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Mythen

Artus – auf der Suche nach einem König

artusEine der bekanntesten und beliebtesten Sagenzyklen der Welt ist die von König Artus der mit seinem Schwert Excalibur über Britannien herrschte. Es gibt wohl nichts was britischer sein könnte als die Geschichten des legendären Königs der Britannien einte.
Da wir inzwischen wissen, das hinter den Trojasagen wie auch bei den Nibelungen durchaus ein historischer Kern existiert, wird auch hinter der Artus-Sage ein wahrer Kern vermutet. Doch ähnlich wie bei den Nibelungen und den Troja-Legenden ist auch hier von einer Verschmelzung verschiedener Personen und Ereignisse auszugehen.
Vor einigen Jahren las ich dazu ein Buch das sich intensiv mit den Möglichkeiten beschäftigte wer Artus gewesen sein könnte.

Nun hab ich mal selbst nachgeforscht und bin dabei auf eine Person gestoßen auf die viele der Aussagen über Artus zutreffen. Naja, der heilige Gral ist es sicher nicht aber lasst euch überraschen…

Die historischen Quellen:

Der erste der jemals über einen König Artur schrieb war Geoffrey von Monmouth (1100–1154) in seiner Historia Regum Britanniae (Geschichte der Könige Britanniens) von 1136. Die Historia beginnt mit Brutus von Britannien der angeblich Trojaner war und als Ahnherr aller Briten festgeschrieben wird und reicht bis Caswallawn, dem König von Nordwales, der von etwa 625 bis 634 regierte.

Etwas früher zu datieren ist der keltische Mönch Nennius dem um etwa 830 die Autorenschaft der Historia Britonum (Geschichte der Briten) zugeschrieben wird. (Hier hat die Wikipedia aus Britonum ein Brittonum gemacht.) Als Quelle Nennius gilt die „De Excidio Britonum“ von Gildas. (Was ebenfalls von der Wikipedia zu Brittonum umgeschrieben wurde, unzwar auch in der englischen Wikipedia.)

Im ältesten überlieferten walisischen Gedicht, dem Y Gododdin, schreibt der Dichter Aneirin um ca. 600 über einen Agitius, dass er „schwarze Raben über Wälle führte, obwohl es nicht Artus war“.

Raben wurden bei Römern als Hausvögel gehalten und waren später auch bei einigen Germanen sehr beliebt. Es ist anzunehmen das auch die Raben von London ein Römisches Erbe sind.

Leider ist nicht zu beurteilen, ob diese Passage nicht später tradiert und mit Artus in Zusammenhang gebracht wurde oder gar neu eingeschoben wurde. So könnte hier aus einem ursprünglichen Agitius (ein Römischer Heermeister namens Aegidius der sich 461 von Rom los sagte und ein kleines Reich in Soissones, dem heutigem Sens führte, das bald darauf dem Frankenreich eingegliedert wurde) ein Artus geworden sein.

Als letzter und zeitlich Nächster ist der
Mönch Gildas (* wohl ca. 494; † 570) der die De Excidio Britonum („Der Untergang der Britannier“; auch als De Excidio Britanniae bekannt) verfasst hat. (Auch das von der Wikipedia zu Brittonum umdeklariert.)

Die Datierung Gildas, der als keltischer Mönch ausserhalb des Gebietes der Angelsachsen das keltische Christentum stark beeinflusst haben soll, wird angezweifelt. Einige datieren das Werk bereits auf 485, wobei Gildas mit dem Lehrer des Vennianus von Findbarr identifiziert wird, der seinerseits der Lehrer des heiligen Columban von Iona gewesen sei.

Gildas ist jedenfalls Patron des Klosters Saint-Gildas-en-Rhuys in Aremorica, Frankreich, daß er im Jahr 528 oder 536 gegründet haben soll. Damit wäre Gildas ein Zeitzeuge, der zudem mehrere Jahre auf dem Kontinent in der Bretagne (damals Aremorica) verbrachte und dort die Nachwirkungen der Völkerwanderung in Gallien noch selbst miterlebt haben.

Im ersten Teil seiner Predigt schreibt Gildas über Widerstand, Unterwerfung und Rebellion und neue Feinde, wobei er einen Brief an Agitius erwähnt, der mit dem Heermeister Flavius Aëtius (magister militum) identifiziert wird und er erwähnt eine Seuche. Im zweiten Teil seiner Predigt schreibt er über 5 Warlords die grausam über Britannien herrschten.
Mit der Seuche könnte die Justinianische Pest gemeint sein, die 542 in Konstantinopel ausbrach. Dies macht eine frühe Datierung Gildas ins Jahr 485 unwahrscheinlich, denn er müsste ja in einem für damalige Verhältnisse biblischem Alter gewesen sein um noch den Ausbruch der Pest mit erlebt zu haben. Das ist zwar möglich aber eher selten.
Flavius Aëtius starb dagegen 454 in Rom und machte sich vor allen Dingen im Krieg mit den Hunnen einen Namen, deren Angriff auf Gallien er 451 abwehren konnte, was als Schlacht auf den Katalaunischen Feldern in die Geschichte einging.

Die genannten Warlords sind
– Konstantin von Dumnonia,
– Aurelius Caninus (ein römischer Plebejer aus Tusculum in Latinum),
– Vortipor von Demetae (das Reich Dyfed),
– Cuneglasus von „des Bären Festung“ (Din Eirth, möglicherweise Dinarth bei Llandudno),
– und Maglocunus oder Maelgwn (Gwynedd).
Ohne Ausnahme bezeichnet er diese Machthaber als grausam, illegitim und räuberisch, die „in Sünde leben“.
Vortipor wird dabei als keltischer Titel Vortigern interpretiert, der die Stellung eines britannischen Großkönigs gehabt haben soll. Gildas erwähnt jedoch mit keinem Wort einen König Artus, sondern bezeichnet den Römer Ambrosius Aurelianus als „Hochkönig“ Britanniens, dem Uther Pendragon (Drachenhaupt) auf den Thron gefolgt sei.
Ambrosius Aurelianus ist nur bei Gildas genannt. Alle anderen Autoren wie Nennius nutzten Gildas als Vorlage.

Ein Vortigern soll 426–441 ein gallisches Reich gegründet haben und die Angelsachsen ins Land geholt haben. Darüber berichtet aber nur Beda Venerabilis. Gildas kennt ihn dagegen nicht.
Der berichtet stattdessen das
Die sächsischen foederati rebellierten hätten  (um 441, bestätigt die Gallische Chronik eine im franz. Gallien abgefasste Chronik des Westreiches) das Angelsachsen über England herrschten) und rissen die Kontrolle über Teile der Insel an sich.
Fraglich ist hier der in der Wikipedia benutzte Begriff foederati, da römisches Geld seit spätestens 407 nicht mehr geprägt wurde oder von Gallien aus nach England geflossen ist. Die Angelsachen können also nicht als foederaten ins Land gekommen sein, man hätte ihnen ja keinen Vertrag nach römische Sitte anbieten können, sondern sie kamen als Söldner und Verbündete eines Warlords, der sie sicher mit Land und Gold lockte. Die Darstellung das der
Comes Britanniarum Magnus Maximus 383 die Kontrolle über England übernahm und Angelsachsen ins Land rief ist umstritten. Wenn das tatsächlich so wäre, sind die Angelsachsen schon 40 Jahre früher eher da.

Einige Zeit später sollen sich die romanisierten Bewohner der Insel unter Führung von Ambrosius gesammelt haben, um Widerstand zu leisten. Gildas schreibt dazu, dass Ambrosius „vielleicht als einziger Römer den Schock dieses bemerkenswerten Sturms überlebte. Seine Eltern, die sicherlich den Purpur getragen hatten, waren in ihm getötet worden. Seine Nachkommen in unseren Tagen sind gegenüber der Außergewöhnlichkeit ihres Großvaters viel niedriger.

In dem Fall muss man annehmen das Gildas Kleinkönige aufzählte die nacheinander über England (oder eher das römische England) herrschten. Möglicherweise verbirgt sich hinter Konstantin von Dumnonia der Römer Flavius Claudius Constantinus, römischer Usurpator 407 bis er 411 geschlagen wurde. Angeblich sei er zum Kaiser ausgerufen worden, weil sein Name dem von Konstantin dem Großen glich der sich in York erfolgreich zum Kaiser ausgerufen hatte.

Das Werk Nennius wird als Versuch gewertet eine legitime Vergangenheit Britanniens zu konstruieren, enthält jedoch eine Fülle von Legenden und Aberglaube.
Nennius belegt in mancher Hinsicht Gildas und möglicherweise ist Gildas eine seiner Vorlagen. Es beinhaltet u.a. die legendäre Ursprünge der Pikten, Schotten und Vortigern, des heiligen St. Germanus einem Bishop im spätromanischem Norditalien der u.a. als Reisender in Britannien unterwegs war und erzählt Ereignisse im Zusammenhang mit der angelsächsischen Invasion.
Sein Werk wirkte in vieler Hinsicht identitätsstiftend auf das heutige Britannien und beeinflusste daher auch Geoffrey von Monmouth und seine Historia Regum Britanniae (Geschichte der Könige Britanniens).
Dabei entwarf Nennius das Bild eines idealen Königs den er als Artus bezeichnete und der u.a. 12 Schlachten gewonnen habe.

Geoffrey Monmouth (der sich wohl lat. Galfridus Arturus bzw. Gruffudd ap Arthur nannte) erweitert diese Artus-Legende um Merlin und Guinevere, das Schwert Excalibur und erwähnt auch den Ort Avalon. Geoffrey selbst behauptete, er habe den alleinigen Zugang zu einer keltischen Quelle, auf der seine Geschichte basiere.

Man darf annehmen das er damit den Mönch Nennius meinte, dem er ebenfalls ein mythisches Denkmal setzte. Demnach sei „Nennius von Britannia (mittelwalisisch Nynniaw), ein Sohn des Königs Cassivellaunus (regierte ab etwa 625) und ein keltischer Prinz der 54 gegen Caesar gezogen sei. Dabei sei Caesars Schwert in seinem Schild stecken geblieben, während Nennius einen Schlag auf den Kopf erhalten habe. Dann habe er Caesars Schwert genommen und viele Römer erschlagen die nicht mehr aufstanden. Später sei er an der Kopfwunde gestorben.“
Um 1150 schrieb Geoffrey die Vita Merlini, die auf walisische Gedichte zurückgreift, die dem sagenhaften Dichter Myrddin zugeschrieben wurden.

Mit seiner Beschreibung des Massakers an den keltischen Adeligen durch die angelsächsischen Einwanderer im Jahre 450 in Salisbury, wo Hengist laut Legende alle keltischen Führer zu Friedensverhandlungen eingeladen hatte um sie anschliessend zu ermorden, prägte Geoffrey von Monmouth den Ausdruck „Nacht der langen Messer“. Die Aufforderung zum Mord erfolgte demnach durch den Ruf: „Nemet oure Saxas“ („nehmt eure Messer“).
Ein solches Massaker sowie ein Mord der Angelsachsen an den Kelten ist jedoch bis heute nicht belegt. Es ist wohl eher politische Propaganda in der Zeit normannischer Eroberungen. Dagegen ist sehr wohl ein Aufruf zur Hinrichtung aller Dänen belegt. Beim St. Brice’s Day Massaker am 13. November 1002 (dem Gedenktag des hl. Brictius) wurden auf Anordnung von König Æthelred die in England lebenden Dänen überfallen und hingerichtet. Dafür gibt es mittlerweile stichhaltige archäologische Beweise.
Es gibt auch Belege nachdem Caesar ein solches Massaker unter Germanen angerichtet haben soll, die er unter einem Vorwand einlud und dann den Holzbau in Brand setzte, während seine Truppen auf jeden Germanen ein stachen der versuchte der Flammenhölle zu entkommen. Anschliessend wurden die führerlosen Stämme ebenso grausam abgeschlachtet. Dies wird u.a. auch in der Edda erwähnt und durch Caesars Buch des „Gallischen Krieges“ bestätigt.
Das war übrigens nicht die einzige grausame Tat Caesars, der historisch gesehen Stämme mit allerlei Tricks in die Knie zwang und den ersten dokumentierten Völkermord beging. Er schlachtete wahllos allerlei Stämme ab, was diese Darstellung durchaus glaubhaft macht. (In einem früheren Artikel geht es um Caesar und die Römerkriege.)

Geoffrey von Monmouth war ein früher Zeitgenosse des Chrétien de Troyes (1140 in Troyes; † um 1190) der neben Orvids Methamorphosen auch fünf Romane schrieb, deren Stoffe überwiegend aus der sogenannten Arthurian romance stammen, dem Sagenkreis rund um König Artus, darunter auch Parcival und Lancelot. Er bedient sich dabei auch verschiedener Sagen wie das walisische Mabinogion, der Nibelungen und dem angelsächsischem Gogmagog, das den Kampf der Rus gegen die Bolgaren und Chasaren zu einem Kampf gegen Riesen (damals als Menschenfresser dargestellt) verklären.

In der Offenbarung des Johannes, im Neuen Testament der Bibel, werden mit Gog und Magog zwei Völker bezeichnet, die am jüngsten Tage vom Satan befreit werden. Dieses Motiv war im Mittelalter weit verbreitet und wurde auch auf den Mappa Mundis genauestens mit einer Region östlich der Wolga lokalisiert, so z.B.auf der Hereford-Karte und der Ebstorfer Weltkarte, die dort Menschenfresser in einer Burg malte.

Der Hintergrund ist der Krieg des Kiever Rus gegen Chasaren und Bolgaren an der Wolga, die als Bedrohung der Christenheit wahrgenommen wurden. Dahinter steckte die Politik Byzanz das die (mittlerweile christianisierten) Barbaren des Kiever Rus gegen die barbarischen Bulgaren aufhetzen wollte, in der Absicht das Byzanz dabei seine Provinzen südlich der Donau zurück gewinnt. Also wurden die Bulgaren und die verwandten Chasaren durch die Kirche zur Plage verklärt indem man ein biblisches Motiv aufnahm.

Kurz bevor Geoffrey von Monmouth die Historia Regum Britanniae verfasste in der Artus erstmals ausführlich behandelt wird, erzählt William of Malmesbury in seiner Gesta Regum Anglorum, dass Artus den Kriegsherrn Ambrosius Aurelianus im Kampf gegen die Angeln unterstützt habe.

Alles in allem war die Dichtkunst und der Minnesang zu Geoffreys Zeiten an den Höfen Europas höchst populär und dienten der abendlichen Unterhaltung. Dabei wurden alte Legenden aufgehübscht und an den jeweiligen Gepflogenheiten der höfischen Welt angepasst. Dabei bediente man sich allerlei alter Legenden die entsprechend dem Gastgeber angepasst wurden, sodaß hier mehrere Personen zu Artus verschmolzen. (Hier sei als Beispiel auch mal das Märchen vom Simeliberg genannt, das als orientalisierter Ali Baba des Franzosen Antoine Galland (1646–1715) zu  unverhofftem Weltruhm gelangte.)

Möglich das Geoffrey hier eine Origo gentis (Abstammungsgeschichte) der Sueben oder Burgunden, auf christliche Kirchentexte oder auf römische Texte gestoßen war, die aus irgend welchen Gründen nach Irland oder England gelangte und dort ihren Weg in die keltische Mythenwelt fanden.

Es ist jedoch anzunehmen das im 6. bis 7. Jhd. alle amtierenden Königsfamilien eine Origo gentis ihrer ruhmreichen Abstammung verfassen ließen, also auch Sueben und Alemannen, Burgunder, Thüringer, Rugier und Heruler von denen die meisten im Laufe der Zeit verloren gingen, wie z.b. die 12 Bücher der Goten, von denen wir nur durch Zufall wissen das es sie gab.

Überliefert sind die Origo gentis der Ostgoten, Langobarden, Angelsachsen und Franken. Im erweiterten Sinne sind auch die Sagas der Schweden, Dänen und Norweger eine solche Origo gentis und nicht zu vergessen auch die Hunnen, Türken, Bulgaren und sogar Slawen haben jeweils ihre Gründungslegende hinterlassen.
Angesichts dieser Tradition die einst von Griechen und Römern übernommen wurden, ist klar das auch keltische Könige eine solche Origo gentis brauchten und Nennius schrieb sie ihnen.
Sicherlich ist vieles an diesen Gründungslegenden gelinde gesagt märchenhaft, gerade was den Anfang des jeweiligen Volkes betrifft und manche strotzen nur so vor Fabelwesen, aber irgendwo gibt es eben auch ein Körnchen Wahrheit, denn schliesslich müssen ja die Legenden irgendwann eine Verbindung zu dem herstellen was allgemein bekannt ist. Im allgemeinem sind die letzten 200 Jahre dem Volk einigermaßen geläufig.

Jeglicher Hinweis auf einen König Artus fehlt jedoch in:

  • der De Excidio Britonum („Der Untergang der Britannier“; auch als De Excidio Britanniae bekannt)
  • der Historia ecclesiastica gentis Anglorum (Kirchengeschichte des Volkes der Angeln) von Beda Venerabilis, die um 731 entstand
  • in der Anglo-Saxon Chronicle aus dem späten 9. Jahrhundert

Obwohl alle ausführlich über Vorgänge des 4. bis 6. Jahrhunderts berichten.

Ebenso erfolglos blieben auch archäologische Versuche die Existenz einer Königsburg zu beweisen, die sich irgendwie mit Camelot in Verbindung bringen ließe. Cadbury Castle in Sommerset ist zwar vermutlich eine Königsburg dieser Zeit, aber das sie Camelot sei, dafür gibt es keinerlei Hinweis. Genauso gut könnte man Padderborn zu Camelot erklären, das gab es auch schon.
Auch die angebliche Tafel des Artus in der „Great Hall“ von Winchester Castle ist eine Fälschung die erst 1250 angefertigt wurde.
Und auch die Abtei Glastonbury in Somerset fällt als Grab eines König Artus aus, denn alle archäologischen Befunde reichen höchstens bis ins 12. Jhd. und so ist auch das Bleikreuz des Artus eine spätere Fälschung. Vermutlich waren die Artuslegenden für dessen Mönche ein gutes Geschäft, dem sie mit einem Grab ein wenig nachgeholfen haben. Pilger waren ja für Klöster ein glänzendes Geschäft und dazu brauchte man Reliquien oder wenigstens ein Königsgrab.

Es ist geradezu erstaunlich das trotz zahlreicher Hinweise rein gar nichts gefunden wurde, was die Existenz eines Königs namens Artus in England beweisen könnte. Dabei ist England, Schottland und Irland sehr reich an Funden die problemlos tausende Jahre älter sind. Es ist geradezu widersprüchlich das man derart viel römische und angelsächsische Hinterlassenschaften sowie die der Wikinger fand, aber rein gar nichts zu König Artus.
Natürlich gab es Schlachten und man darf wohl annehmen das diese auch real statt gefunden haben, doch in keiner dieser Schlachten war ein König Artus beteiligt.

Die angeblich letzte Schlacht König Artus
Die Schlacht von Camlann soll der Legende nach die letzte Schlacht des legendären Königs Artus gewesen sein, in der er tödlich verwundet worden sei. Die Historizität dieses kriegerischen Ereignisses ist umstritten.

Der erste Hinweis auf die Schlacht von Camlann ist ein Eintrag in den – im 10. Jahrhundert verfassten, aber erst in Abschriften ab etwa 1100 überlieferten – Annales Cambriae für das Jahr 537: Wortwörtlich steht dort: „Gueith Camlann in qua Arthur et Medraut corruerunt“ (übersetzt: Schlacht von Camlann, in der Artus und Medraut umkamen.) Medraut wird hier als Mordred interpretiert.
Diese erwähnt auch die Schlacht von Badon 516, in der Arthur das Kreuz Jesu Christi drei Tage und drei Nächte auf seinen Schultern getragen habe“ und die Briten Sieger waren. Na ob er so kämpfen konnte?
In dieser frühesten Quelle wird nicht ausgeführt, ob Artus und Mordred auf der gleichen oder auf verschiedenen Seiten kämpften.

Spätere Berichte zu dieser Schlacht findet man in Geoffrey von Monmouths Historia Regum Britanniae und in der walisischen Sagenliteratur aus dem 12. Jhd. bzw. späteren Quellen.
In zwei Versen der Trioedd Ynys Prydein („Die Triaden der Insel Britannien“) wird gesagt, ein Streit zwischen Gwenhwyfar (Königin Guinevere) und ihrer Schwester Gwenhwyfach sei der Grund für die Schlacht gewesen, wobei beide Töchter von König Leo-de-grance in Came-liard gewesen sei und Gwenhwyfach mit Mordred verheiratet sei. Daneben wachte Leo-de-grance über die Tafel die Uthar Pendragon anfertigen ließ. Ich hab hier bewusst mal den „Leodegrance“ getrennt geschrieben um zu zeigen wie der gute Mann wirklich hieß. Der gute Leo war nämlich Papst, unzwar Leo der Große, Papst von 440 bis 461. Es ist kaum anzunehmen das er in England saß und Vater von Königin Guinevere war.

Der Ort der Schlacht ist natürlich auch nicht lokalisierbar. Geoffrey von Monmouth behauptet, sie sei in Camelford in Cornwall geschlagen worden. In der neueren Forschung wird als möglicher Austragungsplatz der Schlacht Queen Camel in Somerset in Betracht gezogen, das nahe einer Bergfestung bei Cadbury Castle liegt (das wiederum von einigen mit Artus‘ Camelot gleichgesetzt wird), wo der Fluss Cam am Fuß des Camel Hill und des Annis Hill fließt. Aber auch weitere Orte werden erwogen.

Mit anderen Worten: Artus ist in England schlichtweg nicht auffindbar, er ist weder Sarmate der in römischen Diensten nach Britannien versetzt wurde, um dort die Briten gegen die bösen Angelsachsen zu vereinen, wie das in einem berühmten Hollywoodstreifen glorifiziert wurde,  noch ist er in irgendeiner rein keltischen Literatur jener Zeit überliefert.

Vielmehr bezieht die keltische Mythologie ein großen Teil ihrer Legenden von Angelsachsen und Wikinger, aber auch vom Sagenkreis um die Nibelungen, von punischen sowie römischen Kulten sowie aus der griechischen Sagenwelt.
Der oberste Gott Lugh ist geradezu ein Paradebeispiel, denn er leitet sich vom Mesopotamischem „Lugal“ (übersetzt König) ab. Ebenso ist Epona die Pferdegöttin eine Ableitung des punischen Wortes „Eponi„, das für die punische Kavallerie der Numidier steht. Auch hier steckt schon das spätere Wort „Pony“ drin.
Und das die in der keltischen Mythologie verankerten Milesier auf den römischen Titel eines Heerführers (magister militum) zurück gehen und die Thuata de Dane auf dänische Wikinger ist offensichtlich.
Gerade diese Herrführer waren in der Endphase des weströmischen Reiches oft viel mächtiger als ihre Kaiser, die sie je nach Belieben ernannten und beseitigten.
Selbstverständlich sind auch die Bezeichnungen Druide (entlehnt vom as. Truth) sowie Vates (Väter, Altvorderen), Filid (Fiana) und Barden germanische Entlehnungen, was natürlich eifrig bestritten wird.

Gerade die Verknüpfung der angelsächsischen und nordischen mit der keltischen Welt durch Angelsachsen und Wikinger die in Dublin großen Einfluss auf Irland gewannen, zeigt sich in urkeltischer Dichtung wie Beowulf oder anderen Mythen deren Geschehen je nach Autor kurzerhand nach Irland, Schottland oder England verlegt wird. Vielleicht finden sich eines Tages auch noch Nibelungen in England.

Der „Beowulf“ z.B. stammt aus den Anfängen des Dänischen Königreiches.
Nach dem Abzug der Angelsachsen um 420-460 war Jütland fast entvölkert.
So zog der Legende nach der aus Angeln stammende Warlord Offa im 6. Jhd. nach Anglia auf der jütländischen Halbinsel und errichtete dort ein kleines Königreich sowie den ersten Danevirke, der jedoch nur ein Erdwall war. Dies stimmt mit den archäologischen Befunden überein, das ein Wall um diese Zeit errichtet wurde. Dabei geriet Offa mit den Friesen die sich Nordfriesland (im westlichen Südjütland) nahmen, den Herulern in Nordjütland und Seeland die sich Hilfe von den Goten holten, und dem Rugi Hrothgar aneinander.
Nach einem Krieg auf der Finnsburg (vermutlich eine Vendelburg in Fyn) kam es zum Ausgleich zwischen Friesen, Angeln und Heruler.
Im 7. Jhd. entbrannte ein heftiger Kampf um die Sachsen die sich den Franken nicht unterwerfen wollten. Ebenso kämpften die Warnen, Albinger, Wenden und Dänen gegen die Unterwerfung durch die Obotriten die als Vasallenfürsten von den Franken einfach zu Herrschern über alle Stämme der Ostsee erhoben wurden.
Schliesslich verlagerte sich das Kampfgeschehen auf den Danevirke was zur Gründung Dänemarks durch Gudfred führte, der den Widerstand gegen die Karolinger anführte und dabei die Stämme vereinte.
Die römische Schlange in Gestalt der christianisierten Karolinger wird dabei zum Hauptfeind der Wikinger, womit im Grunde genommen das Ragnarök beginnt.

Es wird vermutet das die Saga im angelsächsischem Mercia aufgezeichnet wurde, wobei aus dem anglischem Widukind der schwedische Wiglaf wird.
Zeitgleich behaupten die Franken das Widukind getauft worden wäre, worauf er aus der Geschichte verschwindet.

Das die Insel Fyn (lat. Fiona) auch in der irischen Mythologie als Fianna ein gingen, zeigt das viele Sagen ursprünglich aus dem Nordsee- und Ostseeraum stammen und gewissermaßen auch das Selbstverständnis der Nordischen Stämme widerspiegeln. Die Fianna sind dabei die keltische Version der Jomswikinger, ein Männerbund der geradezu zum Freiheitskämpfer des römerfreien Irlands hochstilisiert wurde.
Diese beruhen auf eine uralte indogermanische Tradition der Wolfsbanden. Jugendliche, die sich im Alter zwischen 12 und 24 einer Wolfsbande anschlossen, die gemeinsam auf Raubzüge ging, angeführt von einem Berserker der den Jugendlichen alles beibrachte, von der Jagd bis zum erfolgreichem Überfall. Der Tradition nach verließen diese dann als junge Männer die Bande und gründeten als anerkannte Männer eine Familie. Man nimmt heute an, das sie auch junge Mädchen raubten die sie dann geheiratet haben. In der Zeit der Wikinger schlossen sich auch Ältere, Verbannte und Heimatlose solchen Kriegerbanden an, die von einem Standort aus Raubzüge unternahmen oder als Söldner einem König dienten. Die Jomswikinger waren ein solcher Männerbund angeführt durch einen Warlord und erlangten durch zahlreiche Legenden in der ganzen Wikingerwelt einen legendären Status.
Die Fianna sind auch in der finnischen Mythologie bekannt. Es ist nicht auszuschliessen das es eine Bezeichnung für Dänen war, die auf Fyn unter einem Jarl lebten, der in Konkurrenz zum Jarl von Seeland stand.

Da die keltische Kultur erst um 200 v. Chr. durch Belger nach England kam und schon unter Caesar erste Kontakte zu Römern hatte, sollte eigentlich klar sein das die Keltische Kultur in England keine 200 Jahre Zeit hatte sich zu etablieren.
Nach neusten Erkenntnissen gibt es sogar umstrittene „keltische“ Funde von 400 v. Chr., was aber der Ausbreitungsgeschwindigkeit der Kelten widerspricht die erst um 275 v. Chr. Kelten an der französischen Kanalküste registiert. In jedem Fall sind Kelten in England ein relativ spätes Phänomen, das rund 1000 Jahre früher mit der Urnenfelder Kultur begann.

Der Boudicca-Aufstand und der Krieg gegen die Druiden in Anglesey ist nahezu das einzige Zeichen das sich die Kelten vereint gegen die Römische Invasion wehrten. Bereits Tacitus beschreibt das von Römern konfiszierte Land als „agri captivi“ (dt. „erobertes Land“). So war es den Römern erlaubt, sich das Land anzueignen und die Bevölkerung wie Sklaven zu behandeln. Funde britischer Schädel in Colchester, die auf Exekutionen hinweisende Verletzungen aufweisen, bekräftigen dies. Aber auch die Lebenserwartung und der Ernährungszustand der Kelten zeigt wie hemmungslos sie von den Römern ausgebeutet wurden. Ihr Größenwachstum sinkt mit der Eroberung Englands fast schlagartig um mind. 10 cm, eher mehr. Dies deutet auf Hunger und schlechten Ernährungszustand. Von den großen blonden Kelten die unsere Wikipedia herbei fantasiert, ist dort nichts belegt. Diese Kelten waren eher klein und schmächtig, wie überall im römischen Reich.

Irland und Schottland hatte diesbezüglich bessere Karten, da sie von den Römern nie erobert wurden. Hier konnten die Menschen ihre keltische Kultur weiter entwickeln und so ist es denn auch nicht verwunderlich das Iren und Schotten einen Typ Menschen verkörpern, der oft mit Rothaarigen in Verbindung gebracht wird. Rund 1o% der schottischen und Irischen Bevölkerung entsprechen diesem Typ und belegen das diese Genvariante vermutlich durch die Isolierung dieser Regionen durch die römische Besetzung Englands zu einer hohen Konzentration führte, obwohl diese Haarfarbe eigentlich nicht dominant vererbbar ist.

Klar ist auch, Kelten haben weder Stonehenge erbaut, noch haben sie die angeblichen Piktensteine entworfen, deren grafischer Stil klar auf den Wikingerstil der Runensteine zurück geht. Aber zur Beruhigung, die Wikinger haben das auch nur übernommen, von den Sarmaten.

Grob gesagt, nach der Niederlage von Alesia treten kaum noch Kelten als Warlords oder gar Heerführer in Erscheinung, obwohl sicherlich tausende Kelten in der römischen Armee dienten und zumindestens die Pikten und Iren sich ihre Unabhängigkeit bewahren konnten und massiven Widerstand leisteten.

Insofern ist auch die Existenz keltischer Reiche im Herzen Englands nach dem Abzug der Römer eher der Versuch einer Fortführung römischen Lebens unter Warlords denen es gelang ein Stück Land zu kontrollieren. Mit anderen Worten, die romanisierten Kelten machten einfach weiter wie zuvor, wobei sich starke Warlords durchsetzten, die vermutlich aus kriegerischen Stämmen bzw. aus der römischen Kriegerelite (Offiziere) stammten.
So ist denn auch Gildas Schilderung aus dem 6. Jhd. das im 5. Jhd. 5 Warlords grausam über Britannien herrschten eine durchaus realistische Schilderung. Allerdings muss man anmerken, das Gildas Warlords offenbar alle in Wales regierten.
Dem gegenüber entwickelte sich eine keltisch-christlich Kultur unter dem Schutz des Königreich Dalriada, deren Priester großen Einfluss auf die neu entstandenen angelsächsischen Königreiche erlangten. Es gibt durchaus Hinweise das das Königreich Dalriada versuchte nach Strateclyde zu expandieren und vermutlich das dortige Königreich Strateclyde (ursprünglich Dumbarton, gälisch Dùn Bhreatann)  nicht auf die Damnonii sondern auf gälische Einwanderer zurück geht, die im 5. Jhd. n.Chr. auf dem Dumbarton Rock eine Burg errichteten, die als älteste Burg Schottlands gilt.
Diese wurden von Angelsachsen aus Northumbria bedrängt und schliesslich 870 von Wikingern aus Dublin erobert. Damals kam der Name Strateclyde in Gebrauch, da diese Dumbarton Rock plünderten und einen Sitz in Govan (heute Teil von Glasgow) einrichteten. Die Wikinger nannten diese Region Cumbria, was sie wohl aus dem as. Northumbria ableiteten, in dem Gallier die selbe Sprache hatten. In den gesamten schottischen Lowlands werden von dieser kumbrischen Trümmersprache beherrscht.
Tatsächlich sprachen aber nie mehr als 30.000 Personen diese Sprache.

Und auch in den Sachsenkriegen sind es vor allen Dingen englische Missionare die zum Zwecke der Christianisierung unter dem Schutz der Franken standen und dabei Heiligtümer der Germanen zerstörten.

Allgemein werden zur Identifizierung folgende Personen vorgeschlagen:

  1. Der römische Offizier Lucius Artorius Castus (zwischen 180-185 in Britannia)
    Der aus Kampanien stammende Römer absolvierte eine Laufbahn durch mehrere Legionen die ihn schliesslich nach Britannien führte. Seine letzte bekannte Position war die eines praefectus in der Legio VI Victrix die seit 122 n. Chr. am Hadrianswall stationiert war. Zwischen 180 und 185 erlitten die Römer große Verluste am Hadrianswall, bald darauf revoltierte und zerfiel die Legio VI Victrix. Castus der sich offenbar in dieser schwierigen Lage bewährt hatte, wurde 185 zum dux ernannt und nach Aremorica geschickt, um dort einen Aufstand niederzuschlagen. Möglicherweise war der dann noch am Antoniuswall der nun endgültig durch Angriffe der Pikten verloren ging. Kaiser Commodus verlegte die Grenze daraufhin wieder zum Hadiranswall. Einige Zeit später beendete er seinen Kriegsdienst und wurde ziviler Prokurator von Liburnia, einem Teil von Dalmatien. Damit endet das Wissen über ihn.
  2. Der römisch-britannische Heerführer Ambrosius Aurelianus (um 450 herum). Ambrosius Aurelianus ist eine der wenigen Personen, die der Geschichtsschreiber Gildas im 6. Jahrhundert in seinem lateinischen Werk De excidio et conquestu Brittaniae namentlich erwähnt, daher wird er als historisch angesehen. Unter seiner Führung sollen die romanisierten Briten in die Schlacht von Mons Badonicus (Schlacht von Badon) geführt und gegen die Angelsachsen gewonnen haben. Dabei starben laut Gildas 960 Menschen, die von einem „hochmütigen Usurpator“ (superbus tyrannus) ins Land gerufen wurden. Dieser hätte Fremde ins Land gerufen, die jedoch um 440 rebelliert und das Land an sich gerissen hatten. Diese Schlacht wird laut Legende dem Artus zugeschrieben. Das entspricht der Überlieferung das ein gewisser  Vortigern über Teile Englands herrschte und Angelsachsen als Söldner ins Land rief um weitere Teile Englands zu unterwerfen.
  3. Der keltische Feldherr Enniaun Girt (um 450) oder dessen Sohn Owain Ddantgwyn (Owain Weißzahn) waren Warlords aus dem Keltischem Reich Powys. Laut der Legende wurde Enniaun Girt – der Drache – genannt und wird daher mit Uthar Pendragon (alias Uthar ben Dragon, alias Uthar Sohn des Drachen) gleichgesetzt.  Der Sohn Owain wurde – der Bär – genannt. Zu ihrer Zeit waren sie wohl die mächtigsten Warlords im Reiche Powys.
    Ein Tumulis in der Nähe von Cydweli in Carmarthenshire wird Allt Cunedda zugeschrieben. Ausgrabungen datieren ihn in die späte Eisenzeit. Der Hügel trägt den Beinamen Penuchel oder Ben Uchel was bedeutet „hoher Kopf“. Daher wird er als Uthar Pendragon identifiziert.
  4. Als weitere Identifizierungsversuche käme meiner Meinung nach der Römer Aegidius, der seit 456/57 Heerführer Galliens (magister militum per Gallias) war, in Frage.
    Er sagte sich zwischen 461 und 465 von Westrom los und gründete ein kleines nordgallisches Reich, wobei er sich mit den salfränkischen Merowingern verbündete. Doch bald darauf wurde sein Reich von den Franken übernommen und ins Merowinger Reich eingegliedert, das schliesslich von ihren eigenen  Hausmeiern übernommen wurde.
  5. Der weströmische Heermeister, patricius und dreimalige Konsul Flavius Aëtius (* 390, † 454). Hier spielt insbesondere der Name und seine Macht als Heermeister eine gewaltige Rolle, sodaß man vermuten kann das er zumindest teilweise eines der Vorbilder für Artus sein kann. Erstaunlicherweise hat er Britannien vermutlich nie betreten, was die auffallende Fundleere sehr gut erklären würde.
  6. Der Heerführer Riothamus (bzw. Rhiotimus), König der Britonen um 470, der angeblich dem römischen Kaiser Anthemius (467 bis 472) im Kampf gegen die Westgoten des Tolosanischen Reiches mit 12.000 Mann nach Beturigas (Bourges in Frankreich) zu Hilfe kam und dort von Eurich geschlagen wurde. Er flüchtete in Burgunderland, während Eurich Areverna (Augustonemeton, jetzt Clairmont Ferrand) besetzte (und dort den Comes Victorius 470 einsetzte).
  7. Riothamus (oder Rhiotimus) stimmt am deutlichesten mit dem mächigen Ricimer (* um 405; † 18. August 472) überein. Dieser war Magister militum presentalis (oberster Heermeister) und Patricius des weströmischen Reichs, der in Arles, Trier, Ravenna und zuletzt in Lyon residierte, wo Prätoriumspräfekturen eingerichtet waren. An seinen letzten Tagen zog er sich nach Aballo zurück, dem heutigem Avallon. Ob er Anthemius Sohn, dem  Anthemiolus mit seinen Foederati-Truppen zu Hilfe kam ist unbekannt.
    Anthemiolus Heer wurde jedoch auf dem Gebiet der Bituriges (im Nordwesten Aquitaniens) restlos von den Westgoten vernichtet und damit hatte auch Kaiser Anthemius keine militärische Machtbasis mehr.
    Man unterstellt Ricimer vorsätzlich die rechtzeitige Ankunft verhindert zu haben, um seinem Schwager Eurich den Sieg zu ermöglichen. Richtiger wäre wohl das er die Vernichtung der kaiserlichen Truppen von Anthemius durchaus begrüßte, insbesondere wenn sein Schwager das erledigt. Er könnte jedoch in letzter Sekunde eingetroffen sein um sich gerade noch als Retter des römischen Reiches zu positionieren. Ansonsten wäre es offener Verrat gewesen, dem Kaiserspross nicht zu Hilfe zu eilen. Kurz darauf führte er mit den Burgundern unter Gundioch gegen Anthemius Krieg, der schliesslich in Ravenna gestellt und hingerichtet wurde. Doch auch für ihn gilt, das er Britannien nie betreten hat.

Die Aussage die hierzu die Wikipedia tätigt ist falsch.

Hier werden die Quellen verfälscht zitiert, weil die Wikipedia aus Riothamus unbedingt einen Gallier machen will. (Nochmal zur Erinnerung, die Wikipedia führt in der Existenz umstrittene gallische Warlords als antike römische Kaiser auf, auch wenn sie diese als Usurpator bezeichnet, was voraus setzt das diese Anspruch auf den römischen Kaisertitel erhoben haben. Dies ist von Bagauden wie Englischen Warlords weder legendär überliefert noch dokumentiert.)

suaviaDie Aussage ob er ein König oder Heerführer der Brittonen oder Brittani ist, muss nach den Quellen ganz genau untersucht werden.
Die geradezu automatische Gleichsetzung von  Brittonen oder Brittani mit Briten oder Britones ist zweifelhaft, da es inzwischen jede Menge Britonen, Bretonen, Briganten und eben auch Brittonen und Brittani usw. gab. Die uneinheitliche Rechtschreibung tat ihr übrigens, sodaß manche Stämme gleich in 6 verschiedenen Schreibweisen in der Antike auftauchen.

Der heutige Name Britannia oder Briten kam erst sehr viel später in Gebrauch als sich erstmals angelsächsische Könige als Könige von Britannien bezeichneten. Der Name Britanni leitet sich von dem Begriff Prettanoí ab, der auf den Griechen Pytheas zurück geht, der um 325 v. Chr. in den Norden Europas reiste. Der Name Albion für Britannien ebenfalls gleichzeitig in Gebrauch und geht ähnlich wie Alba, Albis und Alpen auf die gleiche indogermanische Wortwurzel zurück. Frühe Autoren schreiben das Ierni und Albiones auf den Inseln lebten. Vielleicht waren die ja von der Elbe (lat.Albis) ?  Plinius der Ältere (Naturgeschichte 4,102) und Ptolemäus prägten dann jedenfalls den Begriff Albion als Bezeichnung von England.
So käme durchaus eine Region in Italien in Frage die als Bruttium bezeichnet wurde. Natürlich auch der Zipfel von Frankreich in dem Bretonisch gesprochen wird. Möglicherweise auch Römische Kastelle oder Legionen die als Brittonen bezeichnet wurden.
Aber auch eine Stadt namens Bretona (lat. Britonia) befand sich z.b. im Herrschaftsgebiet der galizischen Quaden in Iberien. Dort hatten Flüchtlinge der Bretonen einen Handelshafen Bretona eröffnet um mit Iberien Handel zu treiben.
Netterweise hat die Wikipedia diese Stadt umgehend aus ihren Karten entfernt, damit nur ja niemand auf die Idee kommt, die Sueben könnten mit der Errichtung ihres Reiches in Galizien Könige diese sagenhaften Brittonen oder Brittani gewesen sein.

Dabei ist durchaus anzunehmen das die Sueben sowohl ein freudig angenommener König der Bagauden als auch der Bretonen in Bretona war. Dies zeigt sich u.a. daran, das die Bagauden mit Rechiar gegen Numantia zogen, um es den verhassten Römern zu entreißen. Hinter dem Begriff Bagaude muss man sich hier Räuberbanden vorstellen, die römische Transporte überfielen und sich dann in den Bergen versteckten. Ob dies Basken waren, ist nicht sicher aber vorstellbar. Das die Basken überhaupt eine nicht Indogermanische Sprache behielten, ist selbst schon ein Wunder, denn in Gallien und dem Römischen Teil Englands wie auch in Pannonien oder Bulgarien überlebte gewöhnlich keine einheimische Sprache. Anzunehmen  ist das sie diese Sprache beibehielten, um von Römern nicht verstanden zu werden. Sie müssen sie sehr versteckt und intensiv an ihre Kinder weitergegeben haben. Damit kann man sich wunderbar gegenseitig warnen, wenn Römer anrücken und das Vieh in den Bergen verstecken, bevor es die Römer beanspruchen. Die Bagauden hätten sich damit einen Vorteil verschafft der vielleicht auch die Überlebensgrundlage des späteren Asturien war. Also ich würde den Basken diese „Steuerunterschlagung“ durchaus zutrauen, was aber nur dort geht, wo die Landschaft für römisch Strafexpeditionen denkbar ungünstig ist, weil es einfach zu viele Höhlen gibt.

Also schauen wir doch mal ob die Artus-Aussagen nicht auf die galizischen Sueben zutreffen könnten.

Ricimer war der Sohn des Quaden-Königs Rechila und somit Bruder des Quaden-Königs Rechiar. Ihnen gelang es um 410 erfolgreich neben den Westgoten in Südfrankreich ein kleines Königreich in Galizien zu etablieren. Ricimer war der kleine Bruder der eine Karriere in Römischen Diensten absolvierte, wo Königssöhne der Germanischen Stämme oft bis in den Rang eines Heermeisters aufstiegen. Ricimer hatte sich seine Sporen unter dem mächtigem Heerführer Aëtius verdient, gehörte zu seinen engsten Vertrauten und wohl auch zu jenen die den Kaiser Valentinian umbrachten, um Rache für die eigenhändige Ermordung des Aëtius zu üben.
So gesehen war Ricimer ab diesem Zeitpunkt klar, das auch treue Heerführer durchaus in Lebensgefahr schwebten, wenn sie ihrem Kaiser zu mächtig wurden. Ricimer ist unter den Heerführern Roms einer der wenigen die ein hohes Alter erreichten und starb in Frieden.

Die Aussage „das Artus mit einem Heer über den Ozean in das Gebiet der Biturigen kam“, ist fraglich, denn statt Ozean könnte auch ganz allgemein Wasser (z.B. ein Fluss) gemeint sein. Die zeitliche Reihenfolge kann so ausgelegt werden, daß er „mit einem Heer den Ozean überquerte und dann in das Gebiet der Biturigen kam um Arthemius zu helfen„.  Wobei hier Anthemiolus der Sohn mit Anthemius dem Kaiser gleichgesetzt wurde. Die Biturgen lebten in einem Gebiet das die Westgoten eroberten.

Übersetzt man es also entsprechend der Geschichte richtig, dann entspricht das in allen Punkten dem Heermeister Ricimer der 456 die Flotte gegen die Vandalen führte und bei Korsika einen wichtigen Sieg in seiner Laufbahn errang. Die Flotte Anthemius dagegen verbrannte 468 im Hafen. Als er dann versuchte mit dem Landheer unter Führung des Kaiser-Sohnes Anthemiolus gegen die Westgoten 470 sein Image wieder herzustellen, ließ ihn Ricimer im Stich, da der Kaiser die Westgoten-Politik Ricimers zunichte machte, die darin bestand die Westgoten und Burgunder an sich, den Heermeister Ricimer zu binden.

Aber Ricimer selbst wurde auch im Stich gelassen von Kaiser Majorian, der hier wohl als Mordred in die Keltische Literatur einging. Andererseits ließ Ricimer  Kaiser Avitus in Stich, wobei er als „Burgunder“ (nun ja er residierte seit Arthemius im burgundischem Lyon)  nebulös erwähnt wird. Dies ist allerdings nur der Vorwurf der Römer, denen die Macht Ricimers schlichtweg zu groß geworden war. Also alles in allem ist das nur eine Frage der Sichtweise. Und das haben die mittelalterlichen Chronisten meist zugunsten von Artus gedreht.

Quellen sind hier Jordanes, Gregor von Tours und Sidonius Apollinaris in der Epistulae. Da Sidonius schon 479 starb, kann er sicher nicht über einen Riothamus geschrieben haben, der doch erst um 550 gestorben sein soll. Es sei denn diese Datierung auf 550 ist falsch.

So gesehen ist Sidonius Apollinaris also die früheste Quelle.

Ricimer und Anthemius
Nachdem defacto Ricimer mehrere Jahre das Weströmische Reich als Heermeister allein regierte, hielt er es für besser wieder einen eigenen “Augustus“ des Westens. Schließlich, nach einer längeren Debatte, in der er und angeblich auch sein Feind der Vandalen-König Geiserich versuchten, dem byzantinischem Kaiser Leo ihre eigenen Kaiserkandidaten aufzudrängen, akzeptierte Ricimer schließlich Leo´s Vorschlag.
Dieser sandte nun Anthemius, gemeinsam mit starken oströmischen Truppen 467 nach Italien und gab ihn den Rat Ricimer zu beseitigen. Nur auf diese Weise war es möglich, dem Westen mit östlicher Hilfe eine Überlebenschance zu geben. Ricimer heiratete Anthemius‘ Tochter und kooperierte für einige Zeit mit seinem neuen Kaiser und Schwiegervater. Ziel war es, nun endlich wieder Nordafrika der Kontrolle Ravennas zu unterstellen.

In dem großen Feldzug, den Leo und Anthemius 468 gegen Geiserich anstrengten, kommandierte Ricimer einen großen Teil der römischen Streitkräfte, insbesondere die gallischen Kontingente sowie Sueben und Westgoten. Dabei unterstellten ihm spätere Quellen, dass er im Geheimen das Scheitern der Expedition wollte, das schließlich auch eintrat. Allerdings hatte Ricimer zweifellos kein Interesse an einem Sieg des Vandalen Geiserichs, so dass kaum zu klären ist, was wirklich geschah; eine Schuld des Heermeisters ist jedenfalls sehr unwahrscheinlich.
Als Anthemius aber nach der Niederlage noch im Jahr 471 versuchte, gegen Ricimers Freund und Schwager, den Westgotenkönig Eurich, vorzugehen und Gallien wieder unter römische Kontrolle zu bringen, scheint es zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen Kaiser und Heermeister gekommen zu sein.

Nachdem die Westgoten jedoch die Sueben angriffen und suebische Gebiete verwüstet hatten, ersuchte dessen König Remismund (regierte 464-471, vermutlich der Neffe von Ricimer) um ein suebisch-römisches Bündnis gegen die Westgoten und entsandten dazu 469 den Römer Lusidius (Stadtkommandant von Lissabon der 468 vor Remismund kapituliert hatte) zu Kaiser Anthemius.
Der Plan war das sich Remismund 471 mit den römischen Truppen des Anthemius vereinen sollte um die Westgoten zu schlagen, womit die Sueben die Iberische Halbinsel gewannen und die Römer Gallien wieder unter Kontrolle bringen könnten.
Gleichzeitig soll Eurich mit den Burgunder Gundioch (dem designiertem Nachfolger Ricimers) geplant haben, Gallien unter sich aufzuteilen. Auch ein Odovacrius (vermutlich Odoacer, umstritten ist eine Gleichsetzung mit dem Sachsen Adovacrius) ging nach Darstellung Gregor von Tours (Gregor von Tours, Historiae 2,19) um 468 ein Bündnis mit den Franken ein.

Zwar landete der über die Loire mit Schiffen herbei eilende Quadenkönig Regismund (laut Jordanes “Riutimum Brittonum“) mit 12.000 Soldaten bei Beturigas (damals Biturigae, heute Bourges), wurde aber von den Westgoten sofort angegriffen und flüchtete nach langem Kampf noch bevor die Römer das Schlachtfeld überhaupt erreichten. Riotimus (also Regismund) flüchtete mit den Überlebenden Richtung Burgund und erlag dort seinen Verletzungen. (Jordanes, Getica 237-238, Neuübersetzung L. Möller; Zitat “..Vad quos rex Vesegotharum Eurichus innumerum ductans advenit exercitum diuque pugnans Riutimum Brittonum rege…“).

Nach Gregor von Tours flüchtete Riothamus nach Avallon (das römische Abalo) wo er starb.
Die von Anthemius‘ Sohn Anthemiolus geführte kaiserliche Armee erschien erst einen Tag (mehr oder weniger) nach der Schlacht, musste sich demzufolge allein den Westgoten stellen. Dabei wurde sie von Eurich vernichtend geschlagen. Fortan verfügte Anthemius, der sich in Italien zunehmend unbeliebt machte, über keine militärische Machtbasis mehr.

Quellenstudie Sidonius Apollinaris
Berichtet wird von Sidonius Apollinaris nur, „dass einen unerschrockener Fremder mit Booten ins Land der Biturigae kam, der sich dem entgegen stellte, aber den Feinden unterlag“.
Dann berichtet er „das die unschuldigen Britanier weg gelockt und feige verschleppt wurden und er nun wegen der Untätigkeit selbst ein Kontingent aufstelle.“ (Sidonius Apollinaris, Epistulae III, 9, ‚Sidonius Riothamo suo salutem‘;  [http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=3.9&fromdoc=Perseus%3Atext%3A2008.01.0549 )

Zum Ausdruck kommt dabei, das Sidonius all seine Hoffnungen in das Heer des fremden Feldherrn setzte, aber nicht mit Ricimer in Kontakt stand, da er den Arianer ablehnte. Offenbar war ihm nicht bewusst das Ricimer und Regismund der gleichen Familie angehörten und somit Ricimer durchaus darüber informiert war, welchen Vertrag die Römer mit den Quaden abschlossen. Vermutlich hatte Regismund seine Flotte im Hafen von Bretona bauen lassen, was Jordanes als „Brittonum rege“, König der Brittonen bezeichnet.
Sidonius stellte mit seinen rhetorisch sehr überzeugenden römisch-patriotischen Reden tatsächlich ein kleines Kontingent zusammen mit seinem Schwager Ecdicius auf und verteidigte als Bischof von Clermont seine Stadt die 471 von den Westgoten belagert wurde, bis die Auvergne  von dem Römer Julius Nepos 474 an Eurich übergeben wurde. Diese Verteidigung war damals schon als Heldenhaft dargestellt worden und trug zur Legendenbildung um Riothamus bei. Ziel war es allerdings den Heldenmut von Sidonius zu glorifizieren.

Dabei ist zu bemerken das Sidonius ein Freund des Aegidius, Herrscher des kleinen Gallischen Sonderreiches war, der 465 verstarb als eine Seuche (die Pest) in Gallien grassierte. Aegidius hatte sich unabhängig gemacht und ein gallisches Römerreich ausgerufen, wobei er auf die Hilfe der Franken setzte. Als er gegen Eurich zog, ließen ihn die Franken im Stich, sodaß er fiel.

468 wurde dem Freund des Sidonius dem Prätorianerpräfekt Arvandus (einem Gefolgsmann des Ricimer) von Arthemius unterstellt dem Westgoten Eurich die Nichtanerkennung seiner Herrschaft empfohlen zu haben. Arvandus wurde Anfang 469 in Rom wegen Hochverrats verurteilt und verbannt. Ob er mit Eurichs Rückendeckung selbst die Kaiserwürde anstrebte, wie Cassiodor andeutet, ist unsicher. Dies führte zur Rückkehr des Sidonius nach Gallien auf sein Gut in Avitacum wo er sich dem Landleben und kirchlichen Studien widmete.  Dort baute er sich offenbar Beziehungen zum einflussreichen Bischof Patiens von Lugdunum und anderen Klerikern auf und bekleidete vielleicht sogar eine kirchliche Würde, worauf er 469/470 oder 471 auserwählt wurde, Bischof von Clermont zu werden.

Die nebulöse Aussage Sidonius über das damalige Gallien das er als Brittani bezeichnet, wird bereits von spätantiken Historikern wie Cassidor, Jordanes und Gregor von Tours als “König der Brittani oder Britones“ interpretiert und auch der Hinweis auf die Untätigkeit wurde zu Lasten Ricimers ausgelegt.
So schreibt Gregor von Tours rund hundert Jahre später, die Visigothen hätten die Brittani beim Vicus Dolensis (das heutige Déols) geschlagen. (Gregor von Tours, Historia Francorum, II.18)

Da es 568 bei Angers an der Loire zu Kämpfen zwischen einfallenden Sachsen und dem Nachfolger des Aegidius, ein Comes Paulus kam, dürfte dies die Auslegung Gregor von Tours begünstigt haben, das dieser Feldheer ein König der Briten sei. Andersrum weiss man nicht so genau wo die Schlacht zwischen Rechimund (hier zum König der Brittani gemacht) und Eurich stattfand. Das könnte durchaus in Vicus Dolensis (das heutige Déols) gewesen sein. Üblicherweise sucht man sich immer die gleichen Orte zum Anlanden einer Flotte aus, weil sie einfach günstig sind.

Flavius Aëtius, Ricimer und Rechimund

burgunderWomöglich wurden Flavius Aëtius und sein Primus Ricimer als die gleiche Person behandelt. Dies würde eine zeitliche und inhaltliche Nähe zur Nibelungensaga nahe legen.

Eine wichtige Passage zur Identifizierung dürfte folgendes sein:
Nachdem König Artus 539 Flollo (oder Frollo), den römischen Statthalter in Gallien, in einem Feldzug geschlagen und Teile der Provinz erobert hatte, ließ Lucius Tiberius ihm (im Auftrage des Kaisers)  ein Sendschreiben zukommen und forderte in auf die Tribute der Provinzen des Imperiums zu zahlen. Ferner warf er ihm den Kriegszug gegen Flollo und die Unterwerfung von Teilen Galliens als Rebellion vor. Er forderte Artus ferner auf, im folgenden Jahr in Rom zu erscheinen und sich dem Urteilsspruch seiner Herren (Kaiser Leo) zu überantworten, andernfalls wolle ihm Lucius den Krieg erklären.
Sollte Artus sich diesen Anordnungen nicht fügen, wollte Lucius ihm den Krieg erklären.

burgunderwegHistorisch:
Ein Herrmeister oder Comes namens Lucius Tiberius ist heute unbekannt. Es ist jedoch nicht unmöglich das ein Comes existiert haben könnte.
Andererseits könnte er mit Bischof Lupus Trecensis genannt San Lupo di Troyes der zwischen 429 bis 479 Bischof von Troyes (lat. Troia) war. Dieser könnte ihn jedoch bestenfalls mit der Hölle und der ewigen Verdammnis bedroht haben, denn militärisch hatte er keinerlei Macht.
429 reisen die Bischöfe San Lupo di Troyes und Germanus von Auxerre nach Britannien um die keltischen Christen von ihrer Irrlehre des Pelagianismus zu bekehren. Die Quelle dieser Information ist Constantius von Lyon der die De Vita sancti Germani verfasste. Constantius wäre damit auch zeitgleich geistlicher Bischof für Ricimer und Gundioch die beide ab 461 bzw. 470 in Lyon residierten.

Möglich ist das Frollo mit dem Heermeisters Flavius Felix zu identifizieren ist, der ein Gegenspieler des Herrmeisters Äetius war.

Aegidius, der von Kaiser Majorian als magister militum per Gallias eingesetzt worden war, sagte sich Anfang 462 von Rom los und versuchte, das römische Gallien mit Hilfe der dortigen Truppen im Alleingang zu sichern, starb jedoch 465. Ob infolge von Kampfhandlungen gegen die Westgoten oder infolge einer grassierenden Seuche ist unbekannt.

Einen römischen Kaiser Leo I. gab es tatsächlich. Flavius Valerius Leo; * um 401; † 18. Januar 474, regierte von 457 bis zu seinem Tod 474 Kaiser des Oströmischen Reiches. Er wurde nach dem Tod Kaiser Markians auf Veranlassung des mächtigen alanischen Heermeisters Aspar  (magister militum) zum Kaiser (Augustus) erhoben.

Kaiser Leo I. war von 465-467 formal Herrscher über Westrom. 467 schickte Kaiser Leo seinen ehemaligen Kontrahenten Anthemius als neuen Augustus des Westreiches nach Italien, stattete ihn mit einem starken Heer und gewaltigen finanziellen Mitteln aus. Die in Zusammenarbeit mit Westrom geplante Rückeroberung Africas scheiterte jedoch 468 kläglich als Anthemius seine ganze Flotte verlor. Die ganze Aktion war für Byzanz mit einem enormen finanziellen Aderlass verbunden und Leo I. befand sich daher in Geldnöten.
Da ihm sein Heermeister Aspar zu mächtig war, ließ er ihn und seine Nachkommen beseitigen was ihm den Beinamen Makélles („Schlächter“) einbrachte. Das empfahl er übrigens auch Anthemius, der mit Ricimer ein ähnliches Problem hatte. Sein Vorgehen gegen den Prätorianerprefekten Arvandus, einem Gefolgsmann Ricimers könnte damit zusammen hängen.

Zur gleichen Zeit regierte der Papst Leo der Große (franc. Leo de grande) in Rom und starb 461.
Er ging als „Leodegrance“ (Leo de grance)  in die keltische Artus-Legende ein. Dazu heisst es in der Artuslegende: „Leodegrance war einer der wenigen Könige, die Artus als ihren obersten König anerkennen. Daher wird sein Land von König Rience überfallen, König Artus kommt ihm jedoch zu Hilfe und vertreibt den Feind. Auf dieser Reise trifft Artus zum ersten Mal auf Guinevere und sie verlieben sich.“

Der arianische Heerführer Ricimer, der zu dieser Zeit mächtigste Militär in Italien und faktische Regent des Westreichs, bat 466 Leo I. um die Ernennung eines eigenen Kaisers für den Westen, den er als Marionettenkaiser benutzten wollte. Leo, der 465 formal selbst die Regierung im weströmischen Reich übernommen hatte, sandte Anthemius nach Italien der dort zum Westkaiser erhoben wurde.
Seinem weströmischen Kaiserkollegen Anthemius empfahl er jedoch, mit dessen Heermeister Ricimer ebenso zu verfahren wie er es mit Aspar getan hatte, den er ermorden ließ.

Der nun erwähnte König Rience ist zweifellos Ricimer. Italien wurde zur Zeit des Papstes Leo 452 von dem Hunnenkönig Attila bedroht, nachdem der oströmische Kaiser Markian ihnen 450 die jährlichen Tributzahlungen gekündigt hatte. Aëtius gelang es jedoch, eine Koalition aus verschiedenen in Gallien ansässigen Foederaten einschliesslich den Westgoten zu formen und Attila bei den Katalaunischen Feldern 451 zu schlagen. Damit zwang er die Hunnen sich zurück zu ziehen. Ein Jahr später fielen die Hunnen aber in Italien ein und plünderten mehrere Städte, darunter auch Aquileia, doch auch hier musste sich Attila schließlich zurückziehen, als Aëtius seine Truppen nach Italien lenkte. Nachdem das Hunnenreich durch Attilas Tod quasi zusammen brach sah Valentinian III. eine Chance sich auch des mächtigen Heermeisters Aëtius zu entledigen der defacto Gallien beherrschte, den er bei einer Audienz eigenhändig ermordete. Dafür wurde der Kaiser durch zwei ehemalige Gefolgsleute des Aëtius erschlagen, als er in Rom einer Truppenübung beiwohnen wollte. Niemand aus seiner Garde schritt ein, um ihn zu verteidigen. Möglich das die beiden Gefolgsleute Avitus und Ricimer waren, die beide zu den engsten Vertrauten Aëtius gehörten.

Die Morde an Aëtius und Valentinian 454 bzw. 455 erzeugten jedenfalls ein Machtvakuum im Westen in der sich Petronius Maximus zum neuen Kaiser aufschwingen konnte, obwohl ihm die Unterstützung des Heeres fehlte. Laut Priskos war auch Petronius Maximus in Aëtius Ermordung 454 verstrickt.

455 stand Geiserich vor Rom und plünderte Rom, er entführte die weströmische Kaiserwitwe Licinia Eudoxia samt ihren Töchtern Eudocia und Placidia nach Africa. Der Kaiserwitwe Licinia Eudoxia wird nachgesagt, dass sie Geiserich gegen den Usurpator Petronius Maximus zu Hilfe gerufen hatte.
Sidonius Apollinaris deutet auch an,  das Usurpator Petronius Maximus von einem Burgunder verraten worden, ohne aber Details zu nennen.
Damit kann nur Ricimer gemeint sein der schon unter Aëtius die Truppen in Burgund befehligte.

Aus diesem Grunde rührte jedenfalls niemand einen Finger um Petronius Maximus vor dem Angriff der Vandalen unter Geiserich 455 zu retten. Petronius Maximus floh aus Rom, wurde aber 2 Tage später ermordet und in den Tiber geworfen und Geiserich plünderte Rom.
Avitus der einige Zeit am Westgotischem Hof verbracht hatte, wurde nun von den Westgoten aufgefordert, sich als Kaiser durch die Truppen von Arles ausrufen zu lassen und sicherte ihm die Unterstützung der Westgoten zu.

Ricimer der noch immer in Burgund war, wurden von Avitus 455 zum Heerführer Italiens (magister militum per Italy) befördert, während Avitus einen Westgoten namens Remisto zum ersten Heermeister machte.
Ricimer übernahm die Flotte und errang 456 einen Sieg über Geiserich. Gestärkt durch die so erlangte Popularität gewann Ricimer offenbar die Zustimmung des Senats für eine Revolte gegen Kaiser Avitus den er im Bündnis mit dem Gardeoffizier Majorian 456 in einer blutigen Schlacht bei Piacenza schlug.
Dessen Heermeister Remistus wurde kurz vor dem Sturz des Avitus im Militärhafen von Classe bei Ravenna erschlagen, wo die siegreiche Flotte des Ricimer ankerte.

Nach Anthemius’ Tod setzte Leo im Westen zunächst Olybrius als Herrscher ein der jedoch kurz darauf verstarb. Ihm folgte Julius Nepos als neue Kaiser der nochmals von Leo mit Truppen ausgestattet wurde. Doch ein Jahr nach Leos Tod musste Nepos aus Italien flüchten und 476 erlosch das weströmische Reich.
Die Forderung nach Tribut könnte eine Forderung Leos an den Herrmeister Ricimer gewesen sein, da dieser formal 465-466 die Regierung des weströmischen Reiches inne hatte das defacto von Ricimer regiert wurde.

Eine andere Möglichkeit für die Tributforderung wäre Äetius der durch Valentinian III. 454 wegen angeblicher Steuerhinterziehung ermordet wurde.
Als Aëtius gerade die Finanzlage erläuterte und die Steuereinnahmen vorrechnete, sprang Valentinian mit einem Schrei auf einmal von seinem Thron auf und brüllte, er werde es nicht länger ertragen, durch derlei Betrügereien beleidigt zu werden. Er behauptete, Aëtius wolle ihn, indem er ihm die Schuld an den Problemen zuschob, nun auch um die Herrschaft im Westen bringen, wie er es bereits mit dem Osten getan habe; denn nur wegen Aëtius habe er damals darauf verzichtet, dort Marcian von dessen Thron zu entfernen.
Während Aëtius angesichts dieses Ausbruchs noch wie gelähmt dastand und nur versuchte, diesen unvernünftigen Anfall zu dämpfen, zog Valentinian bereits sein Schwert aus der Scheide und stürzte sich gemeinsam mit Heraclius, der eine Axt unter seinem Umhang verborgen hatte (denn er war der oberste
praepositus), auf ihn […]. Nachdem er Aëtius erschlagen hatte, tötete Valentinian auch den Präfekten Boethius, der hoch in Aëtius’ Gunst gestanden hatte. Er ließ ihre Leichen unbestattet auf dem Forum präsentieren und berief unverzüglich den Senat ein, wo er gegen beide Männer schwere Vorwürfe erhob, da er fürchtete, es könne wegen Aëtius zu einer Revolte kommen.

Eine der interessantesten Fragen wäre die Frage nach Camelot. Dazu muss man wissen das die älteste Stadt Britanniens CAMVLODVNO (Camulodunon das heutige Colchester) ist, eine Stadt benannt nach dem Belger Kriegsgott Camulus, der ein Pseudonym für Menelaos ist, dem Bruder jenes mykenischem König der Troja angriff. Entfernt man die letzten drei Buchstaben bleibt CAMVLOD übrig.

Besondere Fans dieses Gottes waren die Stämme Belgae und die Remi im heutigem Reims die Nachbarn der Trevier in Trier waren.
Cunobeline war einer der wenigen benannten Könige des vorrömischen Britanniens und Sohn eines Tasciovanus. Er regierte um 9 BC im heutigem Essex nahe London als „König der Britan“ (Britannorum rex). Es gibt auch Münzen von ihm mit dem Bild des Camulus. Sein Name setzt sich aus Kuno- und Belenus zusammen, also Hund des Belenus wobei zu bedenken ist das die Belger sich als Germanen sahen und Kuno auch ein germanischer Name ist. Schon zu Caesars Zeiten also 55 v. Chr. herrschten Belger-Könige sowohl über ein belgisches als auch über ein englisches Stammesgebiet das sinnvollerweise an der Themse lag.
Sein Stamm waren die Catuvellauni die den römerfreundlichen Stamm der Trinovantes im Jahre 9 angriffen, vermutlich ermutigt durch die Varusschlach im Jahre 9. Er beherrschte die Ebene des heutigen London.
Er erscheint in der keltischen Mythologie als Cynfelyn (Welsh), Cymbelinus (Latinisiert) oder Cymbeline.

Die Schlachten des Ricimer

  • Ricimer gelangte vermutlich 435-436 als Geisel der Sueben an den Hof Aëtius als dieser die Burgunder schlug die gemeinsam mit Alanen und Sueben die Römer bekämpften.
    Teilnahme an der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 452 gegen die Hunnen unter dem Magister militum Aëtius (seit 429 magister militum per Gallias)
  • erster Konflikt, die Ermordung von Aëtius größten Konkurrenten, des Heermeisters Flavius Felix, im Jahr 430 (Aëtius seit 230 magister utriusque militae)
  • Teilnahme an Feldzüge in Gallien gegen Westgoten und Franken unter Aetius
  • Machtkampf zwischen Bonifatius und Aëtius zu Gunsten Aëtius Schlacht bei Ariminum (Rimini)
  • Ab 455 Nachfolger von Aëtius und zweiter Heermeister (Magister militum per Italiam) des Weströmischen Reiches
  • Agrippinus fungierte seit 452 als Militärkommandeur (ev. nur Comes) in Gallien. 457 wurde er von Kaiser Majorian aufgrund von Verratsvorwürfen seines Amtes enthoben, aber offenbar begnadigt. An seiner Stelle wurde Aegidius, ein Rivale Agrippinus, mit dem Militärkommando in Gallien betraut.
    Die Legio II Brittannica wurde vermutlich im 4. Jahrhundert aufgeteilt und unterstand im frühen 5. Jahrhundert als Secunda Britannica in Gallien dem Magister Peditum Praesentalis (Magister militum) des Weströmischen Reiches.
  • Seeschlacht gegen Vandalen 456 bei Korsika und
  • Landschlacht gegen Vandalen bei Agrigent auf Sizilien
  • Entmachtet gemeinsam mit Majorian 456 den Kaiser Avitus und dessen ersten Heermeister und Patricius Remistus in der Schlacht bei Piacenza
  • 457 von Leo I. zum ersten Heermeister (magister utriusque militae) und Patricius erhoben
  • spätestens ab 461 Magister militum Praesentalis und Patricius des Weströmischen Reiches.
  • 460 der weströmische Kaiser Majorian versucht einer Rückeroberung Nordafrikas, der jedoch schon vorab scheiterte, weil die Vandalen die Invasionsflotte, die Majorian in Cartagena versammelt hatte, zerstörten. Dies diente Ricimer als Grund Majorian zu beseitigen.
  • Aegidius rebellierte daraufhin gegen Ricimer, errichtete ein nordgallisches Reich und plante sogar die Invasion Italiens. Nun wurde Agrippinus durch Ricimer wieder als gallischer Heermeister eingesetzt und übergab in dieser Funktion 461/62 die Stadt Narbo an die Westgoten, die dafür gegen Aegidius vorgehen sollten.
  • Aegidius unternahm offenbar Feldzüge zur Vergrößerung seines Reiches; so belagerte er (vermutlich 462/63) Chinon. 463 griffen ihn die Westgoten bei Orléans an, doch Aegidius konnte sie Dank der Kooperation mit den Salfranken schlagen. 464 nahm er Kontakt zu den Vandalen auf, um sich mit ihnen gegen Ricimer zu verbünden, starb jedoch zwischenzeitlich.
  • In dem großen Vandalenfeldzug von 468 zur Rückeroberung der Province Afrika, den Leo und Anthemius 468 gegen Geiserich anstrengten, kommandierte Ricimer die weströmischen Streitkräfte. Dabei unterstellten ihm spätere Quellen, dass er im Geheimen das Scheitern von Anthemius wollte, das schließlich auch eintrat. Anthemius Flotte wurde im Hafen durch Geiserichs Brandschiffe vernichtet und Anthemius verlor sämtliche Schiffe.
    Allerdings hatte Ricimer zweifellos kein Interesse an einem Sieg Geiserichs.
  • Der Versuch des Kaisers Anthemius, eine antigotische Koalition zu bilden, und die Westgoten anzugreifen endete 471 mit der Vernichtung des gesamten Heeres. Eurich schlug die kaiserliche Armee unter Anthemius‘ Sohn Anthemiolus bei Orleans, welches bald darauf von Ravenna aufgegeben werden musste. Damit verlor Anthemius jegliche militärische Basis und wurde 471 getötet.aballo_avallon
  • Ricimer regiert defacto von August 461 bis zu seinem Tode August 472 das Weströmische Reich, ist jedoch schon seit 456 der höchste Militärführer im Weströmischem Reich.

Vergleich zwischen Artus und Ricimer

Artus Ricimer
König der Briten Dux von Bretona (Betanzos oder Flavium Brigantium),
Bruder Rechiar´s, König v. Suavia in Galizien,
Dux tractus Armoricani et Nervicani
Oberster Heerführer Westroms (magister utriusque militae)
mißgünstiger Verwandter Mordred, Neffe oder Sohn vermutlich Kaiser Majorian (457-461), römischer Heerführer (Magister militum), stürze mit Hilfe von Ricimer Kaiser Avitus und wurde neuer Kaiser
Kaiser von Rom defacto Regent von 461-472
des Weströmischen Reiches
sowie Freund des Kaisers
(Magister militum presentalis et patricius)
und Schwiegersohn von Anthemius durch die Heirat
mit Anthemius’ Tochter Alypia
kam Anthemius zu Hilfe Heermeister des Anthemius, zog 470/471 mit dem Landheer gegen Eurich, kam aber zu spät an. Zuvor nahm er an Feldzügen gegen die Vandalen in Nordafrika teil.
Tod in Avalon gestorben in Aballo (heute Avallon) in Burgund (Region Bourgogne)
Zeitgenosse
Leodecrande
Leo I. der Große, Bischof von Rom (440-451), Papst und erster kirchlicher Pontifex Maximus (Caesarentitel) auch als Patriarcha Occidentis bezeichnet
Kaiser Leo Leo I. Imperatur des Oströmischen Reiches, regiert formal 465-466 das weströmische Reich
Todesjahr 537 in der Schlacht von Camlann Justinian I. verbannt den Ostgotenfreundlichen Papst Silverius

Artus – die unsterbliche Geschichte

Es ist durchaus realitisch das sich der Artus-Erfinder Geoffrey von Monmouth sich seinen Superkönig aus mehreren Personen zusammen setzte. Aber es ist auch richtig zu glauben, das einer davon Ricimer war. Ein anderer war sicherlich der Römer Aëtius. Und auch der Quaden-König Remismund, Sohn des Rechiar und Neffe von Ricimer dürfte ein Teil dieser Artus-Legende sein, vielleicht auch Aegidius der das kurzlebige Gallierreich um Sens errichtete.

Mir kommt es so vor als hätte der Interpret nur sehr fehlerhaft eine lateinische Quelle interpretiert (vielleicht eine verloren gegangene Vita Ricimerus) und dabei die verschiedenen Personen zu einer einzigen Person – König Artus – verschmolzen. Diese hat Galfredi Monemuthensis (lateiniserter Name) in seiner historia de gestis Britonum, lateinisiert Historia regum Britanniae (in der Wikipedia suggestiv als Historia Brittonum bezeichnet) zum Idealkönig ausgeschmückt und den Briten als Gründungslegende zum Geschenk gemacht.

Die Behauptung der Wikipedia das der historische Kern der Artus-Geschichte damit zusammen hänge, das sich die arme römisch-britische Restbevölkerung (nach dem Abzug der Römer) gegen die bösen „rebellische“ Angelsachsen zur Wehr setzen mussten, ist schlichtweg Unsinn. Schon die Darstellung „Rebellischer Angelsachsen“ ist suggestiv und unterstellt ein prima durch keltische Könige verwaltetes England.
Tatsächlich hatten sie schon seit 250 mit Raubzügen der Angelsachsen zu kämpfen. Schon 287 rief sich ein Belgier (von der Wikipedia zum Gallier umdeklariert) zum Gegenkaiser aus und beanspruchte Britannien. Tatsächlich ist er der Sohn einer Familie aus dem belgischem Stamm der Menapi der es zum Flottenbefehlshabers der römischen Nordmeerflotte gebracht hatte. Er wurde 285 von Rom ausgesandt, um der Piraterie der Franken und Sachsen in der Kanalküste (Armorica, Gallia und Belgica sowie Britannia) Einhalt zu gebieten. 287 erhielt er Kenntnis davon das ihn der Kaiser beseitigen wollte und verlegte die gesamte Flotte nach Britannia wo er ohne Widerspruch als Kaiser anerkannt wurde und sich die Unterstützung der Franken und Sachsen sicherte. 288 scheiterte der erboste Kaiser Maximilian kläglich beim Versuch einer Rückeroberung. Erst 293 bis 296 gelang nach wechselndem Kampf nach und nach die Rückeroberung.
Schon 306 rief sich der nächste Römer von seinen Truppen zum Kaiser aus, diesem gelang allerdings die Usurpation des Kaiserthrons und er wurde Konstantin der Große. Weitere erfolglose Usurpationen folgten. Zu einer „barbarischen Verschwörung“ von Pikten, Skoten und Angelsachsen kam es 367/68 die den römischen Prätorianerpräfekten töteten, bis der von Rom entsandte Flavius Theodosius die Ordnung wieder herstellte. Die letzte Strafexpedition gegen die Pikten und Skoten soll der magister militum Stilicho 398/99 durchgeführt haben. 402 ist die letzte römische Inschrift von einem praepositus namens Justinian in Ravenscar in einen Festungsturm eingemeisselt worden, der sicherlich wegen dem Abzug weiterer Legionen aus England befestigt wurde. Mit dem Rheinübergang von 406 der Quaden, Alanen, Westgoten, Burgunder und Vandalen und lassen sich auch kaum noch römischen Münzen mehr nachweisen. Die Folge war das sich die drei Kommandeure Britanniens zu Kaisern ausriefen und sich gegenseitig bekämpften bis der Letzte von ihnen 407 die verbliebenen Truppen nach Gallien führte um einen Bürgerkrieg gegen den Kaiser von Ravenna zu führen, den er 411 verlor. Damit hatte Britannien praktisch keinerlei Besatzungstruppe mehr und Warlords, vermutlich Pikten, Skoten und Angelsachsen eroberten mit kleinen Kriegertrupps das Land.

Die Artuslegende spielt eindeutig in Gallien und das in der Zeit zwischen 451 (Attila´s Schlacht auf den Katalaunischen Feldern) und 472 (dem Tode Ricimers). Damit ist sie im Grunde genommen eine Fortsetzung der Burgunder-Legende.

Fakt ist das keiner von denen je Kelte war oder in England Kriege führte. Somit kann man davon ausgehen, das es weder einen Artus gab, noch irgendein anderer englischen König oder zurückgebliebenem Römischen Offizier, der als Vorbild für die Artuslegende dienen könnte. Wenn man wirklich jemals Artus Grab finden will, muss man schon nach Burgund fahren.
So richtig keltisch sind an der Legende nur die Namen.

Im Grunde genommen ist es eigentlich egal wer tatsächlich das Vorbild von Artus war, denn letztendlich ist es eine schöne unendliche Geschichte und spiegelt wohl auch den Wunsch der Menschen nach einem gerechtem König wieder.

Ricimers Erben

Ricimers Nachfolger wurde Gundobad, der Sohn der Burgunderkönig Gundioch der Ricimers Schwester geheiratet hatte. Er war bereits seit 463  Magister militum Galliarum und wie wir wissen ging das Burgunderreich mit einem Epischen Knall namens „Nibelungensaga“ unter.
Das Königshaus Ricimers in Galicien wird vermutlich durch Rekkared II. einem rex Gothorum at que Sueuorum und 652 durch Rekkeswinth nochmal genannt. Die Fürstenwahl machte es möglich das auch die Galizischen Vasallenfürsten sich um die Westgotenkrone bewerben konnten und gelegentlich auch mal trugen.
Dieser Rekkeswinth veröffentlichte  654  ein Gesetzbuch, den Liber iudiciorum (Buch der Urteile) oder Liber iudicum (Buch der Richter), das fortan das einzige Gesetzbuch des Reichs sein sollte; die Verwendung anderer Rechtsquellen, auch dem der Römer wurde verboten.
Neu an diesem Gesetz war die Gleichstellung von Römern und Westgoten.

711 wird Iberien von den Mauren erobert, die bis 740 versuchten auch Galicien zu unterwerfen. Galizien wurde Teil des Königreich Asturien (Asturorum regnum) das 711 durch den gotische Aristrokraten Pelayo (lateinisch Pelagius) geschaffen wurde und während der gesamten Maurenzeit bestand.

Die gotenfreundliche Chronicon Albeldense berichtet als Erstes über Pelagius. Pelagius war demnach Vasall und Herzog (dux) der Westgoten, ein Sohn des einheimischen Aristokraten Fafila der von dem Westgotischen Thronfolger Witiza 702 erschlagen wurde. Laut Legende entstammt er einer einheimischen königlichen Familie, womit eigentlich nur die Quaden in Frage kämen. Witiza´s Gotenreich ging kurz nach seinem Tod 711 durch die Mauren unter. Zuvor eroberte ein Gote namens Roderich aus einer mit Witiza verfeindeten Familie den Thron und setzte den Pelagius als Spatharius, als seine persönliche Leibwache ein. Seine Niederlage gegen die Mauren in der Schlacht am Río Guadalete, in der er starb, besiegelte den letzten Akt des Untergangs.

Pelagius arrangierte sich zunächst mit den Mauren, doch also der maurische Machthaber Munuza mit seiner Schwester die Herrschaft über Galizien legitimieren wollte, rebellierte Pelagius und floh mit Getreuen in die Berge Asturiens, wo er sich zum König ausrufen ließ. Mit Kleingefechten dehnte er von hieraus sein Reich nach und nach aus. Eines dieser Gefechte, die Schlacht von Covadonga 722 unter Pelagius wird als Beginn der Reconquista bezeichnet. Ihm folge sein Sohn Fafila II. auf dem Thron der gegen die Mauren fiel. Damit übernahm Alfons I. sein Schwiegersohn 739 den Thron (wohl eher ein Thrönchen) und wurde Begründer der Dynastie von Asturien. Ihm gelangen die ersten spürbaren Erfolge. Im 9. Jhd. propagierte Alfons III. die Wiederherstellung des Westgotenreichs um die Christenwelt zu vereinigen und verlegte den Königssitz nach Leon womit das Königreich Asturien 924 zum Königreich von Leon umbenannt wurde. 1230 vereinte es sich mit Kastilien und 1469 mit der Krone Aragons. Ab 1516 wird es als Spanien bezeichnet. Der Titel Fürst von Asturien wird seither traditionell vom spanischen Thronfolger getragen.

Doch erst als die nordafrikanische Berberdynastie der Almoraviden nach 1086 den Dschihad zur Verteidigung des Islam ausrief, proklamierten die christlichen Herrschern Europas den Kampf gegen die Mauren als heiligen Krieg und die Reconquista erhielt die Unterstützung die es brauchte um die Mauren zu vertreiben.

Die Chronicon Moissiacense die von Alfons III. von Asturien verfasst wurde, stellt den westgotischen Witiza im schlechtesten Licht dar und widerspricht damit der gotischen-freundlichen Mozarabische Chronik die von christlichen Mönchen des ehemaligen Westgotenreiches verfasst wurde, die nun unter den Mauren lebten. Diese wurden dort Mozaraber genannt, Moissiacense  ist die lateinisierte Form dieses Begriffes.

Die Chronicon Moissiacense stellt zudem dar, das Witizas Söhne mit den Mauren paktierten und somit den Untergang des Westgotenreiches verursacht hätten. Man sieht also das die Ermordung Fafila zu einer Fehde zwischen dem regierenden westgotischem Königshaus und den unterworfenen galizischen Königshaus führte, auf das sich Pelagius und damit auch die Könige von Asturien berufen haben.
Am Ende war wohl Pelagius mit seiner Felsenhöhle in den Asturischen Bergen der einzige der dem Bild eines Artus tatsächlich entsprach und es wäre durchaus möglich das die Reconquista des Pelagius auch Geoffrey von Monmouth zu seiner legendären Artuslegende inspirierte.

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Artus – auf der Suche nach einem König

  1. Lieber Vanalander, klingt gut und plausibel. Hier ein Satz aus meiner aktuellen Nibelungen-Geschichte….Und doch verbirgt sich hinter jeder Sage eine wahre Geschichte. Heldensagen, ob mündlich oder schriftlich weiter getragen, knüpfen immer an historische Personen und Geschehnisse. Der Kern ist wahr, die Ausschmückung individuell. Nicht die Beschreibung von Geschichte ist traditionell die Intention derartiger Erzählungen, sondern deren Interpretation. Was heißt, Sagen dienen nicht nur einem unterhaltenden Zweck, sie wollen ebenso belehren, mahnen, warnen oder erklären. Damit unterscheidet sich die Sage vom Märchen….
    Gruß aus Soest.

    Verfasst von Sigi Korte | 02/05/2017, 8:53 AM

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