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Exotisches Deutschland

Serval

Serval

Wer sich mal in Deutschland genauer umschaut, wird kaum glauben, was es hier so alles gibt.

In Berlin rennt z.B. ein Serval eine mittelgroße ostafrikanische Raubkatze herum, etwas größer als der Luchs doch kleiner als ein Gepard. Ein Weibchen wird er wohl nicht finden, somit ist eine Vermehrung eher unwarscheinlich. Da er sich allen Fangversuchen bis jetzt erfolgreich entzieht, bleibt er wohl ein einsamer Jäger in Deutschland.

Nicht so wie die Mecklenburger südamerikanischen Nandus, die gleich als Gruppe ausbrachen und sich fleissig vermehrten. Paradiesisch fühlt man sich gar, wenn einem Flamingos aus Chile oder Kuba begegnen.
Noch exotischer ist der Kuhreiher, der eigentlich ins tiefste Afrika gehört und nun den einheimischen Graureiher ergänzt.

Ein paar Papageienvögel wie der grüne Halsbandsittich kommen offenbar ebenso gut mit unserem Wetter klar und haben die Städte am Rhein gekapert, wo sie sich recht wohl fühlen. Auch der Gelbkopfamazone gelang die Flucht aus dem Stuttgarter Zoo.

Erstaunlicherweise ist womöglich der Rothirsch wie auch der Damhirsch eventuell keine einheimische Art. Der Rothirsch ist ausschliesslich in Nord- und Mitteldeutschland verbreitet und mit anderen Hirschartigen wie dem Ren oder den Elch verwandt. Auch der Damhirsch wird erst ab dem 16. Jhd. in Deutschland erwähnt.
Noch springen zwar keine Gazellen und Antilopen durch unsere Wälder, aber es ist durchaus absehbar das dies nur noch eine Frage der Zeit ist.

Erschrocken war jüngst eine mecklenburger Familie in deren Garten plötzlich ein Elch stand. Elche tauchen schon seit geraumer Zeit in Deutschland auf und kommen offenbar über Masuren bei Stettin, wo sie die Oder überwinden. Schon in den 80igern schafften es Elche bis in den Harz und nach Thüringen vorzudringen, wo ich selbst mal einen sah der seelenruhig über die Straße marschierte.

Ebenso ziehen Wölfe kreuz und quer durch Deutschland seit sie 1996 erstmals auf einem Truppenübungsplatz in der Oberlausitz auftauchten.
Und man erinnere sich noch an „Problembär“ Bruno, der sich eifrig allen Fangversuchen entzog. Erstaunlicherweise gibt es in Europa sogar mehr Wölfe als in Nordamerika, genauer gesagt ziehen 11.000 Wölfe durch 23 Länder Europas. Und in 22 Ländern Europas ist der Braunbär heimisch.
Auch der Luchsbestand nimmt rapide zu. Die großen Jäger erobern nicht nur Wald und Flur sondern immer mehr die Städte, wo mittlerweile Falken, Eulen und  so manch andere Exoten durch den Stadtdschungel ziehen.
Ausgerechnet Deutschland das das am dichtesten besiedelte Flächenland Europas ist, zählt zu den artenreichsten Ländern des Kontinent und das liegt nicht nur am Wattenmeer oder an die Alpen. Das Berlin eine der grünsten Hauptstädte der Welt ist, wissen auch nur recht wenige Menschen.

Seit Jahren zieht bereits der Mink, auch als amerikanische Nerz bezeichnet, durch unser Land, seitdem einige Exemplare aus einer Pelztierfarm bei Ferch entkamen. Weitere wurden durch Tierschützer freigelassen, die Pelztierfarmen stürmten. Auch der Marderhund kam wohl über Pelztierfarmen nach Deutschland.

Der Amerikanische Waschbär hat es inzwischen aus seinem Kasseler Jagdrevier bis nach Berlin geschafft, leider mitsamt seinem Spulwurm.

Nandu beachtet dt. Gesetze (StVO)

Nandu beachtet dt. Gesetze (StVO)

Mit etwas Glück gelingt es ihnen die Mandarinente auf den Seen rund um Berlin und Cottbus mitten zwischen den einheimischen Enten beobachten zu können. Diese hatte sich in den Zoos von Berlin so stark vermehrt, das einigen Exemplaren die Flucht gelang und unsere Flora nun um die Peking-Ente bereichern.
Aber auch eine Kanadagans ist keine Seltenheit mehr und ergänzt das einheimische Schwimmvogelangebot um einen exotischen Einwanderer, zu dem sich in jüngster Zeit auch noch die Nilgans gesellte.
Ein ganzes Sortiment von Gänsen schaffte es inzwischen heimisch zu werden, so die Rostgans, die Streifengans, die Braunente, die Schwarzkopfruderente und der Wildtruthahn, die wilde Form des amerikanischen Truthahns.
Exotischer wird es mit den Fasanen von denen mittlerweile zwei Arten, der Jagdfasan und der Königsfasan hier herum flattern. Und so hört man gelegentlich in Brandenburg exotische Laute, die eigentlich nach Indien gehören.

Zwei Pfauen studieren das Luckenwalder Kinoprogramm

Zwei Pfauen studieren das Luckenwalder Kinoprogramm

Wer glaubt Vögel haben keine Kultur, darf sich gern mal die beiden Pfauen anschauen, die sich brennend fürs Luckenwalder Kinoprogramm interessieren und damit auch die Polizei auf Trab halten. Erfreut sind hier nur die Luckenwalder, die für den Freigang ihre Pfauen auch schonmal auf die Bremse treten um den Exoten ihre Stadtspaziergänge zu ermöglichen wenn sie seelenruhig in der Einkaufspassage einen Schaufensterbummel machen. Wo die beiden genau herkommen, weiss man nicht.

Putzig sind die Sibirischen Streifenhörnchen und dessen Bruder, das kleine Hörnchen das ihren Weg aus den Weiten Sibiriens als Haustier-Exot nach Europa fand.

Rotnackenwallaby

Rotnackenwallaby

Wie das Rotnackenwallaby nach Mecklenburg kam ist unklar, beweist aber das man prima im Känguruh-Stil durch Deutschland hopsen kann, auch wenn dies hier eher untypisch ist.

Deutlich unangenehmer sind da die chinesischen Wollhandkrabben die unsere sorgsam renaturierten Flüsse hinauf ziehen und als blinde Passagiere die Reise von Asien in den Ballasttanks der Schiffe überwanden. Sie ist nicht die Einzige der diese illegale Reise glückte. Mittlerweile gibt es mind. 14 verschiedene Krebsarten sowie weiteren 15 Muschelarten und eine Süßwasserqualle, denen das auch gelang. Dazu kommen verschiedenste Fischarten wie Karpfen, Welse und Barsche in verschiedenen Unterarten die insbesondere von Anglern ausgesetzt wurden, obwohl sie meist keinen guten Speisefisch abgeben.
Dazu kommen dutzende Arten von Würmer, Spinnentierchen, Insekten wie Mücken und Holzböcke, die eher unerwünschte Einwanderer sind. Wirklich ärgerlich ist die Agakröte und der Amerikanische Ochsenfrosch die in einigen Regionen ein Problem zu werden drohen.

Es ist erstaunlich wie gut dieses wilde Deutschland mit seiner zivilisierten Bevölkerung klar kommt, was nicht zuletzt an unserer ausgesprochenen Tierliebe liegt. Viele dieser ausgebüchsten Tiere werden nicht geschossen und gefangen weil sie schlichtweg unter Artenschutz stehen. Und so lässt man der Natur ihren Lauf.
Mittlerweile ist Berlin die artenreichste Hauptstadt der Welt mit mehr als 5000 Wildschweinen, 4000 Füchsen und 3000 Rehen.
Nicht wenige dieser Füchse und Schweine haben die Scheu vor dem Menschen fast vollständig überwunden.

Ja Deutschland ist wahrlich ein zauberhaftes Land mit einer reichen, aber auch einer exotischen Tierwelt.

Interessant ist auch die Geschichte hinter der Geschichte.
Denn während das Eis im arktischem Eisschild gebunden war, trocknete das Mittelmeer aus und von Nordeuropa bis Nordamerika entstand eine extrem nahrhafte kalte Mammutsteppe unterhalb des Eisschildes, die insbesondere das Größenwachstum förderte.

So wanderten viele Tiere von Nordafrika nach Europa und zogen über die Kaltsteppe der Tundra bis ins ferne Asien und nach Amerika. Entgegen der landläufigen Meinung bestand diese Tundra kaum aus Gras sondern vielmehr aus Kräutern wie Wegerich und Beifuss. Auch Weiden waren weit verbreitet, wie ein dänisches Forscherteam feststellte.
Über diese extrem nahrhafte Kräuter-Trundra zogen die großen Hirsche und Ren, Mammuts, Mufflons, Wisent, Füchse, Wölfe, Großkatzen wie der Puma, Bären, Hasen, Steinbock aber auch Vögel usw. immer weiter nach Osten.

Nach dem Rückzug des Eises wurden diesen Tieren die Lebensgrundlagen entzogen und so zogen sich die an Kälte gewöhnten Tiere in Europa auf die Alpen zurück, sodaß die Tierwelt der Alpen ein echtes Geschenk der Eiszeit ist.
Ähnliches gilt für die Alpine Welt des Ural, des Kaukasus und asiatische Gebirge wie Pamir, Tianshan, Sajan, Altai und die kaum bekannten Putoran-Gebirge und schliesslich kurz vor dem Beringmeer das Dschugdschur- , Werchojansker und Tscherski-Gebirge Sibiriens. Von dort zogen sie über die Brooks-, oder Alaskakette in die Coast Mountains und dann in die Rockys und die Sierra Madre, die Sierra Nevada und schliesslich in die Anden.
So kommt es das die Vorfahren vieler Millionen „Amerikaner“ von Europäern abstammen. Aber auch für den Menschen war die Kaltsteppe mit ihrem reichhaltigem Jagdwild ein willkommenes Revier in dem sie schnell große Beute machten. Dies half vermutlich auch den Neandertalern zu ihrer (für damalige Verhältnisse) imposanten Muskelkraft. Ein genetischer Vorteil ermöglichte ihnen die bessere Verbrennung von tierischen Fetten. Dies gaben Hybride zwischen Neandertalern und Menschen auch an uns Eurasier weiter. Und deshalb sind Eurasier u.a. Fleischliebhaber. Bei der Domestikation des Wolfes zum Hund passierte genau das Gegenteil, der Wolf/Hund entdeckte die menschlichen Essensreste als Nahrungsquelle und bekam so immer mehr pflanzliche Nahrung. Nach und nach passte sich seine Verdauung an und so kann er jetzt auch Mais, Kartoffeln, Getreide, Möhren und vieles andere verdauen. Inzwischen gibt es sogar Wölfe die Weintrauben mögen.

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Diskussionen

5 Gedanken zu “Exotisches Deutschland

  1. Sehr spannend dieser Post. Wußte gar nicht, daß wir in jüngerer Zeit soviel an neuem Zuwachs erhalten hatten … 🙂

    Verfasst von SalvaVenia | 16/01/2015, 7:23 PM
    • Ja kann man mal sehen, mittlerweile ist das Exotische weit näher als man meint.

      Verfasst von Vanalander | 16/01/2015, 9:07 PM
      • Stimmt. Und man müßte sich eigentlich weit öfter auch mal wieder mit solcherlei Dingen befassen. Nochmals danke. 🙂

        Verfasst von SalvaVenia | 16/01/2015, 9:42 PM
      • Ach es gibt soviel Spannendes auf der Welt, da übersieht man leicht was direkt vor der Nase passiert. Das ist bei den Germanen so, bei den Dichtern und Denkern so, die oft erst nach ihrem Tod den Ruhm ernten den sie verdienen und eben auch bei Veränderungen der Umwelt. Wer hätte gedacht das die Exoten hier alle unser Wetter überleben? Aber denen geht es besser als man denkt. Übrigens auch deine Seite ist sehr interessant. Ich finde es ist eine schöne Mischung.

        Verfasst von Vanalander | 16/01/2015, 10:18 PM
      • Vielen Dank für Ihre freundlichen Worte. Ja, ist ein bißchen von jedem etwas dabei. 🙂

        Ihnen noch ein angenehmes und geruhsames Wochenende,
        Der Salva

        Verfasst von SalvaVenia | 17/01/2015, 12:19 AM

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