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Religion

Weg mit der Scheisse

Um Flut- und Regenwasser schnell und aus hygienischen Gründen Abwasser geordnet ableiten zu können, entwickelten sich – vor allem in dichten Siedlungen – schon vor langer Zeit erste Kanalisationen.

Eine Kanalisation ist ein Labyrinth aus Leitungen, die Abwasser aus einer Stadt hinaus befördern.
Bereits im Altertum befasste man sich mit dem Problem der Abwasserbeseitigung und baute Entwässerungsleitungen in Städten. In Ur, einer der großen Städte Mesopotamiens, legte man vor rund 4.500 Jahren eine geschlossene Kanalisation an.

Faszinierende Zeugnisse sind aus Mohenjo-Daro bekannt, einer Siedlung am Unterlauf des Flusses Indus im heutigen Pakistan. Dort baute man schon vor rund 5.000 Jahren überdeckte Abwasserkanäle. Entwässerungskanäle lassen sich aber auch schon um 3000 v. Chr. im Euphrattal nachweisen.

Archäologen entdeckten  in Mohenjo-Daro sogar ein 4000 Jahre altes mit genormten Ziegeln gemauertes Entwässerungssystem. Es wird zu den ältesten Kanalisationen der Welt gezählt. Noch heute können die aus Ziegeln gemauerten Hausanschlüsse und Kanäle besichtigt werden, welche das Abwasser ableiteten.
Bei der Schwemmkanalisation wurden Abfälle und Abwässer durch Wasser weggespült. Meistens dienten dazu Regenwasser oder aber auch natürliche Gewässer.
Die Kanäle der Garamanten
Auch die Garamanten in Nordafrika waren unglaublich geschickte Kanalbauer. Mit ihren Kanälen verwandelten sie unfruchtbare Wüstenregionen in blühende Landschaften wo sie Lebensmittel anbauten.

„Foggara“ nennen sie jene unterirdischen Tunnel, mit der sie Grundwasser auf die Felder und in die Dörfer brachten. Pflanzenanalysen brachten Erstaunliches zutage: Mit dem Wasser bauten die Garamanten Weizen, Gerste, Feigen und Trauben an, aber auch Hirse oder Datteln standen auf ihrem Speiseplan. Sogar Baumwolle das besonders viel Wasser benötigt pflanzten sie.
Streckenweise drängelten sich auf einem Gebiet von vier Quadratkilometern Wüste mindestens zehn Dörfer, das ist schon eine ungewöhnlich hohe Dichte und zeigt das die Garamanten ihren Lebensraum optimal nutzen konnten.

Die antiken Autoren hatten jedoch wenig schmeichelhafte Worte für sie übrig: „Wegelagerer seien sie, gesetzlos und plündernd“. Allerdings waren es Römer, die sich so abfällig über die Garamanten äußerten –  ihre großen Konkurrenten im lukrativen Handel Afrikas.
Der griechische Geschichtsschreiber Herodot hingegen berichtet wundersame Dinge von den Garamanten: Über Salzseen hätten sie Erde gestreut, um darauf ihr Korn wachsen zu lassen. Und sie hätten Äthiopier gejagt – in Streitwagen mit vier Pferden davor.

Eines jedenfalls ist sicher: Sie waren Meister der Wasserwirtschaft.
Mehr als 600 Kanäle legten sie von unterirdischen Wasserreservoirs aus in die Wüste hinein. Diese fragilen Lebensadern konnten über 100.000 Wartungsschäfte, die teilweise bis zu 40 Meter in die Tiefe gingen, kontrolliert und bei Bedarf repariert werden. Insgesamt erstreckte sich das Foggara-Kanalsystem über mehrere tausend Kilometer. Man bräuchte über 70.000 Menschen nur um Kanäle zu bauen. Dazu kommen tausende um das System auch zu warten.

Im südlibyschen Wadi al-Haja stehen heute noch die Ruinen ihrer einstigen Hauptstadt Garama deren Blütezeit zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert lag. Hier errichteten die Garamanten bereits vor 2500 Jahren Häuser aus Stein, doch Prunkstück Garamas war ein großer Tempel mit einer breiten Steintreppe und einer mächtigen Säulenfront – wahrscheinlich für den Wüstengott Ammon.

Dabei war Garama nicht mal das erste urbane Zentrum der Garamanten. Bereits  900 vor Christus  siedelten sie in Zinkekra.  Schon in der ersten Hälfte des letzten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung brachten die Garamanten die Wüste um Zinkekra zum Blühen.

Der größte antike Kanal des Nahen Ostens war der Nahrawan-Kanal entlang des Tigris in der Nähe von Ktesiphon. Er stammte aus dem 3. Jahrhundert, war 400 km lang und 122 m breit.

Die Kanäle der Römer
Zu Zeiten der Römer wurden genau diese Schwemmkanalisationen verwendet. Meistens handelte es sich dabei allerdings um offene Gerinne, wegen des hohen Bauaufwandes waren Abwasserrohre selten. Die bekannteste römische Kanalisation ist die Cloaca Maxima in Rom. In Germanien entstand vermutlich um 12 v. Chr. die Fossa Drusiana, ein Kanal, der den Rhein mit dem Oberlauf der IJssel verband. Der Rest einer unterirdischen, römischen Abwasserkanalisation ist in der Kölner Altstadt noch heute begehbar.
Sueton schreibt in Claudius 2-4:
Dieser Drusus hatte als Quaestor und Praetor ein Kommando im Rätischen, danach im Germanischen Krieg; in dieser Funktion segelte er als erster römischer Feldherr über den nördlichen Ozean und legte jenseits des Rheins Kanäle an; diese Arbeit trieb er tätig voran, es war ein gewaltiges Unternehmen. Diese Kanäle führen bis in unsere Zeit noch immer seinen Namen.

Der Witz daran, eigentlich bauten die Römer diese Art Klo um Seuchen vorzubeugen. Doch während die Exkremente nun weggespült wurden, wischten sich die Römer den Hintern mit einem Schwamm der auf einem Stock angebunden war – unzwar alle mit dem selben Schwamm!
So wurde der eigentliche Fortschritt der Hygiene wieder zunichte gemacht. Erst in letzter Zeit entdeckte man das die Römer unter zahlreichen Darmparasiten litten die sie sich offenbar auf ihren Toiletten zuzogen.

gruenkloUnd so ganz nebenbei, der Begriff „stilles Örtchen“ wäre bei den Römern ziemlich unangebracht, denn auf ihren Wassergespülten Plumpsklo´s saßen sie wie Hühner auf der Stange. Ob sie dabei auch Geschäfte tätigten, Intrigen schürten oder sich beim Scheissen dem Würfelspiel hingaben ist leider nicht bekannt.

Und wie mag das wohl während der Gladiatorenspiele ausgesehen haben?
Standen die Römer dann Schlange vor dem Klo, oder war das eine heitere Runde grölender Fussball Gladiatorenfans die gemeinsam um die Wette kackten?

Also ich würde sagen, für die angeblich so zivilisierten Kulturbringer Europas hatten sie doch ein paar echt beschissene bescheidene“ Sitten und wenn der Leser das nun für eine Fäkalsprache hält, dann hat er damit vollkommen recht. Es ist nunmal eine „beschissene Sache“.

Die Toiletten der Burgherren
Aber damit waren sie nicht alleine. Auf den Burgen des Mittelalters findet man manchmal noch Nischen die über die Mauern hinaus gingen und ein Loch im Boden hatten. Das saßen die edlen Ritter und verrichteten ihre Geschäfte die dann außen entlang der Mauer herunter fielen. So konnten die bedauernswerten Frohnbauern ihren Herrschaften förmlich beim Scheissen zusehen.
Man kann sich lebhaft vorstellen, wie die Mauern unterhalb dieser Toiletten gestunken haben dürften. Bei entsprechender Windrichtung dürfte so manche Burg ihren ganz individuellen Duft gehabt haben. Man brauchte ja nur der Nase zu folgen.
Wie einfach hatten es dagegen die Bauern, sie hoben einfach nur eine Grube aus und verrichteten dort ihr Geschäft.

Noch peinlicher wird die Sache am französischem Hof. Im Schloss des Sonnenkönigs erleichterten sich die Gäste in nahezu allen Ecken. Das Personal war ständig bemüht die Hinterlassenschaften der edlen Gesellschaft weg zu putzen. Und auch unter ihren Parücken sah es nicht besser aus. Da die Französische Etikette Wasser als schmutzig ansah, benutzte sie Unmengen von Puder. Doch damit zogen sie nur noch mehr Wanzen, Flöhe und Läuse an, die in den üppigen farbenfrohen Gewändern des Adels ausreichend Lebensraum fanden. In gewisser Weise ist dies eine Form ausgleichender Gerechtigkeit, das Kleider zwar Leute machen, aber das äußere Werte nichts über die Inneren Werten verraten.

hightechkloAuch die Wissenschaft entdeckt das Klo als Fundgrube der Geschichte neu.
Inzwischen gibt es regelrecht Spezialisten dafür. So bekommt die Scheisse gewissermaßen eine Tiefenanalyse, die verrät wie Menschen früher lebten, was sie aßen und unter welchen Krankheiten sie litten.

Die wohl effektivsten Klos der Welt haben die slawischen Völker erfunden. In Bulgarien, Tschechien und Polen aber auch in Russland gab es bis vor wenigen Jahren noch Toiletten mit Stehfläche auf der man sich hin hockte und in deren Mitte ein Loch war, das man nun zielgenau treffen musste. So wurde jeder Gang zum Klo zu einer sportlichen Herausforderung. Um das Klo zu reinigen brauchte man einfach nur einen Eimer Wasser drüber schütten und fertig.

Ganz anders die Japaner.
Die haben das Klo völlig neu erfunden. Es sieht zwar noch irgendwie nach einem Klo aus, doch dahinter verbergen sich zahlreiche technische Spielereien. Von der ferngesteuerten Po-Dusche über Messgeräte für den Zuckerspiegel im Urin bis hin zum geräuschüberdeckenden Gettoblaster mit passender Toilettenmusik findet sich in derartigen Hightechklo´s alles was das japanische Herz höher schlagen lässt.

Da lob ich mir doch das Grün-Klo hinterm Busch 😉

petasites_paradoxusArchäologische Funde im ältesten Salzbergwerk der Welt, dem sogenannten Salzberg bei Hallstatt, lassen vermuten, dass die relativ großen Blätter der Alpen-Pestwurzen (Petasites paradoxus) vor 3000 Jahren als Toilettenpapier verwendet wurden. Heute noch gibt es in Bayern die volkstümliche Bezeichnung Arschwurzen für diese Pflanze. Im Flachland kam wohl eher Efeu-Blätter zum Einsatz, denn der wächst fast überall in der Nähe alter Gebäude. Nun ja ganz genau werden wir es wohl nicht erfahren.

Zu späteren Zeiten stieg man auf Lumpen und Leinen um. Toilettenpapier ist auch heute noch nicht weltweiter Standart. In diesen Ländern benutzt man Wasser und die linke Hand. Aus diesem Grunde gibt man Gästen auch nie die linke Hand die gewissermaßen als „unrein“ gilt.
In Ägypten und China war man schon etwas weiter. Mit der Nutzung von Papyrus bzw. Papier war ein Material in Massen verfügbar, das sich zur Verwendung als Toilettenpapier eignete.

klohuetchenEine ganz besondere Ehrung erfuhr das Toilettenpapier dann nach dem 2. Weltkrieg.
Da viele Menschen nicht mehr auf ihre Hygiene verzichten wollten, wurde die Mitnahme einer Klorolle in den Urlaub obligatorisch. Irgendwann fingen die Ersten an, die Klorolle mit einem gestrickten oder gehäckeltem Hütchen abzudecken. In den 70igern zierten die inzwischen immer kunstvoller gewordenen Klohütchen praktisch jede Rückabdeckung und so entstand eine schier unglaubliche Vielfalt von  Klohütchen.

Eigentlich eine „saubere“ Sache und deshalb habe ich beschlossen mir auch wieder ein Klohütchen anzuschaffen.

So das war´s und nun weg mit der Scheisse…

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Weg mit der Scheisse

  1. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

    Verfasst von Runenkrieger11 | 29/09/2016, 12:15 PM

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  1. Pingback: Kurze Geschichte des stillen Ortes | Die Goldene Landschaft - 29/09/2016

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