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Allgemein, Bronzezeit

Pyramidenbau leicht gemacht

In der Welt der Wissenschaft gibt es ja so allerhand verrückte Ideen wie die alten Ägypter wohl die Pyramiden gebaut haben und die meisten haben deutliche Schwachstellen. Also wie sieht es eigentlich gegenwärtig mit den Theorien dazu aus?


Die sechs Pyramiden der 4. Dynastie (2639–2504 v. Chr.), zu der auch die von Pharao Cheops gehört, stellen den größten Teil der Gesamtmasse aller ägyptischer Pyramiden dar und sind in ihrer Größe, ihrem Alter und in ihrem Zustand geradezu einzigartig. In nur 80 Jahren wurden zwölf Millionen Steinblöcke aufgetürmt. Im Schnitt waren das 400 Blöcke am Tag, alle eineinhalb Minuten ein Block von mind. 0,5 bis 1,20 Meter Seitenlänge.
Über 4000 Jahre lang, bis ins 14. Jahrhundert hinein, blieb die Cheops-Pyramide mit 147 Metern das höchste Bauwerk der Welt. Und es waren keine einfachen Ziegelsteine, die auf diese Höhe transportiert werden mussten – die Steinblöcke waren durchschnittlich 2,5 Tonnen schwer! Noch schwerer waren die rund 180 Granitblöcke die in der Galerie und den Kammern eingebaut wurden. Die schwersten unter ihnen, die Granit-Deckenbalken der Königskammer, wogen sogar an die 50 Tonnen und wurden bis in 60 m Höhe verbaut!
Wie hat man die nach oben befördert?

Der Grieche Herodot (490/480 v. Chr.; † um 424 v. Chr) hat zwar von Maschinen und kurzen Balken berichtet, doch es gibt dazu keine archäologischen Funde. Und was wusste Herodot wirklich? Tatsächlich berichtet Plinius von 12 antiken Autoren die über die Pyramiden schrieben und sich nicht einig darüber waren, wer diese erbaut hat und wie. Herodot könnte also seine Meinung wiedergegeben haben.

Glaubwürdig erscheint eine Theorie indem man Gegengewichte benutzte, das könnten Menschen oder auch Schutt bzw. Wasser sein. Auf Schienen sollen die Quader durch Gegengewichte gezogen worden sein. Deste Seile und Führungshölzer waren nachweislich im Einsatz, doch wie man diese genau einsetzte, dafür hat noch niemand eine plausible Idee.
Ein Korb dürfte das Gewicht von 2,5 Tonnen nicht tragen können. Schon gar nicht das von 50 Tonnen. Bei derartigen Gewichten fällt auch das Hebeln als Weg nach oben weg. Für so etwas braucht man zumindest Hartholz, starke Seile und Rollsteine, denn jeder Millimeter Unterschied einer Holzschiene wäre bereits ein unüberwindliches Hindernis. Alle Theorien reichen bisher nur für maximal den unteren Teil der Pyramide. Von der Baugeschwindigkeit mal ganz abgesehen.

Das Leningrader Denkmal des Zaren Peter der Große war ebenfalls ein Findling dieser Größe und wurde vor etwa 300 Jahren genau mit diesen Materialien von der Küste nach Leningrad gezogen.

Pyramidenbau nach Bruno Jerebicnik

Pyramidenbau nach Bruno Jerebicnik

Bruno Jerebicnik, ein Fechtlehrer hat nun die Theorie einer Wälztechnik vorgestellt. Im Prinzip habe man ein Seil unter den Stein geschoben und dann von oben mittels Gegengewicht gezogen, sodaß sich der Stein über die Stufen nach oben wälzte. Das ganze stellt er sich so vor wie es auf dem Bild zu sehen ist.

Hem-iunus hieß übrigens der große Baumeister der Cheops-Pyramider der offenbar nach dem Vorbild des Imhotep die größte aller Baustellen in Ägypten mit möglicherweise 20.000 Arbeitern leitete. Der Wesir war Neffe oder Cousin von Cheops und wurde zum Dank für die vollendete Pyramide offenbar zum Sohn des Pharao ernannt.

Eine überlebensgroße Statue aus feinem Kalkstein wird heute in Hildesheim aufbewahrt. Die Hieroglyphen auf der Fußplatte verraten seine enorme Machtfülle und die Wertschätzung durch Cheops. „Der Fürst, der einzige Freund des Pharaos, Meister der Schreiber, Vorsteher aller Bauarbeiten des Pharao, der leibliche Königssohn Hem-iunu“, heißt es dort. Aber sie verraten noch mehr. Die Beine waren angeschwollen, der Mann hatte offensichtlich Wasser in den Füßen. Dies sind Anzeichen einer Herzschwäche oder von zu viel Alkoholgenuss, möglicherweise auch beides.
Trotzdem folgte er nicht nur dem Beispiel Imhotep´s sondern erschuf auch eigene Innovationen. So ist die Cheops-Pyramide die Einzige die eigentlich 8 Seiten hat, denn alle vier Seiten neigen sich der Mitte zu, sodas eine Seite eigentlich aus 2 leicht nach innen geneigten Seiten bestehen. Dies erhöht zusätzlich die Stabilität der Pyramide gegen Erdbeben. Normalerweise sieht man das nicht, aber zur Tag und Nachtgleiche gibt es einen Lichteffekt an dem das ganz deutlich wird.

Eines der erstaunlichsten Dinge sind jedoch die Zahlen der Cheops-Pyramide. Sie enthält neben der Kreiszahl Pi auch die Zahl des goldenen Schnitts, was sehr vielen obskuren Leuten als Beweis gilt das hier „Ausserirdische“ oder auch eine frühe Zivilisation ihre Hände im Spiel hatte.
Doch dafür muss es eine extrem einfache Erklärung geben. Diese könnte lauten das die Ägypter die Grundmaße aus dem Himmel ableiteten. Tatsächlich entsprechen zwei Seitenlängen der Cheopspyramide genau der Zahl, um die sich die Erde am Äquator in einer Sekunde dreht. Nun waren die Ägypter aber nicht genau auf dem Äquator. Es scheint das die Erde selbst von den Ägyptern irgendwie als Grundmaß aller Dinge in der Cheopspyramide genutzt wurde.
Durch ihre Verdoppelung oder Halbierung kommt man dann zur Kreiszahl Pi und den goldenen Schnitt und sogar zur Lichtgeschwindigkeit. In dem Fall hätten die Ägypter zwar keine große Mathematik gehabt, aber sind da sie das richtige Grundmaß verwendeten genau zu diesen Zahlen gekommen ohne es wirklich zu wissen.
Auch die Astronomen benutzten heute Sterne um die Position der Erde im Raum bestimmen zu können. Tatsächlich stehen die Hauptsterne der Sternzeichen Stier und Skorpion (damals Adler), Löwe und Wassermann (heute Fische) aufgrund ihrer Entfernung zur Erde immer in gleicher Relation und können als Referenzpunkte verwenden um die Bewegung der Erde zu bestimmen. Stier und Adler liegen sich gegenüber und wurden als geflügelter Stier insbesondere von Persern und Babyloniern dargestellt, die Sphinx stellt den Löwen mit menschlichem Kopf (Wassermann) dar.

Herodot schreibt dazu:
„Ferner ist von den Ägyptern auch zuerst festgestellt worden, welcher Monat und Tag den einzelnen Göttern heilig ist und welche Schicksale, welches Ende und welchen Charakter die an diesem oder jenem Tage Geborenen haben werden. Griechische Dichter haben diese Dinge ebenfalls übernommen. Und Vorzeichen haben die Ägypter weit mehr herausgefunden als alle anderen Völker. Wenn etwas Auffälliges geschieht, achten sie auf dessen Folgen und schreiben sie auf. Bei einem ähnlichen Vorfall in der Zukunft glauben sie dann, es müssten wieder die gleichen Folgen eintreten.“

Vom baufreudigen Pharao Ramses II. (um 1303–1213 v. Chr.) ist übrigens eine Botschaft an seine Steinmetze überliefert. „Ich kenne eure schwierigen und korrekten Arbeiten. Man jubelt bei der Arbeit nur, wenn der Bauch voll ist. Deshalb fülle ich euch das Vorratshaus mit allerlei guten Dingen, mit Brot, Fleisch und Kuchen.“ Na wenn das kein netter Boss ist! Europäische Könige waren da sehr viel skrupelloser. Vom Sonnenkönig weiss man das jeden Tag Tote Arbeiter auf einen eigens dafür angelegten für den Adel unsichtbaren Weg abtransportiert wurden. Der Bau von Versaille hat vielen Menschen das Leben gekostet.

Zurück zum Bau der Pyramiden.

Neu ist eine Baumethode die auf Peter James aus Wales beruht. Der walisische Hochbauingenieur Peter James, war mit seiner Firma Cintec im Jahr 2011 beauftragt die einsturzgefährdete Stufenpyramide des Djoser zu stabilisieren. Dabei hat er so einige Ideen entwickelt und die sind echt super interessant.

Pyramiden-Restauration schon vor 2500 Jahren

Im Zuge der Restaurierungsarbeiten 2011 fand man in einigen Gewölben der Stufenpyramide nachträglich eingezogene Holzbalken, welche die alten Ägypter vor etwa 500 v.Chr. eingebracht hatten. Zu diesem Zeitpunkt war also die von Imhotep für Pharao Djoser erbaute Stufenpyramide bereits mehr als 2000 Jahre alt und schon damals müssen Teile der Pyramide einsturzgefährdet gewesen sein. Bisher nahm man an das Erdbeben dafür verantwortlich waren. Aber das Alter der Holzbalken sprach dagegen. Und auch das die Verschalung mit Kalkplatten durch Erdbeben abgerutscht oder von späteren Menschen abgenommen worden sei, kann so nicht stimmen. Einerseits hätte eine Fremdeinwirkung beim Abnehmen der Platten sicher Spuren hinterlassen, andererseits hätte ein natürliches Abrutschen z.b. basierend auf Erdbeben sicher Reste an der Spitze hinterlassen. Doch gerade bei Djosers Stufenpyramide ist an der Spitze die komplette Verkleidung weg, während sie bei der älteren Knickpyramide teilweise noch erhalten ist.

Laut Peter James ist die Perfektion daran schuld. Die Kalksteinplatten waren in den später erbauten Pyramiden so Fugenlos verbunden, das diesem Baumaterial schlichtweg die Dehnungsfugen fehlten.
Die Kalksteinplatten heizten sich unter direkte Sonneneinstrahlung problemlos auf 50-60 Grad auf. Dabei zieht sich Kalkstein zusammen, während er über Nacht Feuchtigkeit aus der Luft aufnimmt und sich ausdehnt. Wenn ihm dazu die Dehnungsfugen fehlen, platzt der Kalkstein früher oder später einfach ab. Es gelang immer besser, die Blöcke so glatt herzustellen, dass die zwischen ihnen verbleibenden Fugen immer kleiner wurden. Zusätzlich lernte man, die Übergänge der Platten für die Außenhaut immer besser zu verspachteln, so dass kaum noch Ritzen verblieben. Und wenn die stützenden Seiten erstmal wegfallen, rutscht der Rest früher oder später hinterher.
Bei der älteren Knickpyramide hat man noch nicht so nahtlose Fugen erreicht. Damit konnte der Kalkstein arbeiten und die Verkleidung blieb besser erhalten.

Zudem hat man Reste von Rampen wurden an verschiedenen anderen Pyramiden bereits nachgewiesen. Doch die können nach Adam Riese nicht ausgereicht haben um derart große Steine in derart große Höhen zu schaffen. Eine gerade Rampe hätte bei einer Steigung von 5% etwa 3 km lang sein müssen und mehr Material verschlungen, als die ganze Pyramide selbst.

Peter James hat sich auch dazu Gedanken gemacht und ist dabei auf eine geniale Idee gekommen.

Land unter auf der Baustelle
Peter James glaubt das die Pyramidenbauer nicht nur den Steinbruch sondern auch die Pyramiden unter Wasser gesetzt haben und dann mit einer Methode ähnlich einem „Schiffshebewerk“ die Steine nach oben zu ihrem Bestimmungsort „schwimmen“ ließen.

Das ist wirklich genial und läge wohl vom Prinzip her technisch im Bereich des Möglichem. Doch ehrlich gesagt glaube ich nicht das es so gemacht wurde, es ist einfach zu raffiniert und wäre es so einfach, hätten es wohl schon frühere Burgherrn dieses Prinzip benutzt.

Das Wasser beim Bau der Pyramide eine große Rolle spielt das überzeugt mich. Den Transport zur Baustelle Pyramide kann ich mir so durchaus vorstellen, ja ich halte es sogar für glaubwürdig. Und auch für die Ausrichtung und Auslotung der Gänge und Kammern dürfte Wasser eine große Rolle gespielt haben, denn ich glaube nicht das die alten Ägypter in der Lage waren dies wirklich zu berechnen. Doch da sich stehendes Wasser immer parallel zum Erdkern verhält, wäre es die einfachste Lösung eine fast 100%ige Genauigkeit zu erreichen. Eine Art Wasserwaage könnte sowas erklären. Tatsächlich hat die Königskammer nicht einmal eine Abweichung von 1 mm. Das ist nur mit einem Lot zu erreichen das nicht auf Augenmaß beruht. Ein Bindfaden mit einem Gewicht reicht also nicht aus um so genau zu arbeiten.

Doch das man Steinbrüche und Pyramiden unter Wasser setzte, das glaube ich nicht. Sie werden also die Steine durchaus einige Meter ins bzw. aus dem Wasser gezogen haben. Doch schaut euch die Animation selbst an, leider gibt es sie nur in Englisch.

Insofern wünsch ich euch viel Spass mit dieser – vielleicht nicht realen – aber doch ziemlich genialen Methode eine Pyramide zu bauen.

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  1. Pingback: Die Pyramidenbauer | Die Goldene Landschaft - 26/03/2017

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