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Genetik, Linguistik

Herkunft von Austronesisch

380 Million Menschen auf der Welt sprechen Austronesisch. Diese riesige, von Madagaskar über den Malaiischen Archipel und von Neuguinea bis in den Pazifik zu den Osterinseln sowie von Taiwan bis Neuseeland verbreitete Sprachfamilie „Austronesisch“ ist die umfangreichste, was ihre flächenmäßige Verbreitung angeht. Mit ca. 1.150 Sprachen wird sie nur noch von den afrikanischen Niger-Kongo-Sprachen übertroffen und nach der Anzahl der Sprecher liegt sie an fünfter Stelle.  Doch wo kommt sie her?
Bis heute gibt uns schon ihre Klassifikation zahlreiche Rätsel auf.
Die bisherigen Versuche waren teils geografisch, teils genetisch sowie lexiko-statistisch begründet. Im 19. Jh. wurde sie deshalb auch als „malayo-polynesisch“ bezeichnet.
Da es sich ganz sicher um große Land- und Seewanderungswellen handelte, sind sogar mehrfache Vermischungen, im Pazifik mit nicht-austronesischen Sprachgemeinschaften, festzustellen, was insbesondere auch für Australien gilt, wo die Unterschiede zwischen den glatthaarigen und kraushaarigen Aborigines zur Theorie führte das Menschen mit Kraushaar als zweite Siedlungswelle einwanderte.

Herkunftstheorien und Genetik

Herkunftstheorien und Genetik

Die Unterschiede im Wortschatz bestätigen, dass rein geografische Nähe allein nicht zu einer Klassifikation genügt, obwohl sie wiederum einen stark maskierenden Einfluss ausgeübt hat.

So kann man feststellen, dass das Malagassische vor der Ostküste Afrikas enger mit Sprachen der Insel Kalimantan (Borneo) von Indonesien zusammengehört als die näheren Sprachen Sumatras. Andersrum scheint das Aceh von Nord-Sumatra enger mit den Cham-Sprachen in Vietnam und Kambodscha zusammenzuhängen scheint. Auch die einzelnen Zweige untereinander sind eher vernetzt als durch einfache Stammbäume darzustellen.

Eine neue Studie bringt nun Licht in die Herkunft der Austronesischen Sprachen.

Lapita-Culture

Lapita Wanderungen 2000/1600 – 500 BC

Nach Auswertung von mehr als 12.000 mtDNA-Genproben stellt sich die Vergangenheit nun so dar, das es eine Ausbreitung vor 8.000 Jahren gab die eng mit dem Ende der Eiszeit vor 11.500 Jahren zusammen hängt und zu starken Veränderungen der Küstenlinie Asiens führte.

Aber die weitaus einflussreichste Ausbreitung erfolgte erst vor 4.000 Jahren von Taiwan aus.
Zwar handelt es sich dabei nur um eine Minderheit die nur ca. 20% der Sprecher ausmacht, diese hat sich aber laut den Forschern deswegen durchgesetzt, weil sie nach Ansicht von Professor Richards eine Elite bildete und mit einer neuen Religion daher kam, die von der Austronesischen angenommen wurde.

Dies entspricht im Wesentlichem der Lapita-Wanderung die vor 3000 Jahren von Neukaledonien aus den Pazifik eroberte und eng mit der Verbreitung von Hühnern auf zahlreichen Pazifischen Inseln verbunden ist. Benannt ist sie nach der Foué-Halbinsel auf Neukaledonien und führte nach Tonga und Vanuatu wo sie etwa ab 1200 v. Chr. auftaucht. Weitere Fundstellen gibt es auf dem Bismarck-Archipel, Papua Neuguinea und sogar in Australien in der Nähe von Cains.
Typisch für diese Menschen waren das Kraushaar und eine dunkle Hautfarbe.

Der Biologe David Steadman stellte 1989 die Theorie auf das die Besiedlung der Inseln mit dem Verlust mehrerer vorwiegender Laufvögel zusammen hängt, nachdem er auf einer Tonga-Insel Knochen unbekannter teilweise flugunfähiger Vögel fand. Die Flugfähigen Vögel gehörten vorwiegend zu den Rallenvögeln aber auch einige sehr farbenfrohe Eisvögel sollen in dieser Zeit Federn gelassen haben, was zu ihrem Aussterben führte.

Die Lapita-Wanderung wird in drei große Gruppen aufgeteilt. Die  erste Wanderung in den fernen Westen erreichte Neuguinea und die Salomonen, die zweite Wanderung in den Osten umfasst das Gebiet von Indonesien und den Philippinen sowie Fidschi, Tonga und Samoa, und die dritte und letzte Wanderung das Gebiet von Neukaledonien, Neuseeland und Polynesien.

Die ersten menschlichen Spuren auf dem Bismarck-Archipel haben ein Alter von 35.000 Jahren und die auf den Salomonen von 29.000 Jahren, die von Australien ein Alter von 60.000 Jahren. Diese Urbevölkerung ist auf den kleinen Pazifikinseln nicht zu finden, sondern ausschliesslich auf die größeren Landmassen der Sundainseln und Australien, wobei der Bismarck Archipel mit Papua-Neuguinea verbunden war.

Die Verbreitung der Kraushaarigen

Die Verbreitung der Kraushaarigen

Schon die Untersuchung der Pazifischen Ratte, die nicht schwimmen kann und daher auf Booten verbreitet worden sein muss, deutete auf die philippinische Insel Halmahera. Es wird davon ausgegangen das die Pazifische Ratte als Nahrungsquelle genutzt wurde. Daneben verbreiteten sich die Tarowurzel sowie die Yamswurzel, die Kokospalme, die Bananenstaude und die Brotfrucht.

Bestätigt wird dieses Ergebnis durch Studien die im Oktober 2016 publiziert wurden, wo anhand von Gräbern in Tonga und Vanuatu die Urpopulation ermittelt wurde. Diese war nicht älter als 3000 Jahre und stammt von den Nördlichen Philippinen bzw. von Taiwan. Die Polynesier gelten als Nachfahren der Lapita-Seefahrer.

Quellen:

Pontus Skoglund et al. Genomische Einblicke in die Besiedlung der Region Südwest – Pazifik, Nature (2016). DOI: 10.1038 / nature19844

Pedro A. Soares et al. Die Lösung der Abstammung von austronesische sprachigen Bevölkerung, Human Genetics (2016). DOI: 10.1007 / s00439-015-1620-z

 

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