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Wundertüte Sogdien

Sogdien, ein Land wie eine Wundertüte, von der Geschichte oft vergessen und unerwähnt, war es damals berühmt für seinen kulturellen Reichtum und seine Menschen in aller Welt hoch angesehen. Ich finde das ist ein guter Grund mal die ganze Geschichte Sogdiens zu erzählen.

Laut der Überlieferung wurde in der fruchtbaren Ebene des Serafschan im 7. Jhd. v. Chr. die Stadt Markanda gegründet.
Die historische Geschichte Sogdiens beginnt jedoch erst 522 v. Chr. als Sogdien von Dareios I. unterworfen und als Satrapie Sogdiana in der Behistun-Inschrift erstmalig erwähnt wird.
Von den Achämeniden wissen wir das damals das kriegerische Reitervolk der Massageten und Baktrien als bedeutendes Handelszentrum der Seidenstraße ihre östlichen Nachbarn waren.
Der persischen Legende nach schlug Dareios I. während seiner Machtübernahme u.a. einen zoroastrischen Hohepriester der Avesta namens Gautama der sich als Bardiya, Sohn des Kyros II. ausgab und den Thron seines Bruders Kambyses II. 522 v. Chr. besteigen wollte. Kambyses II. starb kurz darauf und Dareios I. zog mit dem Heer von Kambyses II. und eroberte den persischen Thron zurück. Bardiya floh in den Nordosten des Perserreiches. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.
Etwa um diese Zeit entstand 6. Jhd. v. Chr. der Buddhismus, der sich auf einem Religionsstifter Siddhartha Gautama beruft. Sogdien wurde ein bedeutendes Zentrum des frühen Buddhismus.

Sogdien unter den Griechen
Nach dem Tod des Perserkönigs Dareios III. eroberte Alexander der Große 329 v. Chr. Baktrien, Sogdien und den Punjab, den Nordwesten Indiens. Nur mit Mühe konnte Alexander den Widerstand der Baktrier, Sogdier und Massageten brechen und ihre letzte Festung, unter der Führung des Oxyartes schliesslich einnehmen.
Währenddessen erhob sich der aus Sogdien stammende persische Feldherr Spitamenes. Es wird spekuliert das er den zoroastrischen Glauben vor den Griechen verteidigen zu wollen.

Nachdem Spitamenes geschlagen wurde, heiratete Alexander die baktrische Prinzessin Roxane, die sich mit ihrem Vater Oxyartes in Sogdien aufhielt und machte Oxyartes zum Stadthalter von Indien.
Seinen Feldherrn Seleukos I. verheiratete Alexander mit Spitamenes Tochter Apame. Sekeukos, der nach dem Zerfall des Alexanderreiches den Osten von Babylon bis Indien beherrschte, gründete das Seleukidenreich.
Seleukos I. Nikator setzte Diodotos I. als Stadthalter in Baktrien ein, der sich während einer Krise 256 v. Chr. vom Seleukidenreich los sagte, gründete nun das  Griechisch-Baktrische Königreich. Dabei kam es zu einer Vermischung von Buddhismus und Hellinismus dem sogenanntem Graeco-Buddhismus.

210 v. Chr. wird dem chinesischem Kaiser Qín Shǐhuángdì ein Grabmal errichtet, zu dem die weltberühmte Terrakotta-Armee gehört. Unter diesen wurden inzwischen zahlreiche europid aussehende Figuren gefunden die möglicherweise aus dem Griechisch-Baktrische Königreich stammten.

Die Chinesen kannten ab dem 2. Jhd. v. Chr. zunächst nur das östliche Teilgebiet unter dem Namen Kang-kü (ursprünglich Chach übersetzt “Steinstadt“ was sich eventuell von Tschatsch, dem alten Namen von Taschkent ableitet). Der Name wurde in späteren Quellen für Samarkand und Taschkent verwendet. Diesen Quellen zufolge besetzten die Yuezhi 141 v. Chr. aus dem Tarimbecken vor den Chinesen fliehend, das griechisch-baktrische Reich unter Heliokles, was gegen 135/130 v. Chr. auch das Ende des griechisch-baktrischen Reiches war, von dem nur noch das griechisch-indische Reich in Gandahar übrig blieb.

Sogdien unter den Saken
Die Yuezhi, Baktrien und Sogdien (also die Kang-kü) vereinten sich im Krieg gegen die Parther, dessen König Artabanos I. im Feldzug nach Baktrien 123 v. Chr. den Tod fand.

Ab etwa 90 v. Chr. setzte sich im Yuèzhī-Reich der Clan der Kuschana (chin. Guishuang) durch. Damit wurde Sogdien Teil des Kushana-Reiches, das nun auch das indo-griechische Königreich unterwarf.

Mit dem Zerfall des Kushana-Reiches das bereits 280 seinen westlichen Teil an die Parther verlor,  gründeten „hunnischen“ Gruppierungen wie die Chioniten und Hephthaliten im 4. Jhd. entlang der Seidenstraße kleine Stadtfürstentümer die von Familienclans regiert werden und über die sie den Handel kontrollierten. Sie standen im regen Kulturaustausch einschliesslich Heirat.

Sogdien erlebte eine Zeit der kulturellen Blüte und sogdisch wurde zur vorherrschenden Handelssprache die bis ins 8. Jhd. vom Amur-darja im Westen bis zum Jadetor der Chinesischen Mauer im Osten (vor den Toren von der chinesischen Handelsstadt Dunhuang) gesprochen wurde.
Sogdische Siedlungen lassen sich ab der ersten Hälfte des 4. Jh. n. Chr. sogar bis ins heutige chinesische Kernland im Nordosten Chinas nachweisen.
Zahlreiche Zeugnisse des frühen Buddhismus wurden entlang der Seidenstraße entdeckt, darunter die Tocharischen Schriftzeugnisse und die frühesten Buddhistischen Schriften.
Aus sogdischen Schriften aus Dunhuang ist überliefert, das die Xiongnu (sogdisch “xwn“) die Stadt Ye und kurz darauf 311 Luoyang angriffen. Daneben werden die Di (Tibeter) und die Quang (wohl die Tokharier in Turfan) sowie das Reich der Shanshan (sogdisch krwrʾn) erwähnt.

Nachdem in China die westliche Jin-Dynastie fällt, versinkt China in Kriegen rivalisierender Gruppen, an denen sich auch Sodgier aus Shaanxi und Shanxi (zwei chinesischer Provinzen) beteiligen. Unter den Tuoba, einer Gruppe der Xianbei wird Nordchina 439 wieder vereint und nun haben auch Sogdier und andere iranische Einwanderer die Möglichkeit in Nordchina sozial aufzusteigen. Mit ihnen kommt sogar der Zoroastrismus nach China. Hinweise deuten darauf das die Tuoba sogar Tempel für den „himmlichen Tian“ hatten, wie sie den obersten Gott des Zoroastrismus nannten.

Die Sogdier waren nun aufgrund ihres Reichtums auch immer wieder Ziel für Raubzüge der Asiatischen und Iranischen Hunnen.

Im 5. Jhd. wird Sogdien zum Teil des Reiches der Hephthaliten, deren Zentrum Badakhshan in Nordost-Afghanistan lag.
Ab der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts werden Sogdier unter der nördlichen Wei-Dynastie auch in Hohen Ämtern Nordchinas erwähnt und in der Grabkunst mit kostbaren Trachten und eigenem iranischem Gefolge dargestellt.

Neben Sassanidischer Kunst werden Sogdische Stoffe und Sogdische Kultur in China äußerst beliebt, was in Sogdien zu Wohlstand führte. Doch trotz aller Integration lassen sich kaum Mischehen zwischen Sogdiern, Han-Chinesen und Xianbei feststellen. Erst mit der Tang-Dynastie nehmen Sogdier nach und nach auch chinesische Namen an.

Sogdien unter den Kök-Türken
Die in Sogdien herrschenden Hephthaliten wurden im 6. Jhd. von den Kök-Türken (chin. tujue, abgeleitet vom Stammvater T’u-wu) in Kooperation mit den Sassaniden geschlagen, die das Hephthaliten-Reich von zwei Seiten angriffen und unter sich aufteilten. Sogdien wurde dabei zum Herrschersitz der Kök-Türken. Doch offensichtlich kam es zu Differenzen zwischen den Sassaniden und den Kök-Türken aus denen eine Feindschaft erwuchs.

Die damalige Hauptstadt Sogdiens war Afrasiab, dessen Ruinen 20 km nördlich des heutigen Samarkand, dem damaligem Markanda (griech.: Μαράκανδα) liegen.
Der Name Afrasiab ist in der persischen Schahname erwähnt. Danach habe einst der mythische König Kai Kobad (möglicherweise Kavadh I.), der erste Kayanide (die persische Dynastie der Sassaniden) einen Afrasiab, König von Turan geschlagen. Afrasiab, dessen Tochter einen Perser geliebt haben soll, wird darin als Erzfeind der Perser dargestellt.

Heute glaubt man das Afrasiab der König der Hephthaliten war, der von dem Sassaniden-König Chosrau I. (einem Zeitgenossen und Erzfeind des Byzantinischen Kaisers Justinian I.) geschlagen wurde. Dabei wird auch die Stadt Afrasiab zerstört.

Die Türken gewannen so den nördlichen Teil des Hephthaliten-Reiches und errichteten ein Göktürk-Reich (türkisch Göktürk Kağanlığı).
Der jüngere Bruder des Reichsgründers Bumin Quaghan (Sohn des T’u-wu, chin. tujue) namens Iştämi Quaghan regierte als Yabghu (eine Art Reichsverwalter) den Westteil dieses Reiches.
Gemäß des alttürkischen Glaubens wurde er als Quaghan zum Beschützer und Herrscher der gesamten Steppe.

567 sandte Yabghu Iştämi (griechisch Sizabulos, slawisch Sabazios) eine Delegation unter dem Sogdier Maniakh nach Konstantinopel, das sich seit 540 erneut im Krieg mit den Sassaniden befand. Ziel der Verhandlungen war eine Kooperation mit Byzanz um die Sassaniden zu besiegen.

Dabei berichtet Prokopius von Caesarea erstmalig, das der türkische Thronfolger Tardu (griechisch später als “Prinz Turxathos“ bezeichnet) über entflohene Awaren verärgert war, die in der Ukraine auftauchend über die Alanen Kontakt mit den Byzantinern aufnahmen und 558/559 von Ostrom als Foederaten gegen die Gepiden angeworben wurden. 575 rächte sich Tardu an den Awaren und griff unter Beihilfe der Utiguren (Bolgaren) die Krim an.

Diese Awaren werden mit den “War“ (Var Huni) aus den chinesischen Quellen in Zusammenhang gebracht, die von den Rouran (chin. Juan-Juan) einst unterworfen wurden. Die Rouran die 277 die Steppenvölker vereinten, wurden 552 von Bumin Quaghan vernichtend geschlagen und so fiel das gesamte Rouran-Reich an die Kök-Türken, die kurz darauf auch das Hepthaliten-Reich angriffen.
Andererseits werden die Awaren mit den Chionten in Verbindung gebracht. Daher ist unklar ob die Awaren ein Turkvolk oder ein iranisches Volk waren.
Vieles spricht dafür das sie ein Iranisches Volk waren das eine ostiranische, möglicherweise sogdische Sprache nutzte. Da sie jedoch auch wie ein Turkvolk wirken, sehen einige Forscher in ihnen ein Turkvolk. Dies kann jedoch auch von Hunnen, Utiguren oder Kutiguren stammen, die sie ihm Rahmen ihrer Eroberungen im Westen rekrutierten. Tatsächlich stellten die Awaren nur eine sehr dünne Oberschicht dar, wie es z.B. auch im griechisch-baktrischem Reich der Fall war, das von einer griechischen Minderheit regiert wurde.

Als um 630 Stammeskriege unter den Kök-Türken ausbrach, gelang es der Chinesischen Tang-Dynastie 659 große Teile des Westlichen Türkenreiches unter ihrer Kontrolle zu bringen, sodaß nun China über Sogdien herrschte.
Doch 705 mit dem Sturz des Kaisers Wu Zhao konnte sich Sogdien unter dem Herrscher Divashtich (706–722) befreien, der nun von Panchekanth (vermutlich richtiger Panshekand) aus regierte. Die Walnüsse aus Panchekanth waren eines der vielen Handelsgüter auf der Seidenstraße.

Doch die Unabhängigkeit dauerte nur kurz, 722 schlugen Araber den Herrscher Divashtich und eroberten die sogdischen Festungen im Tal des Serafschan und 751 eroberten sie auch Taschkent, dessen Name möglicherweise aus dem Sogdischen stammt.
Im Zuge dieser frühen Islamischen Expansion wurde Sogdien mit dem Rest des Sassanidenreiches unter den Samaniden mehr oder weniger gewaltsam zum Islam bekehrt. Es folgt eine Arabisierung von Ortsnamen wie z.B. die sogdische Festung Gardani Hissar, deren Name auf eine Gründung in der griechisch-baktrischen Periode Sogdiens hinweist. Die Festung versperrte den Zugang zu einem Seitental des Serafschantals, wo es Zinnbergbau gab.

Doch im Zuge der islamischen Eroberung erlebt Baktrien, Sogdien, das Tarimbecken und sogar Nordchina eine Welle von iranischen Einwanderern.
Mit ihnen etabliert sich auch die Religion des Manichäismus als Gegenbewegung, die auf den persischen Religionsstifter Mani zurückgeht und die Ausbreitung des Islam vorerst stoppte. Diese erste Welle der Islamisierung war daher nicht von Dauer.
Chinesische Quellen erwähnen bald darauf ein iranisches Volk namens “Sute-hu“ (übersetzt Sogdier) das nun in Sogdien herrsche.

Sogdien unter den Uiguren
Um 744 erhoben sich die Uiguren, einer der unterworfenen Stämme gegen die Kök-Türken und übernehmen das Reich der Kök-Türken. Damit werden sie auch in Sogdien ansässig. Mit ihnen hält der Tengrismus Einzug in Sogdien. Nachdem der Uigurische Khagan Tengri Bögü jedoch von Sogdiern missioniert zum Manichäismus übertritt, wird dieser schliesslich zur Staatsreligion im Großreich der Uiguren, das sich bis in die Mongolei erstreckt.

Damit geriet Sogdien erneut unter dem Einfluss von Turkvölkern, deren Sprache im Laufe der Zeit die ostiranischen Sprache mehr und mehr verdrängten.
560 erwähnen chinesische Quellen erstmals Kirgisen, ein weiterer von den Kök-Türken unterworfener Stamm, der vom Jenissey kommend sich gegen die westlichen Kök-Türken erhebt und so ganz nebenbei auch die Vasallenschaft der Utiguren und Kutiguren vom Kök-Türkenreich beendet.

Als gegen 840 die Orchon-Uiguren des Uigurenreich von den Kirgisen aus der Mongolei vertrieben, verloren sie den Besitz des heiligen Berges der Erdgöttin Otukan, nebst ihrer Hauptstadt Ordubalik. Gemäß des uralten Steppenglaubens der  Türken war, wer immer diesen Berg besaß, der Herrscher über die ganze türkische Welt. Nur er und seine Nachkommen hatten die spirituelle Autorität inne den Titel (Qaghan) zu führen.

Von den vier flüchtenden orchon-uigurischen Gruppen  hatten sich die kleineren Gruppen inmitten des Reiches der Karachaniden niedergelassen, eine in Kashgar und eine Zweite entlang des Chu-Fluss-Tales. Die Kocho-Uiguren flohen ins nördliche Tarimbecken in der chinesischen Provinz Xinjiang und gründen in der Oase Turfan ein kleines Reich mit Beiting (uigurisch Jimisar Naⱨiyisi) als Hauptstadt. Die gelben Yuguren ließen sich in den Gansu Korridor (auch Hexi-Korridor genannt) der chinesische Provinz Gansu nieder die das westliche Tang-Reich mit dem chinesischem Tang-Reich verband. Damit herrschten die Uiguren nicht nur über die  sogdischen Händler in der Oase Turfan, sondern auch große Teile der Seidenstraße durch das Tarimbecken. In der Folgezeit vermischten sich die Uiguren mit den Sogdiern, Kirgisen und Chinesen.

Während der gesamten Kirgisenherrschaft von 840 bis 1137 unternahmen die Karachaniden niemals einen militärischen Feldzug gegen ihre früheren Herrn die Uiguren, obwohl sie diese früher, wie auch die Karluken, häufig bekämpft hatten.

Da die Kirgisen aber ursprünglich ein mongolisches Volk waren und nicht an den türkischen Otukan glaubten, erklärten sich der Karluken-Herrscher Bilga Kul Kadyr im Jahr 840 selbst zum „Kaghan“, also zum rechtmäßigen Anführer und Beschützer aller türkischer Stämme und änderte den Namen seines Königreichs und der Dynastie in Karachanid. Kurz nach seiner Gründung zerbrach das Reich der Karachaniden in zwei Teile. Der westliche Zweig hatte seine Hauptstadt bei Taraz am Talas-Fluss und schloss die Stadtstaaten entlang des Tianshan-Gebirges im Tarimbeckens ein.

Die Karachaniden behielten den Brauch der Karluken und Kök-Türken bei, eine Mischung aus Buddhismus, Schamanismus und Tengrismus zu unterstützen der dem tibetischen Bön ähnelt.
Traditionell führten sie freundlichen Beziehungen zu ihren langjährigen militärischen Verbündeten in Tibet fort. Im Jahr 842 war das Tibetische von Khotan bis Gansu die Sprache des Handels und der Diplomatie auf der Seidenstraße des Tarimbeckens und verdrängte damit das Sogdische. Nach Osten weiter wandernd entlang der südlichen Begrenzung des Tarimbeckens ließen sie sich schließlich in der Kokonor-Region des nordöstlichen Tibet nieder, wo bald darauf das Tsongka-Königtum gegründet wurde.

Die Kocho-Uiguren wurden in den nördlichen Oasen des Tarimbeckens sehr städtisch. Da sie ihre früheren kriegerischen Traditionen der Steppenreiter aufgaben und den Buddhismus annahmen, lebten sie überwiegend im Frieden mit den umgebenden Königtümern. Die Gelben Yuguren wurden zudem auch in den Stadtstaaten des Gansu Korridors urbanisiert und ebenfalls Buddhisten, standen aber nahezu immer im Krieg mit ihren Nachbarn im Osten, den Tanguten, die sie ständig bedrohten. Beide uigurische Zweige hatten freundliche Beziehungen mit den Han-Chinesen, da örtliche Han-Siedler ihnen geholfen hatten, die früheren tibetischen Herrscher abzusetzen und ihre Stadtfürstentümer zu errichten. Zusammen bildeten die beiden uigurischen Völker damals die einzige türkische Gruppe, die eine geschriebene Sprache und eine hohe Kultur besaßen, die sie mit Hilfe der sogdischen Kaufleute und der buddhistischen Mönche erlangten.

Nachdem General Tahir im Jahr 819 den Staat der Tahariden in Baktrien gegründet hatte, war Yaqub bin al-Saffar der nächste örtliche islamische Anführer, der die Unabhängigkeit unter den Abbasiden erklärt hatte. Er gründete die Saffariden-Dynastie (861 – 910) von seiner Befestigung aus in Sistan im südöstlichen Iran. Im Jahr 870 fielen die Saffariden in Kabul ein. Angesichts der drohenden Niederlage wurde der letzte der buddhistischen Turki-Shahi-Herrscher von seinem brahmanischen Minister Kallar vertrieben, der für die Saffariden Kabul aufgab und die Hindu-Shahi-Dynastie (870 – 1015) in Gandhara und Oddiyana gründete.

1030 werden östliche Sogdier Vasallen der Tanguten und 1209 schliesslich zum Teil des Mongolenreiches unter Dschingis Khan. Die östlichen Stadtfürstentümer der Uiguren behaupten sich noch bis ins 14. Jahrhundert.
Im 13. Jahrhundert setzt sich der Islam durch und Samarkand wird neben Tashkent zu einem der führenden Zentren des Islam.

Als letztes Überbleibsel der alten sogdischen Bevölkerung bleiben die Jagnoben im heutigen Tadschikistan übrig, die eine ostiranische Sprache sprechen, die auf die alte sogdische Sprache zurück geführt wird. Ihre Sprache ist mit der Sprache der Ossieten der letzte Überbleibsel des Ostiranischen Sprachzweiges.

Das hohe Niveau der sogdischen Kultur, die sowohl westliche als auch östliche Einflüsse aufnahm, ist vor allem an den Malereien und Objekten aus Alt-Pandschakent bei Pandschakent in der heutigen tadschikischen Provinz Sughd und in Afrasiab in Usbekistan abzulesen.
Dies waren zwei der Hauptstädte von sogdischen Fürstentümern, die besonders gut erhalten sind. Zum sogdischen Sprach- und Kulturgebiet gehört auch die Region Usruschana mit der ehemaligen Hauptstadt Bundschikat beim heutigen Dorf Schahriston. In Chinesischen Quellen wird noch das Fürstentum Shĭ (Kesh, dem heutigen Shahr-i Sabz in Usbekistan) erwähnt.

Religion und Grabsitten
In Sogdien wurde bis ins 8. Jahrhundert n. Chr. die Himmelsbestattung des Zoroastrismus ausgeübt, d.h. die Toten ausgesetzt und anschließend die Gebeine in Ossuarien bestattet. Solche Ossuarien aus Sogdien sind überwiegend aus Keramik und tragen in einigen Fällen bildliche Darstellungen von Ritualen oder Bestattungsszenen wie z.B. die Beweinung der Toten, manchmal auch mit Trauergästen die sich selbst verstümmelten. Daneben waren Darstellungen von Gottheiten und Magiern vor Feueraltären oder manichäischen Inhalten üblich.
Sogdier in China praktizierten dagegen schon bald nach ihrer Ankunft die Körperbestattung in reich verzierten hausartigen Sarkophagen bzw. auf Bestattungsbetten die aus Holz oder Stein sein konnten. Bekannt ist diese Praxis jedoch nur aus der sogdischen Oberschicht.

Als früheste Religion Sogdiens ist wohl der Zoroastrismus anzunehmen, der mit der Eroberung des Dareios I. Einzug hielt. Dieser wurde vom Buddhismus ablöst der schon bald die Seidenstraße beherrschte. Dieser nahm im 3. Jhd. v. Chr. griechische Einflüsse auf, während sich weiter östlich eine chinesische Form des Buddhismus etablierte. Mit dem Aufstieg der Sassaniden zog erneut der Zoroastrismus in Sogdien ein. Die Ausbreitung der Sogdiern nach Nordchina brachte sie mit dem Daoismus in Kontakt. Mit den Kök-Türken, der ersten Islamisierung und dem Manichäismus der Uiguren war Sogdien inzwischen zu einem Schmelztigel unterschiedlichster Religionen geworden, die schliesslich durch die erneute Islamisierung abgelöst wurden.

Quellen: Buddhistische Studien,  Die historische Interaktion zwischen den buddhistischen und islamischen Kulturen vor der Zeit des mongolischen Reichs

Shing Müller: Sogdier in China um 600 n. Chr.  Archäologische Zeugnisse eines Lebens zwischen Assimilation und Identitätsbewahrung

Nachtrag:
Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt das kürzlich ein Koreanisches Team einen direkten Nachkommen des Dschingis Khan genetisch getestet hat. Zur Überraschung aller stellte sich dieser als nicht mongoloid heraus, tatsächlich hatte er und damit auch Dschingis Khan ganz klar caucasoide Vorfahren, möglicherweise Hunnen die sich in Europa mit Goten mischten, aber vielleicht auch Skythen oder Alanen.

Möglich war das, weil man 650 km von Ulan Bator in Tavan Tolgoi, Ostmongolei im Jahre 2004 vier Personen ausgrub, darunter eine als „Mongol Königin“ betitelte Frau fand, die auf jeden Fall Mitglied der königlichen Familie gewesen war und in der Zeit des Dschingis Khan lebte. Es stellte sich heraus das alle vier Personen miteinander eng verwandt waren. Die mtDNA wurde als typisch Asiatische D4 bestimmt, doch die Y-DNA der drei männlichen Personen war R1b-M343.

Damit entspricht er ganz und gar nicht dem Bild das wir uns von dem mongolischen Welteroberer gemacht haben. Das beweist mal wieder das etablierte Vorstellungen nicht zwingend richtig sein müssen.

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