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Germanen, Mythen

Süntel – Sagen und Hintergründe

Der Weiße Hirsch vom Hohenstein

Oben auf dem Hohenstein im Süntel hatte einst der Weiße Hirsch seine Behausung. Zwischen seinem Geweih stößt ein schwarzes Einhorn drohend hervor.

Ein Kuhhirte, der an jenem Berge seine Kühe weiden ließ, mußte mit ansehen, wie ihm der Zauberhirsch sein bestes Rind von der Weide holte. Es sollte mit seiner Milch sein weißes Hirschkalb ernähren, das der Einhorn-Hirsch in seinem Reich aufzog.

Der Kuhhirte schlich sich also an jenes Waldstück heran und sah, wie das Hirschkälbchen am Euter seiner besten Kuh die Milch sog, welche doch ihm gehörte. Er wollte nun das Jungtier fangen und wegführen.

Da trat aus dem Dickicht ein langer, hagerer Mann mit eisgrauen Haaren, der trug ein schwarzes Totenhemd am Leibe; das war mit roten Schleifen künstlich verknöpft. Seine Rechte zückte ein goldenes Schwert, die Linke ein goldenes Horn. Und wo er sein Schwert schwang, schlug aus dem Himmel ein Blitz, und wo er sein Horn bließ, rollte ein Donnerwind. Der packte den Hirten bei allen Gliedern und warf ihn auf seine Herde zurück.

Doch es waren noch mehr Bauern auf ihren Feldern, die eilten herbei, um dem Hirten sein Recht zu verschaffen. Mit Sensen und Gabeln rückten sie dem Hirsch zuleibe. Da bließ der Mann im Totenhemd zum anderen Male, und ein neuer Donnerwirbel hob sie alle empor bis unter die Wolken.

Dann stürzten sie zur Erde nieder und blieben zerschmettert auf jenen Felsen hängen. So waren sie denn alle tot, und kein Mensch hat jemals wieder gewagt, gegen die Geister des Berges seine Hand zu erheben.

Quelle: Die schönsten Wesersagen von Karl Paetow

Was wie eine Sage klingt hat tatsächlich einen historischen Kern, es handelt sich um die Schlacht am Süntelgebirge die 782 von Widukind und seiner Armee der bäuerlichen Sachsen gegen die Armee von Karl dem Großen während der Sachsenkriege von 772-804 geführt wurde.

Die Sachsen, die in dem Gebiet zwischen Nordsee und Harz bzw. Rhein und Elbe siedelten, waren schon den Merowingern teilweise tributpflichtig gewesen, aber nie deren Untertanen. Auch hielten sie an germanischen Traditionen fest, wozu nicht nur die Religion und ein eher loser Stammesverband gehörten, sondern auch regelmäßige Raubzüge, wie es Germanen seit 200 BC praktizierten.

Nicht erst Karl der Große (748-814) führte Kriege gegen die Sachsen sondern schon der Karolinger Dynastiegründer. In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts zogen der fränkische Hausmeier Karl Martell und seine Söhne mehr als zehnmal gegen die Sachsen. Im Laufe des 7. Jahrhunderts hatten die Sachsen Westfalen in Besitz genommen, ohne wie die Franken einen Staatsverband zu bilden.

Das fränkische Königtum legte kurz nach 700 an seinen Grenzen Großburgen an, von denen die Büraburg (680 erbaut) bei Fritzlar dem heiligen Bonifatius als Operationsbasis und militärischer Schutzschirm, ab 742 als Bischofssitz diente. In ihrer Kirche zu Fritzlar soll die 723 gefällte Donareiche der Chatten verbaut worden sein.
Witta von Büraburg (angelsächsisch Hwita, d. h. „der Weiße“, auch Wizo, Vito, Wittanus, Wintanus, und latinisiert Vito Albuin, Vitus Albuinus oder Albinus von Büraburg) (* um 700 in Wessex; † nach 760 auf der Büraburg) war von 741 bis 755 Bischof von Büraburg bei Fritzlar in Nordhessen.

Der Christenberg bei Marburg die herausragenden sind. In gleicher Weise wurde die thüringisch-sächsische Grenze gesichert. Bereits im 7. Jahrhundert entstanden in Hessen Burganlagen, die mit der fränkischen Herrschaft in Verbindung zu bringen sind.
Im Jahr 772 fielen die Franken in Sachsen ein und der Mönch Liudger zerstörte die sächsische Irminsul. Die Zerstörung der Irminsul auf dem wichtigsten Versammlungsplatz der Sachsen führte 772 zum offenen Aufstand gegen die Franken.

Die Burgen des 8. Jahrhunderts in sächsischem Besitz sind vor allem aus den fränkischen Schriftquellen bekannt, so die 743 von den Franken eroberte Hoohseoburg im sächsisch-thüringischen Grenzraum, die unter dem Befehl des Sachsen Theoderich stand. Die dauernden Streitigkeiten zwischen christlichen Franken und arianisch-heidnischen Sachsen, die sich nur zögernd und mit Widerstand dem Christentum öffneten, führten schließlich zu den großen Sachsenkriegen 772 bis 804.

Der fränkische Sommerfeldzug im gleichen Jahr war zunächst erfolgreich: Karls Heere stießen von linksrheinischen Basen aus in sächsisches Gebiet vor und eroberten unter anderem die Syburg (bei Dortmund) und die Eresburg (heute: Marsberg), wo die Irminsul gestanden haben soll, und stießen bis zur Weser vor, hinter der die sächsischen Siedlungszentren lagen (Weserfestung). Gestützt auf die ersten Erfolge führte Karl Verhandlungen mit kooperationsbereiten sächsischen Adligen und erhielt von ihnen Geiseln als Pfand. Während Karls Feldzug in Italien gegen die Langobarden setzte ein Teil der Sachsen, vor allem bäuerliche Aufgebote unter Führung Widukinds, eines westfälischen Adligen, den Widerstand fort und eroberte fränkische Siedlungen und Kirchen, vornehmlich im heutigen Rheinland.

Der Feldzug Karls im Jahre 775 gegen die Sachsen führte das fränkische Heer über Syburg, Eresburg und Brunsberg bei Höxter in den ostfälischen Raum an die Oker, wo sich Hessi und andere Sachsen dem fränkischen König unterwarfen. Der Heeresrückmarsch unter Karl erfolgte über Hildesheim und Nordstemmen in den Bukkigau um Bückeburg, wo der sächsische Teilstamm der Engern dem Frankenkönig Geiseln gestellt hatte. Von dort zog Karl nach Hlitbeki (Lübbecke), um eigenen Leuten militärisch beizustehen.

Karl der Große hatte damit 775 gewaltsam die Sachsen bezwungen die ihm nun Treue schwören mussten. Um das Reich zu einen und die Identität der Stämme zu zerstören, ließ er angelsächsische Missionare holen die die Heiligtümer der Stämme systematisch vernichteten.
Nachdem jedoch sein seinen Vater Pippin und Onkel Karlmann den allemanischen Adel im Blutgericht zu Cannstatt 746 ermordete, wehrten sich die Sachsen seit Jahrzehnten erbittert gegen die Franken.
Dazu kamen die Repressionen und Zahlungen sowie die Zerstörung der germanischen Heiligtümer.
Karlmann lies in Cannstatt 746 damals viele tausend aufständische Fürsten wegen Hochverrats festnehmen und hinrichten. So wurde nahezu die gesamte Führungsschicht der Alamannen ausgelöscht und die Eigenständigkeit des alamannischen Herzogtums beendet. Die Franken setzten fortan Grafen, u. a. Nachkommen des alten Herzogshauses und alamannische Adlige, aber auch Adlige aus der fränkischen „Reichsaristokratie“ zur Verwaltung Alamanniens ein.

Widukinds Geschlecht
Widukind führte als dux Saxonum seit 775 den Widerstand der Sachsen an.
Seine Herkunft ist ähnlich wie sein Ende weitgehend unklar aber warscheinlich starb er 808 auf einen Feldzug der Wikinger gegen Reric 808, den Handelsort der Wilsen, dieser Feldzug wird von der Vita Liudgeri bestätigt. Sein Adelsgeschlecht wurde als Odonen bezeichnet und war zur damaligen Zeit legendär. Ihr Sitz war wohl das alte Oldenburg in Holstein kurz vor Fehnmarn das ihm wohl nach den Sachsenkriegen als Sitz seiner Herrschaft diente.
Offenbar gehörte er auch der westfälischen Sippe der Wigaldinger an, die ihren Sitz in Wildeshausen (Wildeshauser Geest an der Hunte) nicht weit von Oldenburg hatte, einem Ort an der Ostgrenze des Lerigaus, in direkter Nachbarschaft zu den Engern. Seine Frau hieß Geva Eystein und war aus dem dänischem Geschlecht der Yngerling/Scyldinger. Er wurde 781 als Schwager von Harald dem Milden Eystein zum Vormund von König Guðröðr veiðikonungr (804-810) von Haithabu, Westerfold, Hedeland, Värmland, Hedemarken und Westmare, dem Sohn der Lif von Dag (von Vestmar?).
Sein Weggefährte war Abbi aus dem Geschlecht der Immedlinger.
Die Rigdag-Sippe von Hildesheim, die Immedingern, die Harzgaugrafen, den Liudolfingern und Esikonen (Asig-Sippe, die sich Karl unterwarf).
Ein Richard starb 804 als von Karl dem Großen Verbannter. Dieser war Vater des Grafen Ricdag. Ein Bruder Richards mit Namen Richholf wurde 798 ermordet. Ricdag zählte zu den Anhängern Ludwig des Frommen während dessen Auseinandersetzungen mit seinen Söhnen. Besitz hatte diese Familie ursprünglich insbesondere im Marstemgau in der Gegend des Höhenzugs Deister. Besitz hatte die Familie auch im Lochtropgau im heutigen Sauerland, wozu der Ort Balve das alte Ballowa gehörte. Dies war der Thingsitz der Sugambrer und damit der Rhein-Weser-Germanen. Teile der Sugambrer sowie Cherusker fanden sich später unter den Sachsen wieder und bildeten das dortige Adelsgeschlecht.

Im Jahre 851 hatte Waltbert – Enkel des Sachsenherzoges Widukind – die Reliquien des Märtyrers Alexander aus Rom nach Wildeshausen überführt. Wigbert von Verden (alias Wiberto Ferdense) war ein Nachfahre des Sachsenführers Widukind und schrieb seine Reiseerlebnisse in der De miraculis sancti Alexandri (Von den Wundern des Heiligen Alexander) nieder. Wigbert von Verden ist offenbar auch Wigbert von Hildesheim (alias Wicberto Hildesummense). Sein Vater war Graf Waltbert von Hildesheim und die Mutter hieß Aldburg. Wigbert von Hildesheim war unter anderem mit Erzbischof Hoger von Hamburg verwandt und wurde 880 wie auch sein Sohn Waltbert 908 Bishop in Hildesheim. Der Name Wigbert kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „der im Kampf glänzende“.
Wigbert war Rektor (Propst) des von seinem Vater gegründeten Familienstifts in Wildeshausen. Er diente unter König Ludwig dem Deutschen als Diakon und war seit 864 als einer der ersten Sachsen ostfränkischer Hofkaplan.

Ein weiterer Nachfahre ist Herzog Bruno auch Brun genannt (*um 830/840; † 2. Februar 880) aus der Familie der Liudolfinger, er war ein Sohn des sächsischen Grafen Liudolf und Enkel der Billungerin Oda. Er gilt als Stammvater der Brunonen. Er fiel am 2. Februar 880 im Kampf gegen die Normannen (Normannenschlacht 880) als ein Wikingerheer dem sächsischen Gesamtaufgebot im heutigen nördlichen Niedersachsen eine verlustreiche Schlacht von weitreichenden Folgen zufügte.
Nachdem die dänischen Normannen (Nordmänner = Wikinger) 845 Hamburg (Hammaburg) erobert und niedergebrannt hatten und deshalb der dortige Sitz des Erzbischofs von Hamburg nach Bremen verlegt worden war, blieb das nun karolingische sächsische Norddeutschland von ihren Beutezügen lange Zeit unbehelligt. Von ihren festen Lagern in Friesland aus verwüsteten Wikinger das Rhein-Moselgebiet und das Westfrankenreich, wo Städte und Klöster reichere Beute versprachen als im ostfränkischen Stammesherzogtum Sachsen. 880 fiel nun eine starke dänische Wikingerflotte in den Raum an der Elbmündung ein. Der genaue Ort der Schlacht – vermutlich bei Stade – ist nicht gesichert.

Als Bischof erhielt er 874 vom König die Immunität für die Besitzungen der Kirche von Verden. Gleichzeitig wurde diese dem königlichen Schutz unterstellt.
Ludwig der Deutsche, König der Bayern war offenbar um einen endgültigen Frieden zwischen Sachsen und Franken bemüht, nachdem sich diese fast 100 Jahre gegen die Karolinger Herrschaft gewehrt hatten. Infolgedessen band er das führende Geschlecht der Sachsen an den Hof. Letztendlich führte diese Maßnahme zu verschiedenen Verwirrungen hinsichtlich der Herkunft und des Lebens von Widukind.

Die Sachsenkriege:

777 hielt Karl den ersten Reichstag im neu gegründeten Karlsburg (in Paderborn) ab.
Widukind und seine sächsischen Bauern überfielen daraufhin Siedlungen der Chatten in Hessen.

Widukind ging 781 auf Reisen und blieb fast ein Jahr am Hofe des Sigurd Ring und half ihm, die Macht über Schweden zu erringen. Gemeinsam wohnten sie wohl auch der Krönung von Halfdan den Milden bei, der 782 zum König von Zealand wurde.
782 hielt Karl wiederholt einen Reichstag an den Lippequellen (Karlsburg zur Lippspringe) ab und verkündete vermutlich auch die Capitulatio de partibus Saxoniae – eine Beschränkung der Sachsen. Widukind war zuvor nach Dänemark entkommen.
Karl erließ darin Sondergesetze, welches die Missachtung der christlichen Reichsordnung – u. a. Verunglimpfung eines Priesters oder einer Kirche, die bei den Heiden übliche Feuerbestattung oder das Essen von Fleisch an Fastentagen – mit der Todesstrafe bedrohte. Gezielt sollen von Karl auch Deportationen als Mittel der Unterwerfung eingesetzt worden sein. Sogar in der engsten Umgebung Karls stieß diese Rigorosität auf Vorbehalte.

Dazu wurden auch die sächsischen Länder in fränkische Grafschaften aufgeteilt und vorzugsweise unter dem Königstreuem Adel verteilt.
Außerdem ließ Karl Abgaben eintreiben, heidnische Bräuche unterdrücken und Zwangsbekehrungen zum Christentum vornehmen, was zur neuerlichen Empörung eines Teils der Sachsen, vor allem aus bäuerlichen Schichten führte, während der Adel teils auf Seiten der Franken stand.

In diesen wurden unter anderem mit Hilfe teils drakonischer Strafen das Christentum zum Durchbruch verholfen und das Heidentum zurück gedrängt werden. Mit diesen Maßnahmen versuchte Karl der Große das bisherige politisch-rechtliche Gefüge der Sachsen systematisch zu zerstören.
Auf der Reichsversammlung war auch eine Delegation des Dänenkönigs Sigifrid anwesend. Es liegt nahe, dass es bei den Verhandlungen um den Widerstand von Widukind gegangen ist. Unklar ist, ob der Dänenkönig darauf eingegangen ist und Widukind deshalb im selben Jahr nach Sachsen zurückkehrte. Auch eine Delegation der Awaren war anwesend, um über Frieden zu verhandeln. Diese Verhandlung hatte wohl insgesamt wenig Erfolg, weder für die Sachsen noch für die Awaren.

Kurze Zeit später zeigte die Schlacht am Süntel, dass Widukind und die Sachsen noch immer nicht besiegt waren. Stattdessen stellten sich nun die sächsischen Bauern sogar in offener Feldschlacht und vernichtete am Süntelgebirge ein fränkisches Heer, während Karl sich auf einem Feldzug gegen die Sorben befand.
Karl soll auf den hartnäckigen Widerstand mit brutaler Repression geantwortet haben.
Er rächte sich und lies die Großen der Sachsen nach Verden kommen. Die dort versammelten Sachsen benannten Karl gegenüber Widukind als den Urheber des Aufstands. Er ließ sie alle hinrichten, 4500 sächsische Adlige sollen 782 enthauptet worden sein. Dies wurde als Blutgericht zu Verden bekannt. Der Krieg verschärfte sich und war erst 785 beendet.
In Detmold und in der Schlacht an der Hase kam es im Sommer 783 zu Gefechten, bei denen sich sächsische Frauen barbrüstig auf die überrumpelten Franken gestürzt haben sollen. Fastrada, Tochter des Grafen Radulf, die nach dem Tod seiner Gattin Hildegard 783 Karls neue Gemahlin wurde, soll sich der Überlieferung zufolge darauf ebenso barbrüstig in die Schlacht geworfen haben.

Während die Franken das sächsische Stammesgebiet eingliederten, erreichten sie an der Elbe slawisches Siedlungsgebiet und wurden in die Auseinandersetzungen zwischen Dänen, nordelbischen Sachsen und Slawen in Ostholstein einbezogen. 789 errichteten die Franken gegen die slawischen Wilzen zwei Burgen aus Holz und Erde an Brücken über die Elbe. Dass es sich dabei schon um das Höhbeck-Kastell handelt, wird vermutet, lässt sich aber nicht eindeutig belegen.

Trotz ihrer kämpferischen Einstellung gerieten die Sachsen in der Folge immer mehr in Bedrängnis. Die Wende trat allerdings erst ein, als Widukind sich 785 (angeblich) taufen ließ und den Treueeid auf Karl, der als Taufpate fungierte, leistete. Neben der Königspfalz Attigny werden allerdings noch elf weitere Tauforte Widukinds in späteren Quellen genannt, so etwa die Hohensyburg, Paderborn und Worms. Die Taufe war vermutlich reinste Propaganda von Karl. Widukind verschwindet daraufhin aus der Geschichte.

792 kam es als Reaktion auf eine Zwangsaushebung (Rekrutierungen für die Awarenkriege) zur letzten größeren Erhebung gegen die Franken. Karl reagierte mit Zwangsdeportationen und vergab dafür sächsisches Land an Franken und seine abodritischen Verbündeten. Die Verbannungsorte der Sachsen lassen sich noch heute an Ortsnamen erkennen.

Ein Großteil der Sachsen unterwarf sich nun, doch noch bis 804 (Kriegszug der Franken nach Nordelbien) kam es immer wieder zu Unruhen.

797 wurden mit dem Capitulare Saxonicum die Sondergesetze gelockert. 802 wurde das sächsische Volksrecht (Lex Saxonum) festgeschrieben. Freilich wurde dabei alles aus dem alten Brauchtum weggelassen, was der Christianisierung entgegengestanden hatte.

Die Schaffung einer umfassenden kirchlichen Infrastruktur (Gründung von Bistümern in Paderborn (vgl. Erzbistum Paderborn), Münster, Bremen, Minden (vgl. Hochstift Minden), Verden und Osnabrück) sicherte nach und nach auch die zunächst mit beträchtlicher Grausamkeit über 30 Jahre hinweg durchgesetzte Christianisierung des sächsischen Volkes.
Endgültig beendet wurden die Kriege erst mit der Unterwerfung der sächsischen Nordalbingier 804.
Der Stellinga-Aufstand stellte ein letztes Nachspiel dar.
Der Stellinga-Aufstand bezeichnet die Erhebung großer Bevölkerungsteile der Altsachsen gegen die Franken 841/842 und 843. Der Begriff Stellinga kommt wahrscheinlich aus dem friesischen und bedeutet Gefährte, Genosse.

Der Anlass des Aufstandes findet sich in den zu dieser Zeit stattfindenden Bruderkämpfen der karolingischen Königsfamilie. Nach seiner Niederlage in der Schlacht von Fontenoy-en-Puisaye floh Lothar I. ins Herzogtum Sachsen und wandte sich mit der Bitte um Unterstützung gegen Ludwig den Deutschen an sächsische Frilinge (Freie) und Laten (Bauern). Als Gegenleistung versprach er ihnen die Rückkehr zum Heidentum und zu ihren alten Lebens- und Rechtsgewohnheiten. Die sächsischen Stämme waren erst rund 50 Jahre vorher während der Sachsenkriege Karls des Großen von den Franken gewaltsam christianisiert und unterworfen wurden.

Nach anfänglichen Erfolgen der Sachsen gelang es Ludwig II., den Aufstand zu beenden. Er sicherte seine Herrschaft in Sachsen und hielt ein erbarmungsloses Strafgericht über die Aufständischen.
843 kam es erneut zu Unruhen, die jedoch ebenfalls schnell beendet wurden. Durch die Niederschlagung des Aufstands gelang die dauerhafte Integration der sächsischen Bevölkerung in das fränkische Reich.
Dieses Ereignis stellt den letzten Versuch der sächsischen Stämme zur Wiedererlangung ihrer Selbständigkeit dar.

Für Nordwestdeutschland gilt diese Phase als die größte gewaltsame Umwälzung in der Geschichte.
Karls Brutalität und Kompromisslosigkeit trugen ihm den Beinamen Sachsenschlächter ein. Dies markiert zugleich auch das Ende der Germanenzeit.

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Diskussionen

9 Gedanken zu “Süntel – Sagen und Hintergründe

  1. Hallo Vanalander, sehr spannend wieder dieser Beitrag! Hätte da zwei Ergänzungen, so als Soester. Bei meinen nächtlichen Forschungen bin ich auf zwei interessante Geschichten gestossen, die vielleicht in einem Zusammenhang zu Deinem Artikel stehen könnten. Schau mal, da ist die Familiengeschichte einer Familie Rudack (Rigdag-Sippe) unter http://www.rudack.de/ und auch sehr aufschlussreich die Forschungen des Felix Bierhaus, hier ganz speziell http://www.felixbierhaus.de/roemer/html/roemerlager.html. Das Nachbardorf ist übrigens Bad Sassendorf (Saxendorf). Salz war natürlich das Gold der Gegend….liebe Grüsse, Sigi

    Verfasst von Sigi Korte | 28/02/2015, 8:15 AM
    • Ach Gott Sigi, du bist ja echt umwerfend. Da hast du ja voll ins Schwarze getroffen und die Spur geht sogar noch weiter zurück. Ach, ich muss das erstmal alles studieren und geistig sortieren. Ist schon irre das die soweit gekommen sind, aber wenn man die nochmal 400 Jahre zurückführen kann, Wahnsinn. Und da drängelt sich noch so eine Theorie auf…
      Natürlich wird das kaum nachweisbar sein, aber es geht sowieso mehr darum wie die Menschen die Mythen immer weiter spannen, nicht ob es wirklich exakt so war. Es wird wohl jedenfalls ein ellenlanges neues Kapitel werden…
      Liebe Grüße zurück, Vanalander

      Verfasst von Vanalander | 28/02/2015, 4:26 PM
      • Bin gespannt! Dieses Fahnen in Welver habe ich gefunden. Ein Platz mit Wasser mitten in der Börde. Nur der Name erinnert noch…..ich hätte da für Dich auch noch das Mysterium Drüggelter Kapelle. Ein ganz spektakulärer Platz oberhalb des Möhnesees. Diese „Kapelle“ ist zwölfeckig (was auch sonst?), hat eine sehr seltsame Geomantie und ist für mich ein faszinierendes Rätsel. Sie erinnert an das Grabmal des Theoderich in Ravenna, da lass ich mich nicht von abbringen.. War kürzlich erst wieder da, Du müsstest diese Akustik wahrnehmen….habe wieder mal Fotos gemacht! .Liebe Grüsse, Sigi

        Verfasst von Sigi Korte | 13/03/2015, 3:05 PM
      • Na wenn das so einzigartig ist, dann verlink mal die Fotos und bitte auch die Position auf Google Maps. Die Goten wurden ja von den Franken geschluckt. Der Theoderich Clan hat ja Beziehungen zum Greuthunger Gau, also werden die im fränkischem Adelssystem aufgegangen sein. Da kann es schon sein das ein Nachfahre nochmal in einem Kirchenbau an die Vergangenheit anknüpfen wollte. Ich hab sowieso die Vermutung das die Sachsen reichlich gotisch durchsetzt waren. Gepiden, Ost- und Westgoten müssen ja irgendwo geblieben sein und Deutschland wurde nicht franko-romanisch wie Frankreich.
        Aber im Moment beschäftigt mich mehr Ostanatolien im 12 Jhd. v. Chr. Was die Wikipedia da schreibt, ist teilweise total antiquiertes Zeug aus den 60iger Jahren. So nebenbei bin ich auch noch den Veneti auf der Spur.

        Verfasst von Vanalander | 18/03/2015, 1:14 AM
  2. Hallo Vanalander, ja mache ich. Es gibt da ganz interessante Spuren. Erst mal die Position der Drüggelter Kapelle, eine interessante Seite dazu und natürlich ein Foto. Wie ich das hier allerdings reinbekomme, weiss ich noch nicht.http://www.reiner-padligur.de/info_drueggelter_Kapelle.htm

    Foto: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10206353370983822&set=pcb.10206353379784042&type=1&theater
    Klappt das?
    Und zu den Goten…in den fränkischen Gräbern von Soest wurden Münzen von Theoderich gefunden. Eine Zahnanlalyse hat inzwischen bestätigt, dass eine der überwiegend weiblichen Bestatteten aus Süddeutschland kam.
    Hier etwas von unserem Stadtarchäologen:
    http://www.soest.de/media/bildungkultursport/Soester_Beitraege_zur_Archaeologie_Band_1.pdf oder

    http://www.archaeologie-ostwestfalen.de/bilder/publikation/AIO9-PDF/Gruenewald.pdf
    http://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?urlID=23634
    Nette Grüsse, Sigi
    …ach, ich habe da eine interessante Quelle zur Bevölkerung in Soest um 1000. Muss ich suchen….

    Verfasst von Sigi Korte | 08/04/2015, 8:21 AM
    • Naja ist halt die damalige Heiratspolitik gewesen. Da hat der Stadthistoriker aber dick mit der Rössner Kultur aufgetragen. Zumal ja dann für 4000 Jahre wieder Ebbe war bis in der Eisenzeit wieder Menschen auftauchten. Im Grunde genommen ist das in ganz Deutschland ähnlich, da es sich ja nun mal um uralten Siedlungsgrund handelt. Bei uns in der Gegend können sie mit Gefäßen der LBK auch schon handeln, soviel Funde gibt es da.
      Deutschland hat wohl seit rund 12.000 Jahren eine bodenständige eigene Kulturbildung aufzuweisen, was etwa mit der Hamburger Kultur begann.
      Zwar gabs schon vorher Kulturen aber die waren eher weit verstreut und überregional.

      Den Namen der Kapelle würde ich übrigens von True=Dru also „Wahrheit“ ableiten, im Sinne von „Zur Wahrheit geleitet“ also „True + leite, geleiten (wie eine Schwertleite)“ übersetzen, was ja durchaus das Ziel des Glaubens darstellt, wobei ich hier eher einen frühmittelalterliches Mausoleum der Sachsen sehe, verbunden mit der Arianischen Kirche dem der sächsische Adel ursprünglich angehörte. So gesehen war es sicherlich mal als Machtdemonstration gedacht.
      Nach altgermanischer Vorstellung sind Druden (keltisch mit Druiden vergleichbar) eine Art von Priester, die bewirken können, das eine andere Person zeitweilig von einem heiligem Geist beseelt wird. Das kann verschiedene Gründe haben, z.b. um Krieger vor einem Kampf zu ermutigen. Die Kirche hat daraus natürlich den Geist des Teufels gemacht und es den Kräuterhexen in die Schuhe geschoben. Insofern sind die Aussagen der Wikipedia stark zu relativieren. Die Germanen tranken vermutlich ein von Kräuterkundigen zubereitetes Rauschgetränk die zu außerkörperlichen spirituellen Erlebnissen führten oder anders gesagt, sie gingen auf einem Trip um die Wahrheit zu finden. Dabei lassen sie sich von ihren Göttern leiten. Etwas ähnliches ist auch im Tempel von Uppsala belegt.

      Ein Gemeindebaum aus sehe ich da wirklich nicht, eher eine gotische Tradition mit maurischen oder byzantinischen Einflüssen.
      Auch Theoderich ließ sich z.B. in einem 10eckigem Mausoleum mit Kreuzgewölbe beerdigen. Die geometrischen Muster und die 12 Seiten verweisen ev. auf maurische oder byzantinische Traditionen (Hagia Sophia von 532), die Tierdarstellungen sind eher eine Tradition von Goten und Wikingern. Ich würde sie also zwischen Theoderichs Tod (526), der Herrschaft der Mauren (ab 711) und den Anfängen der Wikinger (791), also während der Sachsenkriege datieren, bevor die Franken Sachsen eroberten. Ich denke so um 750 n. Chr. wäre eine gute Zeit dafür, wobei sie um 784 ja schon den Franken in die Hände fiel. Die Franken hätten nie eine Kapelle als 10-Eck gebaut. Der Eingangsbereich und die Ausbuchtung, Chor genannt gehörte wohl nicht zum ursprünglichem Plan. Vermutlich haben die sächsischen Könige auf dem Thron diesen Bau ihrer Ahnen wieder gefördert und zu einer Kirche umbauen lassen.
      Mausoleum des Theoderich

      Bei den Gräbern muss man bedenken das Sachsen ursprünglich mal so wie die Allemannen Verbündete der Franken waren und somit deren Aufstieg zwischen dem 4. bis 7. Jhd. mit begünstigten. Das änderte sich erst mit der Machtergreifung der Karolinger die den katholischen Glauben erzwingen wollten und nun die Expansion ihres Reiches auf Kosten der Germanen betrieben, was ja den Arianischen Glauben ausrottete. Die Beschreibung der Gräber zeigt ja auch das durcheinander von katholischen, arianischen und heidnischem Glauben, wobei sich im 8. Jhd. die Katholiken aufgrund der fränkischen Herrschaft durchsetzen, während die Arianer im 7. Jhd. provokativ umgedreht liegen und genau wie die Heiden offensichtlich an alten Traditionen anknüpfen wollen. Dazu kamen auch noch Germanen aus den untergegangenen Reichen, die ihrerseits Bestattungsbräuche mit brachten. Kein Wunder das sie dort kein System entdecken.
      Die arianischen Sachsen wendet sich im 7-8. Jhd. vom Christengott ab und dem Heidentum zu. Das ist eine direkte Folge der Kriegszüge von Franken und ihren katholischen Priestern die sie begleiten. Die Sachsen rebellieren. Die waren eben nicht solche Jammerlappen wie heute.

      Verfasst von Vanalander | 11/04/2015, 10:07 PM
  3. Hethiter? Ja, das ist interessant. Der Grossvater meines zweiten Sohnes, er kommt aus Ostanatolien, hat mir öfter erzählt, das die Alevi Nachkommen der Hethiter sind. Das würde sich heute noch tief im Glauben an die Sonne und Natur widerspiegeln. Die Alevi hätten sich nach Mohammed zwar unter den islamischen Schirm begeben, aber im Grunde sei das nur eine Schutzmassnahme gewesen. Nach was forscht Du?

    Verfasst von Sigi Korte | 10/04/2015, 8:52 AM
  4. Wo fangen wir an, Vanalander? Drüggelter Kapelle, ja, genauso sehe ich es auch. Eine Kirche ist das von Anfang an bestimmt nicht gewesen. In der Decke ist ein Loch, später hat man den Turm draufgesetzt. Die offizielle Lautung ist, sie sei im 12. Jahrhundert gebaut worden…..glaube ich im Leben nicht!! Die Zeit von Dir würde natürlich vorzüglich passen. Könnten die Kapitelle auch langobardisch sein….Auf jeden Fall ist sie ein Sammelsurium von augenscheinlichen Ungereimtheiten.
    Durcheinander geht es auch bei den Gräbern zu. Du hast recht. Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, warum sie alle so unterschiedlich ausgerichtet sind. Eine gewisse Oberschicht ist durch die Grabbeigaben natürlich erkennbar. Ich vermute inzwischen, dass vom 4. bis 8. Jahrhundert Soest ein Tummelplatz der Kulturen war. Bedingt durch die Kreuzung alter Strassen, Handelswege, natürlich Salz und damit haltbarer Lebensmittel, aber auch eine gewisse strategische Lage (zwischen Rhein und Thürngen) aufzuweisen hatte. Ja, ja, mit den Karolingern endete auch die Belegung des Friedhofs. Ab da an bitte nur noch um die Kirche rum….Aber wir haben es ja relativ lange ausgehalten. Erst Widukind knickte ein…..Lieben Gruss, Sigi

    Verfasst von Sigi Korte | 17/04/2015, 2:48 PM
  5. Nein, ich glaube ebenso wenig wie Du, dass Soest bedeutend war. Aber ich habe mir mal so alte Wege (Hohlwege/Totenwege etc) angeschaut und hier bündeln sich natürlich mit dem Hellweg die Pfade. Und mich interessiert natürlich die Region, denke immer, eigentlich hat sich hier seit 40 Generationen nicht viel verändert. Zumindest auf dem Land, was in den alten Kirchenbüchern ja gut nachzulesen ist. Nur die Städte wurden zugewandert. Soest ist insofern interessant, weil es hier eben alles gibt. Megalith Kultur, Kelten, Römer, Völkerwanderung usw. Wahrscheinlich liegt es am Salz und unserem guten Boden, den die letzte Eiszeit freundlicherweise vor unserer Haustür abgelagert hat. Sicher ist es auch persönliche Spurensuche. Jeder möchte ja ganz gerne wissen, woher er stammt. Und je mehr es wissen, umso weniger kommen sie auf dumme Gedanken. Wir sind nun mal ein buntes Völkergemisch. Das ist auch gut so. Sigi

    Verfasst von Sigi Korte | 23/04/2015, 10:44 AM

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