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Archäologie

Die legendäre Induskultur

Die legendäre Induskultur
In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde im Ufergebiet des Indus, im heutigen Pakistan, eine Metropole aus dem dritten Jahrtausend vor Christus entdeckt. Mohenjo Daro war das Zentrum einer Zivilisation, die der Ägyptens und Mesopotamiens gleichzusetzen ist. An die 100.000 Einwohner zählte die Stadt, die wie am Reißbrett entworfen und von breiten Alleen durchzogen auf künstlichen Plateaus erbaut wurde.
Michael Jansen, Professor für Stadtbaugeschichte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, erforschte Mohenjo Daro über 30 Jahren. Er kennt die antike Stadt und lüftet ihre Geheimnisse. Die antike Stadtanlage Mohenjo Daro am Indus-Fluss stammt aus dem dritten Jahrtausend vor Christus.

Bereits ihre Entdecker in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts waren fasziniert von der ungewöhnlichen Bauweise der Anlage. Die Metropole bestand aus Millionen einheitlicher Ziegel. Es gab Wohnhäuser mit moderner Raumaufteilung und jeweils eigenen, nichtöffentlich zugänglichen Brunnen, Straßen mit Abwasserkanalisation und wie nach einem Bebauungsplan getrennte Produktions- und Wohnviertel.

Nach seiner Vermutung war Mohenjo Daro das Ergebnis eines Schwellenereignisses der Menschheit, eines einzigartigen zivilisatorischen Sprungs. Danach explodierte innerhalb von nur 50 Jahren der Fortschritt am Indus auf fast allen Gebieten. Eine Schrift wurde erfunden, Großsiedlungen mit ausgelagerten Produktionsstätten entstanden und über Tausende von Kilometern wurde Handel getrieben.

Indus-KulturAber wer waren die Lenker dieses Umbruchs, wer waren die Herrscher von Mohenjo Daro?
Es gab ganz offensichtlich keine Herrscher. Gesellschaftliche Herrschaftsstrukturen ließen sich nicht finden.
Die raren Hinweise wie etwa eine Kleinplastik eines von konservativen Gräbern damals sogenannten Priesterkönigs oder des „dancing girls of Mohenjo Daro“ geben Rätsel auf. Die Schriftzeichen, die auf Siegeln entdeckt wurden, sind auch noch nicht entziffert, man nimmt jedoch an das es sich um Namen verschiedener Zielorte für den Handel handelt.
Und bisher sind erst zehn Prozent der Stadt ausgegraben. So steht die Erforschung der Indus-Zivilisation fast noch am Anfang.

Ein möglicher Ursprung der Indus-Kultur könnte am Helmand River liegen, einer Region in Balutschistan von Afghanistan. Bekanntester Ausgrabungsort ist Mehrgarh, dessen Siedlungsspuren bis ins 7. Jahrtausend v. Chr. zurück geht.

Desweiteren wird eine Verbindung mit der Jiroft-Kultur vermutet, die zwischen Elam und der Induskultur am Unterlauf des Helmand River lag. Doch leider liegt die Erforschung der Jiroft-Kultur seit Jahren wegen des Afghanistan-Konfliktes auf Eis. Inzwischen ist die Gegend von Raubgräber massiv durchwühlt worden, sodaß eine große Lücke zwischen dem Beginn des Ackerbaus im Nördlichen Zagrosgebirge und der Induskultur klafft, die durch die Fundorte der Jiroft-Kultur hätte gefüllt werden können.
Es scheint jedoch anhand der genetischen Erkenntnisse so zu sein, das die ersten Bauern im Zagros die Vorfahren der östlichen Jiroft-Kultur ist, an der Mehrgarh und schliesslich die Induskultur anschliesst. Die später ankommenden Arier profitierten von dem hohem Stand der Kultur, entstammen aber einer kriegerischen Kultur die der einheimischen Kultur militärisch überlegen war und so die Macht an sich reißen konnte.

Damals erstreckte sich Mohenjo Daro über mehrere Quadratkilometer. Mit Bohrungen als Vorstufe eines neuen Forschungsabschnitts will Michael Jansen nun das tatsächliche Ausmaß der Stadt feststellen.
Doch auch der Untergang der Metropole Mohenjo Daro vor 4.000 Jahren ist noch rätselhaft.
Ohne Zeichen von Zerstörung, Krieg oder Vertreibung gaben die Bewohner die Stadt auf, die bald unter dem Schwemmland des Indus verschwand.

1.500 Fundorte auf einer Fläche von einer Million Quadratkilometern werden der Indus-Kultur, die ihren Höhepunkt im dritten Jahrtausend vor Christus hatte, zugeordnet.
Weiter östlich machen sich andere archäologische Komplexe bemerkbar, die bemalte Graue Keramik (PGW) wie die so genannte Kupfer-Hort-Kultur, die Swat-Kultur und die Cemetery-H-Kultur. Ab 1700 v. Chr. setzte aus bislang unbekannten Gründen der Zerfall der Indus-Kultur ein.

https://www.youtube.com/watch?v=CjSkY2PU3Zk

Die Frage nach dem Ursprung der Arier gilt in Indien als hochbrisant, weil sie untrennbar mit der Frage verbunden ist, wem die indische Vergangenheit gehört und wer die ursprünglichen Bewohner des Landes sind.

Sehr vereinfachend lässt sich das Problem kurz so umreißen: Für lange Zeit gingen die indischen Gelehrtenschichten (die durchwegs den oberen Kasten angehörten) in Übereinstimmung mit den europäischen Indologen davon aus, dass die eingewanderten, „überlegenen“ hellhäutigen Arier die „primitive, dunkelhäutige“ Bevölkerung unterworfen und Indien die „Zivilisation“ gebracht hätten, also ganz so wie man auch den Barbaren eine primitive Kultur unterstellte, sodaß erst die Römer kommen mussten um die Zivilisation nach Europa zu bringen.
Dieses „zivilisatorische Werk“ sei dann viel später, durch die britische Kolonialmacht, weitergeführt worden, wobei sich die oberen Kasten quasi als Cousins der neuen, europäischen Machthaber fühlen konnten.

Alles änderte sich dann durch die archäologischen Zeugnisse aus denen hervorging, dass die autochthone Harappa-Kultur eine hoch entwickelte und verfeinerte Stadtkultur gewesen war.
Doch die nunmehr als Indus-Zivilisation bezeichnete Kultur war nicht von außen durch die Arier herein getragen, sondern innerhalb Indiens entwickelt worden.
Nun erschien es als wichtige Aufgabe nachzuweisen, dass in Wahrheit die Arier die Träger der Industalkultur und damit die ursprünglichen Bewohner des Landes gewesen waren.

Der traditionellen arischen Invasionstheorie wird neuerdings als nationalistisch motivierte Gegenthese eine arische Emigrations-Theorie gegenübergestellt:

Demnach seien von Indien, ihrer Urheimat ausgehend die Arier nach anderen Gegenden aufgebrochen, u.a. nach Europa aufgebrochen. Man geht heute gelegentlich sogar so weit, dass Geschichtsbücher umgeschrieben werden und die Industalschrift zur Schrift einer arischen Sprache erklärt wird, ohne das dafür Beweise erbracht werden können.

Im Grunde genommen tun sie damit das gleiche wie die Slawen, die zwar erst ab dem 6. Jhd. überhaupt archäologisch nachweisbar sind, was sie aber nicht davon abhält, eine slawische Bronzezeit zu rekonstruieren die es so nie gab.

Aus Sprachvergleichen meinen einige Forscher herausgefunden zu haben, dass der „UrBaum“ der Arier die Birke gewesen sein soll und der wichtigste Fisch der Lachs, also beides Spezies, die in nördlichen Breiten beheimatet sind.

Doch sehr viel überzeugender ist die Frage nach dem „Pferde-Kulturkomplex“:

Die Domestizierung von Pferden dürfte zu Anfang des 4.Jahrtausend irgendwo in Westasien oder am Ural stattgefunden haben.
Die ersten Anzeichen von Pferdekultur in Mesopotamien fällt mit der ersten Ankunft von indoeuropäischen Sprachen in diesem Gebiet zusammen, zu Anfang des zweiten Jahrtausends.

Für die Arier war das Pferd offenbar ungeheuer wichtig. Der Gott Krischna stellt sich sogar als Wagenlenker dem Prinzen Arjuna zur Verfügung. Ihre militärischen Erfolge verdankten sie also offensichtlich dem Streitwagen, auf dem wie auch hethitische Wandbilder zeigen jeweils ein Wagenlenker und ein Bogenschütze Platz hatten.

Aber auch das Pferd hatte religiöse Bedeutung und das königliche ashvameda (Pferdeopfer) war die kostspieligste und bedeutsamste Opferzeremonie.

Hinweise auf Pferde fehlen dagegen in der Industalkultur; es gibt erst sehr spät und auch nur an ihren Rändern. Von anderen Tieren gibt es dagegen jede Menge Terrakotta-Figurinen. Die ganze Pferdekultur müsste also in der Induskultur verloren gegangen sein und dann später wieder eingeführt worden sein, was nicht sehr plausibel klingt.

All diese Feststellungen bestärken die Vermutung, dass die Arier doch von außerhalb kamen, irgendwo aus dem Gebiet zwischen dem östlichem Mitteleuropa und dem Ural. Manche engen es sogar auf die Gegend zwischen Donau (Ister) und Amudarja (antik Oxus genannt) ein, was gelinde gesagt halb Eurasien umfasst. So richtig genau ist das natürlich nicht.

Von dort aus könnten sie als Skyten direkt über Asien an den Syrdarja (antik Jaxartes) gewandert sein um dort als sakische Proto-Massageten um ca. 1500-1300 BC aufzutauchen, was zumindestens die Genetik des yDNA R1a-Z93 nahe legt.

Eine zweite Variante ist die Wanderung über den Kaukasus und die Invasion der Guti in Mesopotamien um ca. 2200 BC und deren Rückzug um 1900 BC in den Zagros, verbunden mit einer Wanderung nach Indien, wo sie etwa um 1900-1800 BC als Veden auftauchen und das Pferd einführen. Dies könnte den Tarim-Mumien entsprechen. Wobei hier die erste Variante als zweite „arische“ Welle zu behandeln wäre.

Eine dritte Variante ist die Wanderung über den Kaukasus nach Anatolien, wo sie ab 1500 v.Ch. als Mitanni-Herrscher erscheinen um von hier aus, nach dem Verlust ihres Reiches um ca. 1300 BC allmählich ihre Herrschaft in den Iran und bis nach Indien auszudehnen. Dies würde voraussetzen das die Indischen Mythen die Geschichte der Mitanni kennen und das die Arier erst frühestens um 1200 BC in Indien auftauchen. Hinweise dafür bieten die Mitannischen Götter wie Varuna und Mithras.

Die „arische Invasion“ Indiens war wohl doch keine Einmaligkeit, wo eine sesshaften autochthone Agrarkultur von einer kriegerischen Pferdekultur besiegt wurde.

Vieles in Indien wird bis heute noch mit Vorstellungen gerechtfertigt die völlig überholt sind und in ihrem ursprünglichem Sinne auch nie so gedacht waren. So war das Kastenwesen sicher nie als Diskriminierung eingeführt worden, sondern entwickelte sich wohl eher aus einer Art Spezialisierung ähnlich den Gilden. Aber wie überall wurde das System schnell korrupt und die angesehenen Kasten begannen die weniger angesehenen Kasten zu diskriminieren.
Die Schwächsten sind dabei natürlich Frauen und Kinder.
Es ist geradezu ein Witz das Indien mit dem Taj Mahal, also einem Mausoleum der Liebe zu einer Frau wirbt, andersrum aber eine der frauenfeindlichsten Gesellschaften weltweit darstellt.

Mit Entsetzen hören wir immer wieder von Zwangsprostitution, Zwangsehen, Vergewaltigung und Abtreibung von Mädchen sowie Verbrennungen der Frauen, was insbesondere in unteren Gesellschaftsschichten verbreitet ist. Dies passt so gar nicht zu den Bollywood-Filmen, den Bild von Buddhismus und den ultrabunten Kulturen des Subkontinents.

Das Mädchen weniger wert seine, das man den Mann mit der Mitgift bezahlen müsse, während er keinerlei Brautpreis zahlt. Das er seine Frau wie ein Stück Vieh behandeln kann oder das Frauen von der Familie des Mannes als Arbeitssklaven zu dienen hätten.
Ebenfalls schlimm ist die Tatsache das Männer Frauen schlichtweg irgendwo abgreifen und vergewaltigen. Im Nachhinein wird dann der Frau die Schuld zugeschoben, das sie die Männer reizen würde. Und so wird auch sexuelle Belästigung noch immer als eine Art Kavaliersdelikt gesehen.

Doch am schlimmsten ist, das sich einige Männer darauf verlegt haben, ihre eigenen Frauen mit Benzin zu übergießen und anzuzünden um sie los zu werden und sich die nächste Braut mit reicher Mitgift zu angeln. Das Vorbild dafür lieferten die alten Herrscher. Die wollten bei der Thronbesteigung ihre Mütter loswerden und so etablierten sie die Frauenverbrennung als „letzten Liebesbeweis“ der Frau die zu ihrem verstorbenem Manne auf den Scheiterhaufen steigt. Den Thronfolgern ging es dabei vor allen Dingen darum, das sie sich von den Müttern und ihren Ansprüchen befreiten – also ein ganz pragmatischer Grund. Doch indem sie dies religiös aufluden, wurde der Mord an den Müttern legitimiert. Und mit dieser Sichtweise rechtfertigen Männer heute noch derartige Verbrennungen.

Sicherlich würden sich die Herren der Induskultur im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten wie Frauen in den letzten 500 Jahren in Indien behandelt wurden. Es bliebe den Indern zu wünschen, das sie lernen ihre Frauen als wertvolle und eigenständige Menschen, Partner und ihre Menschenrechte achten.
Also auch hier; weg mit der idiologischen Scheisse….

Eine kleine Zusammenfassung der chronologischen Kulturen in Indien:

  • 2800 BC beginn der frühen Indus-Kultur Mehrgarh und Shar el Shuchte
  • 2600-1700 BC Harappa-Kultur mit Mohenjo Daro (Sindh), Kalibangan (Panjab ab 2500 BC) und Lothal (Gujarat)
  • ca 1800 BC vermutete Einwanderung der Arya
  • 1590 BC Untergang von Dwaraka (Saurashtra) beim Tode des Krishna
  • 1400 – 900 BC frühvedische Zeit (späte Bronzezeit); Einführung von Pferd und Streitwagen
  • 1000 – 600 BC spätvedische Zeit (frühe Eisenzeit) ; Stammeskönigtümer, zeitgleich megalithische Urnenbestattungen in Tamil Nadu (bei den Drawiden)
  • bemalte graue Keramik (PGW) 800-400 BC, vedische Kultur, Ausbreitung des Hinduismus, Upanishaden
  • die Śiśunāga-Dynastie regierte von 550 bis 350 v. Chr. das Königreich Magadha
  • 518 BC Dareios I. macht Gandahar und Sind zur persische Satrap, Buddhismus
  • Die Shishunaga-Dynastie wurde von Mahapadma gestürzt, dem ersten der neun sogenannten Nandas (der Nanda- oder Navananda-Dynastie) um 365 BC.
    Sie vernichteten die Kshatriyas, den Adel und die bisherigen Königshäuser.
  • 327-325 BC Indienfeldzug von Alexander dem Großen, der Roxanas Vater zum Satrap von Indien macht
  • nach dessen Tod um ca. 320 BC Maurya-Dynastie
  • zeitgleich herrschen nacheinander die Chola, Chera und Pandya über Tamil Nadu, seit der Chera-Dynastie gibt es Handel mit Rom, u.a. Pfeffer, Lorbeerblätter, Muskat, Perlen, Elfenbein, Seide, Diamanten, Saphire und Schildkrötenpanzer
  • 268-233 BC Regierungszeit des Königs Ashoka
  • 261 BC Eroberung von Kalinga, Ashoka wendet sich dem Buddhismus zu
  • 256 BC Ashoka entsendet buddhistische Mönche in südostasiatische und hellenistische Länder
  • 248 BC Unabhängigkeit der Griechen in Baktrien
  • 185-73 BC Shunga-Dynastie (auch Sunga geschrieben)
  • 155-130 BC Menander ist der bedeutenste indo-griechische Herrscher
  • 141 BC Shakas erobern Baktrien
  • ca. 94 BC Maues, Shaka-König in Indien
  • 58 BC Azes I., Beginn der Vikrama-Ära
  • Aufstieg der Shata-vahanas unter Shatavahana Satakarni (regieren die Dekkan-Ebene)
  • Kharavela von Kalinga (heute Orissa), Chedi-Dynastie, schlägt die Griechen zurück.
    30-80 AD Kujala Kadphises einigt die Yuezhi-Stämme und begründet das Kushana-Reich
  • 20-46 AD Gondophernes, indo-parthischer König in Taxila, heiliger Thomas in Indien, Kharoshti
  • Vima Kadphises setzt Eroberung Nordindiens fort
  • 78 BC – 250 AD Beginn der Shaka-Ära, Zeit des Vasudeva I.
    vermuteter Aufstieg des Königs Kanisha,
  • ca. 63 BC bis 14 AD Pandya-Könige reisen zum römischen Kaiser Augustus
  • Invasion der Kalabhra in Tamil Nadu, danach folgt die Pallava-Dynastie in Tamil Nadu
  • um 320 Gupta-Dynastie
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