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Archäologie

Neolithische Feuerbestattung in Dorstone Hill?

In Herefordshire sind jetzt Spuren eines spektakulären Events entdeckt worden. Auf dem englischen Dorstone Hill fanden Archäologen die Reste einer großen Holzhalle. Sie diente den Bewohnern um 4000 BC als Totenhaus – und wurde am Ende in einem mehrtägigen Showdown niedergebrannt.

Es muss ein gewaltiges Feuer gewesen sein, das vor rund 6000 Jahren auf dem Dorstone Hill loderte. Normalerweise brennt in einer Holzhalle zuerst das Reetdach ab, danach fangen auch die dünneren Balken Feuer. Nur die dicken, tragenden Balken geraten normalerweise nicht in Brand, sie kohlen nur vor sich hin.

Deshalb waren die Forscher umso erstaunter, als sie auf dem Dorstone Hill nahe der Ortschaft Peterchurch in der englischen Grafschaft Herefordshire die Überreste einer abgebrannten Holzhalle genauer untersuchten. Denn auch die dicken Balken waren bis auf den Boden niedergebrannt. Das deutet auf bewusste Auslöschung und dazu ist durchaus ein größerer Aufwand notwenig. Das Feuer muss ständig mit neu herbeigeschafftem Brennmaterial am Leben erhalten werden. Jemandem muss auso sehr viel daran gelegen haben, diese Halle gründlich niederzubrennen.
Das erinnert ein bisschen an die Linearbandkeramiker die ihre Woodhenges begruben bevor sie weiter zogen.

Als sie komplett in Schutt und Asche lag, errichtete man einen Grabhügel über den Schutt, stolze 70 Meter lang und 30 Meter breit.
Es ist der erste Fund dieser Art in Großbritannien. Zwar sind längliche Grabhügel ähnlichen Ausmaßes bekannt, jedoch noch nie mit einer niedergebrannten Halle im Inneren.

Von dem Gebäude sind aber dadurch ungewöhnlich viele Details erhalten. Das verbrannte Holz der Balken, Pfostenlöcher, wo einst die tragenden Balken standen, und sogar die Reste kleinerer Stangen. Dazwischen lag eine dicke Schicht hart gebrannten Lehms – die Reste der Lehmwände. Aus den Spuren konnte man den Aufbau der Halle rekonstruieren. Im Inneren war kein offener Raum, sondern er war in viele kleine Kammern unterteilt, die sich von langen Gängen abzweigten.

In der Erde lagen keine Knochen, doch das muss nichts heissen. Sie können entweder im Feuer verbrannt oder sich im Laufe der Zeit aufgelöst haben. Wahrscheinlich brachten die frühen Bauern irgendwann in der Zeit zwischen 4000 und 3600 vor Christus ihre Toten hierher, wird spekuliert. Wieviele Familien oder Gemeinschaften die Halle nutzten, ist nur schwer zu schätzen, doch warscheinlich wurde eine ganze Generation hier gelagert, wie in einem Totenhaus.
Und dann ließen sie die Halle in Flammen aufgehen.

Doch warum verbrannten sie das Gebäude? Der Archäologe vor Ort glaubt das der Akt der kompletten Zerstörung die symbolische Umkehrung des Aufbaues sei. Was zuvor konstruiert wurde, wird nun dekonstruiert – was gegeben wurde, wird genommen.

Das Feuer war offenbar einen besonderen Event. Die Flammen loderten bis hoch in den Himmel. Über viele Kilometer muss das Spektakel zu sehen gewesen sein. Mit der rituellen Symbolik verbinden sich Eindrücke an die man sich lange erinnern würde.

Tausend Jahre später, diente Dorstone Hill noch immer als heiliger Platz. Offenbar besteht da ein Zusammenhang der diesen Ort heiligt. Die Ausgräber fanden weitere Begräbnisse und eine Grube mit zwei Steinwerkzeugen. Die Axt und das feine Messer aus Flint kommen wohl nicht aus der Region, sondern aus dem über 300 Kilometer entfernten östlichen Yorkshire – also nicht gerade nebenan.
Wie gelangten Axt und Messer ins 300 km entfernte Herefordshire? Möglich dass sie als Handelswaren von Hand zu Hand gingen. Doch die Ausgräber vermuten eher, dass sie ganz bewusst von Yorkshire auf den Dorstone Hill gebracht wurden, als Teil einer Zeremonie, ein Geschenk im Rahmen einer Reise zu den Vorfahren. Vor über 5000 Jahren, vermuten sie, bestanden zwischen den beiden Regionen enge Familienbande.

Unmittelbar neben der verbrannten Halle entdeckten die Ausgräber einen weiteren Grabhügel. Er war wesentlich kleiner als sein Nachbar, doch auch in seinem Inneren lag eine sieben mal 2,5 Meter große hölzerne Grabkammer. „Dorstone Hill zeigt eine direkte Verbindung zwischen Haus und Grab auf, die stärker ist als bei allen bisherigen Grabungen“, meint der Archäologe vor Ort. Den Toten wurden die gleichen Häuser gebaut, wie auch den Lebenden. Frühneolithische Hallen sind an sich schon selten, aber eine unter einem Grabhügel ist schon außergewöhnlich.

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