und Kelten aufgeteilt.
Aber nehmen wir doch mal die Eupedia-Maps auseinander, die hier allzugern von Leuten benutzt werden, die sich nicht eine Sekunde wirklich mit Genetik beschäftigt haben.
Erstmal von vornherein, die Genkarten der Eupedia zeigen die heutige Verteilung und sie scheinen auch einigermaßen brauchbar zu sein. Aber man kann nicht einfach die heutige Verteilung auf eine Zeit übertragen die 4000 Jahre oder mehr zurück liegt.
Auffällig ist, hier sind alle Hochzivilisationen durch R1b entstanden, also die kommen aus dem Iran (dem Urland der Arier), dann waren sie in Sumer, Mesopotamien und schliesslich in Ägypten, dann in Hallstatt und Rom. Da fehlen dann nur noch die Mayas und Inkas. R1b ist somit der Träger sämtlicher Hochzivilisationen. Man, das müssen aber kluge Leute gewesen sein. Und das R1a-Modell entspricht der Kurgantheorie.

Was hier nicht gezeigt wird, die haben den R1a-Stamm schon mal neu geordnet.
Das Problem der R1a-Karte ist das hier R1a-Z283 ebenso aus dem R1a-Z93-Stamm hervor quellen sollen, wie auch die Z283-Substämme.

R1a-Wanderung nach Eupedia

R1a-Wanderung nach Eupedia

Dummerweise ist aber der Vorfahre von Z283 nicht R1a-Z93, das ist einfach falsch.
Das ist keine Vater-Sohn-Beziehung, sondern eine Bruder-Bruder-Beziehung so wie Abel und Kain.
Und wie das so ist, haben alle Brüder ihre eigenen Subfamilien.

Demzufolge sind die Substämme der „Kain-Familie“ also Z280, Z284 und M458 keine Substämme von Abel also Z93.

Der Vorfahre von Z280, M458 und Z284 ist R1a-Z283 und die sind durch Kain in Mitteleuropa geboren, nicht in diesem großen mittleren gelben Fleck in der Ukraine wo Abel (R1a-Z93) und die seinen leben.
Die Pfeile müssen also alle anders herum gehen, die Kinder Kains kommen von Westen und ziehen ins Land des Abel.
So wie sie es darstellen passt es super zur Kurgantheorie, aber das funktioniert nur wenn Adam in der Ukraine leben würde. Und das ist offensichtlich nicht der Fall. Adam wohnt an der mittleren Wolga, nördlich von Abel. Und deshalb stimmt die Kurgantheorie so auch nicht. Es war eben doch ein wenig anders.

Die Yamnaya-Kultur (R1a-Z93) ist nicht der Vater, sondern der Bruder der Schnurkeramik (R1a-Z283), und das erklärt auch die Ähnlichkeit zwischen Yamnaya und Schnurkeramik die bei bis zu 75% liegt.
Diesem Irrtum sitzen auch viele Wissenschaftler auf, die von der Annahme ausgehen das deren Vater (R1a-M417) auch in der Yamnaya-Kultur sitzt.

Waldneolithikum

Waldneolithikum in Nordosteuropa nach DAI 2013

Nur leider ist das falsch, denn R1a-M417 wurde bereits 3000 Jahre früher in Karelien gefunden.

Dort wo die Eupedia-Karte den Adam R1a-M417 plaziert, gibt es nur R1b.

Es gibt also noch eine Kultur im Norden, die Uralischen Stämme,
und die sind die Vater-Kultur sowohl für die Schnurkeramiker als auch für die Kurgan-Kultur in der Ukraine, zumindestens deren R1a-Anteil.
Diese Uralischen Kulturen zeigen sich im Waldneolithikum als Häufchen-Struktur, von denen jeder Haufen einen anderen Namen bekam. Dies entstand dadurch, da die Häufchen in verschiedenen Ländern lagen. Im Prinzip ist das aber alles die gleiche Kultur, so wie sie um 6000-4000 v. Chr. über Osteuropa verteilt war.

Nun ist diese uralische Kultur aber sehr viel älter. Die geht weit bis ins Mesolithikum zurück. Sie sind also nicht aus Asien „eingewandert“, sondern schon seit Jahrtausenden im Osten Europa heimisch.
R1a-M420 ist z.B. in der Narva-Kultur gefunden worden (Horvath 2015). Noch älter sind die Funde von R1a-M420 in Vasylivka, oberhalb der Krim datiert auf ca. 8690 BC und an der selben Stelle ein R1b1a2-V88 (Mathieson et al. 2017) datiert auf ca. 7250 BC. Der gehört zu jener R1b die nach Afrika wandert. (Auch der ein Fund der derzeit noch Fragen aufwirft). Dazu kommt noch ein R1a aus Karelien der da auch schon vor 8.000 Jahren dort herum stampft. Sie beherrschen also einen großen Raum und waren auch die Ersten die die Töpferei nach Europa brachten.

Sie hatten also sehr viel Zeit sich auszubreiten und so bildeten sich Häufchen sowohl in der Ukraine als auch an der Narva, an der Memel, an der Desna, an der Wolga und am Don, also jede Menge kleine Subkultürchen die den Großraum zwischen Ural und Dniepr einschliesslich einiger Buchten der östlichen Ostsee. Diese Expansion ist recht gut belegbar.
Da sich gleichzeitig auch die Trichterbecherkultur ausbreitete, trafen sie irgendwo aufeinander.
Und deshalb sind sie schon in der Trichterbecherkultur bevor die Yamnaya-Kultur überhaupt existiert. Die brauchten also gar nicht über die Ukraine einzuwandern.

Doch warum breitet sich die Uralische Kultur nicht ganz bis nach Mitteleuropa aus?
Dafür gibt es einen handfesten Grund, einerseits waren da die Linearbandkeramiker die den Weg versperrten und es sind einige Massaker unter Jägern und Sammlern belegt die vermuten lassen das die LBK sie zurück drängte.
Das die LBK als Nachfahren der Anatolischen Bauern einen merkwürdigen Schädelkult praktizierten zeigt sich schon am Nabelberg in der Türkei. Ich habe mehr und mehr den Eindruck das der Kult auch bei den Linearbandkeramikern noch praktiziert wurde, hier jedoch in einer Form von Menschenopfer.

Aber als um 4000 v. Chr. die Trichterbecher die Dominanz erlangten und sich entfalteten, verschwand die LBK und auch die Uralier expandierten wieder.
Spätestens 3000 v. Chr. hatten die Mitteleuropäer etwas, was ihre Ausbreitung mehr förderte als die aller anderen Kulturen und das ist das Rad und der Wagen. Damit fuhren sie ab ca. 3000 v. Chr. überall herum und verbreiteten ihre Genetik schneller als alle anderen.
Bei Kugelamphorenkulturen und Schnurkeramikern sind die frühen Wagen nachgewiesen.

Und deshalb breitet sich die Schnurkeramik mit einer neuen Sprache IE von West nach Ost aus, was nach der Theorie der Kurgankultur falsch sein müsste.

Reale Fundsituation R1a

Reale Fundsituation R1a

Und so treffen sich beide Kulturen entlang des Dniepr aufeinander, sodaß hier eine Sprachgrenze zwischen den Uralischen Sprechern und den Indogermanen der Schnurkeramik entsteht.

Aber die uralische Altsprache hatte auch Häufchen im Süden, wo sie auf die Samara-Kultur stoßen, die ihrerseits mit dem Kaukasus handelte. Und dabei entsteht die Yamnaya-Kultur.
(In der Grafik mit einem Fund am Asowschem Meer)

Hier mischt sich R1a mit R1b und dabei könnte der R1a-Z73 Zweig entstanden sein, der besonders stark in der Andronovo-Kultur nachweisbar ist.

Doch die herumfahrenden Schnurkeramiker sickern bald darauf in die Yamnaya-Kultur, die übernimmt die Wagen-Idee und wandert nach Asien ab. So entstand die Andronov-Kultur die sich nun ebenfalls dank des Wagens über die gesamte Steppe Asiens ausbreitet.

Etwa zur selben Zeit als die Schnurkeramik die Yamnaya-Leute erreichen, taucht der erste moderne R1b (2800-2600 v. Chr.) von dem Fluss Samara stammend in Mitteleuropa auf. Folgten sie den Schnurkeramikern, oder schloss er sich den schnurkeramischen Wagenfahrern an oder wanderten sie einfach aus Neugier nach Westen?

Die Ansiedlung der Ex-Yamnaya-Proto-Glockenbecher in Mitteleuropa sieht eher freundlich aus und vielleicht war das Pferd der Grund für diese Freundlichkeit. Das neu domestiziertes Haustier war sicher begehrt und jeder profitierte von dem Handel. Die Welt war noch groß genug für alle Kulturen.

Anfangs war das Phänomen der Glockenbecher noch nicht ausgeprägt. Aber wir wissen das R1b die Ausbreitung der Glockenbecherkultur trägt. Es ist nur noch nicht ganz so klar wie sie zu einer eigentlich alten iberischen Tradition kamen. Da gibt es also noch Klärungsbedarf.

Die nächste sehr beliebte Behauptung ist das die Steppenkrieger über Thrakien wanderten, dann je nach Variante nach Mitteleuropa zogen und/oder nach Anatolien wanderten und dort zu Hethitern geworden seien.
Der Aufhänger ist hier die Donauzivilisation, die eine wesendliche Rolle spielen soll. In der Europedia wird das so dargestellt:

Eupedia Wanderweg R1b

Irgendwo müssen ja die Hethiter herkommen, aber gehen wir nach den Quellen tauchen sie erst frühstens 1750 v. Chr. auf. Archäologisch vielleicht um 1900 BC, andere bestreiten das und setzen sie erst um 1600 v. Chr. an.
Also wo waren sie nach dem Ende der Yamnaya-Kultur in Europa?

Die Antwort der Bulgaren, Rumänen und Ungarn ist klar – „auf dem Balkan“ bei den Balkankulturen. Das ist auch hübsch auf dieser Karte eingezeichnet.

Seitdem ist man hier bemüht die Cucuteni-Tripolje-Kultur zum Europäischen Anteil der künftigen Westeuropäer zu erklären. Besonders seitdem man dort Megasiedlungen entdeckte, die es so zuvor in Europa noch nie gab.
Man ist auch davon überzeugt, das dies der Schlüsselmoment für die indo-hethitischen Sprachen sei.
Möglich wäre das schon und es klingt ja auch irgendwie logisch.

Die Karte der Europedia weist deutlich einen Pfeil zum Balkan und weiter nach Anatolien auf. Diese balkanisch-protoanatolischen IE-Sprecher haben jedoch auf keinen Fall jene R1b Haplogruppe, die in der Jamnaya-Kultur anzutreffen ist. Das stimmt nicht, die Karte ist falsch.
Wenn sie sich auf dem Balkan mit der Cucuteni-Tripolje-Kultur gemischt hätten, müsste diese folglich auch mind. 50% Yamnaya-Genetik haben. Aber genau das ist nicht gefunden worden.

Auch die Theorie wurde z.B. von Mathieson 2017 überprüft mit folgendem Ergebnis:
„No evidence of Copper Age Balkans-to-Anatolia migration, our genetic data do not support this scenario. While we find steppe ancestry in Balkan Copper Age and Bronze Age individuals, this ancestry is sporadic across individuals in the Copper Age, and at low levels in  the Bronze Age, while  Bronze Age Anatolian individuals have CHG / Iran Neolithic related ancestry.
No WHG or SE European ancestry suggesting continuing migration into Anatolia from the East rather than from Europe.“

Übersetzung:
Wir finden …“keine Beweise für eine kupferzeitliche Balkan-zu-Anatolien-Migration, unsere genetischen Daten unterstützen dieses Szenario nicht. Währenddessen finden wir Steppen-Abstammung in der Kupferzeit des Balkan nur sporadisch und auf einem sehr niedrigem Niveau in der Bronzezeit des Balkan, während in der Bronzezeit vereinzelte anatolische Personen eine kaukasische (CHG) oder iranisch-neolitisch verwandte Abstammung (Kolchis) haben.
<small Die fehlende westliche (WHG) oder südöstliche (SE) Abstammung suggeriert keine fortgesetzte Einwanderung nach Anatolien weder aus dem Osten noch aus Europa.“

Also ich bin ja auch kein Hellseher, aber wenn er keine R1b auf dem Balkan findet dann spricht das massiv gegen eine breite Einwanderung auf dem Balkan.

Die Cucuteni-Tripolje Kultur, so fortschrittlich und großartig sie auch war, ist weder die Grundlage der dominant modernen Europäer noch der antiken Hethiter und auch nicht der Andronovo-Kultur (also der Haplogruppe R1a-Z93). Sie sind eher die Altpopulation Europas also der Haplogruppe I. Man könnte sie grob mit Mykenern und Ioniern, Thrakern und Dakern in Einklang bringen und vermutlich stammt auch ein Teil der Dalmaten aus diesem Genpool.

Die Hethiter stammen aber genetisch von der R1b-L23 ab.
Die Frage ist, wo war R1b-L23 zwischen 2500 und 1750 BC?
Eine Antwort bietet uns das Aufkommen der Streitwagen die mit den Maitani und Hethitern im Orient auftauchen. Wo immer sie waren, es muss wohl in der Nähe jenes Volkes gewesen sein das den Steitwagen erfand. Nach bisherigen Erkenntnissen zeigt die Sintaschta-Kultur die frühesten Streitwagen und die saßen am Tobol also östlich des Ural.

Italiener an der Donau, Eupedias Wanderweg

Und kommen wir zu R1b.
Ebenso falsch ist folgende Karte. Hier wird ein proto-italisch-keltischer Fleck an der Donau gemalt, aus der die Germanen sich ableiten würden.
Nur dummerweise ist genau dieser germanische Zweig älter als der italische und keltisch-iberische Zweig.
Die Karte kann daher nicht stimmen, der germanische Zweig stammt niemals von einem Italischem oder gar Keltischem Zweig ab, es geht nur umgedreht.

Wenn man aber bereits R1b-P310 (die sich bereits auf germanisch-sprachigem Boden befinden) als Proto-Germanisch betrachtet, dann müsste R1b-P312 – der Vater des italisch und kelto-iberischen Zweiges bereits in einem  Proto-Germanischem Gebiet auftauchen. Und genau das ist der Fall, sie tauchen tatsächlich in Baiern auf.

Aber wahrscheinlich waren sie zu diesem frühen Zeitpunkt noch zu kurz in Europa und werden daher noch keine IE-Sprache gehabt haben.
In Germanien gab es zu der Zeit aber schon die Schnurkeramik die seit 100-200 Jahren eine Art Proto-Indogermanisch (PIE) sprachen. Und nun passiert das Wunder.
Der Wortumfang des PIE der Schnurkeramiker verdoppelt sich durch die Glockenbecher und wird zu Indogermanisch. Beide Völker vermischten sich und werden zu dem Becher-Mix der sich über ganz Nordeuropa erstreckt. Diese Becherleute fahren als Händler von einem Ort zum anderen, verbreiten ihre Sprache und knüpfen Heiratsbande und gründen neue Becherkulturen,  Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder über mehrere Jahrhunderte hinweg. In Frankreich liegen sie plötzlich in Megalithgräbern, in Deutschland findet man ihre Keramik an Kreisgrabenanlagen und in der Schweiz bauen sie Pfahlbausiedlungen, in England entsteht Stonehenge in Hufeisen-Form und in Iberien errichten sie Stelen. Sie tauchen überall auf und das bunt gemixt mit allen alten Kulturen. Und genau daran krankt die Kurgantheorie. Die Schnurkeramiker und Glockenbecher sowie deren Mix die Becherleute haben jene Verbreitung die der Kurgantheorie grundsätzlich fehlt. Also sind auch nicht die Kurganleute die Träger des Indogermanischem sondern die Becherleute sind die Träger des Indogermanischem.

Die Spät-Tripolje ist zur ausgeprägten Schnurkeramiker-Zeit nicht mehr existent und fällt damit aus. Auch die Yamnaya-Kultur verschwindet.
Ebenso unwahrscheinlich ist eine Einwanderung von Schnurkeramikern nach Skandinavien über das Baltikum, dann müsste man da ja die Genetik von Skandinaviern das Kind der Baltischen Schnurkeramik sein. Aber auch das ist falsch.
Wieso sollten die auch einen völlig neuen Weg wählen, wenn sie einfach den Schnurkeramikern folgen können, die wieder heim nach Sachsen-Anhalt und Jütland fahren. Und vermutlich konnten die Becherleut sogar noch in der Eisenzeit trockenen Fusses die zwei großen dänischen Inseln erreichen.

Auch die Größe der Fatjanovo-Kultur ist geradezu gewaltig überdimensioniert. Warum? Weil man sie als Proto-Baltische Gruppe etablieren will. Doch auch das entspricht nicht der Realität. Im Baltikum sind Jäger und Sammler die dann von der Schnurkeramik assimiliert werden. Östlich des Peipus-Sees finden sich dagegen uralischsprachige Gruppen. Eine baltische Gruppe müsste erhebliche Mengen der Andronovo-Genetik zeigen um eine Verbindung der Indoiranischen Sprache zum Proto-Baltischem zu dokumentieren. Doch die ist dort nicht zu finden. Es gibt Uralische, Karelische und Schnurkeramische yDNA aber keinerlei Indoiranische yDNA.

Auch die kurzlebige Usatovo-Kultur muss bei der Eupedia immer für allerlei Theorien herhalten. Ich weiss gar nicht was die eigentlich an ihr so finden. Sie soll wohl die Brücke (eher eine Krücke) zur Kurganwelt sein. Archäologisch ist es eher die Cernavoda-Kultur die diese Brücke schlägt.

Mit anderen Worten, an der Karte gibt es rein genetisch so viel Unmögliches, von der Größe der Kulturen und deren Zuordnung der Haplogruppen mal ganz abgesehen, die auch in vielen Teilen unzutreffend ist.
So ist z.B. die germanische R1b-U106  nicht unter den Glockenbechern (engl. Bellbeaker) aufgeführt. Tatsächlich sind sie aber gefunden worden. Genauso ist es mit der Catacomb Culture (späte Yamnaya-Kultur) und den Schnurkeramikern (Corded Ware), die Schnurkeramik zeigt alle Subgruppen der R1a-Z283 und nicht nur die angeblich slawischen Gruppen Z280 und M458. Mit anderen Worten, die haben im Grunde genommen den Baum von Lappinsky auf der Karte verteilt. Was tatsächlich gefunden wurde, wird hier einfach ignoriert.
Die Karte hat also massive Fehler.

Übrigens ist die nächste und übernächste Karte dieser Webseite auch falsch. Ich spar mir das jetzt mal darauf einzugehen.

Die spanische Version

Bellbeaker These von Carlos Quiles

Bellbeaker These von Carlos Quiles

Es gibt noch eine weitere Theorie, diesmal von einem Typen der Universidad de Extremadura namens Carlos Quiles und wenn ihnen das spanisch vorkommt, damit liegen sie gold richtig, er stammt aus Badajoz.

Der gute Carlos ist Mitglied der Indo-Europäischen Gesellschaft und führt eine Menge Titel mit denen er wohl Eindruck schinden will. Unter anderem LL.B., B.B.A., M.D., M.Sc. , Ph.D. in Medicine. Ich musste das erstmal nachschlagen um heraus zu bekommen, das sind das sind Bezeichnungen für Bachelor, Master, Diplom und Doktor, also Titel die er jeweils nach 2, 4, 8 oder 10 Semester erhielt. Ich interpretiere das mal als 5-6 Jahre Medizin-Studium.
Er ist also weder Genetiker noch Linguist noch Archäologe und versucht hier mit seinen Titeln Eindruck zu schinden.
Er hat nun kürzlich das „Indo-European demic diffusion model (2nd ed.)“ publiziert.

Dabei favorisiert er die rätselhafte R1b-L754 und es wäre durchaus ein mögliches Szenario, aber das Problem ist das diese Gruppe oder unmittelbare Kinder nach 3900 v. Chr. nicht mehr auftauchen. Sie ist einfach entfleucht…

Vielleicht sind sie ausgestorben, oder vielleicht findet man sie ja noch, aber selbst wenn; bisher sind die unmittelbaren Väter der Glockenbecher nur in der Steppe im Osten gefunden worden. Und dann sind ja auch noch die Hethiter das Salz in der Suppe, es sei denn sie wären zuvor Proto-Glockenbecher und dann nach Anatolien eingewandert. Also spannend ist die Theorie schon. Nur leider ist sie nicht im Einklang mit Iñigo Olalde´s Resultaten, der die Britischen Becher-Leute mit Mitteleuropa verbinden.

Ich würde das schon unter ernsthafte Forschung und „guter Versuch“ einordnen, aber ich denke er legt auch viel Wert auf Aufmerksamkeit.  Nunja, sie sei ihm hiermit gegönnt.

Es wird jedoch immer deutlicher, das es eine von der Yamnaya-Kultur völlig unabhängige uralische Einwanderung oder besser ein leichtes Einsickern nach Mitteleuropa gab.
Dies erklärt warum Waldneolithische Keramik entlang der Ostsee von Karelien bis zur Oder zu finden ist. Vielleicht sind sie einfach mit einem Boot von Bucht zu Bucht gefahren. Da sie ja alle noch Sammler und Jäger (bzw. Fischer) sind ist das nicht ganz unwahrscheinlich.

Und diese Einwanderer aus dem Waldneolithikum ließen sich in Deutschland nieder, nahmen einheimische Frauen, ihre Sprachen vermischten sich. Dank des Wagens breiteten sie ihre Nachfahren als Schnurkeramiker über den ganzen Raum bis zum Dniepr aus.
Das ist der direkte Bruder der asiatischen R1a-Z93 die offenbar in der Yamnaya-Kultur entsteht und zur Andronovo-Kultur wird. Und Brüder sind nunmal verwandt.

Aber um das Maß komplett zu machen, gibt es auch noch R1b-Einwanderer die offenbar entlang der Donau nach Mitteleuropa wanderten. Ob in Begleitung von Schnurkeramikern oder nicht, Sei mal dahin gestellt.
Es scheint eher eine kleine Gruppe zu sein, die der Auslöser der Glockenbecherkultur wurde. Sie sind sozusagen „Proto-Glockenbecher“ die diese Tradition aus dem Iberischen Raum übernehmen und verbreiten.

Noch bemerkenswerter ist die Studie von Iñigo Olalde,“The Beaker Phenomenon And The Genomic Transformation Of Northwest Europe“, doi: https://doi.org/10.1101/135962
Darin führt er aus:
„British Beaker Complex individuals (n=19) show strong similarities to the central European Beaker Complex both in genetic profile and in material culture: the great majority of individuals from both regions are associated with
„All Over Corded“ Beaker pottery. The presence of large amounts of Steppe-related ancestry in the British Beaker Complex contrasts sharply with Neolithic individuals from Britain (n=35), who have no evidence of Steppe genetic affinities and cluster instead with Middle Neolithic and Copper-Age populations from mainland Europe.“
übersetzt

„Der Britische Becher Complex (n = 19 Personen) zeigen starke Ähnlichkeiten mit dem Zentraleuropäischem Becker-Komplex sowohl im genetischen Profil als auch in der Materialkultur: Die große Mehrheit der Einzelpersonen aus beiden Regionen ist assoziiert mit den „schnurkeramischen“ Bechern (damit meint er Glockenbecher mit schnurkeramischen Motiven).
Die Anwesenheit von großen Mengen von Steppen-bezogenen Abstammung in der britischen Becher Komplex kontrastiert scharf mit neolithischen Individuen aus Großbritannien (n = 35 Personen), die keinen Anteil der Steppen-Genetik haben und zum Cluster der mittelneolithischen und kupferzeitlichen Populationen Europas gehören.“
Iñigo Olalde, The Beaker Phenomenon And The Genomic Transformation Of Northwest Europe, doi: https://doi.org/10.1101/135962

Anmerkung: Hier bezieht er sich auf die Megalithische und Neolithische Bevölkerung die ab etwa 5500 v. Chr. aus Frankreich/Iberien kommend in England eingewandert war.
Mit der Steppen-bezogenen Abstammung bezieht er sich auf jede Art Steppenkultur die natürlich alle asiatische Genetik tragen, denn R1b stammt ja nun mal von der asiatischen Seite des Ural.
Die Studie unterstreicht hier besonders, das genau diese neolithische Bevölkerung Englands durch die Becher-Kultur regelrecht ersetzt worden war, also im Prinzip das Gleiche wie in Mitteleuropa, dessen neolithisch Kulturen einschliesslich der TRB ja auch von der Schnurkeramik, den Glockenbechern und den gemixten Becherkulturen regelrecht ersetzt wurde, zumindest was die männliche Genetik betrifft.

Bedeutend ist hier das die Mischung von Schnurkeramischen und Glockenbecher die entlang der Donau, des Rhein und in Mitteldeutschland reichlich stattfand, so umfassend auf England wirkte. Und damit nicht genug, diese Becherkultur (hier allerdings mehr aus dem Raum obere Donau, deutschsprachige Schweiz) ersetzte offenbar auch die Bevölkerung Frankreichs, das nördliche Iberien sowie den Norden Italiens. Wie weit sie da in den Süden vordrangen, das werden weitere Studien zeigen.

Als wesentliches Merkmal tritt hier erstmals der typische Glockenbecher in Aktion, was darauf hindeutet das sie eine Gruppe trafen, von der sie diese Tradition übernahmen. Das war wahrscheinlich eine PfahlbauKultur mit Iberischer Tradition. Plötzlich tauchen überall Becherkulturen auf. Heute unterscheidet man drei Bechertypen, einen der Kontakte mit Schnurkeramikern verrät, einen der eher nach Nordfrankreich und England passt und einen der Iberien und Südfrankreich am besten entspricht.

Mit anderen Worten, war schon die Schnurkeramik/Kugelamphorenkultur und die Glockenbecher jeder für sich alleine  sehr erfolgreich, so waren sie als gemischte Beckerkultur unschlagbar und das vom Dnieper bis zum Atlantik. Sie waren einfach überall und haben die Genetik Europas in vielen Teilen ersetzt und dominiert oder zumindestens beeinflusst.
Und das ist auch der Grund, warum sich in Europa indogermanisch derart durchsetzten konnte.
Die Römer haben zwar viele Völker unterworfen und ihre Sprache und Identität zerstört, aber am Ende stammten von 10 römischen Bürgern 9 aus unterworfenen Kulturen. Die Verbreitung der Römer im Verhältnis zur beherrschten Landmasse, also da hätte man mehr erwartet.

Die Becherleute trieben dagegen fleissig Handel:
Zinn aus Cornwall, Kupfer aus Österreich, Salz von der Saale, Bernstein aus dem Baltikum, Jütländischer Flintstein, Stabdolche in England und Iberien, deutsche und polnische Schweine in Griechenland, Silber aus Schweden, Gold aus Thrakien usw. Und das alles nur dank der Erfindung des Wagens.

Sie hatten alle die selbe Sprache, die selbe Kulturstufe, die selben Vorstellung von der Welt, sie beobachteten die selben Sterne und hatten den selben Kalender, wenn auch lokal mit kleinen Unterschieden. Das sind eher lokale Traditionen so wie Trachten. Man entwickelt sich langsam aber stetig ein bisschen weiter.

Das funktionierte prima bis etwa 1600 v. Chr. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde auch Stonehenge noch betrieben. Aber schon hier deutet sich ein Wechsel an, die alten Götter schienen zu versagen. War es der Vulkanausbruch des Thera der schlechtes Wetter verursachte? In den nächsten 400 Jahren taucht Bernstein im Orient auf. Doch so richtig massive Unterschiede entstehen erst mit dem Erscheinen von neuen Einwanderern, den Kolonisten aus Griechenland und Phönizien. Plötzlich werden die kleinen Unterschiede riesengroß.
Und das sind sie bis heute.

Und genau deswegen ist die Theorie einer möglichen mitteleuropäischen Urheimat kein nationalistischer Aufwasch von Hitlers Ariertum oder Arische Veden, sondern eine auf modernste Daten basierende handfeste Theorie.

Brandt at al 2013

Brandt at al 2013;
DOI: 10.1126/science.1241844

Diese ist begründbar durch eine Erfindung, nämlich Rad und Wagen. Das verändert die Welt nachhaltig. Dazu kommt die enorme Ausbreitung zweier Kulturen die praktisch 50% oder mehr von Europa umspannen und nur dadurch konnte sich die Sprache in Europa harmonisieren und so tief verankern das heute noch die Urverwandtschaft der Worte erkennbar ist.

Die berühmten 5 W-Fragen (Wer, Wie, Wo, Wann, Warum) werden alle beantwortet.
Wer – Schnurkeramiker+Glockenbecher=Becherkulturen = Indogermanen
Wo – Mitteleuropa
Wie –  LBK + Nordische Jäger und Sammler + Megalithkultur =TRB
TRB + Uralier=Schnurkeramik + Samara = Bechermix
Wann = 3450-2000 BC
Warum = Sie hatten den Wagen

Nicht das Pferd ist das ausschlagende Kriterium, sondern das Rad und der Wagen.

Die zweite große Veränderung entsteht in der Urnenfelder Zeit durch das viel fortschrittlichere Wissen der Einwanderer. Nun spaltet sich die Sprache Europas in Sprachfamilien auf.
Unberücksichtigt bleibt hier die rätselhafte mesolithische Gruppe R1b1a-L754. Über die wird es einen weiteren Beitrag geben, sobald hierzu klärende Studien veröffentlicht wurden die ein mögliches Szenario aufzeigen. Es bleibt also spannend.

 

Timeline, Brandt at al 2013;

Timeline, Brandt at al 2013;
DOI: 10.1126/science.124184

Advertisements

Diskussionen

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pingback: Europas Erbe | Die Goldene Landschaft - 12/07/2017

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten.

Schließe dich 59 Followern an

%d Bloggern gefällt das: