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Frühgeschichte

Erstbesiedlung Europas früher als gedacht?

Ich will mal heute das Sommerloch mit einer sagen wir vorsichtig – Sensation – füllen.

In jüngster Zeit mehren sich die Anzeichen, das der Zeitpunkt einer „Out-of-Africa“ Auswanderung vielleicht deutlich zurück datiert werden muss oder sogar eine Entwicklung zum Homo Sapiens ausserhalb Afrikas in Betracht gezogen werden kann. Sicher ist das nicht aber ganz auszuschliessen ist es auch nicht mehr.

Fundplatz Geologie in den Rheinterassen

Fundplatz Geologie in den Rheinterassen

Warum? Nun die Auffindung von Werkzeugen des Oldowan-Typs aus verschiedenen Teilen Europas u.a. in Kreta und Deutschland geben der Theorie Nahrung das bereits vor 1,2 Mio Jahren ein erster Hominide mit dem Wissen der Oldowan-Kultur Mitteleuropa erreichte. Möglich war diese Datierung durch genaue Untersuchungen der oberen Mittelrhein-Terassen, in denen diese Faustkeile gefunden wurden. Diese konnten auf 1,2 Mio Jahre datiert werden und genau in dieser Schicht fanden Hobbyarchäologen auch die Oldowan-Faustkeile.

Dies ist nicht so unglaubwürdig vor dem Hintergrund das ein Atlanthropus mauritanicus aus Algerien (ca. 700.000 Jahre alt) ein Homo tauvelensis aus Frankreich und ein Homo cepranensis aus Italien noch immer strittig sind und keiner Art zugeordnet werden können. Auch der Homo antecessor, vermutlich als ein früher Neandertaler (oder Heidelbergensis) zu klassifizieren, steht weiterhin im Raum..

Wie mir scheint hat der gute Friedemann Schrenk hier Konkurrenz bekommen.

Vermutet wird ein Zusammenhang mit den rund 1,8 Mio Jahre alten Dmanissi-Funden aus Georgien, die nunmehr als Homo erectus ergaster georgicus klassifiziert werden. Der erste Unterkiefer wurde 1991 zunächst im Rahmen einer Grabung des Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Zusammenarbeit mit Georgiern an einer römischen Stadt entdeckt. Doch die Zuordnung zum Homo erectus blieb zunächst umstritten. Zu stark waren die Zweifel an einem Homo erectus ausserhalb Afrikas. Erst mit weiteren Funden konnten auch die Zweifler nicht länger diese Tatsache ignorieren. Seitdem erfuhr die Out-of-Afrika Theorie einen Update.
Einige dieser Dmanissi-Funde erinnern stark an Friedemanns Rudolphensis, andere dagegen wirken schon fast modern. Das enorm weite Spektrum dieser Hominiden sorgte seit dem Zufallsfund für eine heisse Diskussion wie er denn zu klassifizieren sei.

Und ähnlich fraglich ist auch die Klassifizierung des Denisova-Menschen der bis heute noch keine klare Klassifizierung im menschlichem Stammbaum hat.
Doch nimmt man alles zusammen, so könnte der 1,8 Mio alte Dmanissi-Mensch ein Bruder des Homo Ergaster aus Koobi Fora, Kenia sein und zugleich der Vorfahre des Denisova (samt weiterer möglicher Asiatischer Funde). Dessen Bruder wäre dann der  Heidelbergensis, der ein früher Neandertaler war.

Dies wirft die Frage auf, wer nun der direkte Vorfahre des Homo Sapiens ist? Vielleicht gab es ja noch mehr Zwischenschritte.
Möglich das es ein Homo Erectus ist, der wie der Dmanissi-Mensch  aus Homo Ergaster hervor ging.

Andererseits wäre ein Zusammenhang mit dem Atlanthropus mauritanicus möglich, wobei auch der Fund von Spanien und Frankreich interessant wäre. Diese könnten theoretisch sogar noch das Mittelmeer trockenen Fusses überquert haben.

So gesehen ist Homo Sapiens ein regelrechter Spätzünder.

Die Identifizierung als Oldowan-Werkzeuge wird von verschiedenen Wissenschaftlern angezweifelt, insbesondere da Hobbyforscher aus Hessen die ersten Funde machten.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch nicht gelungen, tatsächlich einen so alten Hominiden in Europa nachzuweisen. Möglicherweise ändert sich dies, wenn es gelingt die Anwesenheit von Hominiden mittels revolutionärer neuer gentechnischer Methode auch im Boden nachzuweisen. Wie dem auch sei, es wird spannend bleiben.

Quelle:
Lutz Fiedler, Artefakte vom Rhein, so alt wie in Afrika

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  1. Pingback: Die Wanderung nach Europa | Die Goldene Landschaft - 18/05/2017

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